Im Portrait
Hier werden Boxer/Trainer/Promoter vorgestellt. Kategorie für Christine Wong

schwergewicht-exotenDas Schwergewicht gilt seit jeher als die Königsklasse des Boxsports. Von Jack Johnson über Joe Louis, bis hin zu Muhammad Ali und den Klitschko Brüdern: im Reich der schweren Jungs waren schon viele illustre Namen unterwegs, die der Boxgeschichte ihren Stempel aufdrücken konnten. Doch bereits um die Jahrtausendwende erlebte die Gewichtsklasse einen Abstieg, von dem sie sich bisher nicht so recht erholt hat. Zu wenige neue Talente, langweilige Kämpfe und eine durch die Titelflut der Verbände einhergehende Verwässerung des Sports – dies ließ speziell die Fans aus Übersee Abstand nehmen von der einstigen „Glamour Division“. Erst mit der Ankunft der Briten Anthony Joshua änderte sich so einiges. Die Welt schaut wieder auf das Schwergewicht, doch wer sind die neuen Gesichter, die der Gewichtsklasse auch wieder die Qualität geben können, die sie so sehr benötigt?

Im Folgenden möchten wir den Lesern von Boxen1.com die neuen Talente des Schwergewichts präsentieren. Dabei geht es sowohl um frisch im Profibereich angekommene Boxer als auch um Männer, die schon auf der Schwelle zur Weltspitze stehen, jedoch noch keine WM-Chance erhalten haben. Zudem blicken wir weit voraus auf vielversprechende Amateurboxer, die in Zukunft auch eine Rolle bei den Profis spielen könnten.

Die Exoten und der Rest der Welt

Efe Ajagba (24 Jahre alt, Kampfrekord 4-0-0, 4 KOs)

Nigeria kann gerade in der jüngeren Vergangenheit stolz auf seine Schwergewichtler zurückblicken. Aus den 90ern wären da zum Beispiel Namen wie der toughe David Izon, Henry Akinwande (der unter britischer Flagge boxte, aber im Land seiner Eltern aufwuchs) oder das Enfant terrible Ike Ibeabuchi zu nennen. Letzterer lieferte gegen den damals unbesiegten David Tua einen der besten Schwergewichtskämpfe aller Zeiten, schlug im Anschluss den späteren Weltmeister Chris Byrd KO, bevor seine persönlichen Dämonen überhand gewannen und er aufgrund von Körperverletzung und versuchten sexuellen Übergriffen für 16 Jahre hinter Gitter wanderte. In den 2000er Jahren konnte noch Samuel Peter auf nigerianischer Seite für Aufsehen sorgen und 2008 den WM-Titel der WBC erringen. Die aktuelle Nr. 1 im Schwergewicht, Anthony Joshua, hat ebenfalls nigerianische Wurzeln.

Inwieweit sich Efe Ajagba mal in eine Reihe mit diesen Namen stellen kann, ist aktuell noch schwer abzusehen. Fraglos ist das Potenzial des 24-jährigen aber groß genug, um mindestens ein Auge auf seine Entwicklung zu werfen. Erst 2011, im Alter von 17 Jahren, stieg Ajagba in den Boxsport ein. Aus heutiger Sicht ist dies allerdings keine Ausnahme mehr. Viele Schwergewichtler, besonders aus den USA, finden den Weg in den Ring erst spät und oftmals nach einer gescheiterten Karriere in einer anderen Sportart. Der Aufstieg Ajagbas ging rasant, 2014 schon holte er Bronze bei den Commonwealth Games und ein Jahr später Gold bei den Afrikanischen Meisterschaften.

Als Nr. 1 des afrikanischen Kontinents war es so auch ein Leichtes für ihn die Olympiade 2016 in Rio zu erreichen. Dort sorgte er in der ersten Runde für den vielleicht schwersten Knockout des gesamten Turniers, als er Nigel Paul aus Trinidad & Tobago mit einer Rechten die Lichter ausknipste, sodass dieser mit dem Gesicht zuerst auf den Ringboden sackte. Ajagba deutete hier schon seine enorme Power an. Im Viertelfinale musste er sich dann aber dem wesentlich erfahreneren Ivan Dychko geschlagen geben.

Für den Traum einer Profikarriere hat es den großgewachsenen, perfekt austrainierten Hoffnungsträger ganz nach Texas verschlagen. Dort wird er vom erfahrenen Trainer Ronnie Shields betreut, der aktuell auch in der Ecke von Erislandy Lara und Jermall Charlo steht und einst Mike Tyson auf seinen Mega-Fight gegen Lennox Lewis vorbereitete. Mit dieser Expertise im Rücken könnte es für Ajagba in den nächsten Jahr steil nach oben gehen. Im Ring erinnert er mit seiner großen Explosivität und Schlagkraft sowie durch seinen Körperbau etwas an Deontay Wilder, ist aber boxerisch schon weiter als es dieser zu jenem Zeitpunkt seiner Karriere war. Grundsätzlich hat der Nigerianer die Voraussetzungen, um eine Karriere hinzulegen, die von WM-Gold geprägt sein wird.

Tony Yoka (26 Jahre alt, Kampfrekord: 4-0-0, 3 KOs)

Fast hätte wir in unser 5-teiligen Reihe noch vergessen den aktuellen Olympiasieger im Super-Schwergewicht zu erwähnen. In der immer stärker werdenden Boxnation Frankreich, ist Tony Yoka zum absoluten Aushängeschild mutiert. Der angesprochene Triumph in Rio war eine Bilderbuchgeschichte – hätten sich Hollywood-Autoren das Ganze ausgedacht, die Filmstudios hätten das Drehbuch mit den Worten „zu dick aufgetragen“ abgelehnt und in den nächstgelegenen Mülleimer bugsiert. Zwei Tage bevor Yoka Gold einfuhr, gewann nämlich seine Lebenspartnerin Estelle Mossely das Finale im Leichtgewicht der Frauen. So etwas hatte es noch nie gegeben, zumindest nicht im Olympischen Boxen.

Unabhängig dieser Ereignisse war die bisherige Karriere des 2,01 m-Riesen auf dem Papier eh schon ein nahezu perfekt zusammengesetztes Konstrukt. Schon 2010 ging es mit Gold bei der Junioren-WM los. Es folgten erfolgreiche Jahre in der World Series of Boxing, bis Yoka 2015 auch bei den Herren die WM gewann. Allerdings wurden schon damals Stimmen laut, die den Franzosen immer wieder bevorzugt seitens Punktrichter sahen. Der Finalsieg über Ivan Dychko gilt bei vielen als Fehlurteil. Ähnliches Spiel dann in Rio, wo die Entscheidungen in den Medaillen-Duellen gegen Filip Hrgovic und Joe Joyce äußerst kritisch bewertet wurden.

Andererseits ist schon fast in Vergessenheit geraten, dass auch Anthony Joshua bei seiner Goldmedaille von kontroversen Wertungen profitierte. Dies verhalf ihm zu einer guten Position aus Promotion-Sicht. AJ ließ sich perfekt vermarkten – der Rest ist bekannt. Ob Yoka allerdings auch im Ring die Leistungen seines Vorgängers emulieren kann, wird sich noch zeigen. In seinen bisherigen Darbietungen als Profi zeigte er hier und da schon gute Ansätze, insbesondere in Sachen Schnelligkeit. Dafür boxt Yoka noch recht bieder, ja fast eindimensional und unkreativ. Bei seiner phänomenalen Physis – sein Körper kommt dem eines Comic-Helden gleich – erwartet man sich da noch mehr. Mit dem Amerikaner Virgil Hunter in seiner Ecke wird er sich aber mit Sicherheit noch deutlich steigern. Wäre ja ein Jammer, wenn hier statt einem zweiten Joshua/Lewis/Klitscho eher Audley Harrison 2.0 auf uns warten würde.

Einet pikante Sache ereignete sich im März, als der französische Boxverband Yoka aufgrund mehrerer verpasster Dopingkontrollen für ein Jahr sperrte. Sein Team gab an, dass sich Yoka bei den unangekündigten Tests entweder in den USA zum Training oder generell außerhalb seines Trainingsgebiets in Frankreich aufhielt. Im April stand er trotzdem in der Pariser Hauptstadt im Ring und bestritt seinen 4. Profikampf. Wie genau das passieren konnte, kann wohl nur ein Jurist erklären.

Zhang Zhilei (35 Jahre alt, Kampfrekord: 18-0-0, 14 KOs)

In China tut sich in letzter Zeit einiges. Nicht nur in der Wirtschaft ist das bevölkerungsreichste Land der Welt stetig auf dem Vormarsch, auch im Sport, in diesem Fall im Boxsport, können Erfolge erzielt werden. Die China Dragons schlagen sich seit Jahren wacker in der World Series of Boxing und auch bei internationalen Turnieren – vor allem natürlich bei der Heim-Olympiade in Peking 2008 – waren errungene Medaillen keine Seltenheit. Mit Zou Shiming wagte bereits einer dieser Top-Amateure den Sprung ins kalte Wasser namens Profiboxen. Der zweifache Olympiasieger scheiterte dabei allerdings grandios, auch wenn er kurzzeitig den WBO-Titel im Fliegengewicht halten konnte.

Körperlich genau das Gegenteil von Shimming ist Zhang Zhilei. Der Silbermedaillen-Gewinner von Peking wechselte 2014 ins Profilager und war seitdem sehr aktiv, bestritt 18 Kämpfe. Mit 1,98 m und ca. 115 kg ist der Rechtsausleger ein Mann wie ein Fels, zeichnet sich dabei aber nicht nur durch Kraft und Zerstörung aus. Zhilei ist gut ausgebildet, verfügt über eine passable Beinarbeit. Aus seiner unorthodoxen Schlagposition arbeitet er gekonnt mit Finten, variiert die Schlaghärte, um dann mit seiner harten Linken immer wieder zuzustechen. Wie gut jedoch sein Kinn ist, ist von Fragezeichen umgeben. Als Amateur wurde er schon das ein oder andere Mal vorzeitig gestoppt, gegen den Journeyman Juan Goode musste er Ende 2015 nach einem Volltreffer runter. Und auch sein fortgeschrittenes Alter könnte zum Problem werden, sollten die großen Kämpfe nicht bald kommen.

Einer dieser große Kämpfe könnte dann in der chinesischen Heimat stattfinden. Vor einigen Monaten äußerte Anthony Joshuas Promoter Eddie Hearn die Möglichkeit, in Zukunft einen großen WM-Kampf zwischen AJ und Zhilei dorthin zu verlegen. Es wäre die Möglichkeit zur Revanche für den Hünen, der sich Joshua bei den Olympischen Spielen 2012 im Viertelfinale geschlagen geben musste. Vielleicht kann Zhang Zhilei der Mann sein, der das chinesische Profiboxen durch seine Auftritte weiter nach vorne bringt.

Weitere Talente aus allen Teilen der Welt

Eine immer größer werdende Boxszene gibt es derzeit auch in Kanada zu bestaunen. Unter ihnen der aus dem französischen Teil des Landes stammende Simon Kean. Der schlagstarke Muskelberg konnte sich rasant nach oben arbeiten, erzielte im Februar einen bemerkenswerten KO-Erfolg über den nicht ungefährlichen Alexis Santos. Bei derzeitigem Aufbau ist ein WM-Kampf in den nächsten 18-24 Monaten drin, auch wenn die boxerischen Defizite des Olympioniken von 2012 dort entblößt werden könnten.

Lange Zeit galt Ilunga Makabu als der talentierte Boxer in der Familie. Doch seit dessen schwerer KO-Niederlage ist mehr und mehr sein kleiner Bruder Martin Bakole ins Rampenlicht gerückt. Der aus dem Kongo stammende Mann ist mittlerweile in England aktiv und konnte sich in der dortigen Szene bereits einen Namen machen. Sollte er bald auch einen guten Promoter hinter sich haben, ist das Potenzial des explosiven Punchers durchaus groß genug, um in die oberen Etagen des Schwergewichts vorzudringen.

Schon etwas näher dran an diesen Etagen ist der Schwede Otto Wallin. Der für die skandinavische Abteilung Sauerlands aktive Schwergewichtler konnte sich durch seinen zugegebenermaßen etwas langweilig erboxten Punktsieg über Landsmann Adrian Granat für einen größeren Kampf in Stellung bringen. In den Top 20 der Gewichtsklasse wird er sich mit Sicherheit noch eine Weile einnisten – für WM-Kämpfe muss noch eine Steigerung her.

Talente aus dem Amateurbereich

Neben oder vielleicht noch vor unserem in Teil 3 erwähnten Talent Richard Torrez, gilt der Australier Justis Huni als größte neue Hoffnung bei den Amateuren. Mit seinem Goldgewinn bei der Junioren-WM machte er das erste Mal international von sich Reden und war seitdem auch bei kleineren Turnieren nicht zu bezwingen. Technisch ist der erst 19 Jahre alte Topathlet schon derart weit, dass man nur in freudiger Erwartung in die Zukunft blicken möchte. Vergleiche mit dem aus Neuseeland kommenden Joseph Parker werden unvermeidbar sein, dabei dürfte das Potenzial von Huni das von Parker übersteigen.

Apropos Neuseeland: dort ist derzeit der 23-jährige Patrick Mailata auf dem Vormarsch. Erst vor kurzem errang er Silber bei den Commonwealth Games und gab dort ein gutes Bild von sich ab. Mailata ist wie Justis Huni, aber auch David Tua, Joseph Parker oder UFC-Heayvweight Mark Hunt samoanischer Abstammung. Diesen sagt man ja besondere Kampfeshärte nach und dies trifft eindeutig auch auf den etwa 1,90 m großen Ex-Rugby-Spieler zu.

So viele Namen auf 5 Artikel verteilt und kein Kubaner findet Erwähnung? Falsch, wir bringen natürlich nochmal einen Kandidaten vom kleinen Inselstaat ins Spiel. Yoandris Toirac war in den letzten Jahren wohl der beste junge Schwergewichtler des Landes, was er in mehreren Kämpfen in der World Series of Boxing unter Beweis stellte. Auch wenn er mit Sicherheit kein zweiter Teofilo Stevenson ist, wäre ihm eine gute Profilaufbahn zuzutrauen. Fakt ist aber auch, dass in den letzten Jahren fast keine Top-Kubaner mehr die Flucht in Richtung des „freien Westens“ angetreten haben. Die Lage scheint schwer für potenzielle Schwergewichtsweltmeister aus der Karibik.

Das Schwergewicht und seine neuen Gesichter – Teil 5: Die Exoten und der Rest der Welt
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schwergewicht-deutschlandDas Schwergewicht gilt seit jeher als die Königsklasse des Boxsports. Von Jack Johnson über Joe Louis, bis hin zu Muhammad Ali und den Klitschko Brüdern: im Reich der schweren Jungs waren schon viele illustre Namen unterwegs, die der Boxgeschichte ihren Stempel aufdrücken konnten. Doch bereits um die Jahrtausendwende erlebte die Gewichtsklasse einen Abstieg, von dem sie sich bisher nicht so recht erholt hat. Zu wenige neue Talente, langweilige Kämpfe und eine durch die Titelflut der Verbände einhergehende Verwässerung des Sports – dies ließ speziell die Fans aus Übersee Abstand nehmen von der einstigen „Glamour Division“. Erst mit der Ankunft der Briten Anthony Joshua änderte sich so einiges. Die Welt schaut wieder auf das Schwergewicht, doch wer sind die neuen Gesichter, die der Gewichtsklasse auch wieder die Qualität geben können, die sie so sehr benötigt?

Im Folgenden möchten wir den Lesern von Boxen1.com die neuen Talente des Schwergewichts präsentieren. Dabei geht es sowohl um frisch im Profibereich angekommene Boxer als auch um Männer, die schon auf der Schwelle zur Weltspitze stehen, jedoch noch keine WM-Chance erhalten haben. Zudem blicken wir weit voraus auf vielversprechende Amateurboxer, die in Zukunft auch eine Rolle bei den Profis spielen könnten.

Die Deutschen

Agit Kabayel (25 Jahre alt, Kampfrekord: 18-0-0, 13 KOs)

Foto Kabyel mit EBU Gürtel
Foto: Christian Büch

Es ist schon ein paar Jahre her, als der Name Agit Kabayel das erste Mal gefallen war. Anfang 2014 pries Promoter Ahmet Öner seinen damaligen Schützling an, bezeichnete ihn als große deutsche Schwergewichtshoffnung. Damals war noch wenig bekannt über den kurdisch-stämmigen jungen Mann und dessen Fähigkeiten. Das war kurz vor Öners Veranstaltung in der türkischen Hafenstadt Tekirdağ, wo im Hauptkampf Kubas ehemaliger Olympiasieger Odlanier Solis in einer enttäuschenden Darbietung am alternden US-Amerikaner Tony Thompson scheiterte. Im Rahmenprogramm traf Kabayel auf den Nigerianer Gbenaga Oluokun, der einst beim Hamburger Boxstall Spotlight Boxing angestellt war.

Es war der erste Auftritt vor größerem Publikum für den damals unerfahrenen Kabayel. Die Vorschusslorbeeren seines Promoters konnte er dabei nicht so wirklich zurückzahlen, mühte sich mit seinem afrikanischen Kontrahenten ab und hätte nach Meinung vieler am Ende verlieren müssen. Die Punktrichter waren allerdings nochmal gnädig und so reichte es für eine umstrittene Split Decision. Danach wurde es ruhiger um Kabayel. Die Geschäftsbeziehung mit Ahmet Öner ging heimlich, still und leise zu Ende, es folgten Gastspiele auf Undercards von Sauerland & Co., bevor der Magdeburger Boxstall SES das ungeschlagene Talent 2016 unter Vertrag nahm.

Foto: Matchroom Boxing
Foto: Matchroom Boxing

Danach ging es schnurstracks nach oben, er errang im ersten Kampf gleich den vakanten EBU-EU-Titel gegen den damals ebenfalls unbesiegten Christian Lewandowski. Mit Trainer Sükrü Aksu in seiner Ecke entwickelte sich der Junge aus dem Ruhrpott merklich weiter – so bezwang er Anfang 2017 den Belgier Herve Hubeaux nach Punkten, sicherte sich den vakanten EM-Titel und brachte sich für die bis dato größte und schwierigste Aufgabe seiner Karriere in Stellung. Dafür musste er in den Fürstenstaat Monaco reisen, wo er als Underdog gegen den britischen Rüpelboxer Dereck Chisora ins Rennen musste.

Foto: Ralf Bursy
Foto: Ralf Bursy

Hier offenbarte Agit Kabayel einige neues Seiten in seinem Repertoire, bewegte sich auffallend gut in der Rückwärtsbewegung und ließ seinen etwas plump nach vorne marschierenden Gegner ein ums andere Mal ins Leere laufen. Die reife boxerische Leistung markierte den Wendepunkt vom reinen Talent zum ernsthaften Contender. Zurecht bekam Kabayel nach 12 Runden das Urteil zugesprochen. Der in Wattenscheid wohnhafte Boxer kann vieles: seinen beweglichen Oberkörper nutzt er effektiv, damit er die Distanz verkürzen kann. Dort arbeitet er mit kurzen, präzisen Haken, die er aus verschiedenen Winkeln abfeuert und so den Druck konstant aufrecht erhält. Dies zeigte er auch zuletzt bei der seiner Titelverteidigung gegen den Serben Rovcanin, den er in Runde 3 auf diese Art abfertigte. Kabayel ist definitiv bereit für die Top 20 im Schwergewicht. Ganz oben dürfte die Luft für ihn aber sehr dünn werden.

Tom Schwarz (23 Jahre alt, Kampfrekord: 21-0-0, 13 KOs)

Tom Schwarz / Foto: SES Boxing
Tom Schwarz / Foto: SES Boxing

Ob SES ihre andere Schwergewichtshoffnung irgendwann mal zum großen Stallduell gegen Kabayel stellen wird, erscheint aktuell unwahrscheinlich. Zweigleisig zu fahren macht im Heavyweight-Dschungel sicher mehr Sinn, auch wenn das Interesse seitens der Fans an solch einem Duell sicher groß wäre. Bei der anderen Hoffnung ist natürlich von niemand geringerem als Tom Schwarz die Rede. Der 23-Jährige Hallenser wird ja schon seit ein paar Jahren speziell vom Mitteldeutschen Rundfunk in allen Phasen des Lebens den Leuten präsentiert. Egal ob es dabei um sportliche Belange oder die anstehende Hochzeit geht, die Kamera scheint immer auf Tom Schwarz gerichtet zu sein.

Foto: Konstantinos Sarigiannidis
Foto: Konstantinos Sarigiannidis

Wir wollen aber dann eher das beleuchten, was mit der Action im Ring zu tun hat. So würde es mit Sicherheit auch Coach Dirk Dzemski wollen. Der ehemalige deutsche Meister im Mittelgewicht hatte sich Tom Schwarz schon in dessen Jugendzeit angenommen und ihn konsequent vom Amateur hin zum Profi weiterentwickelt. Nach seinem ersten Karriere-technischen Ausrufezeichen, als er den damals mit ebenso makellosem Kampfrekord angetretenen Ilja Mezencev ausknockte, ging es für Schwarz schrittweise nach oben. Es folgten Siege über Leute wie Dennis Lewandowski oder Samir Nebo, bis mit Senad Gashi der wohl interessanteste Gegner seiner bisherigen Laufbahn als Herausforderer für Schwarz präsentiert wurde.

Foto: Ralf Bursy
Foto: Ralf Bursy

In dem dortigen Gefecht war die Rollenverteidigung klar: Schwarz, der 1,97 m Hüne, der die lange Distanz zu halten versucht, gegen den kleineren Gashi, welcher in die Vorwärtsbewegung geht und dort mit Haken und Kombinationen operiert. So sah es dann auch aus, nur mit dem Zusatz, dass Kopstöße (von Gashi) und Klammern + Auflegen (von Schwarz) dazu kamen. Bekanntermaßen endete das Ganze in einer Disqualifikation Gashis und einer wüsten Schlägerei im Anschluss. Was der Kampf an sich offenbarte, waren gewisse Defensivlücken und mittelmäßig ausgeprägte Fähigkeiten im Infight seitens Schwarz‘. Dieser fühlt sich wohler, wenn er das Geschehen behutsam aus der Ringmitte kontrollieren und gelegentlich in Spurts explodieren kann.

Zu verbessern wäre mit Sicherheit noch die Physis, um einem drückenden Mann wie Gashi am Mann mehr entgegensetzen zu können. Mit dem ein oder anderen Prozentpunkt an zusätzlicher Schlagkraft würde sein langes Schulbuch-Boxen an Effektivität gewinnen. Groß genug ist er ja und die Jugend ist auf seiner Seite.

Albon Pervizaj (22 Jahre alt, Kampfrekord: 8-0-0, 6 KOs)

Foto: World Boxing Super Series
Foto: World Boxing Super Series

Die Wege unseres nächsten Kandidaten könnten sich – anders als im Falle von Kabayel – sehr wohl mit denen von Tom Schwarz kreuzen. Nicht erst seit gestern äußert sich Albon Pervizaj immer wieder hinsichtlich eines solchen Kampfes. Bei den Amateuren schlug er Schwarz zwei Mal und möchte dieses Kunststück bei den Profis wiederholen. Dass es für den Kampf vielleicht noch etwas früh ist, deutet die Kampfbilanz von Pervizaj an. Gerade einmal 25 Runden bestritt der junge Hamburger bisher – dies gegen sorgfältig ausgesuchte Journeymen. Dabei deutete Pervizaj sein Können an, ein Kampf mit Schwarz wäre aber auch gut für 2019 aufgehoben.

Foto: Sebastian Heger
Foto: Sebastian Heger

Verheizen sollte man den Nachwuchsboxer nämlich nicht, auch wenn dieser auf eine erfolgreiche Amateurlaufbahn zurückblicken kann und demnach schon mit einer Menge Rüstzeug ins Profigeschäft gestartet ist. Der deutsche Meister von 2014 hatte eigentlich auch mit einer Olympia-Teilnahme in Rio geplant, aufgrund einer neuen Regelung rutschte allerdings Landsmann David Graf als Boxer der damaligen AIBA Pro Boxing Liga ins Turnier und nahm so den freien Platz in Anspruch. Pervizaj hatte also überhaupt keine Gelegenheit sich zu qualifizieren. Gefrustet ob dieses Vorgangs, unterschrieb er kurz darauf bei Sauerland und gab im Frühjahr 2017 sein Debüt.

Pervzaj hatte in der Zwischenzeit einiges an Masse zugelegt. Boxte er als Amateur noch in der Gewichtsklasse bis 91 kg, ging bei seinem ersten Kampf mit gut 105 kg, also als echter Schwergewichtler, an den Start. Mit ca. 1,90 m sticht er heutzutage nicht mehr groß heraus, ist aber boxerisch der wohl am höchsten veranlagte Mann, den wir aktuell in Deutschland haben. Seine Kombinationen führt Pervizaj technisch einwandfrei und mit guter Geschwindigkeit aus, die Beinarbeit ist wenig holprig und lässt ihn gut in den Distanzen hin und her gehen. Er muss allerdings noch Wege finden, wie er sich speziell von größeren Gegnern nicht allzu leicht abklammern lässt. Gegen die 2-Meter-Riesen diese Welt könnte dies nämlich zum Knackpunkt werden.

Weitere Talente aus Deutschland

Foto: Ralf Bursy
Foto: Ralf Bursy

Nach seinem höchst unrühmlichen Gefecht gegen Tom Schwarz, gab Senad Gashi ein tolles Interview hier bei BOXEN1.com, mit dem er menschliche Größe bewies. Klar ist aber auch, dass der 1,84 m kleine Schwergewichtler weiterhin mit einer gewissen Aggressivität in den Ring steigen wird müssen, um seine Ziele zu erreichen. Mit seiner Schlagkraft und Explosivität könnte er in den nächsten Jahren noch für eine Menge Wirbel in der deutschen Szene sorgen.

Etwas unglücklich lief es zuletzt auch für Mohamed Soltby. Der Hamburger verlor in England vorzeitig gegen Top-Talent Nathan Gorman. Boxerische und athletische Fähigkeiten bringt der 26-jährige aber zu genüge mit, um nach vernünftigem Wiederaufbau zurück in die Spur zu finden. Ohne Frage gäbe es für ihn hierzulande einige spannende Kämpfe.

Zum Beispiel gegen den Frankfurter Ali Kiydin. Dieser ging nach guter Amateurlaufbahn mit fünf aufeinander folgenden KO-Siegen an den Start. Mit seinem offensiven Stil bring Kiydin viel mit, um das deutsche Schwergewicht auf links zu drehen.

Außerdem wäre da noch Granit Shala aus Bayern. Dieser macht mit knapp 140 kg Kampfgewicht dem Amerikaner „Big Baby“ Miller ernsthafte Konkurrenz. Unterschätzen sollte man den mehrfachen deutschen Juniorenmeister deshalb aber nicht, auch wenn einige Pfunde weniger doch ratsam wären.

In Deutschland aktive Schwergewichtler aus dem Ausland

Alexander Petkovic und Petar "Anton" Milas / Foto: Petko´s LMS Promotion
Alexander Petkovic und Petar „Anton“ Milas / Foto: Petko´s LMS Promotion

Ein bisschen aus dem Nichts stieg der 22-jährige Petar Milas empor. Letzten Monat erst bezwang er den erfahrenen Kevin Johson (als erst zweiter Boxer überhaupt) vorzeitig. Nun schickt sich der von Alexander Petkovic promotete Mann an, Stallkollege Francesco Pianeta in Rente zu schicken. Sollte dies dem technischen gut ausgebildeten und schlagstarken Mann gelingen, stehen ihm viele Türen offen.

Türen, die Milas Landsmann Agron Smakici ebenfalls so schnell wie möglich betreten will. Der in der Rechtauslage boxende Modellathlet hat alleine aufgrund seiner physischen Beschaffenheit das Potenzial für eine erfolgreiche Laufbahn. Sollte auch der technische Feinschliff erfolgen, ist das Ende nach oben hin offen.

Ceylan_DemirezenEtwas unterschätzt bzw. übersehen wird aktuell noch der Türke Ali Eren Demirezen. Der Stallkollege von Smakici (beide sind bei EC Boxpromotion von Erol Ceylan angestellt) vertrat sein Land bei den Olympischen Spielen 2016 und stieg danach sofort ins Profigeschäft ein. Hätte der Kampf gegen Michael Wallisch stattgefunden, stünde der druckvoll agierende Boxer vielleicht jetzt schon näher im Zentrum des Interesses.

Talente aus dem Amateurbereich

Foto: Torsten Helmke
Foto: Torsten Helmke

Die größten Hoffnungen werden wohl aktuell in den Deutsch-Ghanaer Peter Kadiru gelegt. Bei den Junioren wurde er Olympiasieger und zwei Mal in Folge Europameister, später folgte die deutsche Meisterschaft bei den Herren. Kadirus Ziel wird die Olympiade in Tokio sein – danach würden sich dem körperlich starken Hamburger mit Sicherheit viele Optionen hinsichtlich einer Profikarriere ergeben.

Diesen Olympia-Startplatz wird ihm Max Keller versuchen streitig zu machen. Der Amateurboxer mit abgeschlossenem Psychologie-Studium konnte bisher international noch nicht für Furore sorgen, alleine mit seiner enormen Physis bringt er aber schon einiges mit, was er als Profi in die Waagschale werfen könnte.

Noch etwas weiter hinter den zwei Männern steht der 19-jährige Nelvie Tiafack. Der zweifache Deutsche Juniorenmeister boxt erst seit ein paar Jahren, konnte in der Kürze der Zeit neben den bereits erwähnten Erfolgen auch schon Bronze bei einer Junioren-WM mit nach Hause nehmen. Dies lässt auf ein großes Entwicklungspotenzial schließen. In der Bundesliga war Tiafack bereits ein Erfolgsgarant für den Nordhäuser SV.

Im Auge behalten sollten man auch die Malsam-Brüder Daniel und Niko. Die beiden stammen wie der oben erwähnte Granit Shala vom Boxclub Bavaria Landshut und gelten als große Talente.

Am Mittwoch geht es weiter mit Teil 5. Dann kümmern wie uns um die Exoten und all die anderen Talente, die in der Welt des Schwergewichts rumlaufen.

Das Schwergewicht und seine neuen Gesichter – Teil 4: Die Deutschen
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schwergewicht-usaDas Schwergewicht gilt seit jeher als die Königsklasse des Boxsports. Von Jack Johnson über Joe Louis, bis hin zu Muhammad Ali und den Klitschko Brüdern: im Reich der schweren Jungs waren schon viele illustre Namen unterwegs, die der Boxgeschichte ihren Stempel aufdrücken konnten. Doch bereits um die Jahrtausendwende erlebte die Gewichtsklasse einen Abstieg, von dem sie sich bisher nicht so recht erholt hat. Zu wenige neue Talente, langweilige Kämpfe und eine durch die Titelflut der Verbände einhergehende Verwässerung des Sports – dies ließ speziell die Fans aus Übersee Abstand nehmen von der einstigen „Glamour Division“. Erst mit der Ankunft der Briten Anthony Joshua änderte sich so einiges. Die Welt schaut wieder auf das Schwergewicht, doch wer sind die neuen Gesichter, die der Gewichtsklasse auch wieder die Qualität geben können, die sie so sehr benötigt?

Im Folgenden möchten wir den Lesern von Boxen1.com die neuen Talente des Schwergewichts präsentieren. Dabei geht es sowohl um frisch im Profibereich angekommene Boxer als auch um Männer, die schon auf der Schwelle zur Weltspitze stehen, jedoch noch keine WM-Chance erhalten haben. Zudem blicken wir weit voraus auf vielversprechende Amateurboxer, die in Zukunft auch eine Rolle bei den Profis spielen könnten.

Die US-Boys

Adam Kownacki (29 Jahre alt, Kampfrekord: 17-0-0, 14 KOs)

Adam-KownackiUnser erster Boxer für den dritten Teil unserer Serie, hatte mitnichten den idealen Karriereverlauf. Nach kurzer, aber erfolgreicher Amateurlaufbahn, wurde Adam Kownacki bereits 2009 Profi. Der mit 7 Jahren aus Polen in die USA emigrierte Schwergewichtler, hatte den üblichen Start, den so viele Talente durchleben: regelmäßige Kämpfe gegen Aufbaugegner, um erste Erfahrungen mit den Profigegebenheiten zu bekommen und Selbstvertrauen zu tanken.

Bei einem dieser Duelle – das war 2010 – brach sich Kownacki die linke Hand so schwer, dass ein künstlicher Knochen operativ hinzugefügt werden musste. Nach langer Pause, durfte er 2012 den damaligen Schwergewichts-König Wladimir Klitschko auf seinen Kampf gegen Jean-Marc Mormeck vorbereiten. Doch das Schicksal meinte es wieder nicht gut mit ihm: Kownacki riss sich im Sparring den Bizeps des – drei Mal darf man raten – linken Arms. Wer meint, dass dies das Ende des jungen Mannes gewesen wäre, der irrt.

2013 kehrte er zurück und arbeitete sich Stück für Stück in den Ranglisten nach oben. Siege über andere Talente wie Ytalo Perea oder Joshua Tufte ebneten den Weg für das erste große Highlight seiner Karriere –  im Sommer 2017 kam es nämlich zum polnisch gefärbten Aufeinandertreffen gegen Artur Szpilka, welcher ein Jahr zuvor noch um die WM boxte.

kownacki tko szpilkaSzpilka ging als Favorit ins Rennen gegen den etwas untrainiert ausschauenden Kownacki. Doch wie das manchmal so ist, kam es es gänzlich anders, als es die Mehrheit im Vorfeld vermutet hatte. Kownacki drückte seinen Kontrahenten von Anfang an in den Rückwärtsgang, variierte gut zum Körper und Kopf und ließ Szpilka keinen Raum zum Atmen. Damit setzte er ihm derart zu, dass Szpilka bereits in der vierten Runde aus allen Löchern pfiff und seine Hände kaum noch oben halten konnte. Eine willkommene Gelegenheit für Kownacki, der konsequent nachsetzte und den Kampf beendete. Ein Statement.

Dass der Boxer mit den polnischen Roots kein Modellathlet oder dergleichen ist, kann man nicht leugnen. Seine soliden Basics, seine Schlagkraft und Unnachgiebigkeit machen ihn jedoch zu einem ernsten Anwärter auf einen WM-Kampf. Nachdem er zuletzt auch den ehemaligen Wegner-Schützling Iago Kiladze KO schlug, dürfte dieser in nicht mehr allzu weite Ferne gerückt sein. In seiner Heimat Brooklyn, New York, könnte man allerdings mit Sicherheit auch fernab von Weltmeisterschaften attraktive Duelle auf die Beine stellen.

Darmani Rock (22 Jahre alt, Kampfrekord: 11-0-0, 7 KOs)

darmani-rockMan muss ja leider feststellen, dass aus der dominantesten Boxnation des letzten Jahrhunderts, den USA, in den letzten gut 20 Jahren herzlich wenig neue Schwergewichtler empor gestiegen sind, die man auch nur annähernd in eine Reihe mit den Größen vergangener Tage stellen kann. Man kann auch sagen keiner. Da tappt man als Boxfan schon mal in die Falle, sich an jeden noch so kleinen Strohalm zu klammern.

2014 hörte man das erste Mal von einem groß gewachsenen Neuankömmling, ausgestattet mit schnellen Händen und einem Bewegungstalent, wie man es bei Schwergewichtlern aus den Vereinigten Staaten lange nicht mehr gesehen hatte. Es ging dabei um den damals kaum 18-jährigen Darmani Rock, der am Anfang eben jenen Jahres die Goldmedaille bei den Junioren-Weltmeisterschaften errang. Er sei das größte Schwergewichtstalent, was die Amerikaner zumindest seit Shannon Briggs, wenn nicht sogar Riddick Bowe, hervorgebracht hätten.

Der junge Kerl aus der „Rocky-Stadt“ Philadelphia ging zunächst einmal seinen Weg weiter, holte Silber bei der Junioren-Olympiade, bevor in den Herrenbereich wechselte und prompt die National Golden Gloves und US Nationals für sich entscheiden konnte. Rock galt von da an als Favorit auf einen Olympia-Startplatz seines Landes. Ende 2015 fanden die offiziellen Ausscheidungskämpfe des Amerikanischen Boxverbands statt, wo neben Rock noch 5 weitere Super-Schwergewichtler ins Rennen gingen. Einer von ihnen war der von Virgil Hunter (bekannt durch seine Arbeit mit Andre Ward oder Amir Khan) trainierte Marlo Moore.

Nachdem Rock seine ersten Duelle siegreich gestalten konnte, traf er auf eben jenen Moore.  Übereinstimmenden Medienberichten zufolge, gewann Rock die ersten beiden Runden dieses Kampfes, bevor er im letzten Durchgang zwei Mal zu Boden geschickt wurde und der Ringrichter das Geschehen abbrach. Damit war der Olympia-Traum für Darmani Rock geplatzt.

DarmaniRock-Jay-Z

Statt Trübsal zu blasen, dauerte es jedoch nur zwei Monate, bis der nächste Schritt in der Karriere des jungen Mannes von der Ost-Küste erfolgte. Die von Erfolgsrapper Jay-Z 2013 ins Leben gerufene Promotion Roc Nation Sports verpflichtete das hoffnungsvolle Talent und schon im April bestritt er seinen ersten Profikampf. 10 weitere folgten im Laufe der nächsten zwei Jahre – dabei deutete Rock immer wieder seine großen Stärken an.

Die beeindruckend schnellen Hände, verpackt in variablen Kombinationen, sind wohl das, was am ersten ins Auge sticht. Rock hat mehr Talent als die meisten seiner Landsleute, könnte aber auch noch gut und gerne 10 Kilogramm an Gewicht verlieren. Dies ist wohl das größte Problem bei Rock, ähnlich erging es – und da schließt sich der Kreis – ja auch Riddick Bowe. Dessen undisziplinierte Lebensweise kostete ihm mehrere Jahre seiner Karriere. Hoffen wir mal, dass es Darmani Rock anders ergeht.

Stephan Shaw (25 Jahre alt, Kampfrekord: 9-0-0, 6 KOs)

Stephan-Shaw2Ja, was sollen wir sagen – auch der nächste Kandidat auf amerikanischer Seite sieht nicht wie ein im Videospiel-Editor erstellter Super-Soldat aus. Dass dies kein zwangsläufiges Hindernis sein muss, konnte ja einst auch der ehemalige Schwergewichts-Dominator Larry Holmes unter Beweis stellen. Dass es natürlich trotzdem besser wäre, gut austrainiert in den Ring zu steigen, bedarf natürlich keiner Nachfrage. Unabhängig davon, sollte man als erstes den Hintergrund Stephan Shaw‘s beleuchten.

Schon im Grundschulalter bestritt er seinen ersten Amateurkampf, was in Zeiten, in den viele Schwergewichtler aus den USA erst nach gescheiterter Football- oder Basketballkarriere den Weg zum Boxen finden, bemerkenswert erscheint. Es folgten nationale Titel als Amateur, bevor er 2013 den Weg ins Profilager fand. Dies kam nach eigener Aussage Shaws etwas plötzlich, hatte er doch eigentlich auch eine Olympia-Teilnahme 2016 geplant.

stephan-shawAufgrund von Schwierigkeiten mit Management und Promotern verlief dann jedoch nicht alles nach Plan, lange Pausen zwischen den Kämpfen zwangen Shaw zur Inaktivität. Wenn er allerdings im Ring stand, machte er jedem Beobachter klar, dass er ein Heavyweight mit einer Menge Skills ist. Der solide Jab, die sauber ausgeführten Kombinationen und die relativ lückenfreie Deckungsarbeit waren stets ein Garant für ungefährdete Siege. Shaw könnte hier und da aber noch etwas mutiger agieren, vielleicht öfters mit subtilen Finten den Gegner öffnen und dann zuschlagen. Das technische Rüstzeug dafür besitzt er allemal.

Parallel zu Oleksandr Teslenko, über den wir im letzten Teil sprachen, unterzeichnete auch „Big Shot“ einen Vertrag beim New Yorker Promoter Lou DiBella. Mit einem solch erfahrenen Mann im Rücken, sollte es für Stephan Shaw möglich sein, in Zukunft öfter und regelmäßiger das Seilgeviert zu betreten. Vielleicht könnte man so das nachholen, was durch den chaotischen Start in die Karriere verloren ging: von einem regionalen Titel hin zu einem nationalen Titel (wo ist eigentlich der gute alte USBA Heavyweight Title abgeblieben?), bis man sich in mehreren Weltverbänden gut platziert hat und einen Ausscheidungskampf anstreben kann.

Mit anderen Worten: ein klassischer Aufbau eines Talents, wie man ihn kennt. Mit 25 hat Stephan Shaw auch noch genügend Zeit, um nochmal neu anzufangen.

Weitere Talente aus den Vereinigten Staaten

In die Gattung „kleines Schwergewicht“ passt Jermaine Franklin ideal rein. Der flinke Golden Gloves Champion von 2014 bringt einen Stil mit, der in den Zeiten der zwei Meter Schränke deutlich heraussticht. In seinen bis dato 16 Siegen in 16 Kämpfen, zeigte der 24-jährige schnelle Konter und eine beachtliche Ringintelligenz. Sein endgültiger Durchbruch dürfte nicht lange auf sich warten lassen.

Trey Lippe-Morrison, Sohn des ehemaligen WBO-Weltmeisters Tommy Morrison, fing erst nach dem viel zu frühen Tod seines Vaters mit dem Boxen an. Ohne Amateurerfahrung begab er sich direkt ins Haifischbecken Profiboxen und deutete dabei an, ähnlich viel Dynamit in den Fäuste zu tragen wie sein alter Herr. Ob es für die Spitze reicht ist fraglich, doch langweilig werden die Kämpfe des harten Schlägers mit Sicherheit nicht.

Talente aus dem Amateurbereich

Große Hoffnungen werden derzeit in den erst 18-jährigen Richard Torrez gesetzt. Schon jetzt ist der junge Mann aus Kalifornien der Dominator des amerikanischen Super-Schwergewichts, gewinnt ein Turnier nach dem Anderen und beeindruckt dabei durch technisch beschlagenes Boxen aus der Rechtsauslage, welches in der Regel in einem KO-Erfolg mündet. Auch wenn Torrez mit 1,88 m nicht der Größste ist, bringt er alles für eine starke Profikarriere mit. Er könnte zudem nach langer Zeit mal wieder ein Amerikaner sein, der in der Gewichtsklasse über 91 kg ernsthafte Chancen auf eine Olympiamedaille hat.

Gleich hinter ihm steht der New Yorker Nkosi Solomon. Dieser entspricht eher dem klassischen Bild des modernen Schwergewichtlers – was sich in gut 1,95 m Körperlänge widerspiegelt. Auch wenn es bei den Amateuren für die ganz großen Erfolge bisher nicht gereicht hat, hat er Physis und Athletik, um später gut bei den Profis durchzustarten.

Am Montag geht es weiter mit Teil 4. Dann werfen wir einen Blick auf unsere deutschen Talente. Seid gespannt!

Das Schwergewicht und seine neuen Gesichter – Teil 3: Die US-Boys
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schwergewicht-osteuropaeerDas Schwergewicht gilt seit jeher als die Königsklasse des Boxsports. Von Jack Johnson über Joe Louis, bis hin zu Muhammad Ali und den Klitschko Brüdern: im Reich der schweren Jungs waren schon viele illustre Namen unterwegs, die der Boxgeschichte ihren Stempel aufdrücken konnten. Doch bereits um die Jahrtausendwende erlebte die Gewichtsklasse einen Abstieg, von dem sie sich bisher nicht so recht erholt hat. Zu wenige neue Talente, langweilige Kämpfe und eine durch die Titelflut der Verbände einhergehende Verwässerung des Sports – dies ließ speziell die Fans aus Übersee Abstand nehmen von der einstigen „Glamour Division“. Erst mit der Ankunft der Briten Anthony Joshua änderte sich so einiges. Die Welt schaut wieder auf das Schwergewicht, doch wer sind die neuen Gesichter, die der Gewichtsklasse auch wieder die Qualität geben können, die sie so sehr benötigt?

Im Folgenden möchten wir den Lesern von Boxen1.com die neuen Talente des Schwergewichts präsentieren. Dabei geht es sowohl um frisch im Profibereich angekommene Boxer als auch um Männer, die schon auf der Schwelle zur Weltspitze stehen, jedoch noch keine WM-Chance erhalten haben. Zudem blicken wir weit voraus auf vielversprechende Amateurboxer, die in Zukunft auch eine Rolle bei den Profis spielen könnten.

Die Ost-Europäer

Filip Hrgovic (25 Jahre alt, Kampfrekord: 4-0-0, 3 KOs)

Es gibt die Art Boxer, die schon Jahre vor Beginn ihrer Profilaufbahn in der gesamten Szene einen Namen haben und selbst den Fans bereits ein Begriff sind. Filip Hrgovic gehört mit Sicherheit dazu, war er doch bereits seit einiger Zeit in all den Trainingscamps der großen Schwergewichtler als Sparringspartner aktiv.

Wie gerne er von den Boxern selbst dort gesehen wurde, ist nicht klar übermittelt, aber gut möglich, dass ein David Haye sich im Nachhinein lieber jemand anderes gewünscht hätte. Denn es war Hrgovic, der dem Briten in der letzten Sparringseinheit vor dessen geplanten Kampf gegen Tyson Fury einen fetten Cut verpasste und diesen so zur Absage dieses großen Events zwang.

hrgovic-turner-wbssDoch nicht nur in den Gyms der Stars konnte der Kroate Furcht und Schrecken verbreiten, auch als Amateur war Hrgovic mehr als beeindruckend. Mit der Goldmedaille bei der Jugend-WM 2010 konnte er ein erstes internationales Ausrufezeichen setzten, bevor er in den kommenden Jahren vor allem in der World Series of Boxing überzeugte. Dort galt Hrgovic über mehrere Staffeln hinweg als der dominante Super-Schwergewichtler, was sich insbesondere in seinem starken Kampfrekord von 25 Siegen und nur 4 Niederlagen widerspiegelt.

Bei internationalen Turnieren lief es hingegen nicht immer so glücklich, auch wenn es im Herrenbereich trotzdem noch zu einem EM-Sieg sowie final einer Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen von Rio reichte. Die Angebote an den fast zwei Meter großen Mann dürften zahlreich gewesen sein, den Zuschlag bekam schlussendlich Sauerland, die wohl schon seit längerem an Hrgovic interessiert waren. In seinen bislang 4 Profikämpfen stellten diese ihm dann auch kein pures Fallobst vor die Fäuste – der Brite Tom Little oder zuletzt Sean Turner hatten durchaus schon den ein oder anderen beachtlichen Sieg verbucht gehabt und/oder im Fall von Turner eine gute Amateurlaufbahn vorzuweisen.

Hrgovic vs Little 2Hrgovic deutete in diesen Duellen auf jeden Fall schon mal an, warum er all die Vorschusslorbeeren bekommen hat. Seine Beweglichkeit und sein beachtliches Schlagrepertoire am Mann stachen dabei besonders heraus. Defensive Lücken und eine auf der langen Distanz etwas zu sehr auf das klassische „1-2“ reduzierte Vorgehensweise sind allerdings noch Punkte, wo der Kroate Nachholbedarf hat.

Was ihm im späteren Verlauf zu Gute kommen könnte, ist, dass er in seiner Amateurkarriere bereits ein sehr gutes Kinn unter Beweis gestellt hat. Gerade im Schwergewicht könnte ihn das sehr weit bringen.

Ivan Dychko (27 Jahre, Kampfrekord: 5-0-0, 5 KOs)

Quasi parallel zu Filip Hrgovic verlief die Karriere des turmhohen Kasachen Ivan Dychko. Bei zwei aufeinander folgenden Olympiaden und diversen anderen internationalen Wettbewerben waren die Zwei zur gleichen Zeit aktiv, auch wenn sich ihre Wege dabei nur selten kreuzten. Und wie es der Zufall so wollte feierte Dychko auch am gleichen Wochenende wie Hrgovic sein Profidebüt.

ivan-dychkoDas war im September 2017 – seitdem stieg der zweifache Olympia-Bronzegewinner noch vier weitere Male ins Seilgeviert und schlug dort, wie in seinem ersten Kampf, alle Gegner KO. Dabei sei angemerkt, dass die Qualität der Opponenten bisher als eher mau zu bewerten war, was die Qualitäten Dychkos aber nicht weniger offensichtlich macht.

Der Riese erinnerte schon in seiner Zeit als Amateur sehr an den jungen Vitali Klitschko. Seinen langen, drahtigen Körper bewegt er ähnlich leichtfüßig durch den Ring wie der ehemalige Weltmeister, verfügt über schnelle Hände, einen krakenhaften, stechenden Jab und scheinbar sehr solide Schlagkraft, die allerdings eher eine zermürbende statt zerstörende Qualität besitzt – also auch wie beim älteren Klitschko. Das Gesamtpaket ist also durchaus beeindruckend, auch wenn seine brutale KO-Niederlage im WM-Finale 2013 gegen Magomedrasul Majidov leichte Zweifel an seinem Kinn hinterlassen. In der Hinsicht könnte er mit Klitschko weniger gemein haben.

Ein großer Pluspunkt hinsichtlich der Zukunft Dychkos dürfte sein Trainingsstandort sein. Für seine Profilaufbahn verließ er seine kasachische Heimat und zog in die USA, wo er im südlichen Florida trainiert. Sein Gym ist die sogenannte „Heavyweight Factory“, in der neben fachkundigen Trainern wie Derek Santos auch die ganz großen Namen der Vergangenheit ein und aus gehen. Evander Holyfield, Riddick Bowe oder Michael Moorer – ihres Zeichen allesamt Schwergewichts-Weltmeister der 90er Jahre – geben dort ihre Erfahrung an die jungen Boxer der Zukunft weiter. Ivan Dychko möchte mit Sicherheit einmal in einer Reihe mit diesen Legenden genannt werden.

Oleksandr Teslenko (25 Jahre alt, Kampfrekord: 12-0-0, 10 KOs)

Wo wir gerade über zwei Männer sprachen, die schon vor ihrer Profikarriere in aller Munde waren, haben wir es nun mit einem Schwergewichtler zu tun, der ein wenig aus dem Nichts kam. Die Rede ist vom Ukrainer Oleksandr Teslenko. Trotz seines beeindruckenden Amateurrekords von 224 Siegen und nur 23 Niederlagen, war er nur den allerwenigsten ein Begriff. Dies änderte sich recht schnell, als Teslenko nach Toronto auswanderte und dort 2015 sein Profidebüt feierte. In eben jenem ersten Kampf offenbarte der Ukrainer bereits eindrucksvoll sein technisches Vermögen in Kombination mit erstaunlichem Handspeed und messerscharfer Präzision.

oleksandr-teslenkoNahezu alles, was Teslenko im Ring macht fußt auf seiner Technik, auf das Vertrauen in die fein säuberlich implementierten Bausteine seines boxerischen Gerüsts. Der fast unscheinbar ausschauende Mann aus der westukrainischen Stadt Chernivtsi ist in der Hinsicht vielleicht der talentierteste neue Boxer am Schwergewichtshimmel, auch wenn dies alleine bekanntlich nicht ausreicht, um eine Weltkarriere hinzulegen.

Teslenko ist physisch nämlich nicht der Stärkste – denn trotz seiner 1,94 m Körpergröße wiegt er oftmals noch deutlich unter 100 Kilogramm ein, womit er heutzutage schon deutlich unter dem Durchschnitt liegt. Es wird daher interessant zu beobachten sein, ob er wie von seinem Trainerteam bereits angedeutet noch einige Pfunde an (hoffentlich) Muskelmasse drauflegt oder versuchen wird sein eher niedriges Gewicht für sich als Vorteil zu verstehen. WBC-Weltmeister Deontay Wilder scheint es ja bisher auch nicht zu schaden, leichter als seine Konkurrenten zu sein.

Apropos Wilder: dessen Promoter Lou DiBella nahm Teslenko Anfang diesen Jahres unter Vertrag, was den nächsten Meilenstein in der Karriere des Ukrainiers darstellte. Man kann also die Hoffnung haben, dass wir den schlagstarken Techniker in Zukunft auch regelmäßig in den USA bestaunen dürfen, da dort mit Sicherheit noch vielversprechendere Aufgaben auf ihn warten.

Weitere Talente aus Ost-Europa

Eine weitere ukrainische Hoffnung ist der 23-jährige Vladyslav Sirenko. Der bisher vor allem im fernen Südafrika aktive Boxer hat noch keinen nennenswerten Promoter im Rücken, trainiert aber mit dem erfahrenen James Ali Bashi, welcher jahrelang Assistenz-Coach von Wladimir Klitschko war und auch eine Zeit lang in der Ecke von WBSS-Finalist Oleksandr Usyk stand. Sirenko ist ein physisch beeindruckender Pressure-Fighter, dessen Attacken zum Körper vor Brutalität nur so strotzen. Mit ihm wird zu rechnen sein.

Etwas weiter fortgeschritten in seiner Karriere ist der Russe Sergey Kuzmin. Ende letzten Jahres stand er schon auf dem Sprung nach oben, doch sein Kampf gegen den US-Amerikaner Amir Mansour endete nach einem unglücklichen Kopfstoß unentschieden. Es dürfte allerdings nicht mehr allzu lange dauern, dann könnte der technisch solide Allrounder wieder in höhere Gefilde aufsteigen.

Etwas unter dem Radar befindet sich aktuell der ebenfalls aus Russland stammende Basir Abakarov. Ursprünglich kommt der 1,95 m lange Mann aus dem Kickboxen, deutete in seinen bis dato erst 3 Profikämpfen als Boxer aber schon an, dass dies kein Hindernis für ihn sein muss.

Talente aus dem Amateurbereich

Da in letzter Zeit viele Top-Amateure aus Ost-Europa ins Profilager gewechselt sind, muss der Nachwuchs erst beweisen, dass er zu ähnlichem fähig ist wie die Vorgänger. Verblieben ist beispielsweise der Ukrainier Viktor Vykhryst. Der 25-jährige gewann im vergangenen Jahr die Europameisterschaft und war jüngst auch in der deutschen Bundesliga für BC Traktor Schwerin erfolgreich unterwegs. Vykhryst erinnert äußerlich wie stilistisch sehr an Wladimir Klitschko.

Ebenfalls zu erwähnen ist der Kasache Kamshybek Kunkabayev, welcher mit seinem beweglichen, technisch beschlagenen Stil eine Silbermedaille bei der Amateur-WM in Hamburg letztes Jahr einfahren konnte. Der Rechtsausleger könnte mit Sicherheit auch bei den Profis für Furore sorgen.

Ein spezieller Fall zum Schluss: der usbekische Fahnenträger der letzten Olympiade, Bakhodir Jalolov, hat eigentlich schon einen Profivertrag unterschrieben, wird aber quasi zweigleisig fahren und neben seiner Profikarriere auch seinen Traum von einer Olympia-Teilnahme 2020 im Auge behalten. In Rio schied der annähernd 2 Meter große Super-Schwergewichtler noch in der zweiten Runde aus. Jalolov war in der Vergangenheit auch als Sparringspartner von Wladimir Klitschko im Einsatz und soll dort bleibenden Eindruck hinterlassen haben.

Morgen geht es weiter mit Teil 3. Dabei wird es um die neuen Gesichter der USA gehen. Seid gespannt!

Das Schwergewicht und seine neuen Gesichter – Teil 2: Die Ost-Europäer
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schwergewicht-britenDas Schwergewicht gilt seit jeher als die Königsklasse des Boxsports. Von Jack Johnson über Joe Louis, bis hin zu Muhammad Ali und den Klitschko Brüdern: im Reich der schweren Jungs waren schon viele illustre Namen unterwegs, die der Boxgeschichte ihren Stempel aufdrücken konnten. Doch bereits um die Jahrtausendwende erlebte die Gewichtsklasse einen Abstieg, von dem sie sich bisher nicht so recht erholt hat. Zu wenige neue Talente, langweilige Kämpfe und eine durch die Titelflut der Verbände einhergehende Verwässerung des Sports – dies ließ speziell die Fans aus Übersee Abstand nehmen von der einstigen „Glamour Division“. Erst mit der Ankunft des Briten Anthony Joshua änderte sich so einiges. Die Welt schaut wieder auf das Schwergewicht, doch wer sind die neuen Gesichter, die der Gewichtsklasse auch wieder die Qualität geben können, die sie so sehr benötigt?

Im Folgenden möchten wir den Lesern von Boxen1.com die neuen Talente des Schwergewichts präsentieren. Dabei geht es sowohl um frisch im Profibereich angekommene Boxer, als auch um Männer, die schon auf der Schwelle zur Weltspitze stehen, jedoch noch keine WM-Chance erhalten haben. Zudem blicken wir weit voraus auf vielversprechende Amateurboxer, die in Zukunft auch eine Rolle bei den Profis spielen könnten.

Die Briten

Joe Joyce (32 Jahre alt, Kampfrekord: 3-0-0, 3 KOs)

David Haye und Joe JoyceDiese Serie mit Joe Joyce zu starten, steht eigentlich sinnbildlich für das Schwergewicht in der jüngeren Vergangenheit. Wie so viele seiner groß gewachsenen Kollegen fing auch Joyce erst sehr spät mit dem Boxen an. Zunächst war er vor allem in der Leichtathletik aktiv, bevor er im Alter von 22 Jahren das erste mal ein Box-Gym von innen sah. Die hielt ihn jedoch nicht davon ab, im Laufe der Jahre zu einem Top-Amateur zu reifen. Von nationalen Meisterschaften hin zu internationalen Turnieren, wo Joyce in aller Regelmäßigkeit Medaillen mit nach Hause nahm, bewies Joyce seine Siegermentalität.

In den letzten Jahren seiner Amateurkarriere gewann er Gold bei den European- und Commonwealth Games, immerhin Bronze bei einer WM und scheiterte nur knapp und äußerst umstritten im Olympia-Finale am Franzosen Tony Yoka. Mit der Silbermedaille im Gepäck ging es für ihn zu den Profis, wo er unter der Promotion von David Haye bislang drei Kämpfe bestritt. Der 1,98 m große und gut 115 Kilogramm schwere Modellathlet wirkt im Ring etwas steif, unorthodox, ja fast wie ein Roboter, doch seine beeindruckende Beweglichkeit auf den Beinen gepaart mit einer für Schwergewichtsverhältnisse hohen Schlagfrequenz, einem soliden Jab und guter Schlagkraft, lässt schon jetzt positive Schlüsse bezüglich seiner Zukunft ziehen.

Kein Wunder also, dass David Haye seinen Schützling schon in weniger als zwei Wochen gegen Lenroy Thomas um den Commonwealth-Titel boxen lässt. Auch Dereck Chisora hatte man bereits ein Angebot unterbreitet, doch dieser lehnte ab.

Daniel Dubois (20 Jahre alt, Kampfrekord: 7-0-0, 7 KOs)

daniel-dubois-hwEinen komplett anderen Weg Schlug hingegen Daniel Dubois ein. Der junge Mann aus London stammt aus einer ohnehin Boxsport verrückten Familie (auch seine jüngeren Geschwister bestreiten bereits Wettbewerbe), weshalb er schon seit frühester Kindheit im Ring steht.

Als Amateur legte er keine vergleichbare Karriere wie Joyce hin, was allerdings auch darin begründet liegt, dass er schon mit zarten 19 Jahren einen Profivertrag bei Frank Warren unterschrieb, wodurch er sich unter anderem die Perspektive auf eine Olympiateilnahme 2020 verbaute. Trotzdem reichte es noch zu Gold bei den nationalen Meisterschaften und einem Sieg beim renommierten Brandenburg Cup, wo er den hoch gehandelten deutschen Peter Kadiru bezwang.

Seit seinem Profidebüt vor gut einem Jahr bewies der breit gebaute Dubois in erster Linie enorme Schlagkraft, was in einigen fürchterlich brutal Knockouts mündete. Seine große Waffe ist zudem der Jab, der teilweise fast Foreman‘esque für Zerstörung sorgt. Dass es trotzdem noch eines gewissen Feinschliffs bedarf, ist offensichtlich. Etwas zu grob und vorhersehbar sind die Attacken von „Dynamite“ noch und auch der Schnellste ist er nicht. Bei einem behutsamen, aber gezielten Aufbau, ist jedoch noch eine Menge drin für den blutjungen Puncher.

Nathan Gorman (21 Jahre alt, Kampfrekord: 12-0-0, 10 KOs)

Gorman vs SoltbyEtwas im Schatten von Dubois sorgt derweil ein anderes Talent für Aufsehen. Der aus der Traveller-Gemeinschaft in England stammende Nathan Gorman wurde ebenfalls sehr früh Profi, konnte sich aber zunächst abseits des öffentlichen Interesses bei kleineren Veranstaltungen beweisen. Mit Englands ehemaligem Ausnahmeboxer Ricky Hatton in seiner Ecke, ging seine Entwicklung so heimlich, still und leise voran.

Mit seinem mühelosen KO-Erfolg über den jungen Deutschen Mohammed Soltby ließ er erstmals auch ein breiteres Publikum aufhorchen – das Ganze im Rahmenprogramm des Rematches zwischen Liam Smith und Liam Williams. Dabei beeindruckte der über 1,90 m große Gorman mit schnellen Kombinationen und saftigen Körperattacken, die in ihrer methodischen Gewalt schon beinahe an die seines Trainers erinnerten.

Der 21-jährige mag keinen allzu austrainierten Oberkörper besitzen, aber sein Gespür im Ring und seine Bewegungen erscheinen durch und durch natürlich, als besitze er die Art von Kampfinstinkt, die man nur schwer jemandem beibringen kann. Nathan Gorman könnte das „Dark Horse“, der unbekannte Dritte sein, welcher ohne maßlosem Hype an die Spitze klettert.

Weitere Talente aus dem Vereinigten Königreich

Der 30-jährige Nick Webb wartet schon seit längerem auf den großen Durchbruch, doch der entscheidende Kampf, der ihn auf die nächste Stufe heben könnte, blieb bis dato aus. Der hochaufgeschossene Mann aus Chertsey besticht durch seine Physis und Schlagkraft, könnte sowohl  in der nationalen als auch europäischen Szene für Furore sorgen. Für ganz oben wird es hingegen eher nicht reichen. Weiter am Anfang stehen die Jungspunde Naylor Ball und Fabio Wardley. Noch eher als gern gesehene Sparringspartner für die etablierten Kräfte im Einsatz, könnte 2018 das Jahr werden, in dem sie erstmals von sich Reden machen.

Talente aus dem Amateurbereich

Das Maß aller Dinge ist dort der 26 Jahre alte Frazer Clarke. Der langjährige Trainingspartner und Kumpel von Anthony Joshua holte erst vor 10 Tagen Gold bei den Commonwealth Games und gilt perspektivisch als einer der Topfavoriten auf den Olympiasieg in zwei Jahren. In der semi-professionellen World Series of Boxing vom Weltverband AIBA verlor Clarke bisher keinen einzigen Kampf und begeistert das Publium immer wieder mit krachenden Knockouts.

Gleich hinter ihm steht Solomon Dacres, ein Ex-Rugbyspieler, welcher seit einiger Zeit auch als Boxer glänzt. Bei den GB Boxing Championships 2016 unterlag er noch knapp Daniel Dubois, dafür gewann er ein Jahr später die England Boxing Elite National Championships und trat ebenfalls erfolgreich in der World Series of Boxing an. Dacres bringt vor allem physisch alles mit, um bei den Profis erfolgreich zu sein.

Morgen geht es weiter mit Teil 2. Dabei wird es um die neuen Gesichter Ost-Europas gehen. Seid gespannt!

Das Schwergewicht und seine neuen Gesichter – Teil 1: Die Briten
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Joshua und sein Promoter Eddie Hearn haben Deontay Wilder ein Angebot von 12,5 Millionen Dollar gemacht. Das hört sich zwar viel an, sind aber allerdings nur etwa 20% der Gesamteinnahmen.
Joshua und sein Promoter Eddie Hearn haben WBC Champion Deontay Wilder ein Angebot von 12,5 Millionen Dollar gemacht. Das hört sich zwar viel an, sind aber allerdings nur etwa 20% der Gesamteinnahmen.

Eddie Heran zu Wilder: „Take-it-or-leave-it“ – Allerdings sind 12,5 Millionen nur etwa 20% der Gesamteinnahmen

Im Moment sieht es nicht so aus, als würden die Boxfans noch im Laufe dieses Jahres einen Unification-Fight zwischen WBA, IBF, IBO und WBO-Schwergewichts-Champion Anthony Joshua und dem WBC-Champion Deontay Wilder erleben. Joshuas Promoter Eddie Hearn hat Wilders Manager Al Haymon ein Angebot von 12,5 Millionen Dollar für einen Kampf der Beiden gemacht und dabei gleich keinen Verhandlungsspielraum gelassen. „Nimm das Angebot an und boxe oder lasse es,“ so Hearn. Wenn Wilder und sein Team dieses Angebot nicht akzeptiert, dann wird Joshua in seinem nächsten Kampf gegen den WBA-Pflichtherausforderer Alexander Povetkin antreten und im Kampf danach danach gegen Jarrell ‚Big Baby‘ Miller, kündigte Hearn an.

Nachdem die Doping-Sperren gegen Alexander Povetkin und auch gegen Luis Ortiz aufgehoben wurden, möchte WBC Weltmeister Deontay Wilder am Liebsten gegen beide boxen, wie dies ja schon einmal geplant war.

Die Einnahmen für den Joshua vs Wilder-Kampf werden etwa 80 Millionen Dollar aus Pay-per-View-, Kartenverkauf, Werbung und anderen Einnahmequellen betragen. Wenn Wilder die ihm von Hearn angebotenen 12,5 Millionen Dollar Pauschalgebühr akzeptiert ohne an den Einnahmen aus Kartenverkauf, pay-per-view und anderen Einnahme-Quellen prozentual beteiligt zu sein, könnte Joshua mit circa 68 Millionen Einnahmen auf seinen Teil rechnen. Das wäre dann letztlich eine Aufteilung von 80:20% zum Vorteil von Joshua.

Hearn sagt, wenn Wilder mit dem Angebot nicht einverstanden ist und es nicht akzeptiert, dann nimmt er frühestens irgendwann im Jahre 2019 vielleicht wieder erneut Verhandlungen mit ihm auf. Es ist jedoch schon jetzt anzunehmen, dass Hearn dann zu diesem Zeitpunkt Wilder ein ähnliches Angebot machen wird und ihn auch dann wieder wissen lassen wird, dass er – wenn er auch dann nicht akzeptiert – ihn immer wieder für ein weiters Jahr warten lassen wird und das so lange bis er schließlich dem 20-Prozent-Börsen-Angebot für den Fight gegen Joshua zustimmt. Tatsache ist hierbei, dass der ehemalige WBO-Schwergewichts-Champion Joseph Parker von Hearn eine 33-prozentige Aufteilung der Börse für seinen Kampf gegen Joshua im letzten Monat angeboten hatte. Aus irgendeinem Grund bietet Hearn Wilder mit nur 20 Prozent weitaus weniger an, als er Parker angeboten hat. Liegt es daran, dass Hearn glaubt, dass Deontay Wilder finanziell weniger attraktiv als Wilder ist? Das kann aber dann doch nicht real sein!
Anthony Joshua 5

„Wenn Wilder das Angebot nicht akzeptiert“, sagte Hearn, „werden wir als nächstes gegen Alexander Povetkin kämpfen und wir werden erst wieder im Februar oder März nächsten Jahres miteinander sprechen.“

Aus Wilders Perspektive ist Hearns Angebot im Grunde einzig eine Möglichkeit ihm zu sagen, dass er gar nicht daran interessiert ist, den Joshua vs Wilder-Fight zu diesem Zeitpunkt zu realisieren. Hearn macht sein Angebot an Wilder wohl nur deshalb in Dollar anstatt in Prozenten, weil sich das in der Öffentlichkeit bei den Boxfans besser und  lukrativer anhört, als wenn er sagen würde er bietet Wilder nur 20%, weil sich eben 12,5 Millionen Dollar sich wie eine Unsumme von Geld anhört. Aber wenn Hearn sagen würde: „Wir bieten Deontay Wilder eine Börsenaufteilung von von 80:20 % zu unserem Gunsten an“, dann würden die Fans natürlich darüber sehr verärgert sein und die Nase rümpfen und viele würden sagen, dass Hearn mit diesem Angebot einen Kampf gegen Wilder nur verhindern möchte.

Eddie Hearn, Promoter des WBA, IBF und IBO Champions Anthony Joshua, der inzwischen einer der größten Box-Promoter weltweit ist.
Eddie Hearn, Promoter des WBA, IBF und IBO Champions Anthony Joshua, der inzwischen einer der größten Box-Promoter weltweit ist.

Selbst ein Pflichtherausforderer bekommt 25 Prozent, aber Wilder ist genauso Weltmeister wie das auch Joshua ist und er ist nach seinem spektakulären Sieg über Ortiz, sicher auch ähnlich attraktiv. Deshalb kann Wilder dieses Angebot nicht verstehen. Das Angebot von Hearn ist so gering, dass er damit indirekt aussagt, dass er gar nicht daran interessiert ist, den Joshua vs Wilder vs Fight zu promoten. Aufgrund des öffentlichen Drucks an die Adresse von Hearn und Joshua, endlich den Kampf mit Deontay Wilder abzuschließen, mussten sie wohl oder übel Wilder ein Angebot machen, wenn sie nicht wollten, dass die Boxöffentlichkeit denkt, dass Joshua ganz bewusst Wilder aus dem Wege gehen wolle.

Und es scheint offensichtlich so zu sein, dass Hearn diesen Kampf nicht will. Es ist auch irgendwie unverständlich, dass Josua nicht zu Hearn sagt, dass er Wilder doch ein respektableres Angebot machen soll, aber genau das tut er nicht und es scheint fast so, dass auch er diesem Kampf lieber aus dem Weg gehen möchte. Wenn ein Promoter einem populären Fighter wie Wilder solch ein Angebot unterbreitet, dann muss Man davon ausgehen, dass es immer einen Verhandlungsspielraum gibt und dass Man sich trifft und an einen Tisch setzt um eine Einigung zu erzielen. Aber was tut Hearn?  Er verhandelt NICHT! Er lässt eine Verhandlung erst gar nicht zu. Es ist eine seltsam autoritärer Art, wenn Man einem Weltmeister ein Angebot macht und ihn gleichzeitig wissen lässt, wenn Du mit meinem Angebot nicht einverstanden bist, dann boxen wir gegen einen anderen Gegner. Hearn und Joshua verhandeln nicht im eigentlichen Sinne. Es ist alleine ein Machtspiel von Hearn und das Team Wilder weiß, dass es keine Verhandlungen geben wird.

Hearn setzt vielleicht darauf, dass Joshua und Wilder ihre nächsten beiden Kämpfe gewinnen werden, was dann einen eventuellen Vereinigungskampf im nächsten Jahr noch viel größer machen wird. Aber kann denn ein Kampf Joshua vs Wilder noch größer sein als im Moment? Jetzt – noch in diesem Jahr – das wäre der richtige und optimale Zeitpunkt für diesen spektakulären Fight. Es gibt kein Stadion, dass mehr als 90.000 Zuschauer fast und dieses Stadion ist in diesem Jahr garantiert ausverkauft und es werden sicher im nächsten oder übernächsten Jahr nicht mehr PPV-Tickets verkauft werden als bei einem Event in diesem Jahr. Es ist wahrscheinlich, dass Hearns nächster Schritt darin besteht, Wilder erneut dazu zu bringen, in seinem nächsten Kampf gegen den ebenfalls bei ihm unter Vertrag stehenden Dillian Whyte zu kämpfen.  Nur sollte Wilder gegen Whyte verlieren, was Hearn vielleicht sogar hofft, dann ist auch der Jahrhundertkampf geplatzt, denn mit einem besiegten Wilder ist nicht mehr das Geld zu verdienen als mit einem unbesiegten. Und auch ein zweiter Kampf Joshua vs Whyte 2 würde sicher nicht annähernd den Umsatz eines sofortigen Fights zwischen Joshua vs Wilder bringen. Whyte wird inzwischen von vielen Boxfans schon als Joshuas Bodyguard gesehen. Top10-Fighter die in naher Zukunft gegen Joshua kämpfen möchten, werden von Hearn erst einmal ein Kampf gegen Whyte angeboten. Hearn ist nicht einmal subtil, ihnen den Whyte-Kampf anzubieten. Er macht bekannt, dass er es möchte, dass sie gegen Whyte kämpfen, als ob es in irgendeiner Weise für einen attraktiven Gegner notwendig wäre, diesen Kampf zu machen, um dann den Joshua-Kampf zu bekommen.
wilder solo

„Das Angebot war ein Versuch es anzunehmen oder es zu verlassen“, sagte Wilders Manager Shelly Finkel in einem Interview über das Angebot von Hearns an Wilder.  „Wir werden in den nächsten Tagen mit einem angemessenenGegenangebot reagieren. Wenn Joshua es ernst meint, wird Deontay gegen ihn kämpfen.“

Es gibt eine Rückmatch-Klausel im Vertrag, falls Joshua verliert. Es würde dann einen zweiten Kampf geben. Es ist allerdings unklar, was passiert, wenn Joshua Wilder schlägt. Es dürfte klar sein, dass Joshua Wilder dann keine Revanche geben würde. Das Schlimme daran ist, dass Hearn will, dass der Joshua vs Wilder-Fight in England, im Wembley-Stadion in London oder in Cardiff, Wales stattfindet. Wenn Wilder dann dort durch eine umstrittene Entscheidung verlieren würde, wird Joshua ihm sicher keine Chance mehr geben und nur sagen: „Pech gehabt, Du hattest deine Chance und du hast verloren.“ Wilder wäre nicht in der Lage, einen zweiten Kampf zu erzwingen, weil eben die Rückmatch-Klausel wahrscheinlich nur zu Joshua’s Gunsten geht.

Nun, es ist akademisch zu diesem Zeitpunkt, dass Joshua vs Wilder 2018 nicht kämpfen werden, außer Hearn wird zur Besinnung kommen und sein Angebot verdoppelt, indem er es auf 40 Prozent erhöht. Wilder bringt viel für den Joshua-Kampf auf den Tisch. Wilder könnte sich selbst unterbewerten, wenn er einer Aufteilung der Einnahmen um 40:60%  zum Vorteil Joshua zustimmen würde. Der fairste Deal wäre einfach eine 50:50 Aufteilung oder aber Maximum ein 55:45-Cut zugunsten von Joshua. Wilder verdient sicher kein Angebot, dass um 13% niedriger ist als die 33% Vereinbarung, die Joseph Parker für seinen Vereinigungskampf gegen Joshua am 31. März im Principality Stadium in Cardiff, Wales erhielt. 45 Prozent wären ein gutes akzeptables Angebot für Wilder.

Im Principality-Stadion in Cardiff, warteten circa 80.000 Zuschauer auf den Unification-Kracher im Schwergewicht, zwischen IBF/IBO/WBA(Super)-Champion Anthony Joshua (20-0-0, 20 Ko's) und WBO-Weltmeister Joseph Parker (24-0-0, 18 Ko's). Nach zwölf Runden, gab es einen klaren Punktsieger. Jedoch blieb das erhoffte Spitzen-Duell aus! BOXEN1 fasst den kompletten Kampfverlauf zusammen.
Im Principality-Stadion in Cardiff, warteten circa 80.000 Zuschauer auf den Unification-Kracher im Schwergewicht, zwischen IBF/IBO/WBA(Super)-Champion Anthony Joshua (20-0-0, 20 Ko’s) und WBO-Weltmeister Joseph Parker (24-0-0, 18 Ko’s). Nach zwölf Runden, gab es einen klaren Punktsieger. Jedoch blieb das erhoffte Spitzen-Duell aus! 

Anthony Joshua gewann am 31. März im Rahmen eines Vereinigungskampfes in Cardiff, Wales, nach 12 glanzlosen Runden, durch Punktentscheidung gegen Joseph Parker. Joshua kämpft in diesem Fight mit absoluter Vorsicht und mied immer den Infight, er stocherte nur mit seiner Führhand und zog sich jedes Mal zurück, wenn Parker ihn bedrängte um seine harten Schläge zu landen. Zudem wurde der Kampf von dem parteiischen Ringrichter immer wieder gestört und Kampfhandlungen unterbrochen, wenn Parker Joshua gefährlich wurde. Der Schiedsrichter ist – wenn Parker eine gute Aktion hatte – immer wieder dazwischen gesprungen und hat beide Kämpfer zurück in die Mitte des Rings gebracht. Dieses Einschreiten war ganz klar eine Hilfe für Joshua, denn dieser war 10 Zentimeter größer als Parker und war deshalb daran interessiert, den Infight zu meiden. In diesem Kampf hatte Parker zwei Gegner: Joshua und den Ringrichter.

Eddie Hearn bietet Wilder 12,5 Millionen Dollar für Kampf gegen Joshua
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mueller-atanassow-siegel_fotograf-privatSANDRA ATANASSOW, geb. 1984 in Leipzig hat bisher 8 Profi-Kämpfe bestritten, aus denen sie 7 mal als Siegerin den Ring verließ. Ein Kampf wurde unentschieden gewertet. In der Weltrangliste steht Sandra auf Rang 17 ihrer Gewichtsklasse. Sandra ist seit Oktober 2016, durch ihren Sieg gegen die Polin Karina Kopinska in einem spannenden 10 Runden Kampf, Internationale Deutsche Meisterin des BDB. Ihren Titel hat sie bisher mehrfach erfolgreich verteidigt, unter anderem gegen die schlagstarke Ungarin Gabriella Busa im März 2017.

Sandra Atanassow: Hier ist ihre Geschichte

Schon als kleines Mädchen liebte Sandra alles, was mit Sport zu tun hatte. Ihr Vater, athletisch durch und durch und als Rettungsschwimmer ein Vorbild, unterstützte sie bei ihren sportlichen Aktivitäten. Um den richtigen Weg zu finden, probierte sie viele Sportarten aus und es sollte lange dauern, bis sie die Sportart fand, die sie endgültig fesseln sollte.

Sie spielte Basketball, Badminton, übte sich im Kajak fahren und fand schließlich im Alter von 15 Jahren Gefallen am Tanzsport. Jazz-Dance und Modern-Art hatten es ihr angetan und so nahm Sandra mit ihrer Mannschaft an zahlreichen Turnieren und Meisterschaften erfolgreich teil.

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Sandra machte Abitur und begann ihr Studium Medientechnik. Mit Anfang 20 kam sie erstmalig mit dem Boxsport in Berührung, als ein guter Freund sie mit ins Training nahm. Sandra war sofort begeistert und fasziniert. Sie begann mit einem regelmäßigen Boxtraining. Für Sandra war das Boxen von Anfang an mehr als nur Sport, „es ist eine verdammt anspruchsvolle Sportart, es werden alle Sinne angesprochen, man braucht Kraft, Reaktionsvermögen, Ausdauer, Koordination und Taktik um nur einiges zu nennen. Diese Vielseitigkeit des Trainings liebe ich einfach! Im Ring ist man ganz auf sich allein gestellt, diese immer wiederkehrende Konfrontation mit sich selbst ist einfach unbeschreiblich und es bedeutete das Entdecken und Überwinden von Grenzen.“

Von 2008 bis 2015 bestritt sie über 80 Amateurkämpfe. Schon 2008, während ihres Studienaufenthaltes in Berlin wurde sie deutsche Hochschulmeisterin. Highlights ihrer internationalen Kämpfe waren z.B. 2011 und 2012 der Haringey Box Cup in London, bei dem knapp 500 Elitekämpfer aus ganz Europa teilnehmen und 2014 der Golden Girl Championship in Schweden. Wobei sie es bei allen Turnieren aufs Podest schaffte.

Fotograf: Olaf Sankat
Fotograf: Olaf Sankat

Neben vielen weiteren nationalen und internationalen Kämpfen hatte sie ihre schönste Zeit in der deutschen Nationalmannschaft.

Torsten Müller, ihr Trainer im Boxring Atlas in Leipzig, der sie seit 2008 betreut, ist für Sandra eine der wichtigsten Vertrauenspersonen. „Torsten ist mit mir schon durch so vielen Höhen und Tiefen gegangen, er hat mich auf jede Herausforderung immer bestens vorbereitet und taktisch eingestellt. Wir verstehen uns quasi blind. Ein Blickkontakt genügt und wir wissen beide, wo es lang geht“ so Sandra. Was sie an ihm sehr schätzt ist seine ruhige und lösungsorientierte Art und so sagt sie: „Ich kann mich auf Torsten verlassen und er unterstützt mich wo er kann, zusammen sind wir ein perfektes Team“.

Foto: Matthias Fäller
Foto: Matthias Fäller

Nun wird die BDB-Boxerin Sandra Atanassow am 03. Februar 2018 den Hauptkampf um den internationalen Titel der WBC gegen die mit 38 Kämpfen deutlich erfahrenere Liliana Martinez bestreiten. Um dieses Event möglich zu machen, hat sie ein starkes Team um sich versammelt und ein halbes Jahr alles gegeben. „Meine vier festen Säulen“ schmunzelt Sandra. Da ist zum einen Jonny Orban, der sie seit 2016 maßgeblich unterstützt sowie ihr Manager Michael Siegel, der Sandra behutsam an ihre Kämpfe im Profiboxen heranführt. Da ist ihr Trainer und engster Vertrauter Torsten Müller vom Boxring Atlas, der sie auf jeden Kampf vorbereitet und Linn Schröder, die sich mit den vielen organisatorischen Aufgaben befasst und alles regelt, was für einen Boxkampf unter Eigenregie notwendig ist. „Never change a winning team“ sagt Sandra, die stolz auf „ihr“ starkes Team ist.

Dieses spannende Event, auf dem sechs Amateur- und fünf Profikämpfe zu sehen sein werden, wird in der Sporthalle Brüderstrasse 15 in 04103 Leipzig stattfinden. Der Schwergewichtler Hector Martinez und der Olympiateilnehmer von Rio und Sieger des hochkarätigen Chemiepokals im Halbschwergewicht Serge Michel als auch Lulzim Bajrani werden wie der Hauptkampf von Sandra für Boxen mit Hochspannung sorgen.

Vor WBC-Titelkampf in Leipzig: Sandra Atanassow im Portrait
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Maske und Wolke
Henry Maske zusammen mit seinem Trainer Manfred Wolke (Fotonachweis: WENN Ltd / Alamy Stock Foto)

Er war der Pionier der altbewährten Frankfurter Boxschule und gilt als Architekt des sogenannten Box-Boom in den 1990er Jahren in Deutschland. Als aktiver Boxer schaffte er einst selbst den höchsten Erfolg, den man im olympischen Boxen erreichen kann und wurde 1968 Olympiasieger. In seiner Karriere als Trainer setzte er bei den Amateuren und Profis ebenso hohe Maßstäbe und erlangte, mit seinen Erfolgen mit Henry Maske und Axel Schulz, den Status einer Legende. Heute wird Manfred Wolke 75 Jahre alt.

Der Vater des Erfolges!

Manfred Wolke wurde am 14. Januar 1943 in Potsdam-Babelsberg geboren. Seine Laufbahn als Boxer begann er als 16-Jähriger beim BSG Motor Babelsberg. Später trainierte er beim ASK Vorwärts Berlin. Auf der Erfolgsleiter stieg Wolke rasch auf und wurde im Welter- und Halbmittelgewicht von 1967 bis 1971 mehrfach DDR-Meister und Vize-Europameister. Seinen größten Erfolg feierte er 1968, als er in Mexiko durch einen Punktsieg im Finale gegen den Kameruner Joseph Bessala Olympiasieger wurde.

Foto Henry Maske und Manfred Wolke
25. Europameisterschften im Boxen in Warna – Vorrunde am 9.5.83 – Im Mittelgewicht wurde der 19jährige ASK-Boxer Henry Maske (im Foto beim Chemiepokal 1983 in Halle mit seinem Klubtrainer Manfred Wolke) einstimmiger Punktsieger über Hartmut Brandau (Österreich). (Fotonachweis: Thomas Lehmann)

1972 war er für die DDR Fahnenträger bei den Olympischen Spielen in München. Wolke blieb bei diesem Turnier eine Medaille verwehrt, da er schon sehr früh gegen den späteren Olympiasieger Emilio Correa verletzungsbedingt ausschied. Kurze Zeit später, entschied sich „Manne“ Wolke, nach 258 Kämpfen von denen er 236 gewann, für die Laufbahn eines Trainers und setzte dort seine Erfolgs-Story fort. Beim ASK Frankfurt (Oder) formte er 1980 Federgewichtler Rudi Fink zum Olympiasieger.

Sein zweiter Olympiasieger war kein geringerer als Henry Maske. 1988 holte der spätere „Gentleman“ die Gold-Medaille bei den Olympischen Spielen in Seoul. Für Maske war sein Trainer mehr als nur ein Coach. „Als ich als Jugendlicher zu Manfred Wolke in dessen Trainingstruppe kam, war er für mich ein Gott! Er war damals schon eine absolute Legende.“, sagte Henry Maske einst in einem BOXEN1-Interview. Nachdem Maske im Amateurbereich alles erreichen und 1989 gemeinsam mit Wolke noch in Moskau Weltmeister werden konnte, kam es unmittelbar nach der politischen Wende zum Wechsel ins Profilager.

Wolke unterschrieb mit Henry Maske am 20. März 1990 bei Promoter Wilfried Sauerland einen Profi-Vertrag. Dieser Schritt wurde von vielen Weggefährten belächelt und stark angezweifelt. Viele sogenannten Experten trauten Maske und Wolke keinen großen Erfolg im „Berufsboxen“ zu. Sie sollten sich schwer täuschen! Neben Henry Maske trainierte Wolke auch den Schwergewichtler Axel Schulz und löste mit beiden Sportlern eine nie für möglich gehaltene Box-Euphorie aus.

„Ruhig Henry…, det loooft!“

Foto Ebby Thust und Manfred Wolke
Ebby Thust und Manfred Wolke

Henry Maske wurde 1993, durch einen klaren Punktsieg über „Prince“ Charles Williams, IBF-Weltmeister im Halbschwergewicht und lockte mit seinen weiteren WM-Fights ein zweistelliges Millionen-Publikum vor den TV-Bildschirmen. Wolke bereitete Axel Schulz 1995 auf dessen wohl größtes Gefecht, den WM-Fight gegen George Foreman, vor. In Las Vegas lieferte Schulz, dank der meisterhaften taktischen Einstellung durch Trainer Wolke, eine hervorragende Leistung und verlor letztlich zu Unrecht.

Schulz hält heute noch den deutschen Box-Quotenrekord, als er im Dezember 1995 im Kampf gegen Francois Botha über 18 Millionen Zuschauer zum Einschalten bewegte. Der WM-Sieg blieb Wolke mit Schulz letztlich leider verwehrt. Nach Maske und Schulz formte Manfred Wolke noch Danilo Häußler zum Europameister im Supermittelgewicht und führte diesen noch bis zum WM-Fight gegen Mikkel Kessler, den Häußler letztlich im Oktober 2008 vorzeitig verlor und danach seine Karriere beendete.

Als Henry Maske im März 2007 nach zehn Jahren Wettkampfpause wieder in den Ring stieg, um sich für seine einzige Niederlage als Profiboxer gegen Virgil Hill zu revanchieren, stand Wolke ebenso wieder als Trainer zur Seite. Maske siegte klar nach Punkten. Nachdem Manfred Wolke noch Enad Licina zum Gewinn des IBF-Intercontinental-Titel im Cruisergewicht führen konnte, wurde Wolkes Engagement im Sauerland-Stall im Januar 2010 offiziell beendet. Seinen letzten Auftritt in der Ringecke, hatte Wolke in Berlin beim Kampf von Licina gegen Yuan Pablo Hernandez, den Licina letztlich nach Punkten verlor. Seitdem ist es sehr ruhig um den früheren Star-Trainer geworden.

Unvergessen sind vorallem die zum Kult gewordene ruhige und behutsame Ansprache an seine Sportler in den Rundenpausen: „Ruhig… Nicht mitmachen… Det läuft!“ Manfred Wolke lebt, mit seiner Frau sowie seinen Kindern und Enkelkindern, nach wie vor in Frankfurt Oder. Der Pensionär joggt immer noch regelmäßig. Nachdem 2015 bekannt wurde, dass Wolke sich einer Herz-OP unterziehen musste, scheint es ihm wieder besser zu gehen. Die Öffentlichkeit meidet er weitestgehend. Seinen heutigen Geburtstag soll der „Box-Professor“ in aller Ruhe mit seiner Familie und engsten Freunden verbringen.

BOXEN1 gratuliert Manfred Wolke von ganzem Herzen zum 75. Geburtstag!

Trainer-Legende Manfred Wolke feiert heute 75. Geburtstag!
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Henry Maske mit Graciano Rocchigiani (Foto: Mandoga Media / Alamy Stock Foto)
Henry Maske mit Graciano Rocchigiani (Foto: Mandoga Media / Alamy Stock Foto)

Am 14. Oktober 1995 fand in der Münchner Olympiahalle der Rückkampf zwischen zwei absoluten deutschen Box-Legenden statt! Der damalige IBF-Weltmeister im Halbschwergewicht Henry Maske, verteidigte seinen WM-Titel gegen den Berliner Ex-Champion Graciano Rocchigiani. Beide Boxer standen sich schon fünf Monate vorher gegenüber und lieferten sich ein denkwürdiges Gefecht. Den zweiten Teil von „Maske vs Rocky“, wollte sich ein zweistelliges Millionen-Publikum nicht entgehen lassen. BOXEN1 sprach mit Henry Maske über seine Erinnerungen zu diesem historisch bedeutungsvollen Rematch!

Gentleman vs. Bad-Boy: Das deutsch-deutsche Gipfeltreffen!

Als Henry Maske zum zweiten Mal gegen Graciano Rocchigiani in den Ring stieg, schalteten über 17 Millionen TV-Zuschauer ein. Die heutigen Faustkämpfer wären wohl froh, wenn sie nur halb soviel Interessierte vor den Bildschirm ziehen könnten! Es war die Zeit des sogenannten Box-Booms in den 1990-er Jahren. Henry Maske war der gefeierte Champion. Seit seinem Titelgewinn im März 1993 gegen Prince Charles Williams, verteidigte Maske seinen WM-Titel, bis zum ersten Rocchigiani-Kampf, sechsmal erfolgreich und löste mit seinen Fights eine allgemeine Box-Euphorie aus. Boxen war in Deutschland wieder angesagt!

Zu dieser Zeit brachte sich der Berliner Graciano Rocchigiani schon seit einigen Jahren immer wieder für ein Duell gegen den „Gentleman“ ins Gespräch. Rocchigiani war in den 80er Jahren selbst Weltmeister im Supermittelgewicht. „Rocky“ wollte wieder zurück auf den Box-Thron und forderte mehrfach einen Vergleich mit Maske. Am 27. Mai 1995 war es dann soweit! In der Dortmunder Westfalenhalle kam es zum langersehnten deutsch-deutschen Gipfeltreffen, das unter dem Slogan „Eine Frage der Ehre“ stattfand. Maske galt als klarer Favorit. Doch Rocchigiani bot einen der besten Kämpfe seiner Laufbahn!

Von Beginn an machte der Herausforderer Druck. Immer wieder landete Rocchigiani gute Treffer. Henry Maske wirkte, anders als bei all seinen Fights zuvor, sehr gehemmt und blieb zu oft in der Halb- und Nahdistanz stehen. Beide Sportler schenkten sich nichts! Am Ende blieb Maske durch einen Punktsieg Weltmeister. Rocchigiani sah sich als Sieger und witterte Betrug. Für Henry Maske gab es nach diesem Gefecht viel Kritik, auch aus seinen eigenen Reihen. „Graciano war schwer auszurechnen, weil er sich vor unserer ersten Begegnung sehr unregelmäßig im Ring präsentiert hat. Ich habe definitiv nicht die Leistung gebracht, die ich auch von mir selbst erwartet habe!“, erinnert sich Maske.

Nach dem ersten Rocky-Fight sollte Maske eigentlich seine IBF-Pflichtverteidigung gegen Duran Williams (Jamaika) bestreiten. Doch Henry Maske entschied sich für ein sofortiges Rematch gegen Rocchigiani: „Für mich war es wichtig, die Leistung vom ersten Kampf zu korrigieren und mich gezielt auf Graciano vorzubereiten.“ Der zweite Teil des deutschen Box-Klassikers stieg dann in der Münchner Olympiahalle. Vor ausverkauftem Haus und vor über 17 Millionen TV-Zuschauern, standen sich die beiden Box-Helden wieder gegenüber. „Es war schon beeindruckend, welch großes Interesse unser Kampf entfacht hatte!“, blickt Maske zurück.

Graciano Rocchigiani kündigte im Vorfeld mehrfach an, Henry Maske KO schlagen zu wollen und noch besser zu sein, als beim ersten Aufeinandertreffen. Doch im Ring kam es dann ganz anders! Henry Maske wirkte deutlich agiler und schien in einer wesentlich besseren Form zu sein, als im ersten Kampf. Mit zunehmender Kampfesdauer wurde Maskes Überlegenheit immer klarer. Mit langen und schnellen Händen, konnte er Rocchigiani immer wieder treffen. „Rocky“ fand kein Mittel, um den Weltmeister in die Schranken zu weisen.

Henry Maske: „Ich spürte, dass mein Konzept aufging und Graciano sukzessive müder und langsamer wurde. Graciano hatte im ersten Kampf die Chance, mich KO zu schlagen, weil ich total kaputt war! Doch er hat sie nicht nutzen können. Im Rückkampf war ich sehr fokussiert und wusste, was auf mich zukommt, sodass ich die Leistung abrufen konnte, die nötig war um Graciano zu schlagen!“ Am Ende siegte Maske einstimmig und deutlich nach Punkten und konnte seinen WM-Titel (IBF) somit zum achten Mal erfolgreich verteidigen. Die beiden Duelle gegen Graciano Rocchigiani waren jedenfalls Meilensteine und ein glorreiches Kapitel, in der Geschichte des deutschen Boxsports!

Heute vor 22 Jahren: Maske vs. Rocky Teil II – Eine Frage der Ehre!
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Der Kampf war ganz sicher viel knapper als es zumindest zwei der Punktrichter sahen die den Kampf beide mit 118:110 für Parker werteten, während der dritte Punktrichter den Fight unentschieden sah.
Der Kampf war ganz sicher viel knapper als es zumindest zwei der Punktrichter sahen, die den Kampf beide mit 118:110 für Parker werteten, während der dritte Punktrichter den Fight unentschieden sah.

Fury Promoter Hennessy will gegen das Urteil von Manchester Einspruch einlegen

Mick Hennessy der Promoter des Kampfes gestern Abend in Manchester, will Protest gegen das Urteil beim Weltverband der WBO einlegen.
Mick Hennessy der Promoter des Kampfes gestern Abend in Manchester, will Protest gegen das Urteil beim Weltverband der WBO einlegen.

Der Promoter des WM-Kampfes gestern Abend in Manchster, Mick Hennessy hat seine Absicht erklärt, gegen das Urteil des WBO Weltmeisterschafts-Kampfes im Schwergewichts, den Titelverteidiger Joseph Parker mit einer Mehrheitsentscheidung über den offiziellen Herausforderer Hughie Fury, dessen Promoter Hennessy ist, unverzüglich beim Weltverabnd der WBO Protest einzulegen. „Dieses Urteil ist Korruption auf höchstem Niveau“, sagte Hennessy in die Kameras der TV-Anstalten direkt nach dem Kampf. „Ich dachte, es war eine absolute Meisterleistung mit Schattierungen von Muhammad Ali, die Hughie Fury hier gezeigt hat. Parker fand zu keinem Zeitpunkt in den  Kampf. Eine der schlimmsten Entscheidungen, die ich je im Boxsport gesehen habe. Schönes Boxen von Hughie und ich kann nicht verstehen, warum diese Punktrichter diesen armen jungen Burschen mit diesem Urteil regelrecht beraubt haben. Es ist einfach nur ekelhaft. Ich werde unverzüglich Einspruch gegen dieses Urteil einlegen und die Entscheidung anfechten.“

Furys Gesichtsausdruck nach der Urteilsverkündung spiegelt die große Enttäuschung über das Urteil wieder
Hughie Furys Gesichtsausdruck nach der Urteilsverkündung spiegelt die große Enttäuschung über das Urteil wieder

Auch der Cousin des Verlierers, der Ex-Weltmeister Tyson Fury stand nach Ende des Kampfes und der Bekanntgabe des Urteils, schimpfend im Ring und tröstete den jüngeren Hughie. Auch das gesamte Fury Team will das Urteil nicht akzeptieren und ebenfalls Protest beim Weltverband einlegen.

Team Fury plant gegen die „ekelerregende“ Entscheidung zu protestieren
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