Im Portrait
Hier werden Boxer/Trainer/Promoter vorgestellt. Kategorie für Christine Wong

Rigos KO

KO-Schlag kam klar nach dem Gong

Nach den hitzigen Diskussionen über den Ausgang des Hauptkampfes zwischen Andre Ward und Sergey Kovalev, kam es im Vorprogramm zu einer weiteren sehr kontroversen Entscheidung seitens des Ringrichters!

Trotz Nachschlagens- Rigondeaux mit KO-Sieg!

Der WBA-Super-Champion im Super-Bantamgewicht Guillermo Rigondeaux (18 Siege, 0 Niederlagen, 12 Ko’s) verteidigte seinen Titel gegen den Mexikaner Moises Flores (25 Siege, 1 Niederlage, 17 Ko’s) offiziell durch Ko in der ersten Runde! Diese Entscheidung ist allerdings höchst umstritten da der linke Haken, der letzlich zum Ko führte, definitiv nach dem Gongschlag kam!

In einer temporeichen ersten Runde versuchte Flores den Titelverteidiger von Beginn an unter Druck zu setzen. Der Exil-Kubaner konterte hin und wieder die Angriffe seines Gegners geschickt mit schnellen Händen, bis es zu einer höchst umstrittenen Szene kam. Zum Ende des ersten Durchgangs, lieferten sich beide Boxer einen Schlagabtausch, wobei Rigondeaux mit einem linken Haken, einen kurzen Moment nach dem Gong, Moises Flores schwer Ko schlug.

Nach dieser Szene ließ das Urteil, nach einer ganzen Weile, auf sich warten. Ringrichter Vic Drachulich zog sich danach mit den anderen Offiziellen zurück, um eine Entscheidung zu treffen. Diese fiel dann auf einen Ko-Sieg zugunsten des alten und neuen Champions Guillermo Rigondeaux, der im Interview nach dem Fight geäussert hat, gegen Vasyl Lomachenko in den Ring steigen zu wollen. Diese mögliche Ansetzung wäre für jeden Box-Liebhaber in der Tat ein Gaumenschmaus!

Das Urteil in diesem Fight wird aber vermutlich noch in den nächsten Tagen und Wochen für viel Gesprächsstoff sorgen!

Guillermo Rigondeaux vs Moises Flores – Das Fight Video

Rigondeaux mit umstrittener Entscheidung weiterhin Weltmeister!
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Joshua und HearnAnthony Joshua: „Ich möchte nur Big Fights machen und mich vor keinem verstecken.“

IBF, IBO, WBA-Schwergewichts-Champion Anthony Joshua (19-0, 19 KOs) schaut nach vorne und sagt, dass er künftig nur die ganz großen Kämpfe möchte und dass er sich vor keinem noch so großen Namen versteckt. Im April kam die Rekordzuschauerzahl von 90.000 Fans ins Wembley Stadion in London, um zu sehen wie Joshua den ehemaligen Herrscher des Schwergewichts Wladimir Klitschko in der elften Runde stoppte und er sich damit drei der fünf WM-Gürtel der großen fünf Weltverbände um seine Taille schnallte.

Es gibt eine Rematch-Klausel und die IBF hat Joshua inzwischen die Erlaubnis gegeben, seine Pflichtverteidigung zu verschieben um ein zweites Mal gegen Klitschko antreten zu können. Der Kampf soll bis zum 2. Dezember dieses Jahres stattfindet. Allerdings hat sich Klitschko bis heute noch nicht entschieden ob er die Rückkampfkarte auch zieht. Von Klitschkos Seite war zu hören, dass dieser sich im letzten Drittel dieses Monates endgültig entscheiden wird, ob er denn nun seine Karriere beendet oder doch noch einmal gegen Joshua antreten wird.

Wenn Wladimir Klitschko allerdings sich  entschließt seine Karriere nun doch beenden zu wollen, dann wird Joshua gezwungen sein, eine obligatorische Pflicht-Titelverteidigung gegen den Sauerland-Boxer Kubrat Pulev zu machen. Joshua allerdings möchte seine drei WM-Titel mit dem WBC-Titel des WBC-Champions Deontay Wilder und  dem WBO-Titel des WBO-Champion Joseph Parker vereinen.

Joshua dagegen ist seinerseits bereit für eine Revanche und einen Rückkampf gegen den Engländer Dillian Whyte. Dies wäre ein sehr interessanter Kampf in Großbritannien. Joshuas Promoter Eddie Hearn gibt zu, dass es sehr schwierig sein wird, alle Gürtel behalten zu können und dass er wie auch Joshua dazu bereit ist, wenn es denn sein müsste und dies einem großen und lukrativem Kampf im Weg stehen würde, auf einen der Titel zu verzichten. Joshua: „Ich möchte mich von keinem Weltverband zu einem Kampf, den niemand sehen will, zwingen lassen.“  Eddie Hearn: „Wenn uns ein Verband zu einem Kampf verpflichten möchte, den unsere Fans nicht sehen wollen und diese Verpflichtung dann einem größeren und attraktiveren Kampf entgegenstehen würde, dann geben wir diesen Gürtel einfach zurück.“  Das hört sich dann schon so an als meinten beide wohl die Plicht-Titelverteidigung des IBF-Gürtels gegen Kubrat Pulev.

„Es wird irgendwann schwierig werden alle Titel immer fristgerecht zu verteidigen“, sagte Eddie Hearn zum englischen TV-Channel Sky Sports. „Anthony möchte Vereinigungskämpfe, er will mit Joseph Parker kämpfen und er will mit Deontay Wilder kämpfen. Aber unsere Planung mit Anthony Joshua sind nicht nur zwei oder drei Kämpfe sondern seine Karriere wird sicher noch 8 bis 10 Jahre andauern und da werden wir gegen alle boxen die es verdient und einen attraktiven Namen haben.“ Dillian Whyte ist zum Beispiel ein Boxer den Joshua zwar schon einmal geschlagen hat, aber er ist ein Gegner gegen den Joshua auch gerne noch einmal kämpfen möchte, weil dies eben ein Fight ist den die Fans in England sehen möchten und der eine volle Halle garantiert.  Hearn: „Es ist eher möglich dass Anthony in seiner wohl noch langjährigen Karriere lieber manche der Topp-Gegner zwei, drei oder auch vier Mal boxt, als dass er gegen unattraktive und unqualifizierte Gegner in den Ring steigen wird. Sein Anspruch ist es nur die Besten zu boxen!“

Joshua möchte gegen Wilder oder Parker die Titel vereinigen
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Arthur Abraham - Chris Eubank jr. / Foto: Sebastian Heger
Arthur Abraham – Chris Eubank jr. / Foto: Sebastian Heger

Chris Eubank jr.: „Arthur hat gegen mich keine Chance. Er ist viel zu alt.“

Er ist wieder im Rennen! Arthur Abraham bekommt nach seinem Sieg gegen Robin Krasniqi einen großen Kampf. Am 15. Juli wird der Berliner in der SSE Arena Wembley gegen Chris Eubank Jr. (Sohn des legendären Chris Eubank) um die IBO-Weltmeisterschaft im Super-Mittelgewicht boxen. Abraham verspricht: „Ich habe noch sehr viel vor. Diesen Titel werde ich nach Deutschland holen!“

Arthur Abraham / Foto: Sebastian Heger
Arthur Abraham / Foto: Sebastian Heger

Die Aufgabe für den Ex-Weltmeister ist allerdings eine ganz harte Nummer. Der Sohn von Box-Legende Chris Eubank, Chris Eubank Jr. gehört zu den besten Super-Mittelgewichtlern der Welt. Seine Kampfbilanz: 25 Kämpfe, 24 Siege! Er ist amtierender IBO-Weltmeister und war WBA-Interimsweltmeister im Mittelgewicht. Zudem hat er in London ein Heimspiel. Nisse Sauerland: „Für Arthur ist dies eine Riesen-Chance. Er muss sein bestes Boxen an diesem Abend zeigen, um in der Boxhauptstadt London zu gewinnen.“ Sauerland-Geschäftsführer Frederick Ness ergänzt: „Wir wollen große Kämpfe präsentieren, dies ist einer!“ – und „nicht nur in England und Deutschland, sondern darüber hinaus“, sagt wiederum Nisse Sauerland. 

Arthur Abraham - Chris Eubank jr. / Foto: Sebastian Heger
Arthur Abraham – Chris Eubank jr. / Foto: Sebastian Heger

Das sieht auch Box-Legende Chris Eubank so. Der Coach und Manager seines Sohnes ist. „Er wird ein großer Kampf. Aber Arthur, das tut mir leid, du bist wie ein deutscher Panzer, der nur nach vorne fahren kann, aber nicht zurück oder seitwärts. Du wirst dich selber schlagen.“ Der stets besonnene Arthur Abraham konterte locker: „Die Sprüche gehören dazu, das verstehe ich, aber ich boxe überall auf der Welt, gegen jeden Gegner – und am 15. Juli werde ich siegen und den Titel mit nach Hause nehmen.“

Chris Eubank Jr. wirkte auf der Pressekonferenz im Berliner Titanic Hotel sehr selbstbewusst. Während sein Vater und sein Trainer Ronnie Davies sehr höflich ihre Kampfansagen machten, sagte der 27-jährige Engländer: „Meine Leute sind immer sehr freundlich, das bin ich nicht! Arthur hat gegen mich keine Chance, er hat keine Möglichkeit mich im Ring zu erwischen. Er ist zu alt und zu langsam für mich – und er wird deutlich verlieren.“

Abrahams Trainer Ulli Wegner kann darüber nur lachen: „Wir wissen, wie Eubank boxt, haben ihn genauestens studiert. Wir fahren nicht nach England, um dort zu verlieren. Als ich von der Kampfansetzung hörte, bin ich drei Meter vor Freude in die Luft gesprungen.“ Das soll was heißen…

Gegen Eubank in London: Arthur Abraham will Titel nach Deutschland holen!
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Lennox_Lewis_vs_Mike_Tyson_2002Am 8. Juni 2002 fand der bis dahin teuerste WM-Fight in der Geschichte des Profi-Boxens statt. Der unumstrittene Weltmeister im Schwergewicht Lennox Lewis (England) verteidigte seine Titel nach Version der WBC, IBF und IBO gegen seinen langjährigen Erzrivalen Mike Tyson (USA) in der „Pyramid“-Arena in Memphis (Tennessee, USA). BOXEN1 blickt in diesem Beitrag auf die Vorgeschichte und den Kampfverlauf des Mega-Showdowns der beiden Hall-of-Famer zurück!

Mike Tyson – Vom Problem-Kind zum Schwergewichts-König

1983: Lewis der zweite von links, Cus D’Amato in der Mitte, Tyson ganz rechts
1983: Lewis der zweite von links, Cus D’Amato in der Mitte, Tyson ganz rechts

Schon viele Jahre vor ihrem berühmten Aufeinadertreffen, standen sich der 15-jährige Mike Tyson und der 16-jährige Lennox Lewis als Teenager zu Amateur-Zeiten in mehreren Sparringsrunden gegenüber. Beiden Boxern wurden schon damals, Anfang der 80er Jahre, vielversprechende Chancen auf jeweils große Karrieren prophezeit. Sowohl Tyson als auch Lewis galten als extrem talentiert. Doch die beiden Nachwuchsboxer hätten sowohl von ihren Eigenschaften, als auch von ihren Persönlichkeiten her kaum unterschiedlicher sein können. Während Lennox Lewis eher wohlbehütet von seiner liebevollen Mutter aufgezogen wurde, musste der kleine Mike Tyson von frühester Kindheit lernen, was es heißt, sich durchzuboxen.

Ohne in einem behutsamen Elternhaus aufzuwachsen, landete der jugendliche und bereits mehrfach vorbestrafte Mike Tyson in der Obhut des damaligen Star-Betreuers Cus D’Amato. Der frühere Trainer und Manager von Ex-Champion Floyd Patterson formte den hoch ambitionierten aber schwer zu vermittelnden Tyson innerhalb kurzer Zeit zu einem aufstrebenden Schwergewichts-Star. Nach einigen nationalen und internationalen Erfolgen bei den Amateuren, wurde Tyson im zarten Alter von nur 18 Jahren Profi. In den darauffolgenden anderthalb Jahren fegte er einen Gegner nach dem anderen aus dem Weg und machte sich somit, in beeindruckender Manier, einen Namen als „KO-Monster“.

Mike Tyson – jüngster Schwergewichts-Weltmeister aller Zeiten

Im November 1986 (inzwischen verstarb sein Ziehvater und Mentor Cus D’Amato) bekam er dann seine erste große Chance. Gegen den amtierenden WBC-Weltmeister und früheren Muhammad-Ali-Bezwinger Trevor Berbick wurde er durch einen brutalen KO-Sieg in der zweiten Runde, mit gerade einmal 20 Jahren, jüngster Schwergewichts-Champion aller Zeiten. In den Folge-Jahren vereinigte er alle wichtigen WM-Verbände und festigte seinen Ruf als unumstrittene Nummer 1 im Schwergewicht mit vorzeitigen Siegen gegen Top-Boxer wie Larry Holmes, Michael Spinks und Tyrell Biggs. „Iron“ Mike galt zur damaligen Zeit für viele Experten als unschlagbar. Völlig überraschend verlor er seine Titel im Februar 1990 durch eine sensationelle KO-Niederlage gegen den krassen Außenseiter James „Buster“ Douglas. Von nun an ging es auf der, bisher steilen, Karriere-Leiter bergab!

Im Jahr 1992 musste Tyson eine dreijährige Haftstrafe wegen Vergewaltigung absitzen. Ein Jahr nach seiner Haftentlassung wurde er, im März 1996, mit einem TKO-Sieg über Frank Bruno wieder Schwergewichts-Champ. Doch nur acht Monate später musste sich Mike Tyson, in einem grandiosen Fight, in der elften Runde gegen Evander Holyfield geschlagen geben. Den Rückkampf, im Juni 1997, werden wohl viele Beobachter in negativer Erinnerung haben. Im dritten Durchgang brannten bei Tyson die Sicherungen durch und er biss Holyfield zweimal in dessen Ohr! Tyson wurde daraufhin disqualifiziert und für ein Jahr die Boxlizenz entzogen.

Nachdem Mike Tyson ab Januar 1999 einige Siege gegen durchschnittliche Kontrahenten wie Francois Botha, Lou Savarese und Brian Nielsen erringen konnte, wollte er zum dritten Mal in seiner bemerkenswerten Laufbahn wieder zurück auf den WM-Thron und (vorallem) erneut an große Zahltage anknüpfen. Doch der mittlerweile unumstrittene Schwergewichts-Champion hieß Lennox Lewis und hatte ganz gewiss etwas gegen diesen Plan!

Lennox Lewis – Erfolge ohne Skandale

Im Gegensatz zu Mike Tyson verlief das Leben und die Karriere des Lennox Lewis wesentlich ruhiger und skandalfreier. Als sich Tyson 1986 zum jüngsten Schwergewichts-Champion der Geschichte krönte, war Lewis noch ein aufstrebender aber unbekannter Amateurboxer. Im Jahr 1988 holte er sich im Finale gegen Riddick Bowe olympisches Gold. Ein Jahr später wurde er Profi. 1993 wurde er zum WBC-Weltmeister erklärt und verteidigte in der Folgezeit seinen Titel unter anderem überzeugend gegen Frank Bruno und Tony Tucker. Zu dieser Zeit saß Mike Tyson bereits im Gefängnis. Völlig überraschend verlor Lewis im September 1994 seine WM-Krone durch KO in der zweiten Runde gegen Oliver McCall.

Doch drei Jahre später holte er sich in einem Rückkampf gegen McCall den WM-Gürtel durch einen vorzeitigen Sieg wieder zurück. Von nun an schien eine neue Ära begonnen zu haben! Nachdem Lewis seinen zurück eroberten Titel überzeugend gegen Andrzej Golota, Shannon Briggs und Zejlko Mavrovich verteidigen konnte, kam es im März 1999 zum großen Unification-Fight gegen Evander Holyfield. Obwohl Holyfield über weite Strecken klar von Lewis beherrscht wurde, errechnete das Kampfgericht ein skandalöses Unentschieden. Doch im Rückkampf, im November des selben Jahres, siegte Lewis dann einstimmig nach Punkten und wurde somit unumstrittener Weltmeister aller Klassen.

Nachdem Lennox Lewis auf dem Höhepunkt seiner Laufbahn angekommen war, wartete die Boxwelt auf den großen Showdown gegen seinen früheren Sparringspartner und Box-Ikone Mike Tyson. Doch die sensationelle KO-Niederlage gegen Hasim Rahman im April 2001, schien den Plänen einen Strich durch die Rechnung zu machen. Aber schon einige Monate später schlug Lewis Rahman in Runde vier in einer Neuauflage schwer KO und war damit zum dritten Mal Schwergewichts-Weltmeister. Nun schien nichts mehr einem Fight zwischen Lewis und Tyson im Wege zu stehen!

„Ich werde deine Kinder fressen!“

Tyson_Lewis-plakatSchon im Vorfeld des Mega-Events, sorgte vorallem Mike Tyson mit Verbal-Angriffen immer wieder für Furore. In einem interview kündigte Tyson an, dass er Lennox Lewis das Herz heraus reißen und dessen Kinder, die dieser damals noch nicht hatte, fressen wolle. Ursprünglich sollte das Gefecht am 6. April 2002 in Las Vegas stattfinden. Doch auf einer Pressekonferenz im Januar kam es zu einem erneuten Ausraster von Tyson, als dieser Lennox Lewis attackierte und dabei in dessen Bein biss. Wieder drohte das Gefecht zu platzen!

Aber nach mehreren zähen Verhandlungen kam es dann am 8. Juni in der „Pyramid“-Arena in Memphis zum lang erwartenden Prestige-Duell! In dem bis dato teuersten WM-Kampf in der Geschichte des Faustkampfes, kamen wohl alle Beteiligten, in wirtschaftlicher Hinsicht, auf ihre Kosten. Das Event brachte ein Gesamt-Umsatz von circa 100 Millionen Dollar ein! Die TV-Anstalten erwarteten Traum-Quoten und alles lauerte auf einen der größten WM-Fights aller Zeiten.

Bevor beide Boxer in den Ring stiegen waren die Sicherheitsmaßnahmen, aufgrund der Vorkommnisse und der besonderen Brisanz, verschärfter als eh und je. Zum ersten Mal seit einigen Jahrzehnten erfolgte nicht der obligatorische ,“Stare-Down“, wobei beide Boxer letztmalig durch den Ringrichter belehrt wurden. Stattdessen wurden Lewis und Tyson durch eine Mauer von Security-Mitarbeitern, kurz vor dem ersten Gongschlag, getrennt.

Tyson chancenlos gegen den Champion!

Als es dann endlich zum ersten Durchgang läutete, hatte die Stimmung ihren Siedepunkt erreicht. Einzig allein in der ersten Runde hatte „Iron“ Mike seine besten Momente. Mit kurzen linken und rechten Haken konnte er den Weltmeister einige Male treffen. Doch schon ab der zweiten Runde zeichnete sich ab, wer hier heute der Chef im Ring war! Immer wieder gelang es Lennox Lewis mit seiner langen linken Führungshand den kleineren Mike Tyson auf Distanz zu halten. Auch die rechte Schlaghand von Lewis fand, von Runde zu Runde, immer besser ihr Ziel.

Tyson verlor, nach und nach, immer mehr an Substanz. Die einstige Schnelligkeit und Explosivität die ihn zu seiner Glanzzeit so ausgezeichnet hat, war nicht mehr zu sehen. Einen harten Treffer nach dem anderen musste er vom Titelverteidiger kassieren. In der vierten Runde wurde Lennox Lewis vom Ringrichter wegen Runterdrückens und Nachschlagens verwarnt. Doch der ließ sich von seinem Plan nicht abbringen und dominierte Tyson im weiteren Verlauf des Kampfes nach Belieben.

Das zu erwartende Ende kam dann im achten Durchgang. Mit einem krachenden linken Aufwärtshaken schickte Lewis seinen Widersacher kurz in die Knie. Tyson wurde darufhin angezählt, wobei er den Ringboden gar nicht berührt hatte. Doch Lewis nahm sich die nötige Zeit und schickte Tyson kurze Zeit später mit einer krachenden Rechten auf die Bretter. Der mittlerweile schwer gezeichnete Mike Tyson lag wie ein Häufchen Elend am Boden und wurde von Ringrichter Eddie Cotton ausgezählt. „Ich habe größten Respekt vor Lennox Lewis und verneige mich vor ihm! Er ist ein herausragend guter Boxer!“, lauteten die leisen aber fairen Worte vom geschlagenen Mike Tyson, unmittelbar nach dem Fight.

Damit demonstrierte Lennox Lewis einmal mehr seine Klasse als unangefochtener Schwergewichts-König und konnte somit seinen langjährigen Erzrivalen endlich in die Schranken weisen. Lewis stieg danach nur noch ein einziges Mal gegen Vitali Klitschko in den Ring (Abbruch-Sieg in der 6. Runde) und beendete seine glanzvolle Karriere im Frühjahr 2004.

Mike Tyson stieg nach der KO-Pleite gegen Lewis noch drei Mal in den Ring. Nachdem er im Frühjahr 2003 durch KO in der ersten Runde gegen Clifford Ettiene gewinnen konnte, verlor er zweimal in Folge gegen Danny Williams und Kevin McBride. Im Juni 2005 trat er dann endgültig als Profiboxer zurück. Dennoch zufrieden kann „Iron“ Mike auf seine Zeit als zweimaliger Schwergewichts-Weltmeister, mit vielen Highlights, zurückblicken.

Sowohl Lennox Lewis als auch Mike Tyson wurden inzwischen in die berühmte „Boxing Hall of Fame“ aufgenommen und sind mittlerweile befreundet.

Heute vor 15 Jahren: Lennox Lewis vernichtet den einstigen Superstar Mike Tyson!
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Foto: Wolfgang Wycisk
Foto: Wolfgang Wycisk

Den Krieg in Serbien hatte Emir Ahmatovic für immer hinter sich gelassen, als er 1999 mit seinen Eltern, seinem Bruder sowie seinen beiden Schwestern im hessischen Wetzlar eine neue Heimat fand. Emir ist der Jüngste. Er hat Talent und geht als 12-Jähriger zum Kickboxen. Drei Jahre später wechselte er zum Faustkampf.  Es war mehr aus Höflichkeit gegenüber seinem Coach Günther Hainke. Der hatte ihn zu einem Probetraining überredet, obwohl Emir eigentlich keine Lust dazu hatte. Nach nicht einmal vier Wochen machte Hainke ihn zum Hessenmeister. Jetzt wollte Emir mehr, denn Erfolg macht bekanntlich süchtig.

Vom Vorzeige-Amateur zum Profiweltmeister?

Emir eilte von Titel zu Titel. Nur die deutschen Meisterschaften blieben ihm verwehrt. Ohne deutschen Pass durfte er daran nicht teilnehmen. Günter Hainke war in einem Alter, in dem ihm die langen Reisen zu den Turnieren Probleme bereiteten. Irgendwann konnte er seinen Boxer nicht mehr begleiten. Deshalb wechselte Emir mit Hainkes Segen zum Boxteam Lahn und Rainer Simon. Der Schritt fiel ihm unendlich schwer, aber um in seiner Karriere voranzukommen war er einfach nötig.  

Simon schliff das Talent zu einem „Diamanten“ und brachte ihn in der Bundesliga unter. Der Hesse boxte für Babelsberg, Straubing, Berlin sowie Nordhausen. Die Vereine rissen sich um den zurückhaltenden jungen Mann, der mit einer K.O.-Quote von 68% viele Gegner zerbombte. Emir war ein Legionär, der für den Club antrat, der die beste Börse zahlte. Daraus macht er bis heute keinen Hehl, denn er war auf das Geld angewiesen, um seine Familie zu unterstützen.

Ende 2012 erhielt Emir den deutschen Pass und seine Karriere hob ab. Er wurde Soldat in der Sportfördergruppe Frankfurt / Oder und trainierte bei Ralf Dickert am Leistungsstützpunkt des Deutschen Boxsport-Verbands (DBV) in Berlin. Auf seiner einzigen Deutschen Meisterschaft gewann er Silber. Im Finale unterlag er Eugen Schellenberg. Schon eine Woche später nahm er allerdings Revanche und schlug Schellenberg in der Bundesliga.

Das Jahr 2013 war für ihn voller Höhepunkte:

  • März: Turniersieg beim Chemiepokal in Halle.  Im Finale bezwang er den Italiener Fabio Turchi durch K.O. Unter den Gästen war Ulli Wegner.
  • Juni: Dritter Platz bei der Europameisterschaft in Minsk.  Im Halbfinale unterlag er dem Russen Aleksei Egorov knapp.
  • Oktober: Platz fünf bei der WM in Almaty. Emir konnte sich gegen  den Iren Thomas McCarthy nicht durchsetzen. „Ich hätte mit der Führhand auf Distanz boxen sollen“, haderte er später.  

Verletzungspech als Amateur

emir-ahmatovic-profi2014 wurde er vom DBV als einer der wenigen deutschen Spitzensportler für das APB-Turnier nominiert. Die Nominierung galt weltweit als eine große Auszeichnung, die nur den Stars der internationalen Amateur-Szene vorbehalten war. Mit der APB und ihren Elitekämpfern wollte der Weltboxverband AIBA hochattraktiven Kampfsport anbieten und damit den etablierten Profi-Verbänden Marktanteile streitig machen.

Seine Schlagstärke wurde ihm allerdings beinahe zum Verhängnis. Emir hatte nicht gelernt, auf seinen Körper zu hören. Er ignorierte die Schmerzen in der Schulter, die sich nach jedem „Ahmatovic-Hammer“ meldeten. Zuerst leise, später immer lauter. Stattdessen glaubte er an seine Unverwundbarkeit und trainierte noch härter.

Im Januar 2015 forderte sein Körper den Tribut. Gegen Anton Pinchuk kämpfte er um den Einzug ins APB Turnier-Finale und verletzte sich schwer. Ein MRT brachte die traurige Gewissheit, dass ihm eine Sehne in der Schulter des Schlagarms gerissen war. Die Ärzte rieten zur Operation. Mit dem dritten Platz hätte er die Qualifikation für die olympischen Spiele in Rio eigentlich sicher gehabt. Doch so war sein Traum von den olympischen Spielen zu Ende, bevor er begann.

Ahmatovics Einstand ins Profibusiness

Emir gab nicht auf. Er ließ sich operieren und griff erneut an. Diesmal nicht als Amateur, sondern als Profi. Er wollte zum Sauerland Team und zu Coach Ulli Wegner, den er vom Chemiepokal kannte. Sein Manager Dennis Lindner sprach mit Sauerland. Im Januar 2017 stand er in Wegners Gym und zog sich die Boxhandschuhe an.

Foto von Emir Ahmatovic und Ulli Wegner
Foto: A-Z Sports Management

Emir ist jetzt 30 Jahre alt. Für einen Cruisergewichtler ist es das beste Alter. Deshalb möchte er schnell nach oben und er weiß, dass ihn Wegner zum Titel führen kann. Angst, dass sich sein 75-jähriger Trainer vorher zur Ruhe setzen könnte, hat er nicht. „Herr Wegner geht erst in Rente, wenn es auf der Welt keine Boxer mehr gibt“, da ist er sich sicher.

Im Ring denkt Emir wie ein Schachspieler. Zuerst den Gegner testen, danach ihm eine Falle stellen und zum Schluss den König mit der Dame matt setzen. Nur das seine Dame die brutale Schlaghand ist. Wie das aussieht, zeigte er in seinem zweiten Profikampf gegen Mateusz Gatek. Ein gut vorbereiteter „Ahmatovic-Hammer“ fällte den Polen in der dritten Runde.

Natürlich will Emir Weltmeister werden. Dafür hat er sein eigenes Projekt aufgesetzt, 2019 will er um einen WM-Titel fighten. Das „Projekt 2019“ lief gut an. Bis jetzt bestritt er zwei Kämpfe, die er beide gewann.

Zweieinhalb Jahre will er sich Zeit geben, um dann den alles entscheidenden Fight zu bestreiten. Das  bedeutet, dass er schon bald um kleinere Titel boxen wird, wie Interconti- oder Europameisterschaften. Noch konnte sich sein Team die Gegner aussuchen, aber das wird eher früher als später nicht mehr gehen. Dann muss er jeden schlagen, der ihm den Weg nach oben versperrt. Mario Daser zum Beispiel, oder Krzysztof Wlodarczyk, der zuletzt seinen Teamgefährten Noel Gevor schlug. Oben in der deutschen Rangliste ist auch noch der Wikinger Artur Mann zu finden und Muamer Hukic, besser bekannt als „Käpt‘n Marco Huck“, der einst in den Diensten des Sauerland Teams stand und von Ulli Wegner zum WM-Titel geführt wurde.

Für Wegner hat sein Cruisergewichtler das Potential und das Talent jeden zu schlagen, auch den Käpt’n. Allerdings will er sich mit Kämpfen dieses Kalibers noch nicht beschäftigen. Erst einmal möchte er seinen Neuen aufbauen. „Dafür“, so der Kulttrainer, „braucht es aber keine zweieinhalb Jahre.“

Am 17. Juni wird Emir Ahmatovic in seiner Heimat Wetzlar zu seinem dritten Gefecht in den Ring klettern. Ein Sieg ist Pflicht, ein vorzeitiger die Kür.

Emir Ahmatovic – Projekt Weltmeister
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Brook vs Spence

Spence nun endgültig der neue Superstar im Weltergewicht

In einem aktionsgeladenen und spektakulären Kampf sicherte sich gestern Abend der 27jährigen Errol Spence jr. (22-0-0. 19 KO-Siege) aus Desoto, Texas, USA, im mit 30.000 Zuschauern ausverkauften Bramall Lane Football Ground in Sheffield, Yorkshire, UK,  durch einen tKO Sieg in der 11. Runde über den einheimischen Kell Brook (36-2-0, 25 KO-Siege) den WM-Gürtel der IBF im Weltergewicht. Es war der erste Sieg eines US-Amerikaners nach über 10 Jahren in dem ein US-Boxer in England einen Champion entthronte.

Nach einer guten ersten Runde, die an Spence ging, übernahm der Titelverteidiger die Initiative und machte Druck und schob dabei Spence teils durch den Ring. Im ersten Teil des Kampfes boxte Brook in einem Stil der an frühere Klitschko- oder Ward-Kämpfe erinnerte. Der Titelverteidiger unterband jegliche Angriffe von Spence meist durch klammern und sich auf den Gegner legen und diesen durch den Ring zu schieben. Allerdings machte Brook dies sehr erfolgreich und lag so nach der ersten Hälfte des Kampfes sicher auf den Punktzetteln der Punktrichter klar in Front. Allerdings sah man auch schon in der ersten Hälfte des Kampfes, dass die wenige Schläge die Spence ins Ziel brachte allesamt klarere und saubere Treffer waren die auch teils Wirkung hinterließen. Der in Rechtsauslage boxende Spence jr. deckte von Runde zu Runde Brook mit genauen Körpertreffern ein, die dieser aber bis zu Beginn zur 7. Runde wegzustecken schien. Ab der 7. Runde dann begann nach einem der vielen klaren rechten Jabs des Herausforderers das linke Auge von Brook anzuschwellen.

In der 10. Runde dann musste Brooks nach Bilderbuch-Kombinationen von Spence zum ersten Mal Bodenbekanntschaft machen und wurde von Ringrichter Howard John Foster angezählt. Nun sah es so aus als hätte Spence zwei Gänge hochgeschaltet und er erhöhte die work rate und trieb nun seinerseits Brook durch den Ring. Spence und seine Ecke schienen zu wissen, dass es sicher besser ist diesen Kampf vorzeitig zu gewinnen als sich auf die Punktrichter zu verlassen, die sicher Brook immer noch in Front hatten. Das zeigte Spence dann auch in der 11. Runde, die er so begann wie er die 10. beendet hatte. Er trieb den Lokalmatador mit Traumkombinationen durch den Ring und traf diesen nun nach belieben. Harte Punches zu Kopf und Körper und immer wieder auf Brooks inzwischen stark lädiertes Auge, zwangen dann Brook sich kniend auszählen zu lassen. In den letzten drei Runden landete Spence 92 Treffer und es war dann letztlich vernünftig, dass sich Brook eine weitere Runde der Bestrafung ersparte.

„Ich bin hier her gekommen und habe versucht, heute Abend mein Bestes zu geben und ich bin froh, dass ich den Kampf gewonnen habe, aber ich sehe meine Leistung doch etwas kritisch“, sagte Spence.

„Ich habe meine Linke zu wenig eingesetzt. Ich gebe mir selbst für diesen Kampf heute nur eine 2- da ich es mir selbst so schwer gemacht habe in der ersten Hälfte des Kampfes mir die Runden zu sichern.  Ich kann es noch viel  besser! Brook ist ein großer Boxer, ein echter Champion und ein verbissener Fighter. Ich bin in die Höhle des Löwens gekommen um mir den Titel zu holen. Das ist es was echte Champions tun und ich habe heute Nacht wie einen echter Champion gekämpft und allen bewiesen dass ich ein richtiger Fighter und ein würdiger Champion bin. 

Dieser Kampf war härter als ich dachte. Ich habe allen gezeigt, dass ich auch dann wenn ich mit Widrigkeiten konfrontiert werde gewinnen kann. Brook ging nach Amerika, um den Titel von einem Amerikaner zu gewinnen und ich kam hierher in seine Heimatstadt, um diesen Titel von ihm zurückzuholen und wieder mit nach Amerika zu nehmen. Ich wollte wie echter Champion gewinnen und genau das habe ich heute Abend hier getan.

Am Ende des Kampfes war er verletzt. Er war müde und es kam dann der Moment als ich merkte, dass ich noch mehr tun musste um hier zu gewinnen,“ sagte der neue Weltmeister in der Pressekonferenz nach dem Kampf.

Als der 27-jährige Texaner über seine Pläne für die Zukunft gefragt wurde, antwortete er ohne zu zögern: „Jetzt habe ich den ersten Gürtel. Ich möchte die WM-Titel im Weltergewicht vereinen. Ich will alle Champions boxen und alle Titel besitzen. Ich will Keith Thurman und ich will Manny Pacquiao boxen. Ich will der Welt zeigen, dass ich der Beste bin.“

Brook, der mit dem Ausgang des Kampfes deutlich enttäuscht war, sagte dass Spence ihn in der 7. Runde am Auge verletzt habe:

„Er traf mich in der 7. am Auge und es fühlte sich wirklich schlecht an“, sagte Brook. „Es war das gleiche schlimmsten Gefühle wie ich es auch hatte als GGG mich traf, um meinen Orbitalknochen zu brechen. Es war verheerend Ich konnte einfach nicht mehr sehen.  Aber es war glaube ich ein würdiger WM-Kampf. Er hat einige Runden gewonnen, aber ich habe wohl einige Runden mehr gewonnen. Ich fühlte den Kampf zu gewinnen, bis das mit dem Auge passierte. Ich konnte einfach nichts mehr sehen. Du kannst nicht kämpfen, wenn du nicht sehen kannst. Ich bin in der 10. Runde zu Boden gegangen und ich bin aufgestanden, weil ich ein Krieger bin. Ich stand auf und kämpfte weiter, aber in der 11. Runde konnte ich dann gar nichts mehr sehen und ich musste  mich hinknien um den Kampf selbst zu beenden.“

Spence landete 44 Prozent seiner harten Treffer (vergleichbar mit den fast 43 Prozent, die er in seinen vier früheren CompuBox-verfolgten Kämpfen landete) und 71 seiner gesamten 246 Treffer waren Körpertreffer.

Kell Brook vs. Errol Spence jr: Das Fight-Video:

 

Errol Spence jr entthront Kell Brook
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Colan1Der irische Box-Hero bestreitet heute seinen 2. Profikampf

Der am 19. Oktober 1991 in Belfast geborene irischen Boxer, Michael Conlan ist der erfolgreichste Amateurboxer den Irland je hervorgebracht hat. Conlan war der einzige irische Amateur-Weltmeister den es in der Geschichte Irlands jemals gab. 2012 bei den Olympischen Spielen in London gewann Conlan als 20jährier die Bronzemedaille im Bantamgewicht. Im Jahre 2014 gewann Conlan dann die Goldmedaille bei den Commonwealth Games. Ein Jahr darauf erboxte er sich bei der Weltmeisterschaft in Doha, Katar, durch einen Finalsieg über den Usbeken Murodjon Ahmadaliyev den Weltmeistertitel im Bantamgewicht und war damit der erste Amateur-Boxweltmeister in der Geschichte Irlands. Im gleichen Jahr holte Conlan auch noch die Golfmedaille bei der Europameisterschaft. Mit diesen Siegen qualifizierte sich Conlan auch gleich für die Olympischen Spiele in in Rio de Janeiro und galt dort als der große Favorit auf die Goldmedaille. In Rio schaffte er es dann locker ins Viertelfinale und wurde hier, nach großem Kampf, den er für alle Experten am Ring klar gewonnen hatte, von den Punktrichtern mit einem kuriosen Punkturteil einer Medaille beraubt. Diese Punktentscheidung machte damals große Schlagzeilen und die Punktrichter dieses Kampfes wurden von der AIBA Führung suspendiert und nach Hause geschickt. Das Fehl-Urteil wurde allerdings nicht revidiert.

Seit Anfang des Jahres ist Michael Colan nun Profi. Er bestritt am 17. März im Madison Square Garden sein Profidebut in dem er den US Amerikaner Tim Ibarra in der 3. Runde durch tKO besiegte. Nun steht heute Colans zweiter Profikampf an, den er im UIC Pavilion in Chicago, Illinois in den Vereinigte Staaten gegen den Mexikaner Alfredo Chanez bestreiten wird.  Der Kampf wir natürlich nicht nur in Irland sondern im gesamten Vereinigten Königreich übertragen werden.

Das Video vom Wiegen

Conlan

Michael Conlan vs. Alfredo Chanez weigh-in
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Foto: Team SES / P. Gercke
Foto: Team SES / P. Gercke

Viele Boxfans und Experten hatten es schon seit einiger Zeit geahnt. Seit gestern ist es Gewissheit: Robert Stieglitz hat seine Karriere beendet! Auf einer Pressekonferenz in Dresden erklärte der Vorzeigeboxer des SES-Stalls das Ende seiner aktiven Laufbahn und schilderte seine Beweggründe. Aus diesem Anlass blickt BOXEN1 zurück auf den Werdegang und die größten Highlights des zweifachen Weltmeisters und (inzwischen zurückgetretenen) Europameisters!

Robert Stieglitz – Der Kämpfer

Robert Stieglitz wurde am 20. Juni 1981 im (heutigen) russischen Jeisk geboren. Nach der Trennung seiner Eltern zog der junge Stieglitz zu seinem Onkel nach Magdeburg. Dort startete er als Amateur für den 1. BC Magdeburg durch und konnte schon hier einige große Erfolge feiern. In dieser Zeit lernte er seinen späteren Promoter Ulf Steinforth kennen, der schon damals dessen Talent erkannte. Es sollte nicht lange dauern, dass Steinforth den jungen Boxer ins weite Land der Berufsboxer holte. Sein Profidebüt erfolgte dann im April 2001 als fast 20-Jähriger, als er in Ilsenburg (Sachsen-Anhalt) Petr Pokornyim schlug. Von nun an ging es steil bergauf! Gemeinsam mit seinem ersten Profi-Trainer Werner Kirsch, zog der ehrgeizige Stieglitz von Sieg zu Sieg.

Robert Stieglitz / Foto: SES Team - P.Gercke
Robert Stieglitz / Foto: SES Team – P.Gercke

Nachdem der Supermittelgewichtler die Titel des IBF-Junioren-Weltmeisters und Intercontinental-Champions gewinnen konnte, kam es, nach 29 Siegen in Folge, zur ersten großen Chance! Im März 2007 boxte Stieglitz in Rostock um die vakante IBF-Weltmeisterschaft gegen den Kolumbianer Alejandro Berrio. Gegen den gefährlichen Berrio stand Stieglitz bereits 15 Monate vorher im Ring und konnte durch technischen Ko gewinnen. Die Vorzeichen standen so günstig wie nie. Die ersten beiden Runden konnte der Magdeburger auch klar für sich entscheiden.

Doch im dritten Durchgang schlug es bei Stieglitz ein und nach zwei Niederschlägen war der Traum vom WM-Gürtel erstmal dahin! Die nächste Chance kam fast genau zwei Jahre später gegen den starken Librado Andrade im kalifornischen Cabazon (USA). Auch hier hatte Stieglitz, nach einem beherzten Fight, das Nachsehen und verlor durch Abbruch in der achten Runde. Die vielversprechende Laufbahn des SES-Boxers drohte ins Wanken zu geraten. Doch Robert Stieglitz ließ sich nicht von seinem „steinigen“ Weg abbringen!

WM-Triumph in der Höhle des Löwen

Nach insgesamt vier Siegen, unter anderem gegen den ungeschlagenen Lukas Wilaschek, erhielt er am 22. August 2009 die zweite Möglichkeit Weltmeister zu werden. Gegen den Lokalmatador und WBO-Weltmeister Karoly Balzsay, boxte Stieglitz in Budapest (Ungarn) nicht nur um den WM-Titel sondern auch um seine weitere Karriere. Dementsprechend motiviert und siegeshungrig präsentierte er sich dann auch im Ring. In einem Gefecht mit hohem Tempo, lag Stieglitz nach acht Runden deutlich zurück.

Eine weitere Niederlage zeichnete sich ab. Doch in der neunten Runde kam der Herausforderer, wie Phoenix aus der Asche, zurück. Immer wieder konnte Stieglitz, der inzwischen von Trainer Torsten Schmitz betreut wurde, den Titelverteidiger klar treffen. Im zehnten Durchgang brachte er den Favoriten wiederum in arge Nöte. In der Pause zur elften Runde nahm Balzsay’s Coach, der leider schon verstorbene Fritz Sdunek, seinen völlig erschöpften Schützling aus dem Kampf. Damit war die Sensation perfekt! Robert Stieglitz war somit nicht nur der erste Weltmeister aus dem SES-Lager, sondern erst der vierte deutsche Boxer, der im Heimatland des Champions die WM-Krone holte.

Unvergessene Schlachten gegen Arthur Abraham und Felix Sturm

Als WBO-Weltmeister im Supermittelgewicht verteidigte er (unter der Leitung von SES-Chefcoach Dirk Dzemski) seinen Titel fortan sechsmal erfolgreich. Dabei konnte er sich gegen Eddy Gutknecht ebenso durchsetzen wie auch gegen Khoren Gevor. Im August 2012 stieg dann in der Berliner O2-World-Arena das heiß ersehnte Duell gegen Arthur Abraham. Nach zwölf spannenden Runden, musste sich Stieglitz nach Punkten geschlagen geben. Der WM-Titel war dahin. Doch der Rückkampf sollte nicht lange auf sich warten lassen!

Arthur Abraham gegen Robert StieglitzNur sieben Monate später kam es in der Magdeburger GETEC-Arena zur Neuauflage. Viele Experten glaubten an einen erneuten Sieg von Abraham. Stieglitz belehrte sie eines Besseren. Wie von der Tarantel gestochen schlug er auf den „Abrahammer“ ein! Nach nur drei Runden war das Auge von Abraham völlig zugeschwollen und der Kampf wurde abgebrochen. Somit krönte sich Stieglitz zum zweiten Mal mit dem WBO-Gürtel und setzte das eindrucksvolle Statement, dass mit einem Robert Stieglitz immer zu rechnen ist!

Zwei siegreiche Titelverteidigungen folgten, ehe es dann, wiederum in Magdeburg, zum dritten Fight mit Arthur Abraham kam. Nach elf ausgeglichenen Runden musste Stieglitz in der letzten Runde nach schweren Treffern des Sauerland-Stars zu Boden. Am Ende siegte Abraham mit einem 2:1-Urteil nach Punkten. Ein sofortiges Rematch fand nach dem erneuten Titelverlust nicht statt.

Dafür stieg er im November 2014, in einem deutsch-deutschen Duell, gegen den mehrfachen Mittelgewichts-Weltmeister Felix Sturm in den Ring. Nach einem spannenden und hochklassigen Kampfverlauf lautete das Urteil Unentschieden. Direkt im Anschluss folgte im Juli 2015, in Halle (Westfalen), der vierte und letzte Teil der Stieglitz-Abraham-Reihe. Doch es sollte für Stieglitz kein Happy End geben! In der sechsten Runde siegte Abraham durch TKO.

Karriere-Ausklang im Halbschwergewicht

Foto: SES Boxing / P. Gercke
Foto: SES Boxing / P. Gercke

Nach der letzten Abraham-Niederlage entschied der Magdeburger und dessen Team ins Halbschwergewicht aufzusteigen. Im November des letzten Jahres holte er sich, durch einen klaren Punktsieg gegen den Franzosen Mehdi Amar, den Europameister-Titel (EBU). In seinem letzten Auftritt als Berufsboxer, verteidigte er in Leipzig seinen Titel gegen den unangenehmen Nikola Sjekloca mit einem Unentschieden. Trotz eines starken Fights war Stieglitz anzumerken, dass die biologische Uhr eines Profiboxers am Ablaufen ist.

Nun ist die endgültige Entscheidung gefallen. „Nach dieser langen Zeit der Überlegungen, sage ich als Aktiver dem Boxsport Lebewohl und mache Platz für die ‚Neue Generation‘. Mein Wille, mein Kampfgeist sind zwar noch da, aber mit 35 Jahren will der Körper nicht mehr so, wie ich es noch brauche, um im Ring weiter auf hohem Niveau erfolgreich zu sein.“, erklärte Stieglitz seine Entscheidung und die Hintergründe.

Foto: Team SES / P. Gercke
Foto: Team SES / P. Gercke

Nach genau 50 Siegen, bei nur 5 Niederlagen und zwei Unentschieden, kann Robert Stieglitz wohl zufrieden und stolz auf eine erfolgreiche Zeit als Profiboxer, mit einigen WM-Triumphen und vielen Höhepunkten, zurückblicken. BOXEN1 wünscht Robert Stieglitz in seinem weiteren Leben, abseits des Boxrings, alles erdenklich Gute!

Robert Stieglitz – Das Ende einer aufregenden Karriere
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Foto: Marianne Müller
Foto: Marianne Müller

Er ist einer der erfolgreichsten deutschen Boxer aller Zeiten: Markus Beyer! Dreimal war er Weltmeister des wohl prestige-trächtigsten Weltverbandes WBC. In seiner langen Karriere als Aktiver setzte der in Erlarbrunn geborene Sachse viele Glanzlichter. Am 28. April feierte er seinen 46. Geburtstag. BOXEN1 besuchte Markus Beyer in seiner Heimat Schwarzenberg und sprach mit dem Ex-Weltmeister über seine große Vergangenheit und sein heutiges Leben.

Vom Fußball-Talent zum Box-Star

Markus Beyer zusammen mit Papa Siegfried / Foto: Markus Beyer privat
Markus Beyer zusammen mit Papa Siegfried / Foto: Markus Beyer privat

Das Boxen bekam Markus Beyer schon in die Wiege gelegt. Denn Papa Siegfried war selbst ein talentierter Boxer und späterer Trainer. So erlernte der „kleine“ Markus den Faustkampf von der Pieke auf. Doch auch in anderen Sportarten zeigte er in jungen Jahren durchaus Talent. So versuchte er sich in Ski-Langlauf und Fussball. Gerade als Kicker war Beyer sehr ambitioniert. Dennoch packte ihn die Leidenschaft und der Ehrgeiz zum Boxen.

„Beim Fußball ist man immer auch auf seine Mitspieler angewiesen. Im Boxring hat man alles in den eigenen Händen und ist nur auf sich selbst angewiesen!“, beschreibt Beyer seine einstigen Beweggründe. Bereits mit 8 Jahren bestritt er seinen ersten Amateurkampf. Mit 13 Jahren kam Beyer in die Sportschule bei „Wismut Gera“. Bereits in dieser Zeit, machte er erste Bekanntschaft mit seinem späteren Profi-Coach Ulli Wegner.

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Markus Beyer beim Training im Box-Club Erzgebirge / Foto: privat

Von nun an ging es steil bergauf. Markus Beyer wurde mehrfacher DDR-Meister im Jugend- und Männerbereich. Seinen bis dahin größten Erfolg schaffte er 1988, als er in Danzig (Polen) Junioren-Europameister im Fliegengewicht wurde. Noch im selben Jahr schlug er (den späteren Amateur-Weltmeister und Bezwinger von Oscar De La Hoya) Marco Rudolph im, wesentlich schwereren, Federgewicht. Als dann 1989 der historische Mauerfall folgte, stand die weitere Laufbahn für den damals 18-jährigen Markus Beyer vorübergehend im Ungewissen!

„Für mich stand schon zu DDR-Zeiten fest, dass ich 1992 unbedingt bei den olympischen Spielen in Barcelona boxen wollte. Aber dass ich eines Tages einmal Profiboxer werde, war vor der Wende natürlich nicht abzusehen. Ursprünglich war für mich ein Sport-Studium als Sportlehrer geplant, um nach meiner Zeit als Aktiver, in die Trainer-Schiene einzusteigen.“

Große Ehre - Beyer zusammen mit Muhammad Ali / Foto: Markus Beyer privat
Große Ehre – Beyer zusammen mit Muhammad Ali / Foto: Markus Beyer privat

Im Jahr 1992 erfüllte sich sein Traum vom olympischen Einsatz in Barcelona. Jedoch musste er sich schon im Achtelfinale dem bärenstarken Kubaner Juan Carlos Lemus geschlagen geben. Vier Jahre später griff Beyer erneut nach dem olympischen Lorbeer. In Atlanta (USA) konnte er bereits im ersten Kampf den dreifachen Weltmeister Francisc Vastag (Rumänien) überzeugend schlagen. Doch auch diesmal schien das Glück nicht auf Beyers Seite zu sein!

Im Viertelfinale verlor er gegen den Kasachen Yermakhan Ibraimov nach Punkten und reiste wiederrum ohne eine Medaille zurück in die Heimat. Doch schon vor den olympischen Wettkämpfen stand fest, dass Markus Beyer Ende 1996 in den Profi-Stall von Wilfrid Sauerland wechseln würde. Beyer rückblickend: „Dass ich bei meinen beiden Versuchen, eine Medaille bei Olympia zu holen gescheitert bin, war sicherlich enttäuschend. Aber nach Atlanta war mir klar, dass ich alles investieren musste, um bei den Profis so erfolgreich wie möglich zu sein.“

So kam es, dass der mittlerweile 25-Jährige, gemeinsam mit Trainer Ulli Wegner und Teamkollege Sven Ottke, in die große „Profi-Welt“ startete. Sein erfolgreiches Debut als Berufsboxer gab Beyer am 23. November 1996 in der Münchner Olympiahalle, im Vorprogramm des Abschieds-Kampfes von Henry Maske gegen Virgil Hill. Noch sehr gut kann er sich an die Stimmung an seinen ersten Profi-Fight erinnern: „Ich war sehr nervös! Es war eine Wahnsinns-Atmosphäre!“ Von nun ging es, im wahrsten Sinne, Schlag auf Schlag.

WM-Kampf in der Höhle des Löwen

markus-beyer-ulli-wegnerNach insgesamt 16 gewonnen Profi-Fights, kam es dann am 23. Oktober 1999 zu Beyers erster großer Chance. Gegen den britischen WBC-Champion Richie Woodhall ging es in Telford (England) um Alles oder Nichts. „Die Stimmung in der Halle war total aufgeladen und die Zuschauer standen natürlich voll hinter Woodhall.“, erinnert sich Beyer. „Doch ich war in einer blendenden Verfassung und wollte unbedingt Weltmeister werden!“

Schon in der ersten Runde schickte der deutsche Herausforderer den heimischen Titelverteidiger mit einer krachenden Linken zu Boden. Auch in Runde drei musste Woodhall zweimal auf die Bretter. Die Sensation bahnte sich mehr und mehr an. Nachdem Woodhall wehrlos in den Seilen hing und ein drittes Mal in den Ringstaub musste, eilte Promoter Wilfried Sauerland, im Glauben der Kampf sei schon entschieden, jubelnd in den Ring um seinen Schützling zu gratulieren. Doch der Ringrichter gab den Kampf, für viele Beobachter heute noch unverständlicherweise, wieder frei.

markus-beyer-wbc-weltmeisterWoodhall kam wieder zurück in den Kampf und bot Beyer noch ein beherztes Gefecht. Doch der Deutsche hielt durch und konnte am Ende einstimmig nach Punkten gewinnen. Beyer hat es in der Höhle des Löwen geschafft und war damit nach Max Schmeling und Ralf Rocchigiani erst der dritte deutsche Boxer, der im Land des Titelverteidigers Weltmeister wurde. Zudem war er der erste Deutsche, der im Ausland nach Punkten gewann. „Ein unglaubliches Gefühl Profi-Weltmeister zu werden! So richtig realisieren konnte ich diesen Erfolg aber erst in den Tagen und Wochen danach.“, gibt Beyer rückblickend zu Protokoll.

Als der neue Weltmeister dann seinen Titel, drei Monate später in Riesa, durch einen spektakulären Leberhaken-Ko gegen den Schweden Leif Keiski verteidigen konnte, war endgültig ein neuer Box-Held geboren! „Der neue Bubi Scholz!“, titelten die Zeitungen. Aber schon im Mai 2000 verlor Beyer seinen WBC-Titel bei dessen zweiter Titelverteidigung gegen Glenn Catley. Nach elf sehr ausgeglichenen Runden, musste Beyer nach einem Wirkungstreffer kurz zu Boden. Der Titelverteidiger kam zwar wieder auf die Beine, wurde jedoch durch den Ringrichter einige Sekunden später aus dem Kampf genommen. Der WM-Titel war dahin.

Dem Catley-Kampf vorausgegangen war eine Netzhautablösung bei Beyer, der sich, circa sechs Wochen vor dem Fight, einer Augen-OP unterziehen musste. Trotz des Handicaps, möchte Beyer seine Niederlage damit nicht entschuldigen: „Verloren ist Verloren!“

„They never come back…“

Doch Markus Beyer schöpfte wieder neuen Mut und Ehrgeiz. Nach insgesamt acht Siegen erhielt er, im April 2003 in Leipzig, wieder die Chance WBC-Champion zu werden. Gegen den Titelverteidiger Eric Lucas (Kanada) konnte sich Beyer, nach einem sehr starken Kampf auf Augenhöhe, nach Punkten durchsetzen und seinen Gürtel zurückerobern. Doch nach zwei erfolgreichen Titelverteidigungen verlor Beyer seinen Titel, gegen den Italiener Christian Sanavia, erneut. Selbstzweifel kamen ihm auf. Er zog sich den Psychologen Dr. Eckhard Winderl zur Seite. Markus Beyer hat auch heute kein Problem damit, sich damals psychologische Hilfe gesucht zu haben: „Ich war einer der ersten Profi-Sportler, der auch öffentlich dazu stand. Herr Winderl hat mir sehr geholfen!“

Markus Beyer im Kampf gegen Danny Green / Foto: Markus Beyer privat
Markus Beyer im Kampf gegen Danny Green / Foto: Markus Beyer privat

Schon vier Monate nach dem Titelverlust kam es, im Oktober 2004 in der Erfurter Messehalle, zum Rematch mit Sanavia. In der sechsten Runde schlug Beyer den Italiener schwer Ko und wurde somit zum dritten Mal WBC-Weltmeister im Supermittelgewicht. Von nun an schien Beyer mental stärker denn je zu sein! Einen seiner zweifellos besten Kämpfe, bestritt Beyer im März 2005 gegen den Weltklasse-Boxer Danny Green in Zwickau. Schon zwei Jahe zuvor stand Beyer dem Australier gegenüber und gewann, nachdem er zweimal am Boden war, durch Disqualifikation.

Von Beginn an konnte er den brandgefährlichen Green unter Druck setzen und immer wieder klare Treffer zum Körper und Kopf landen. Zu Beginn der zwölften und letzten Runde, gab es noch einen Schock-Moment. Der Titelverteidiger musste nach einem Schlaghagel Greens kurz angezählt werden. Doch Beyer bewies, dass er sich mental sehr weiterentwickelt hat und hielt durch. Beyer siegte überzeugend nach Punkten und konnte mit dieser Vorstellung viele seiner Kritiker in die Schranken weisen. „Der Sieg gegen Danny Green war definitiv eines meiner größten Highlights!“, resultiert Beyer.

Markus Beyer beim VOX "Ewige Helden" Pressetermin, im Dezember 2015. / Foto: 9EkieraM1
Markus Beyer beim VOX „Ewige Helden“ Pressetermin, im Dezember 2015. / Foto: 9EkieraM1

Nach drei Titelverteidigungen kam es dann im Oktober 2006 zur großen WM-Vereinigung gegen den ungeschlagenen WBA-Champion Mikkel Kessler in dessen Heimatland Dänemark. Nachdem Beyer in den ersten Runden gut zum Körper traf und Kessler sogar eine Rippe brach, ging der Deutsche nach einer krachenden rechten Geraden, im dritten Durchgang Ko. Das sportliche Ende schien nach dieser Niederlage sehr nah zu sein. Auch die Zusammenarbeit mit dem Sauerland-Stall war seither beendet.

Doch Beyer gelang unter der Leitung von Ahmet Öner, anderthalb Jahre später, ein siegreiches Comeback gegen den Russen Murad Makhudov. Danach war sogar ein Fight gegen den einstigen Superstar Roy Jones Jr. im Gespräch. „Gegen Jones Jr. wäre ich im Madison Square Garden sogar umsonst angetreten!“, blickt Beyer mit einem Schmunzeln zurück. Doch eine schwere Verletzung im Lendenwirbel machte ihm einen Strich durch die Rechnung und zwang ihn zum endgültigen Rücktritt als Aktiver.

Nach insgesamt 35 Siegen, bei drei Niederlagen und einem Unentschieden, kann der dreifache WBC-Weltmeister im Supermittelgewicht, letztlich durchaus zufrieden auf seine Karriere zurückschauen: „Ich bin schon stolz auf meine Erfolge und konnte mit meinen WM-Triumphen bei den Profis die Ziele erreichen, die mir bei den Amateuren bei Olympia verwehrt blieben.“

Markus Beyer – Immer noch sehr gefragt!

Markus Beyer als SAT1-Experte zusammen mit Ingo Rohrbach / Foto: Markus Beyer privat
Markus Beyer als SAT1-Experte zusammen mit Ingo Rohrbach / Foto: Markus Beyer privat

Heute, fast zehn Jahre nach dem Ende seiner aktiven Laufbahn, ist Markus Beyer immer noch sehr aktiv – wenn auch außerhalb des Boxrings. Als Experte, nicht nur für den MDR, ist er schon seit geraumer Zeit sehr gefragt bei Box-Veranstaltungen. Außerdem ist er Markenbotschafter für den Energy-Drink „LEVYOS“. In seinem heimatlichen Boxverein „Box-Club Erzgebirge“ ist er, gemeinsam mit Vater Siegfried, als Trainer aktiv. Des Weiteren gibt er hin und wieder Box-Kurse im „Robinson-Club“ im türkischen Camyuva und marokkanischen Agadir.

Auch im privaten Bereich geht es Markus Beyer wieder sehr gut. Sollte Beyer einmal nichts zu tun haben, weiß Hündin „Cookie“ den Ex-Champion auf Trapp zu halten. „Ich blicke sehr positiv der Zukunft entgegen und hoffe, dass meine Familie und ich gesund bleiben!“

Dem symphatischen Sachsen ist es zu wünschen, dass es weiterhin so gut läuft und die deutschen Box-Fans können sich freuen, Beyer als Box-Fachmann im TV auch in nächster Zeit sehen zu dürfen.

Das große BOXEN1-Portrait: Markus Beyer
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Albon PervizajNeuer Hoffnungsträger in der Königsklasse

AlbonAlbon Pervizaj ist der neue Hoffnungsträger des deutschen Schwergewichtsboxens. Er soll dem Sauerland-Team wieder die Quoten in der Königsklasse bringen. Der 22-jährige Hamburger kann das schaffen. Erstklassige Erfolge bei den Amateuren, Eloquenz, die bei den Fans und Medien ankommt  und die Fürsprache von Wiking-Chef Winfried Spiering erleichterten dem 193 cm großen und 103 Kg schweren Modellathleten den Einstieg in das Profigeschäft.

Am 5. November 2016, bei dem WM-Kampf von Tyron Zeuge gegen Giovanni De Carolis wurde sein Wechsel zu Sauerland bekannt gegeben.

Damit zog Pervizaj einen Schlussstrich unter den Disput mit dem Deutschen Boxverband (DBV). Trotz seiner Erfolge hatte der DBV ihm den Sindelfinger David Graf vor die Nase gesetzt und ihm verweigert, sich für die olympischen Spiele zu qualifizieren. Der mehrfache Deutsche Meister, Europameisterschafts-Dritte und zweifache WM-Teilnehmer sei jung genug, um in vier Jahren in Tokio dabei zu sein, hieß es aus der DBV Geschäftsstelle in Kassel. Pervizaj zog die Konsequenzen.

Was wie eine Kurzschlussreaktion aussah, war keine. Sauerlands Neuzugang wollte mit dem Boxsport Geld verdienen. Das war sein langfristiges Ziel. Der Profisport kam nur schneller als geplant.

Zweimal täglich, sechs Tage die Woche quält sich Pervizaj in der Trainingsgruppe von Ulli Wegner. Einer seiner Teamkameraden ist Kubrat Pulev, der am 28. April in Sofia seinen WBA-Interkontinental Titel gegen den US-Amerikaner Kevin Johnson verteidigen wird. Er wird Pulev nicht nur die Daumen drücken, sondern auf der Undercard seinen zweiten Profi-Kampf absolvieren.

Der Hamburger will Weltmeister werden und aus seiner Sicht hat er einen unschlagbaren Vorteil gegenüber der Konkurrenz. Pervizaj hat Ulli Wegner als Coach.

„Wenn ich meinem Können vertraue und zu 100% bereit bin, mich von Herrn Wegner führen zu lassen, dann kann mir nichts passieren. Dann werde ich Weltmeister.“

Pervizajs Können ist unbestritten und Wegner hat noch keinen WM-Champion im Schwergewicht geformt. Albon Pervizay hat das Zeug dazu, Wegners Meisterstück in der Königsklasse zu werden.

Natürlich möchte er irgendwann die „Glamorous Five“ – Antony Yoshua, Deontay Wilder, Lucas Browne, Joseph Parker oder Tyson Fury herausfordern. Doch bevor es soweit ist, will er sich in Deutschland einen Namen machen. Er will Kämpfe abliefern, wie zuletzt Deniz Ilbay gegen Angelo Frank. Die beiden Weltergewichtler polarisierten die Fans durch ein perfektes Guerilla-Marketing und brachten mit einer gnadenlosen Schlacht die Potsdamer MBS-Arena zum Kochen.

„Solche Gefechte bringen das Boxen voran. Wir brauchen mehr davon“, da ist sich Pervizaj sicher. Er will diese Lücke schließen. Er will perfekte Shows abliefern, ohne Schauspieler zu sein. Er will die Zuschauer durch brillanten Sport in seinen Bann ziehen. Auf den Punkt gebracht: Er will seinen Beitrag dafür leisten, dass der DEUTSCHE Boxsport wieder groß wird.  „Angelo Frank hat den Kampf gegen Deniz Ilbay verloren, aber mal ehrlich, wer redet darüber? Keiner, die ganze Welt redet darüber, wie sie sich im Ring bekriegten. Der Gewinner war eindeutig der Boxsport“, ist das Fazit des smarten Schwergewichtlers.

Pervizaj hat Recht. Echte Typen, die spektakuläre Fights abliefern können und clever vermarktet werden, erreichen das Publikum. Farblose WM-Kämpfe nicht.

Pervizaj besitzt alle Attribute eines solchen Typs, vor allem kann er krass Boxen. Warum also nicht in naher Zukunft einen Fight gegen Tom Schwarz, Manuel Charr oder Agit Kabayel? Boxdeutschland wäre dankbar.

Hamburger Albon Pervizaj will das deutsche Boxen beleben
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