Im Portrait
Hier werden Boxer/Trainer/Promoter vorgestellt. Kategorie für Christine Wong

Artur Mann - Wenn es sein muss dann boxe ich Peil und Harth
Artur Mann aus dem Wiking Box-Team ist Sparrings-Partner für Weltmeister Olexandr Usyk und bereitet Usyk auf den Kampf um die Muhammad Ali Trophy gegen Marco Huck vor.

Artur Mann Sparringspartner von Weltmeister Usyk

Am 9. September wird in der Berliner Max Schmeling Halle Oleksander Usyk auf Marco Huck treffen. Es ist ihr Auftaktkampf in der mit 50 Mio. US-Dollar dotierten World Boxing Super Series (WBSS). 

Dass die beiden Cruisergewichtler das Turnier und ihren Gegner sehr ernst nehmen, zeigen sie bereits während der Vorbereitungen. So holte sich der Deutsche seinen alten Coach Conny Mittermeier zurück in seine Ecke.

Usyk überlässt bei der Mission WBSS ebenfalls nichts dem Zufall und erhält die Unterstützung eines Wikingers.

WBO-International Champion Artur Mann soll den amtierenden WBO-Weltmeister als Sparringspartner auf den „Hucker“ vorbereiten.

Der Thunderman folgt damit einer Einladung der K2 Promotions. Begleitet wird er von Elvis Hetemi, der für die Wikinger im Halbschwergewicht boxt und Artur während des Sparrings betreuen wird.  
Am 20. August fliegen sie von Berlin über Wien nach Lwiw. Von dort geht es weiter in die Abgeschiedenheit der ukrainischen Karpaten, in der Usyk sein Trainingscamp aufgeschlagen hat.

Natürlich ist es eine tolle Sache für den Thunderman, denn man bekommt nicht oft die Gelegenheit, gemeinsam mit der Nummer eins der unabhängigen Weltrangliste zu trainieren.

Für Artur und Elvis wird es auch bald wieder spannend. Wenn alles klappt, werden die beiden am Freitag, dem 29. September in Hamburg in den Ring klettern. Artur soll seinen Titel verteidigen. Ein Gegner steht noch nicht fest. Im Gespräch war Nikola Milacic. Das hat sich jedoch zwischenzeitlich wieder zerschlagen.

Elvis Hetemi der wegen einer Handverletzung pausieren musste ist wieder bereit. Er will sich Sven Fornling vornehmen. Der Schwede startet, wie Milacic, für Erol Ceylan und das EC Boxing Team. Hier steht allerdings die Antwort noch aus.

Wikinger Artur Mann bereitet WBO-Champion Usyk auf Clash gegen Marco Huck vor
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Klitschko
Als Wladimir Klitschko (64 Siege, 5 Niederlagen, 53 Ko’s) vor knapp einer Woche seinen Rücktritt erklärte, waren viele Fans schockiert und einige dennoch erleichtert! Zum einen dürfte es viele Boxsportfreunde tarurig stimmen, dass eine große Ära zu Ende gegangen ist, zum anderen jedoch, konnte Wladimir Klitschko eine Entscheidung fällen, die er mit dem nötigen Intellekt und dem erforderlichen Feingefühl getroffen hat. In seiner 21-jährigen Profilaufbahn hat Klitschko, gemeinsam mit seinem Bruder Vitali, viele Glanzlichter gesetzt und vorallem in Deutschland, ein Millionen-Publikum vor den TV-Geräten gelockt. BOXEN1 blickt in diesem Beitrag auf eine beispiellose Karriere zurück!

Vom kleinen Bruder, zum großen Champion!

Wladimir Klitschko gewann für sein Land im Jahre 1996 bei den Olympischen Spielen in Atlanta die Goldmedaille im Superschwergewicht.
Wladimir Klitschko gewann für sein Land im Jahre 1996 bei den Olympischen Spielen in Atlanta die Goldmedaille im Superschwergewicht.

Wladmir Klitschko wurde am 25. März 1976 in der damaligen Sowjetunion, als Sohn eines Offiziers und einer Lehrerin geboren. Sein fünf Jahre älterer Bruder Vitali war von Beginn an eine der wichtigsten Bezugspersonen und vorallem Vorbild, für dessen weiteres Leben und Sportlerlaufbahn. Er war es letztlich auch, der den jungen Wladimir im Alter von 14 Jahren zum Boxen brachte. Während sich der große Bruder sowohl im Boxen als auch im Kickboxen einen Namen machte und auch international erfolgreich war, ging Wladimir bei den Amateuren seinen Weg und wurde 1993 Junioren-Europameister im Schwergewicht. Neben weiteren nationalen und internationalen Erfolgen stand er auch zweimal gegen den Deutschen Luan Krasniqi im Ring. Beim ersten Aufeinandertreffen verlor er 1995 in Berlin bei der Qualifikation zur Weltmeisterschaft nach Punkten. Doch noch im selben Jahr revanchierte sich Klitschko bei Krasniqi in Italien mit einem knappen Sieg und wurde somit im finalen Kampf Militär-Weltmeister. 

Des Weiteren stand der Ukrainer auch in Deutschland für den BC Sparta Flensburg in der 1. Bundesliga im Ring und konnte von 1995 auf 96 bei insgesamt zehn Einsätzen, jedes Mal das Seilgeviert als Sieger verlassen. Sein zweifellos größtes Highlight bei den Amateuren, hatte Wladimir Klitschko bei den olympischen Spielen 1996 in Atlanta. Nachdem Bruder Vitali eine Teilnahme verweigert wurde, gelang es dem jüngeren Klitschko nach insgesamt drei Siegen, im Finale den aus Tonga stammenden Pea Wolfgram auszupunkten und somit Olympiasieger zu werden. Nach diesem Riesen-Erfolg standen dem damals 20-jährigen Wladimir Klitschko alle Türen offen und nach mehreren Angeboten aus aller Welt, entschied er sich, gemeinsam mit Bruder Vitali, eine Profi-Karriere beim Hamburger Universum-Stall (unter der Leitung von Klaus Peter Kohl und Peter Hanraths) zu starten.

Von der Sporthalle- in die Stadien der Welt

Nach dem Gewinn der Goldmedaille unterschrieb Wladimir Klitschko noch im gleichen Jahr 1996 einen Profivertrag bei dem deutschen Promoter Universum Box-Promotion
Nach dem Gewinn der Goldmedaille unterschrieb Wladimir Klitschko noch im gleichen Jahr 1996 einen Profivertrag bei dem deutschen Promoter Universum Box-Promotion

Sein Profidebüt gab Klitschko am 16. November 1996 in einer Sporthalle im Hamburger Stadtteil Wandsbeck, gegen einen gewissen Fabian Meza. Nach wenigen Sekunden in der ersten Runde, schickte der promovierte Sportwissenschaftler seinen völlig überforderten Widersacher, brutal auf die Bretter und gewann in beeindruckender Manier durch Ko. Es sollte der Beginn einer beisspiellosen Laufbahn sein! Danach folgte in nur kurzen Wochen-Abständen, ein vorzeitiger Sieg nach dem anderen. Lediglich gegen Everett ,,Bigfoot“ Martin errang er ,nur‘ einen klaren Punktsieg. Gegen qualitativ stärkere und schwächere Gegner, marschierte Klitschko scheinbar problemlos in Richtung WM-Kampf.

Nach insgesamt 24 Siegen in Folge, kämpfte Klitschko im Dezember 1998 zum ersten Mal als Berufsboxer in seiner Heimatstadt Kiew. Sein Gegner war der als ,,Journeyman“ geltende US-Amerikaner Ross Puritty. Nachdem Klitschko vor heimischen Publikum besonders glänzen wollte und seinen Kontrahenten tatsächlich von Runde zu Runde anscheinend nach Belieben beherrschte, kam es in Runde elf zu einer Sensation. Bereits im zehnten Durchgang musste der sichtlich erschöpfte Lokalmatador vom Ringrichter angezählt werden. Nach einem weiteren Schlaghagel vom routinierten Puritty zu Beginn der elften Runde, sprang Klitschko’s damailger Trainer Fritz Sdunek (mittlerweile leider verstorben) in den Ring, um seinen Schützling vor noch mehr Prügel zu bewahren. Für Wladimir Klitschko war dies die erste Niederlage seiner noch jungen Karriere und eine äußerst schmerzliche Erfahrung, aus der er allerdings im weiteren Verlauf seiner Sportler-Laufbahn zu lernen wusste!

Im Kampf um die Europameisterschaft besiegte Wladimir Klitschko Axel Schulz durch tKO in Runde 8.
Im Kampf um die Europameisterschaft besiegte Wladimir Klitschko Axel Schulz durch tKO in Runde 8.

Schon einige Wochen und Monate nach dem Debakel von Kiew, stieg Klitschko wieder in den Ring und konnte in der Folgezeit viermal vorzeitig siegen, ehe es im September 1999 zu seinem bisher größten Kampf kam. Gegen den ehemaligen WM-Herausforder und deutschen Publikumsliebling Axel Schulz, ging is in Köln um die vakante Europameisterschaft. Der Fernsehsender RTL promotete das in Deutschland langersehnte Duell unter dem Motto ,,Die Stunde der Wahrheit“. Einige Experten und Schulz-Anhänger bescheingten Klitschko im Vorfeld ein schwaches Nervenkostüm. Der Kampf gegen Schulz galt damit als erste harte Prüfung, für den zu diesem Zeitpunkt 23 Jahre alten Schwergewichtler. Rückliblickend betrachtet war es jedoch eine klare und einseitige Angelegenheit für Klitschko! Von Beginn an domminierte er Schulz nahezu ohne große Mühe und bezwang diesen nach zwei Niederschlägen in der achten Runde durch TKO. Schulz gab daraufhin (vorerst) seinen Rücktritt bekannt. Mit diesem wichtigen Sieg wurde Klitschko nicht nur neuer Europameister, sondern boxte sich mit dieser eindrucksvollen Vorstellung auch in die Herzen der deutschen Boxfans.

Am 14. Oktober 2000 gewann Wladimir erstmals den WM Titel durch einen klaren Punktsieg über den Titelverteidiger Chris Byrd (USA), den er zweimal in Runde 9 und 11 schwer zu Boden schlug.
Am 14. Oktober 2000 gewann Wladimir erstmals den WM Titel durch einen klaren Punktsieg über den Titelverteidiger Chris Byrd (USA), den er zweimal in Runde 9 und 11 schwer zu Boden schlug.
Erste WM-Erfolge- und bittere Niederlagen

In der Zeit nach dem Triumph über Schulz, folgten kurzrundige Siege gegen Phil Jackson, Lajos Eros, Pea Wolfgramm (Neuauflage des Olympia-Finales 1996), David Bostice und Monte Barrett. Im Oktober 2000 kam es dann, wiederum in Köln, zur ersten WM-Chance gegen Chris Byrd (USA). Nachdem Byrd sich den WBO-Titel durch einen verletzungsbedingten Abbruch-Sieg gegen Bruder Vitali sichern konnte, stand dieser Fight unter dem Slogan ,,Die Rache des Bruders“. Wladimir Klitschko spielte von Anfang an seine Reichweitenvorteile gegen den unequemen Rechtsausleger Byrd, mit seiner linken Führungshand geschickt aus und konnte nach Niederschlägen in Runde neun und elf, letztlich klar und überzeugend nach Punkten gewinnen. Somit war er neuer WBO-Weltmeister in der Königsklasse des Boxsports und emanzipierte sich zudem vom Ruf des ,,kleinen Bruders“, zum anerkannten Champion!

Seit dem Titelgewinn gegen Byrd verteidigte Klitschko seinen WM-Gürtel in souveräner Manier erfolgreich gegen Top-Schwergewichtler wie Derrick Jefferson, Jameel McCline oder die ehemaligen Größen Francois Botha und Ray Mercer. Die meisten seiner Titelverteidigungen fanden in dieser Zeit in den USA statt sodass sich Klitschko auch dort einen Namen machte. Klitschko schien sich auf dem Zenit seines Leistungsvermögens zu befinden und kaum Jemand rechnete mit dem, was am 8. März 2003 in Hannover geschehen sollte! Bei einer freiwilligen Verteidigung seiner WBO-Krone, fiel die Gegnerwahl auf den in Deutschland weitestgehend unbekannten, aber dennoch gefährlichen Südafrikaner Corrie Sanders. Dieser Fight war nur als eine Zwischenstation für die nächsten großen Paydays in den USA gedacht- geriet aber zu einer bösen Überraschung! Nach insgesamt vier Niederschlägen, wurde Wladimir Klitschko vom Referee aus dem Kampf genommen und somit als WBO-Champion enttrohnt. Es sollte die zweite bittere Pille im sportlichen Leben von Klitschko sein!

Klitschko erlitt am 10. April 2004 eine bitter Niederlage als er den Kampf gegen den US Amerikaner Lemon Brewster durch tKO in Runde 5 verlor.
Klitschko erlitt am 10. April 2004 eine bitter Niederlage als er den Kampf gegen den US Amerikaner Lemon Brewster durch tKO in Runde 5 verlor.

Doch schon nach zwei Aufbausiegen gegen Fabio Moli und Danell Nicholson, erhielt ,,Dr. Steelhammer“ ein Jahr später in Las Vegas, erneut die Chance um den mittlerweile vakanten WBO-Titel zu boxen. Sein Kontrahent war dabei der bei Don King unter Vertrag stehende Lamon Brewster (USA). Nachdem Klitschko vier Durchgänge domminierte und Brewster sogar am Boden hatte, verlor er völlig ermüdet und entkräftet, nach schweren Treffern Brewster’s, durch Abbruch in der fünften Runde. Klitschko musste daraufhin aufgrund des Verdachtes einer Hirnblutung ins Krankenhaus. Bis heute hält sich die Verdacht, dass man ihm eine Substanz in dessen Trinkwasser gemischt hat, welche ihn in seiner Leistungsbereitschaft hindern sollte. Nach dieser wiederholten schweren Pleite, stand die Zukunft des erfolgsverwöhnten Modellathleten an einem äußerst seidenen Faden. Sogar sein Bruder soll ihm, laut späterer eigener Aussage, zum Karriere-Ende geraten haben. Doch Wladimir Klitschko und Star-Coach Emanuel Steward, von dem er sich schon vor der Brewster-Niederlage betreuen ließ, starteten die Flucht nach vorn!

Mit zwei Siegen gegen DaVarryl Williamson und Eliseo Castillo, empfahl er sich für die WM-Ausscheidung gegen den bis dahin ungeschlagenen und schlagstarken Samuel Peter (Nigeria). Dieser Fight fand im September 2005 in Atlantic City statt und sollte für Klitschko ein richtungsweisendes Ereignis werden. Nachdem der Ukrainer insgesamt dreimal angezählt wurde und viele Fans schon das vermeintliche Karriere-Aus vor Augen hatten, kämpfte sich Klitschko im wahrsten Sinne durch, erzielte in der zwölften und letzten Runde sogar schwere Wirkung bei Peter und gewann letztlich völlig verdient nach Punkten. Dieser Erfolg brachte ihm bei vielen Fachleuten enorm viel Respekt ein. Durch diesen Sieg verschaffte sich Klitschko das Recht, wieder um die WM zu boxen. Sein nächster Gegner sollte dabei ein alter Bekannter sein…!

Mit seinem Sieg im zweiten Sieg über Chris Byrd am 22. April 2006 in der Mannheimer SAP Arena begann für Wladimir Klitschko seine große Zeit - er sollte 10 Jahre keinen Kampf mehr verlieren.
Mit seinem Sieg im zweiten Sieg über Chris Byrd am 22. April 2006 in der Mannheimer SAP Arena begann für Wladimir Klitschko seine große Zeit – er sollte 10 Jahre keinen Kampf mehr verlieren.

WM-Sieg gegen Byrd und Beginn der ,,Klitschko-Ära“
Am 22. April 2006 stand Wladimir Klitschko in der Mannheimer SAP-Arena, gegen den amtieren IBF-Weltmeister und früheren Kontrahenten Chris Byrd im Ring. Mit einer höchst beeindruckenden und überzeugenden Darbietung seiner boxerischen Künste, gelang es dem mittlerweile auch mental gestärkten Klitschko, den chancenlosen Byrd in Runde sieben durch Technischen Ko zu bezwingen. Endlich war er wieder auf dem WM-Thron angekommen und sicherte sich zu dem bedeutenden IBF-Titel, auch den Gürtel der IBO. Von nun an schien Klitschko’s Dominanz, im höchsten Limit des Profi-Boxens, unaufhaltbar! Fortan verteidigte erfolgreich er seinen WM-Titel gegen gegen Calvin Brock, Ray Austin und Lamon Brewster (Rückkampf), die es allesamt nicht über die volle Distanz schafften. Im Februar 2008 kam es dann in New York zum Vereinigungskampf mit WBO-Champion Sultan Ibragimov (Russland), den er eindeutig nach Punkten schlug. Somit war Klitschko bei zwei der vier großen Weltverbände Titelinhaber. Klitschko feierte nach der siegreichen Unification gegen Ibragimov, erfolgreiche und vorallem überzeugende Titelverteidigungen gegen Tony Thompson, Hasim Rahman, Ruslan Chagaev, Eddie Chambers und (in einem Rematch) Samuel Peter. Wladimir Klitschko besaß neben seinen physischen und mentalen Fähigkeiten, die vielleicht beste Führungshand, die es je im Schwergewicht gab. Er erlebte unter dem mittlerweile verstorbenen Meister-Coach Emanuel Steward, einen Reife-Prozess, der es ihm ermöglichte, an seinem absoluten Leistungs-Zenit heranzukommen. Auch wenn er von vielen Fans und Kritikern, für seinen ökonomischen Kampfstil oft kritisiert wurde, gab ihm der Erfolg letzten Endes immer Recht!
Auch im Kampf gegen den Engländer David Haye am 2. Juli 2011 in Hamburg war Wladmir der einstimmige Punktsieger
Auch im Kampf gegen den Engländer David Haye am 2. Juli 2011 in Hamburg war Wladmir der einstimmige Punktsieger

Volle Stadien, Sieg gegen Haye, Alle Titel- Klitschko am Ziel!

Wladimir Klitschko beherrschte, neben Bruder Vitali, das Schwergewicht nach Belieben. Die Klitschko’s füllten ganze Stadien und Arenen und erzielten in Deutschland hohe Einschaltquoten. Im Jahr 2011 hielten Wladimir (IBF, WBO) und Vitali Klitschko (WBC), drei der vier bedeutenden Titel. Die WBA-Krone fehlte also noch und der damalige Inhaber war ein gewisser David Haye. Immer wieder provozierte der Brite die Brüder mit Beleidigungen und Sticheleien. Der Höhepunkt der Geschmacklosigkeit war erreicht, als sich Haye in einer Fotomontage mit den beiden abgetrennten Klitschko-Köpfen darstellen ließ. Haye, der den 2,17 Meter großen Riesen Nikolay Valuev als Titelträger entthronte, galt zu diesm Zeitpunkt als einziger möglicher Boxer, der die Klitschko-Ära beenden kann. Am 2. Juli 2011 sollte es dann in der Hamburger Imtech-Arena zum großen Showdown mit dem ,,Hayemaker“ kommen. Doch David Haye ließ seinen großen Sprüchen kaum Taten folgen! Wladimir Klitschko domminierte den Kampf eindeutig und gewann klar nach Punkten. Mit diesem Erfolg befanden sich alle vier WM-Titel im Familien-Besitz der Klitschko’s, die damit ihr sportliches Lebensziel erreicht haben.

Nach dem Haye-Sieg domminierte Wladimir Klitschko noch weitere vier Jahre das Schwergewicht mit überzeugenden Siegen gegen Gegner wie Mariusz Wach, Alexander Povetkin und Kubrat Pulev. Vorallem Pulev musste den ,,Steelhammer“ im November 2014 in Hamburg spüren und ging nach einem krachenden linken Haken Klitschko’s schwer Ko. Rückblickend betrachtet, war der Sieg gegen Pulev der letzte wirklich überzeugende Sieg, der ihn wieder einmal mehr als unumstrittener Schwergewichts-Weltmeister bestätigen sollte. Vielleicht hätte es aus heutiger Sicht, nach diesem Fight schon zum Finale seiner Laufbahn kommen sollen. 

Klitschko verliert seine WM Titel gegen den Engländer Tyson Fury
Klitschko verliert seine WM Titel gegen den Engländer Tyson Fury

Das finale Kapitel!

Im April 2015 siegte Klitschko noch mit einem einstimmigen Punktsieg in New York gegen Bryant Jennings (USA). Auch wenn die Überlegenheit Klitschko’s größtenteils immer noch unübersehbar war, schien der Champion selbst nicht vollkommen zufrieden gewesen zu sein. Im November 2015 kam es dann zum Duell gegen einen weiteren britischen Provokateur. Tyson Fury kündigte an, die Klitschko-Ära zu beenden. Tatsächlich sollte es dem ,,Gypsy King“ gelingen, den Champion nach Punkten zu schlagen und somit diesem die Titel zu entreißen. Die Sensation war perfekt! Doch ohne die durchaus beeindruckende Leistung von Fury schmälern zu wollen, Klitschko zeigte sich nicht mehr in seiner gewohnten Spitzen-Form und wirkte sehr gehemmt. Nach dieser Niederlage war die Regentschaft Klitschko’s von fast zehn Jahren beendet. Zu einem Rückkampf mit Fury kam es aufgrund von mehreren Absagen seitens des neuen Champions nicht mehr. Stattdessen wurden Fury die Titel aberkannt, beziehungsweise von ihm selbst niedergelegt.

Wladimir Klitschkos letzter Kampf: Am 29. April dieses Jahres unterlag Klitschko nach großem Kampf dem Weltmeister Anthony Joshua durch tKO in der 11. Runde.
Wladimir Klitschkos letzter Kampf: Am 29. April dieses Jahres unterlag Klitschko nach großem Kampf dem Weltmeister Anthony Joshua durch tKO in der 11. Runde.

In diesem Zeitraum, kletterte ein anderer Brite die Schwergewichts-Leiter steil empor! Der Olympiasieger von 2012, Anthony Joshua, sicherte sich in der Zwischenzeit den IBF-Gürtel und galt als neue Nummer 1 in der ,,Königsklasse“. Nach anderthalb Jahren Ringabstinenz, stellte sich also der einstige Schwergewichts-König Wladimir Klitschko, mit 41 Jahren, dem 14 Jahre jüngeren Champion am 29. April diesen Jahres im Londoner Wembley-Stadium vor 90.000 Zuschauern. Dieser Kampf ist ohne Frage jetzt schon als einer der größten und beeindruckendsten WM-Fights anzusehen, die das Schwergewicht je gesehen hat! Das Ende dieses Duells dürfte jedem Boxfan bekannt sein! Auch der Kampfverlauf, bei dem beide Boxer angeschlagen und am Boden waren, dürfte Jedem noch vor Auge stehen. Obwohl Wladimir Klitschko diesen Kampf in der elften Runde durch TKO verloren hat, setzte er sich mit dieser Vorstellung endgültig ein Denkmal! Er hat sich in seinem letzten Gefecht dem Besten gestellt, er hat gekämpft, er war am Boden, er ist aufgestanden und hatte seinen Gegner selbst am Rande des Ko’s. Diese Niederlage ist für Wladimir Klitschko ein sehr wichtiger Sieg gewesen, welche ihm somit einen ehrhaften Abgang garantierte!

Wladimir Klitschko kann nach insgesamt 69 Profi-Fight’s, mit erhobenem Haupt zurücktreten und sich mit dem Gefühl und der Bestätigung, im Boxsport alles Wichtige erreicht zu haben, seiner weiteren Karriere außerhalb des Box-Rings, in aller Ruhe widmen. BOXEN1 wünscht ihm dabei alles Gute!

Wladmir Klitschkos große Kämpfe

Wladimir Klitschko: Große Karriere – Großer Abgang
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Rigos KO

KO-Schlag kam klar nach dem Gong

Nach den hitzigen Diskussionen über den Ausgang des Hauptkampfes zwischen Andre Ward und Sergey Kovalev, kam es im Vorprogramm zu einer weiteren sehr kontroversen Entscheidung seitens des Ringrichters!

Trotz Nachschlagens- Rigondeaux mit KO-Sieg!

Der WBA-Super-Champion im Super-Bantamgewicht Guillermo Rigondeaux (18 Siege, 0 Niederlagen, 12 Ko’s) verteidigte seinen Titel gegen den Mexikaner Moises Flores (25 Siege, 1 Niederlage, 17 Ko’s) offiziell durch Ko in der ersten Runde! Diese Entscheidung ist allerdings höchst umstritten da der linke Haken, der letzlich zum Ko führte, definitiv nach dem Gongschlag kam!

In einer temporeichen ersten Runde versuchte Flores den Titelverteidiger von Beginn an unter Druck zu setzen. Der Exil-Kubaner konterte hin und wieder die Angriffe seines Gegners geschickt mit schnellen Händen, bis es zu einer höchst umstrittenen Szene kam. Zum Ende des ersten Durchgangs, lieferten sich beide Boxer einen Schlagabtausch, wobei Rigondeaux mit einem linken Haken, einen kurzen Moment nach dem Gong, Moises Flores schwer Ko schlug.

Nach dieser Szene ließ das Urteil, nach einer ganzen Weile, auf sich warten. Ringrichter Vic Drachulich zog sich danach mit den anderen Offiziellen zurück, um eine Entscheidung zu treffen. Diese fiel dann auf einen Ko-Sieg zugunsten des alten und neuen Champions Guillermo Rigondeaux, der im Interview nach dem Fight geäussert hat, gegen Vasyl Lomachenko in den Ring steigen zu wollen. Diese mögliche Ansetzung wäre für jeden Box-Liebhaber in der Tat ein Gaumenschmaus!

Das Urteil in diesem Fight wird aber vermutlich noch in den nächsten Tagen und Wochen für viel Gesprächsstoff sorgen!

Guillermo Rigondeaux vs Moises Flores – Das Fight Video

Rigondeaux mit umstrittener Entscheidung weiterhin Weltmeister!
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Joshua und HearnAnthony Joshua: „Ich möchte nur Big Fights machen und mich vor keinem verstecken.“

IBF, IBO, WBA-Schwergewichts-Champion Anthony Joshua (19-0, 19 KOs) schaut nach vorne und sagt, dass er künftig nur die ganz großen Kämpfe möchte und dass er sich vor keinem noch so großen Namen versteckt. Im April kam die Rekordzuschauerzahl von 90.000 Fans ins Wembley Stadion in London, um zu sehen wie Joshua den ehemaligen Herrscher des Schwergewichts Wladimir Klitschko in der elften Runde stoppte und er sich damit drei der fünf WM-Gürtel der großen fünf Weltverbände um seine Taille schnallte.

Es gibt eine Rematch-Klausel und die IBF hat Joshua inzwischen die Erlaubnis gegeben, seine Pflichtverteidigung zu verschieben um ein zweites Mal gegen Klitschko antreten zu können. Der Kampf soll bis zum 2. Dezember dieses Jahres stattfindet. Allerdings hat sich Klitschko bis heute noch nicht entschieden ob er die Rückkampfkarte auch zieht. Von Klitschkos Seite war zu hören, dass dieser sich im letzten Drittel dieses Monates endgültig entscheiden wird, ob er denn nun seine Karriere beendet oder doch noch einmal gegen Joshua antreten wird.

Wenn Wladimir Klitschko allerdings sich  entschließt seine Karriere nun doch beenden zu wollen, dann wird Joshua gezwungen sein, eine obligatorische Pflicht-Titelverteidigung gegen den Sauerland-Boxer Kubrat Pulev zu machen. Joshua allerdings möchte seine drei WM-Titel mit dem WBC-Titel des WBC-Champions Deontay Wilder und  dem WBO-Titel des WBO-Champion Joseph Parker vereinen.

Joshua dagegen ist seinerseits bereit für eine Revanche und einen Rückkampf gegen den Engländer Dillian Whyte. Dies wäre ein sehr interessanter Kampf in Großbritannien. Joshuas Promoter Eddie Hearn gibt zu, dass es sehr schwierig sein wird, alle Gürtel behalten zu können und dass er wie auch Joshua dazu bereit ist, wenn es denn sein müsste und dies einem großen und lukrativem Kampf im Weg stehen würde, auf einen der Titel zu verzichten. Joshua: „Ich möchte mich von keinem Weltverband zu einem Kampf, den niemand sehen will, zwingen lassen.“  Eddie Hearn: „Wenn uns ein Verband zu einem Kampf verpflichten möchte, den unsere Fans nicht sehen wollen und diese Verpflichtung dann einem größeren und attraktiveren Kampf entgegenstehen würde, dann geben wir diesen Gürtel einfach zurück.“  Das hört sich dann schon so an als meinten beide wohl die Plicht-Titelverteidigung des IBF-Gürtels gegen Kubrat Pulev.

„Es wird irgendwann schwierig werden alle Titel immer fristgerecht zu verteidigen“, sagte Eddie Hearn zum englischen TV-Channel Sky Sports. „Anthony möchte Vereinigungskämpfe, er will mit Joseph Parker kämpfen und er will mit Deontay Wilder kämpfen. Aber unsere Planung mit Anthony Joshua sind nicht nur zwei oder drei Kämpfe sondern seine Karriere wird sicher noch 8 bis 10 Jahre andauern und da werden wir gegen alle boxen die es verdient und einen attraktiven Namen haben.“ Dillian Whyte ist zum Beispiel ein Boxer den Joshua zwar schon einmal geschlagen hat, aber er ist ein Gegner gegen den Joshua auch gerne noch einmal kämpfen möchte, weil dies eben ein Fight ist den die Fans in England sehen möchten und der eine volle Halle garantiert.  Hearn: „Es ist eher möglich dass Anthony in seiner wohl noch langjährigen Karriere lieber manche der Topp-Gegner zwei, drei oder auch vier Mal boxt, als dass er gegen unattraktive und unqualifizierte Gegner in den Ring steigen wird. Sein Anspruch ist es nur die Besten zu boxen!“

Joshua möchte gegen Wilder oder Parker die Titel vereinigen
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Arthur Abraham - Chris Eubank jr. / Foto: Sebastian Heger
Arthur Abraham – Chris Eubank jr. / Foto: Sebastian Heger

Chris Eubank jr.: „Arthur hat gegen mich keine Chance. Er ist viel zu alt.“

Er ist wieder im Rennen! Arthur Abraham bekommt nach seinem Sieg gegen Robin Krasniqi einen großen Kampf. Am 15. Juli wird der Berliner in der SSE Arena Wembley gegen Chris Eubank Jr. (Sohn des legendären Chris Eubank) um die IBO-Weltmeisterschaft im Super-Mittelgewicht boxen. Abraham verspricht: „Ich habe noch sehr viel vor. Diesen Titel werde ich nach Deutschland holen!“

Arthur Abraham / Foto: Sebastian Heger
Arthur Abraham / Foto: Sebastian Heger

Die Aufgabe für den Ex-Weltmeister ist allerdings eine ganz harte Nummer. Der Sohn von Box-Legende Chris Eubank, Chris Eubank Jr. gehört zu den besten Super-Mittelgewichtlern der Welt. Seine Kampfbilanz: 25 Kämpfe, 24 Siege! Er ist amtierender IBO-Weltmeister und war WBA-Interimsweltmeister im Mittelgewicht. Zudem hat er in London ein Heimspiel. Nisse Sauerland: „Für Arthur ist dies eine Riesen-Chance. Er muss sein bestes Boxen an diesem Abend zeigen, um in der Boxhauptstadt London zu gewinnen.“ Sauerland-Geschäftsführer Frederick Ness ergänzt: „Wir wollen große Kämpfe präsentieren, dies ist einer!“ – und „nicht nur in England und Deutschland, sondern darüber hinaus“, sagt wiederum Nisse Sauerland. 

Arthur Abraham - Chris Eubank jr. / Foto: Sebastian Heger
Arthur Abraham – Chris Eubank jr. / Foto: Sebastian Heger

Das sieht auch Box-Legende Chris Eubank so. Der Coach und Manager seines Sohnes ist. „Er wird ein großer Kampf. Aber Arthur, das tut mir leid, du bist wie ein deutscher Panzer, der nur nach vorne fahren kann, aber nicht zurück oder seitwärts. Du wirst dich selber schlagen.“ Der stets besonnene Arthur Abraham konterte locker: „Die Sprüche gehören dazu, das verstehe ich, aber ich boxe überall auf der Welt, gegen jeden Gegner – und am 15. Juli werde ich siegen und den Titel mit nach Hause nehmen.“

Chris Eubank Jr. wirkte auf der Pressekonferenz im Berliner Titanic Hotel sehr selbstbewusst. Während sein Vater und sein Trainer Ronnie Davies sehr höflich ihre Kampfansagen machten, sagte der 27-jährige Engländer: „Meine Leute sind immer sehr freundlich, das bin ich nicht! Arthur hat gegen mich keine Chance, er hat keine Möglichkeit mich im Ring zu erwischen. Er ist zu alt und zu langsam für mich – und er wird deutlich verlieren.“

Abrahams Trainer Ulli Wegner kann darüber nur lachen: „Wir wissen, wie Eubank boxt, haben ihn genauestens studiert. Wir fahren nicht nach England, um dort zu verlieren. Als ich von der Kampfansetzung hörte, bin ich drei Meter vor Freude in die Luft gesprungen.“ Das soll was heißen…

Gegen Eubank in London: Arthur Abraham will Titel nach Deutschland holen!
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Lennox_Lewis_vs_Mike_Tyson_2002Am 8. Juni 2002 fand der bis dahin teuerste WM-Fight in der Geschichte des Profi-Boxens statt. Der unumstrittene Weltmeister im Schwergewicht Lennox Lewis (England) verteidigte seine Titel nach Version der WBC, IBF und IBO gegen seinen langjährigen Erzrivalen Mike Tyson (USA) in der „Pyramid“-Arena in Memphis (Tennessee, USA). BOXEN1 blickt in diesem Beitrag auf die Vorgeschichte und den Kampfverlauf des Mega-Showdowns der beiden Hall-of-Famer zurück!

Mike Tyson – Vom Problem-Kind zum Schwergewichts-König

1983: Lewis der zweite von links, Cus D’Amato in der Mitte, Tyson ganz rechts
1983: Lewis der zweite von links, Cus D’Amato in der Mitte, Tyson ganz rechts

Schon viele Jahre vor ihrem berühmten Aufeinadertreffen, standen sich der 15-jährige Mike Tyson und der 16-jährige Lennox Lewis als Teenager zu Amateur-Zeiten in mehreren Sparringsrunden gegenüber. Beiden Boxern wurden schon damals, Anfang der 80er Jahre, vielversprechende Chancen auf jeweils große Karrieren prophezeit. Sowohl Tyson als auch Lewis galten als extrem talentiert. Doch die beiden Nachwuchsboxer hätten sowohl von ihren Eigenschaften, als auch von ihren Persönlichkeiten her kaum unterschiedlicher sein können. Während Lennox Lewis eher wohlbehütet von seiner liebevollen Mutter aufgezogen wurde, musste der kleine Mike Tyson von frühester Kindheit lernen, was es heißt, sich durchzuboxen.

Ohne in einem behutsamen Elternhaus aufzuwachsen, landete der jugendliche und bereits mehrfach vorbestrafte Mike Tyson in der Obhut des damaligen Star-Betreuers Cus D’Amato. Der frühere Trainer und Manager von Ex-Champion Floyd Patterson formte den hoch ambitionierten aber schwer zu vermittelnden Tyson innerhalb kurzer Zeit zu einem aufstrebenden Schwergewichts-Star. Nach einigen nationalen und internationalen Erfolgen bei den Amateuren, wurde Tyson im zarten Alter von nur 18 Jahren Profi. In den darauffolgenden anderthalb Jahren fegte er einen Gegner nach dem anderen aus dem Weg und machte sich somit, in beeindruckender Manier, einen Namen als „KO-Monster“.

Mike Tyson – jüngster Schwergewichts-Weltmeister aller Zeiten

Im November 1986 (inzwischen verstarb sein Ziehvater und Mentor Cus D’Amato) bekam er dann seine erste große Chance. Gegen den amtierenden WBC-Weltmeister und früheren Muhammad-Ali-Bezwinger Trevor Berbick wurde er durch einen brutalen KO-Sieg in der zweiten Runde, mit gerade einmal 20 Jahren, jüngster Schwergewichts-Champion aller Zeiten. In den Folge-Jahren vereinigte er alle wichtigen WM-Verbände und festigte seinen Ruf als unumstrittene Nummer 1 im Schwergewicht mit vorzeitigen Siegen gegen Top-Boxer wie Larry Holmes, Michael Spinks und Tyrell Biggs. „Iron“ Mike galt zur damaligen Zeit für viele Experten als unschlagbar. Völlig überraschend verlor er seine Titel im Februar 1990 durch eine sensationelle KO-Niederlage gegen den krassen Außenseiter James „Buster“ Douglas. Von nun an ging es auf der, bisher steilen, Karriere-Leiter bergab!

Im Jahr 1992 musste Tyson eine dreijährige Haftstrafe wegen Vergewaltigung absitzen. Ein Jahr nach seiner Haftentlassung wurde er, im März 1996, mit einem TKO-Sieg über Frank Bruno wieder Schwergewichts-Champ. Doch nur acht Monate später musste sich Mike Tyson, in einem grandiosen Fight, in der elften Runde gegen Evander Holyfield geschlagen geben. Den Rückkampf, im Juni 1997, werden wohl viele Beobachter in negativer Erinnerung haben. Im dritten Durchgang brannten bei Tyson die Sicherungen durch und er biss Holyfield zweimal in dessen Ohr! Tyson wurde daraufhin disqualifiziert und für ein Jahr die Boxlizenz entzogen.

Nachdem Mike Tyson ab Januar 1999 einige Siege gegen durchschnittliche Kontrahenten wie Francois Botha, Lou Savarese und Brian Nielsen erringen konnte, wollte er zum dritten Mal in seiner bemerkenswerten Laufbahn wieder zurück auf den WM-Thron und (vorallem) erneut an große Zahltage anknüpfen. Doch der mittlerweile unumstrittene Schwergewichts-Champion hieß Lennox Lewis und hatte ganz gewiss etwas gegen diesen Plan!

Lennox Lewis – Erfolge ohne Skandale

Im Gegensatz zu Mike Tyson verlief das Leben und die Karriere des Lennox Lewis wesentlich ruhiger und skandalfreier. Als sich Tyson 1986 zum jüngsten Schwergewichts-Champion der Geschichte krönte, war Lewis noch ein aufstrebender aber unbekannter Amateurboxer. Im Jahr 1988 holte er sich im Finale gegen Riddick Bowe olympisches Gold. Ein Jahr später wurde er Profi. 1993 wurde er zum WBC-Weltmeister erklärt und verteidigte in der Folgezeit seinen Titel unter anderem überzeugend gegen Frank Bruno und Tony Tucker. Zu dieser Zeit saß Mike Tyson bereits im Gefängnis. Völlig überraschend verlor Lewis im September 1994 seine WM-Krone durch KO in der zweiten Runde gegen Oliver McCall.

Doch drei Jahre später holte er sich in einem Rückkampf gegen McCall den WM-Gürtel durch einen vorzeitigen Sieg wieder zurück. Von nun an schien eine neue Ära begonnen zu haben! Nachdem Lewis seinen zurück eroberten Titel überzeugend gegen Andrzej Golota, Shannon Briggs und Zejlko Mavrovich verteidigen konnte, kam es im März 1999 zum großen Unification-Fight gegen Evander Holyfield. Obwohl Holyfield über weite Strecken klar von Lewis beherrscht wurde, errechnete das Kampfgericht ein skandalöses Unentschieden. Doch im Rückkampf, im November des selben Jahres, siegte Lewis dann einstimmig nach Punkten und wurde somit unumstrittener Weltmeister aller Klassen.

Nachdem Lennox Lewis auf dem Höhepunkt seiner Laufbahn angekommen war, wartete die Boxwelt auf den großen Showdown gegen seinen früheren Sparringspartner und Box-Ikone Mike Tyson. Doch die sensationelle KO-Niederlage gegen Hasim Rahman im April 2001, schien den Plänen einen Strich durch die Rechnung zu machen. Aber schon einige Monate später schlug Lewis Rahman in Runde vier in einer Neuauflage schwer KO und war damit zum dritten Mal Schwergewichts-Weltmeister. Nun schien nichts mehr einem Fight zwischen Lewis und Tyson im Wege zu stehen!

„Ich werde deine Kinder fressen!“

Tyson_Lewis-plakatSchon im Vorfeld des Mega-Events, sorgte vorallem Mike Tyson mit Verbal-Angriffen immer wieder für Furore. In einem interview kündigte Tyson an, dass er Lennox Lewis das Herz heraus reißen und dessen Kinder, die dieser damals noch nicht hatte, fressen wolle. Ursprünglich sollte das Gefecht am 6. April 2002 in Las Vegas stattfinden. Doch auf einer Pressekonferenz im Januar kam es zu einem erneuten Ausraster von Tyson, als dieser Lennox Lewis attackierte und dabei in dessen Bein biss. Wieder drohte das Gefecht zu platzen!

Aber nach mehreren zähen Verhandlungen kam es dann am 8. Juni in der „Pyramid“-Arena in Memphis zum lang erwartenden Prestige-Duell! In dem bis dato teuersten WM-Kampf in der Geschichte des Faustkampfes, kamen wohl alle Beteiligten, in wirtschaftlicher Hinsicht, auf ihre Kosten. Das Event brachte ein Gesamt-Umsatz von circa 100 Millionen Dollar ein! Die TV-Anstalten erwarteten Traum-Quoten und alles lauerte auf einen der größten WM-Fights aller Zeiten.

Bevor beide Boxer in den Ring stiegen waren die Sicherheitsmaßnahmen, aufgrund der Vorkommnisse und der besonderen Brisanz, verschärfter als eh und je. Zum ersten Mal seit einigen Jahrzehnten erfolgte nicht der obligatorische ,“Stare-Down“, wobei beide Boxer letztmalig durch den Ringrichter belehrt wurden. Stattdessen wurden Lewis und Tyson durch eine Mauer von Security-Mitarbeitern, kurz vor dem ersten Gongschlag, getrennt.

Tyson chancenlos gegen den Champion!

Als es dann endlich zum ersten Durchgang läutete, hatte die Stimmung ihren Siedepunkt erreicht. Einzig allein in der ersten Runde hatte „Iron“ Mike seine besten Momente. Mit kurzen linken und rechten Haken konnte er den Weltmeister einige Male treffen. Doch schon ab der zweiten Runde zeichnete sich ab, wer hier heute der Chef im Ring war! Immer wieder gelang es Lennox Lewis mit seiner langen linken Führungshand den kleineren Mike Tyson auf Distanz zu halten. Auch die rechte Schlaghand von Lewis fand, von Runde zu Runde, immer besser ihr Ziel.

Tyson verlor, nach und nach, immer mehr an Substanz. Die einstige Schnelligkeit und Explosivität die ihn zu seiner Glanzzeit so ausgezeichnet hat, war nicht mehr zu sehen. Einen harten Treffer nach dem anderen musste er vom Titelverteidiger kassieren. In der vierten Runde wurde Lennox Lewis vom Ringrichter wegen Runterdrückens und Nachschlagens verwarnt. Doch der ließ sich von seinem Plan nicht abbringen und dominierte Tyson im weiteren Verlauf des Kampfes nach Belieben.

Das zu erwartende Ende kam dann im achten Durchgang. Mit einem krachenden linken Aufwärtshaken schickte Lewis seinen Widersacher kurz in die Knie. Tyson wurde darufhin angezählt, wobei er den Ringboden gar nicht berührt hatte. Doch Lewis nahm sich die nötige Zeit und schickte Tyson kurze Zeit später mit einer krachenden Rechten auf die Bretter. Der mittlerweile schwer gezeichnete Mike Tyson lag wie ein Häufchen Elend am Boden und wurde von Ringrichter Eddie Cotton ausgezählt. „Ich habe größten Respekt vor Lennox Lewis und verneige mich vor ihm! Er ist ein herausragend guter Boxer!“, lauteten die leisen aber fairen Worte vom geschlagenen Mike Tyson, unmittelbar nach dem Fight.

Damit demonstrierte Lennox Lewis einmal mehr seine Klasse als unangefochtener Schwergewichts-König und konnte somit seinen langjährigen Erzrivalen endlich in die Schranken weisen. Lewis stieg danach nur noch ein einziges Mal gegen Vitali Klitschko in den Ring (Abbruch-Sieg in der 6. Runde) und beendete seine glanzvolle Karriere im Frühjahr 2004.

Mike Tyson stieg nach der KO-Pleite gegen Lewis noch drei Mal in den Ring. Nachdem er im Frühjahr 2003 durch KO in der ersten Runde gegen Clifford Ettiene gewinnen konnte, verlor er zweimal in Folge gegen Danny Williams und Kevin McBride. Im Juni 2005 trat er dann endgültig als Profiboxer zurück. Dennoch zufrieden kann „Iron“ Mike auf seine Zeit als zweimaliger Schwergewichts-Weltmeister, mit vielen Highlights, zurückblicken.

Sowohl Lennox Lewis als auch Mike Tyson wurden inzwischen in die berühmte „Boxing Hall of Fame“ aufgenommen und sind mittlerweile befreundet.

Heute vor 15 Jahren: Lennox Lewis vernichtet den einstigen Superstar Mike Tyson!
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Foto: Wolfgang Wycisk
Foto: Wolfgang Wycisk

Den Krieg in Serbien hatte Emir Ahmatovic für immer hinter sich gelassen, als er 1999 mit seinen Eltern, seinem Bruder sowie seinen beiden Schwestern im hessischen Wetzlar eine neue Heimat fand. Emir ist der Jüngste. Er hat Talent und geht als 12-Jähriger zum Kickboxen. Drei Jahre später wechselte er zum Faustkampf.  Es war mehr aus Höflichkeit gegenüber seinem Coach Günther Hainke. Der hatte ihn zu einem Probetraining überredet, obwohl Emir eigentlich keine Lust dazu hatte. Nach nicht einmal vier Wochen machte Hainke ihn zum Hessenmeister. Jetzt wollte Emir mehr, denn Erfolg macht bekanntlich süchtig.

Vom Vorzeige-Amateur zum Profiweltmeister?

Emir eilte von Titel zu Titel. Nur die deutschen Meisterschaften blieben ihm verwehrt. Ohne deutschen Pass durfte er daran nicht teilnehmen. Günter Hainke war in einem Alter, in dem ihm die langen Reisen zu den Turnieren Probleme bereiteten. Irgendwann konnte er seinen Boxer nicht mehr begleiten. Deshalb wechselte Emir mit Hainkes Segen zum Boxteam Lahn und Rainer Simon. Der Schritt fiel ihm unendlich schwer, aber um in seiner Karriere voranzukommen war er einfach nötig.  

Simon schliff das Talent zu einem „Diamanten“ und brachte ihn in der Bundesliga unter. Der Hesse boxte für Babelsberg, Straubing, Berlin sowie Nordhausen. Die Vereine rissen sich um den zurückhaltenden jungen Mann, der mit einer K.O.-Quote von 68% viele Gegner zerbombte. Emir war ein Legionär, der für den Club antrat, der die beste Börse zahlte. Daraus macht er bis heute keinen Hehl, denn er war auf das Geld angewiesen, um seine Familie zu unterstützen.

Ende 2012 erhielt Emir den deutschen Pass und seine Karriere hob ab. Er wurde Soldat in der Sportfördergruppe Frankfurt / Oder und trainierte bei Ralf Dickert am Leistungsstützpunkt des Deutschen Boxsport-Verbands (DBV) in Berlin. Auf seiner einzigen Deutschen Meisterschaft gewann er Silber. Im Finale unterlag er Eugen Schellenberg. Schon eine Woche später nahm er allerdings Revanche und schlug Schellenberg in der Bundesliga.

Das Jahr 2013 war für ihn voller Höhepunkte:

  • März: Turniersieg beim Chemiepokal in Halle.  Im Finale bezwang er den Italiener Fabio Turchi durch K.O. Unter den Gästen war Ulli Wegner.
  • Juni: Dritter Platz bei der Europameisterschaft in Minsk.  Im Halbfinale unterlag er dem Russen Aleksei Egorov knapp.
  • Oktober: Platz fünf bei der WM in Almaty. Emir konnte sich gegen  den Iren Thomas McCarthy nicht durchsetzen. „Ich hätte mit der Führhand auf Distanz boxen sollen“, haderte er später.  

Verletzungspech als Amateur

emir-ahmatovic-profi2014 wurde er vom DBV als einer der wenigen deutschen Spitzensportler für das APB-Turnier nominiert. Die Nominierung galt weltweit als eine große Auszeichnung, die nur den Stars der internationalen Amateur-Szene vorbehalten war. Mit der APB und ihren Elitekämpfern wollte der Weltboxverband AIBA hochattraktiven Kampfsport anbieten und damit den etablierten Profi-Verbänden Marktanteile streitig machen.

Seine Schlagstärke wurde ihm allerdings beinahe zum Verhängnis. Emir hatte nicht gelernt, auf seinen Körper zu hören. Er ignorierte die Schmerzen in der Schulter, die sich nach jedem „Ahmatovic-Hammer“ meldeten. Zuerst leise, später immer lauter. Stattdessen glaubte er an seine Unverwundbarkeit und trainierte noch härter.

Im Januar 2015 forderte sein Körper den Tribut. Gegen Anton Pinchuk kämpfte er um den Einzug ins APB Turnier-Finale und verletzte sich schwer. Ein MRT brachte die traurige Gewissheit, dass ihm eine Sehne in der Schulter des Schlagarms gerissen war. Die Ärzte rieten zur Operation. Mit dem dritten Platz hätte er die Qualifikation für die olympischen Spiele in Rio eigentlich sicher gehabt. Doch so war sein Traum von den olympischen Spielen zu Ende, bevor er begann.

Ahmatovics Einstand ins Profibusiness

Emir gab nicht auf. Er ließ sich operieren und griff erneut an. Diesmal nicht als Amateur, sondern als Profi. Er wollte zum Sauerland Team und zu Coach Ulli Wegner, den er vom Chemiepokal kannte. Sein Manager Dennis Lindner sprach mit Sauerland. Im Januar 2017 stand er in Wegners Gym und zog sich die Boxhandschuhe an.

Foto von Emir Ahmatovic und Ulli Wegner
Foto: A-Z Sports Management

Emir ist jetzt 30 Jahre alt. Für einen Cruisergewichtler ist es das beste Alter. Deshalb möchte er schnell nach oben und er weiß, dass ihn Wegner zum Titel führen kann. Angst, dass sich sein 75-jähriger Trainer vorher zur Ruhe setzen könnte, hat er nicht. „Herr Wegner geht erst in Rente, wenn es auf der Welt keine Boxer mehr gibt“, da ist er sich sicher.

Im Ring denkt Emir wie ein Schachspieler. Zuerst den Gegner testen, danach ihm eine Falle stellen und zum Schluss den König mit der Dame matt setzen. Nur das seine Dame die brutale Schlaghand ist. Wie das aussieht, zeigte er in seinem zweiten Profikampf gegen Mateusz Gatek. Ein gut vorbereiteter „Ahmatovic-Hammer“ fällte den Polen in der dritten Runde.

Natürlich will Emir Weltmeister werden. Dafür hat er sein eigenes Projekt aufgesetzt, 2019 will er um einen WM-Titel fighten. Das „Projekt 2019“ lief gut an. Bis jetzt bestritt er zwei Kämpfe, die er beide gewann.

Zweieinhalb Jahre will er sich Zeit geben, um dann den alles entscheidenden Fight zu bestreiten. Das  bedeutet, dass er schon bald um kleinere Titel boxen wird, wie Interconti- oder Europameisterschaften. Noch konnte sich sein Team die Gegner aussuchen, aber das wird eher früher als später nicht mehr gehen. Dann muss er jeden schlagen, der ihm den Weg nach oben versperrt. Mario Daser zum Beispiel, oder Krzysztof Wlodarczyk, der zuletzt seinen Teamgefährten Noel Gevor schlug. Oben in der deutschen Rangliste ist auch noch der Wikinger Artur Mann zu finden und Muamer Hukic, besser bekannt als „Käpt‘n Marco Huck“, der einst in den Diensten des Sauerland Teams stand und von Ulli Wegner zum WM-Titel geführt wurde.

Für Wegner hat sein Cruisergewichtler das Potential und das Talent jeden zu schlagen, auch den Käpt’n. Allerdings will er sich mit Kämpfen dieses Kalibers noch nicht beschäftigen. Erst einmal möchte er seinen Neuen aufbauen. „Dafür“, so der Kulttrainer, „braucht es aber keine zweieinhalb Jahre.“

Am 17. Juni wird Emir Ahmatovic in seiner Heimat Wetzlar zu seinem dritten Gefecht in den Ring klettern. Ein Sieg ist Pflicht, ein vorzeitiger die Kür.

Emir Ahmatovic – Projekt Weltmeister
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Brook vs Spence

Spence nun endgültig der neue Superstar im Weltergewicht

In einem aktionsgeladenen und spektakulären Kampf sicherte sich gestern Abend der 27jährigen Errol Spence jr. (22-0-0. 19 KO-Siege) aus Desoto, Texas, USA, im mit 30.000 Zuschauern ausverkauften Bramall Lane Football Ground in Sheffield, Yorkshire, UK,  durch einen tKO Sieg in der 11. Runde über den einheimischen Kell Brook (36-2-0, 25 KO-Siege) den WM-Gürtel der IBF im Weltergewicht. Es war der erste Sieg eines US-Amerikaners nach über 10 Jahren in dem ein US-Boxer in England einen Champion entthronte.

Nach einer guten ersten Runde, die an Spence ging, übernahm der Titelverteidiger die Initiative und machte Druck und schob dabei Spence teils durch den Ring. Im ersten Teil des Kampfes boxte Brook in einem Stil der an frühere Klitschko- oder Ward-Kämpfe erinnerte. Der Titelverteidiger unterband jegliche Angriffe von Spence meist durch klammern und sich auf den Gegner legen und diesen durch den Ring zu schieben. Allerdings machte Brook dies sehr erfolgreich und lag so nach der ersten Hälfte des Kampfes sicher auf den Punktzetteln der Punktrichter klar in Front. Allerdings sah man auch schon in der ersten Hälfte des Kampfes, dass die wenige Schläge die Spence ins Ziel brachte allesamt klarere und saubere Treffer waren die auch teils Wirkung hinterließen. Der in Rechtsauslage boxende Spence jr. deckte von Runde zu Runde Brook mit genauen Körpertreffern ein, die dieser aber bis zu Beginn zur 7. Runde wegzustecken schien. Ab der 7. Runde dann begann nach einem der vielen klaren rechten Jabs des Herausforderers das linke Auge von Brook anzuschwellen.

In der 10. Runde dann musste Brooks nach Bilderbuch-Kombinationen von Spence zum ersten Mal Bodenbekanntschaft machen und wurde von Ringrichter Howard John Foster angezählt. Nun sah es so aus als hätte Spence zwei Gänge hochgeschaltet und er erhöhte die work rate und trieb nun seinerseits Brook durch den Ring. Spence und seine Ecke schienen zu wissen, dass es sicher besser ist diesen Kampf vorzeitig zu gewinnen als sich auf die Punktrichter zu verlassen, die sicher Brook immer noch in Front hatten. Das zeigte Spence dann auch in der 11. Runde, die er so begann wie er die 10. beendet hatte. Er trieb den Lokalmatador mit Traumkombinationen durch den Ring und traf diesen nun nach belieben. Harte Punches zu Kopf und Körper und immer wieder auf Brooks inzwischen stark lädiertes Auge, zwangen dann Brook sich kniend auszählen zu lassen. In den letzten drei Runden landete Spence 92 Treffer und es war dann letztlich vernünftig, dass sich Brook eine weitere Runde der Bestrafung ersparte.

„Ich bin hier her gekommen und habe versucht, heute Abend mein Bestes zu geben und ich bin froh, dass ich den Kampf gewonnen habe, aber ich sehe meine Leistung doch etwas kritisch“, sagte Spence.

„Ich habe meine Linke zu wenig eingesetzt. Ich gebe mir selbst für diesen Kampf heute nur eine 2- da ich es mir selbst so schwer gemacht habe in der ersten Hälfte des Kampfes mir die Runden zu sichern.  Ich kann es noch viel  besser! Brook ist ein großer Boxer, ein echter Champion und ein verbissener Fighter. Ich bin in die Höhle des Löwens gekommen um mir den Titel zu holen. Das ist es was echte Champions tun und ich habe heute Nacht wie einen echter Champion gekämpft und allen bewiesen dass ich ein richtiger Fighter und ein würdiger Champion bin. 

Dieser Kampf war härter als ich dachte. Ich habe allen gezeigt, dass ich auch dann wenn ich mit Widrigkeiten konfrontiert werde gewinnen kann. Brook ging nach Amerika, um den Titel von einem Amerikaner zu gewinnen und ich kam hierher in seine Heimatstadt, um diesen Titel von ihm zurückzuholen und wieder mit nach Amerika zu nehmen. Ich wollte wie echter Champion gewinnen und genau das habe ich heute Abend hier getan.

Am Ende des Kampfes war er verletzt. Er war müde und es kam dann der Moment als ich merkte, dass ich noch mehr tun musste um hier zu gewinnen,“ sagte der neue Weltmeister in der Pressekonferenz nach dem Kampf.

Als der 27-jährige Texaner über seine Pläne für die Zukunft gefragt wurde, antwortete er ohne zu zögern: „Jetzt habe ich den ersten Gürtel. Ich möchte die WM-Titel im Weltergewicht vereinen. Ich will alle Champions boxen und alle Titel besitzen. Ich will Keith Thurman und ich will Manny Pacquiao boxen. Ich will der Welt zeigen, dass ich der Beste bin.“

Brook, der mit dem Ausgang des Kampfes deutlich enttäuscht war, sagte dass Spence ihn in der 7. Runde am Auge verletzt habe:

„Er traf mich in der 7. am Auge und es fühlte sich wirklich schlecht an“, sagte Brook. „Es war das gleiche schlimmsten Gefühle wie ich es auch hatte als GGG mich traf, um meinen Orbitalknochen zu brechen. Es war verheerend Ich konnte einfach nicht mehr sehen.  Aber es war glaube ich ein würdiger WM-Kampf. Er hat einige Runden gewonnen, aber ich habe wohl einige Runden mehr gewonnen. Ich fühlte den Kampf zu gewinnen, bis das mit dem Auge passierte. Ich konnte einfach nichts mehr sehen. Du kannst nicht kämpfen, wenn du nicht sehen kannst. Ich bin in der 10. Runde zu Boden gegangen und ich bin aufgestanden, weil ich ein Krieger bin. Ich stand auf und kämpfte weiter, aber in der 11. Runde konnte ich dann gar nichts mehr sehen und ich musste  mich hinknien um den Kampf selbst zu beenden.“

Spence landete 44 Prozent seiner harten Treffer (vergleichbar mit den fast 43 Prozent, die er in seinen vier früheren CompuBox-verfolgten Kämpfen landete) und 71 seiner gesamten 246 Treffer waren Körpertreffer.

Kell Brook vs. Errol Spence jr: Das Fight-Video:

 

Errol Spence jr entthront Kell Brook
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Colan1Der irische Box-Hero bestreitet heute seinen 2. Profikampf

Der am 19. Oktober 1991 in Belfast geborene irischen Boxer, Michael Conlan ist der erfolgreichste Amateurboxer den Irland je hervorgebracht hat. Conlan war der einzige irische Amateur-Weltmeister den es in der Geschichte Irlands jemals gab. 2012 bei den Olympischen Spielen in London gewann Conlan als 20jährier die Bronzemedaille im Bantamgewicht. Im Jahre 2014 gewann Conlan dann die Goldmedaille bei den Commonwealth Games. Ein Jahr darauf erboxte er sich bei der Weltmeisterschaft in Doha, Katar, durch einen Finalsieg über den Usbeken Murodjon Ahmadaliyev den Weltmeistertitel im Bantamgewicht und war damit der erste Amateur-Boxweltmeister in der Geschichte Irlands. Im gleichen Jahr holte Conlan auch noch die Golfmedaille bei der Europameisterschaft. Mit diesen Siegen qualifizierte sich Conlan auch gleich für die Olympischen Spiele in in Rio de Janeiro und galt dort als der große Favorit auf die Goldmedaille. In Rio schaffte er es dann locker ins Viertelfinale und wurde hier, nach großem Kampf, den er für alle Experten am Ring klar gewonnen hatte, von den Punktrichtern mit einem kuriosen Punkturteil einer Medaille beraubt. Diese Punktentscheidung machte damals große Schlagzeilen und die Punktrichter dieses Kampfes wurden von der AIBA Führung suspendiert und nach Hause geschickt. Das Fehl-Urteil wurde allerdings nicht revidiert.

Seit Anfang des Jahres ist Michael Colan nun Profi. Er bestritt am 17. März im Madison Square Garden sein Profidebut in dem er den US Amerikaner Tim Ibarra in der 3. Runde durch tKO besiegte. Nun steht heute Colans zweiter Profikampf an, den er im UIC Pavilion in Chicago, Illinois in den Vereinigte Staaten gegen den Mexikaner Alfredo Chanez bestreiten wird.  Der Kampf wir natürlich nicht nur in Irland sondern im gesamten Vereinigten Königreich übertragen werden.

Das Video vom Wiegen

Conlan

Michael Conlan vs. Alfredo Chanez weigh-in
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Foto: Team SES / P. Gercke
Foto: Team SES / P. Gercke

Viele Boxfans und Experten hatten es schon seit einiger Zeit geahnt. Seit gestern ist es Gewissheit: Robert Stieglitz hat seine Karriere beendet! Auf einer Pressekonferenz in Dresden erklärte der Vorzeigeboxer des SES-Stalls das Ende seiner aktiven Laufbahn und schilderte seine Beweggründe. Aus diesem Anlass blickt BOXEN1 zurück auf den Werdegang und die größten Highlights des zweifachen Weltmeisters und (inzwischen zurückgetretenen) Europameisters!

Robert Stieglitz – Der Kämpfer

Robert Stieglitz wurde am 20. Juni 1981 im (heutigen) russischen Jeisk geboren. Nach der Trennung seiner Eltern zog der junge Stieglitz zu seinem Onkel nach Magdeburg. Dort startete er als Amateur für den 1. BC Magdeburg durch und konnte schon hier einige große Erfolge feiern. In dieser Zeit lernte er seinen späteren Promoter Ulf Steinforth kennen, der schon damals dessen Talent erkannte. Es sollte nicht lange dauern, dass Steinforth den jungen Boxer ins weite Land der Berufsboxer holte. Sein Profidebüt erfolgte dann im April 2001 als fast 20-Jähriger, als er in Ilsenburg (Sachsen-Anhalt) Petr Pokornyim schlug. Von nun an ging es steil bergauf! Gemeinsam mit seinem ersten Profi-Trainer Werner Kirsch, zog der ehrgeizige Stieglitz von Sieg zu Sieg.

Robert Stieglitz / Foto: SES Team - P.Gercke
Robert Stieglitz / Foto: SES Team – P.Gercke

Nachdem der Supermittelgewichtler die Titel des IBF-Junioren-Weltmeisters und Intercontinental-Champions gewinnen konnte, kam es, nach 29 Siegen in Folge, zur ersten großen Chance! Im März 2007 boxte Stieglitz in Rostock um die vakante IBF-Weltmeisterschaft gegen den Kolumbianer Alejandro Berrio. Gegen den gefährlichen Berrio stand Stieglitz bereits 15 Monate vorher im Ring und konnte durch technischen Ko gewinnen. Die Vorzeichen standen so günstig wie nie. Die ersten beiden Runden konnte der Magdeburger auch klar für sich entscheiden.

Doch im dritten Durchgang schlug es bei Stieglitz ein und nach zwei Niederschlägen war der Traum vom WM-Gürtel erstmal dahin! Die nächste Chance kam fast genau zwei Jahre später gegen den starken Librado Andrade im kalifornischen Cabazon (USA). Auch hier hatte Stieglitz, nach einem beherzten Fight, das Nachsehen und verlor durch Abbruch in der achten Runde. Die vielversprechende Laufbahn des SES-Boxers drohte ins Wanken zu geraten. Doch Robert Stieglitz ließ sich nicht von seinem „steinigen“ Weg abbringen!

WM-Triumph in der Höhle des Löwen

Nach insgesamt vier Siegen, unter anderem gegen den ungeschlagenen Lukas Wilaschek, erhielt er am 22. August 2009 die zweite Möglichkeit Weltmeister zu werden. Gegen den Lokalmatador und WBO-Weltmeister Karoly Balzsay, boxte Stieglitz in Budapest (Ungarn) nicht nur um den WM-Titel sondern auch um seine weitere Karriere. Dementsprechend motiviert und siegeshungrig präsentierte er sich dann auch im Ring. In einem Gefecht mit hohem Tempo, lag Stieglitz nach acht Runden deutlich zurück.

Eine weitere Niederlage zeichnete sich ab. Doch in der neunten Runde kam der Herausforderer, wie Phoenix aus der Asche, zurück. Immer wieder konnte Stieglitz, der inzwischen von Trainer Torsten Schmitz betreut wurde, den Titelverteidiger klar treffen. Im zehnten Durchgang brachte er den Favoriten wiederum in arge Nöte. In der Pause zur elften Runde nahm Balzsay’s Coach, der leider schon verstorbene Fritz Sdunek, seinen völlig erschöpften Schützling aus dem Kampf. Damit war die Sensation perfekt! Robert Stieglitz war somit nicht nur der erste Weltmeister aus dem SES-Lager, sondern erst der vierte deutsche Boxer, der im Heimatland des Champions die WM-Krone holte.

Unvergessene Schlachten gegen Arthur Abraham und Felix Sturm

Als WBO-Weltmeister im Supermittelgewicht verteidigte er (unter der Leitung von SES-Chefcoach Dirk Dzemski) seinen Titel fortan sechsmal erfolgreich. Dabei konnte er sich gegen Eddy Gutknecht ebenso durchsetzen wie auch gegen Khoren Gevor. Im August 2012 stieg dann in der Berliner O2-World-Arena das heiß ersehnte Duell gegen Arthur Abraham. Nach zwölf spannenden Runden, musste sich Stieglitz nach Punkten geschlagen geben. Der WM-Titel war dahin. Doch der Rückkampf sollte nicht lange auf sich warten lassen!

Arthur Abraham gegen Robert StieglitzNur sieben Monate später kam es in der Magdeburger GETEC-Arena zur Neuauflage. Viele Experten glaubten an einen erneuten Sieg von Abraham. Stieglitz belehrte sie eines Besseren. Wie von der Tarantel gestochen schlug er auf den „Abrahammer“ ein! Nach nur drei Runden war das Auge von Abraham völlig zugeschwollen und der Kampf wurde abgebrochen. Somit krönte sich Stieglitz zum zweiten Mal mit dem WBO-Gürtel und setzte das eindrucksvolle Statement, dass mit einem Robert Stieglitz immer zu rechnen ist!

Zwei siegreiche Titelverteidigungen folgten, ehe es dann, wiederum in Magdeburg, zum dritten Fight mit Arthur Abraham kam. Nach elf ausgeglichenen Runden musste Stieglitz in der letzten Runde nach schweren Treffern des Sauerland-Stars zu Boden. Am Ende siegte Abraham mit einem 2:1-Urteil nach Punkten. Ein sofortiges Rematch fand nach dem erneuten Titelverlust nicht statt.

Dafür stieg er im November 2014, in einem deutsch-deutschen Duell, gegen den mehrfachen Mittelgewichts-Weltmeister Felix Sturm in den Ring. Nach einem spannenden und hochklassigen Kampfverlauf lautete das Urteil Unentschieden. Direkt im Anschluss folgte im Juli 2015, in Halle (Westfalen), der vierte und letzte Teil der Stieglitz-Abraham-Reihe. Doch es sollte für Stieglitz kein Happy End geben! In der sechsten Runde siegte Abraham durch TKO.

Karriere-Ausklang im Halbschwergewicht

Foto: SES Boxing / P. Gercke
Foto: SES Boxing / P. Gercke

Nach der letzten Abraham-Niederlage entschied der Magdeburger und dessen Team ins Halbschwergewicht aufzusteigen. Im November des letzten Jahres holte er sich, durch einen klaren Punktsieg gegen den Franzosen Mehdi Amar, den Europameister-Titel (EBU). In seinem letzten Auftritt als Berufsboxer, verteidigte er in Leipzig seinen Titel gegen den unangenehmen Nikola Sjekloca mit einem Unentschieden. Trotz eines starken Fights war Stieglitz anzumerken, dass die biologische Uhr eines Profiboxers am Ablaufen ist.

Nun ist die endgültige Entscheidung gefallen. „Nach dieser langen Zeit der Überlegungen, sage ich als Aktiver dem Boxsport Lebewohl und mache Platz für die ‚Neue Generation‘. Mein Wille, mein Kampfgeist sind zwar noch da, aber mit 35 Jahren will der Körper nicht mehr so, wie ich es noch brauche, um im Ring weiter auf hohem Niveau erfolgreich zu sein.“, erklärte Stieglitz seine Entscheidung und die Hintergründe.

Foto: Team SES / P. Gercke
Foto: Team SES / P. Gercke

Nach genau 50 Siegen, bei nur 5 Niederlagen und zwei Unentschieden, kann Robert Stieglitz wohl zufrieden und stolz auf eine erfolgreiche Zeit als Profiboxer, mit einigen WM-Triumphen und vielen Höhepunkten, zurückblicken. BOXEN1 wünscht Robert Stieglitz in seinem weiteren Leben, abseits des Boxrings, alles erdenklich Gute!

Robert Stieglitz – Das Ende einer aufregenden Karriere
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