
Der Superfight
„Wenn sich der Staub legt und die zwei Kämpfer, die hervorkommen gegeneinander antreten, dann reden wir von einem Superfight“, so das legendäre Zitat von HBO Kommentator Max Kellermann seiner Zeit. Niemand hat so richtig dran geglaubt, bis es dann endlich passierte. Vor Canelo vs. GGG I war Golovkin der „most avoided Fighter“ (der Kämpfer dem man am liebsten aus dem Weg geht) im Mittelgewicht. Die brutale Power in beiden Händen, ausgezeichneter Ring-IQ und ein stahlhartes Kinn. Golovkin? Danke, nein danke. Canelo war das Phänomen, das durch die Gewichtsklassen raste und einen Gegner nach dem anderen lächerlich aussehen ließ, obwohl er erst Anfang 20 war.

Das Rematch

Zurecht flogen nach diesem Urteil die Fetzen. Abel Sanchez konfrontierte Canelo direkt auf der Pressekonferenz. Die meisten Medienvertreter stimmten zu, „GGG won that fight“, (GGG hat diesen Kampf gewonnen), aber es war nun mal entschieden. Es folgte der Rückkampf, ein Jahr später, und es gab eine große Veränderung. Canelo hatte sich weiter entwickelt, GGG blieb GGG. Revue passierend kann man deutlich sagen, dass dieser Moment für Canelo monumental war. Nach der Niederlage gegen Floyd Mayweather entwickelte Canelo sich schon unglaublich positiv weiter, nach der gefühlten Niederlage gegen GGG (dem Unentschieden aus dem Jahr zuvor), ebenfalls.

Aus den Augen, aus dem Sinn!
Canelo hatte nichts mehr, was ihn im Mittelgewicht hielt. Zumal hatte Golovkin die Division ja so gut wie im Alleingang auf links gedreht. Es gab keine wirklichen Herausforderungen mehr. Saul Alvarez folgte dem Ruf, Geschichte zu schreiben. Canelo ging in den Gewichtsklassen hoch und dominierte seine Gegner nach belieben, wurde zum ersten unumstrittenen Champion im Super-Mittelgewicht und fand dann endlich nach Jahren eine scheinbar unlösbare Aufgabe in Dmitry Bivol. Canelo wirkte ausgelaugt. Sein sich zum „One-hook-wonder“ entwickelter Stil war ineffektiv geworden. Nach so viel Siegen und geschichtsträchtigen Leistungen, war vermutlich auch einfach die Luft raus.

Der letzte Tanz
Was uns zum dritten und letzten Duell der beiden Legenden am vergangenen Samstag führt. Für beide sollte es so was wie eine Injektion neuen Lebens sein. Canelo brauchte wieder etwas, das ihn zurück zu höchstem Fokus brachte, was ihm wieder die ultimative Bedeutung seines Handwerks vor Augen führte. Golovkin brauchte endlich die klare Antwort, das Ausrufezeichen, ein Wegweiser, der endgültig in eine Richtung weisen kann. Tja, und die Antwort schmerzt leider etwas für Golovkin-Fans. Die Zeit ist endgültig vorbei, in der Triple G sich zur Super-Elite der Welt zählen kann.

Kann er im Mittelgewicht noch ein oder zwei Verteidigungen gegen Mandatory-Gegner hinlegen? Ganz bestimmt, doch es wird absehbarer mit jedem Kampf. Er wird langsamer, er braucht länger um warm zu werden und irgendwann wird es einfach zu lange brauchen und die Punkte gehen flöten. Sein Kinn und seine Power sind immer noch da, aber sein Raketen-Jab ist langsamer, die Finten wirken ineffektiver. Der Kampf am vergangenen Samstag hat einfach gezeigt: Golovkin ist alt geworden. Als Fan kann man nur hoffen, dass sein Team und er selbst das einsehen. Klar zeigte Canelo eine Monsterleistung, doch die Tendenzen der zwei vorangegangenen Kämpfe, zeichneten sich von Golovkin klar ab.

Das Ende
…eine lange und innige Umarmung. Persönliche Momente zwischen Gennadiy und Saul. Was für ein Wahnsinn: nach all den Jahren, vor all den Millionen Menschen die sich auf diesen Kampf gestürzt haben, sind die zwei auf einmal ganz allein und versinken in Respekt, Dankbarkeit und Hochachtung voreinander. Was für ein unglaublich schöner Moment. Canelo und GGG waren stilistisch für einander gemacht, besser gesagt, für den Boxsport gemacht. Die 36 Runden haben außer Knockdowns und Unsportlichkeiten so ziemlich alles, was man an Exzellenz im Ring sehen können will. Technik, Taktik, Power, Wille, Emotion – Alles. Abseits des Rings gab es Diskussionen zwischen Fans, Reportern, Promotern, Boxern. Es wurde ein bisschen Schlamm geworfen, es wurde Kontroverse geschürt. Diese Trilogie war wichtig für das Mittelgewicht, wichtig für den Sport. Ebenso war es wichtig, dass sie jetzt endlich zu Ende ging, kein bisschen später hätte das passieren dürfen.

Canelo hat jetzt wieder Aufwind und seine Karriere ist so oder so in besten Händen. Der Rückkampf gegen Bivol ist jetzt wieder etwas spannender, nach einer so starken Leistung in der ersten Hälfte gegen Triple G. Er hat Golovkin überlebt, ohne große Schäden. Er wird als Gewinner dieser Story in Erinnerung bleiben, er hat diese Trilogie beendet. Hätte Golovkin gewonnen, stünde es nun 1 zu 1 zu 1. Es käme wahrscheinlich zum vierten Durchgang, das hätte sich gezogen wie alter Käse und wieder Platz für neue Kontroverse eingeräumt. Nein, es reicht jetzt, es ist vorbei.
Aufgeräumt haben die zwei Ausnahmeboxer allemal. Das Mittelgewicht muss jetzt nachziehen und wieder erstarken. Es ist Zeit für Neues. Die Geschichte hat nun ein weiteres Vorbild einer großen Trilogie, nach denen sich neue Champions richten können. Neue Charaktere, mit eigenen Stories und Hintergründen werden ihren Weg nach oben suchen und im besten Fall selbst Geschichten schreiben von denen man irgendwann sagen kann: eine Rivalität, oder eine Trilogie wie einst Canelo und GGG.















canelo sollte mit Felix Sturm boxen..
Der Artikel passt zu den drei Kämpfen. Er ist genau so hervorragend.Perfekte Kampfanalyse, alles wichtige dargestellt und zwei Ausnahmefighter mit der dementsprechenden Würdigung geehrt. Das Fazit wiederum perfekt getroffen. Bravo! Nach solchen Beiträgen macht der Boxsport noch mehr Spaß Bravo!