AIBA sperrt alle 36 Punkt- und Ringrichter von Rio

Conlan Niederlage
Der irische Boxer Michael Conlan hatte nach seiner Punktniederlage in Rio für einen Eklat gesorgt. Vorausgegangen war eine umstrittene Punktentscheidung – nicht die erste bei diesen Spielen. Der Weltverband hat mittlerweile reagiert und sperrte alle 36 Punkt- und Ringrichter der Spiele von Rio.

Eine mehr als sonderbare Entscheidung des Amateur-Weltverbandes

Der internationale Amateurbox-Weltverband AIBA hat gestern alle 36 Punkt- und Kampfrichter, die bei den letzten olympischen Spielen in Rio zum Einsatz kamen, wegen „fragwürdigen Entscheidungen“ vorläufig gesperrt.

Es wurde eine Untersuchung eingeleitet, teilte der Verbandssprecher am Rande des AIBA-Meetings in Lausanne mit.

Leidtragende der Fehlurteile von Rio waren in erster Linie die Boxer aus Irland, Kasachstan und den USA, die Kämpfe gegen Boxer aus Russland und Usbekistan verloren haben, obwohl sie nach dem Kampfverlauf und der Einschätzung vieler Fachleute und Insider eigentlich ihre Kämpfe gewonnen hatten. Obwohl es schon in Rio heftige Kritik gegen einige AIBA Ring- und Punktrichter gab, waren dort die umstrittene Juroren doch fast in vollem Umfang bis zum Ende der Spiele weiter eingesetzt worden.

„Die Sperre ist eine vorläufige Maßnahme, obwohl sich die Vorwürfe wahrscheinlich nur gegen sehr wenige Ring- und Punktrichter erhärten wird“, sagte der Präsident des Deutschen Boxsport-Verbandes Jürgen Kyas.

Die Entscheidung der AIBA nunmehr alle Ring- und Punktrichter unter Generalverdacht zu nehmen und diese allesamt zu sperren, ist zumindest genauso fragwürdig und unverständlich wie die umstrittenen Urteile in Rio selbst.

Beim olympischen Turnier in Rio gab es einige regelrechte „Betrugs-Urteile“, wie etwa die einstimmige Punktentscheidung im Viertel-Finalkampf zwischen dem Iren Michael Conlan und dem Russen Wladimir Nikitin. Hier gewann der irische Boxer nach Ansicht der Experten am Ring jede Runde und Nikitin ging sogar mehrmals zu Boxen und zum Erstaunen Aller wurde dann der Russe zum einstimmigen Punktsieger ausgerufen. Conlan zeigte daraufhin der AIBA den Stinkefinger. Im Schwergewicht-Finale von Rio war der russische Kämpfer Evgeny Tischtschenko am Ende einer ebenfalls mehr als umstrittenen Entscheidung Sieger gegen den Kasachen Vasily Levitt. Der Russe wurde vor Ort heftig ausgebuht. Der Kasache wie auch Conlan waren alleine der Willkür der Punktrichter ausgesetzt, so die einhellige Meinung der meisten Zuschauer in der Halle.

Aber daraufhin, nach dem inzwischen zwei Monate vergangen sind, die gesamten 36 Punkt- und Ringrichter zu sperren ist ein Novum in der Geschichte des internationalen Boxsports und vor allem die Art und Weise dieses Generalverdachts wird dem Amateurboxsport und dem Boxsport insgesamt ganz sicher einzig nur noch mehr Kritik einbringen. Bleibt zu hoffen, dass das IOC das Boxen bei künftigen Olympischen Spielen nicht ganz aus dem Programm streicht. Überlegungen in diese Richtung gab es schon im Vorfeld der letzten Spiele in Rio.

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