Mairis Briedis mit umstrittenen Punktsieg über Noel Mikaelian

Im Rahmen der 2. Staffel der WBSS standen sich gestern die beiden Cruisergewichtler Mairis Briedis und Noel Mikaelian im UIC Pavilion in Chicago gegenüber.

Noel Mikaelian stellt Mairis Briedis vor Probleme

Nach über einem Jahr Ringabstinenz stand Noel Mikaelian (ehem. Gevor) wieder in einem Boxring. Im Rahmen der World Boxing Super Series, erhielt der 28-jährige die Chance, sich auf einem internationalen Turnier zu präsentieren. Im Kampf um den Einzug ins Halbfinale traf der Deutsch-Armenier auf den auf Platz 1 des Wettbewerbs gesetzten Letten Mairis Briedis.

Zu Beginn der ersten Runde tasteten sich beide Boxer ersteinmal vor. Mikaelian arbeitete vor allem mit seinem Jab von der Ringmitte aus. Nennenswerte Aktionen konnte man allerdings nicht beobachten. Schon im zweiten Durchgang erhielt Briedis von Referee Jose Guadalupe Garcia eine Verwarnung, nicht auf den Hinterkopf zu schlagen – eine zweite folgte wenige Zeit später. Briedis trieb Mikaelian im Ring vor sich her und wurde wegen Herunterdrückens ermahnt.

Im dritten Durchgang, in welchem Mikaelian wegen Schlagens auf den Hinterkopf ebenfalls ermahnt wurde, konnte dieser das erste Mal zu einem soliden Wirkungstreffer kommen. Kurz vor Schluss der Runde, die mit häufigen Clinches bestückt war, landete dessen Rechte im Ziel. Da Mikaelian durch seine Aktionen immer wieder auf den Hinterkopf von Briedis schlug, zog im Referee Garcia im vierten Durchgang einen Punkt ab. Briedis schien weiterhin Probleme zu haben, richtig in den Kampf zu finden.

Vor allem mit seinem schnellen Jab zum Kopf konnte Mikaelian zu einer Vielzahl treffern kommen. So auch im sechsten Durchgang, als er Briedis ein ums andere Mal traf, so wie zum Beispiel mit einem harten linken Haken im ersten Drittel. In selbiger Runde stießen beide merklich mit den Köpfen zusammen. Auch in diesem Durchgang war es Mikaelian, der mit sauberen und vor allem mehr Treffern für Punkte bei den Unparteiischen sorgte.

Briedis schien merkliche Probleme mit dem jüngeren Mikaelian zu haben. Wirkungstreffer kamen selten durch, vielmehr unterband der Lette die Aktionen meist mit dem Clinch, was auch Kopfstöße zur Folge hatte. Im achten Durchgang kam Noel Mikaelians Rechte erneut gut durch. In der Mitte der Runde, platzierte er diese sauber an der Seite von Briedis Kopf. Briedis wartete offensichtlich vermehrt auf „gute Momente“, fand diese aber eher selten.

Briedis sichert sich Punktsieg – eine Fehlentscheidung?

Auch im darauf folgenden neunten Durchgang war es vermehrt Mikaelian, der im Ring den Takt angab und zu nennenswerteren Treffern kam. Ein Kopfstoß der beiden führte zudem zu einer angeschlagenen rechten Augenbraue beim Deutschen. In den letzten drei Runden schien Briedis klar zu werden, dass er nach Punkten Schwierigkeiten bekommen könnte. Er versuchte immer wieder vereinzelte Aktionen zu starten, konnte diese aber nicht zufriedenstellend durchziehen. Im 10. Durchgang bekam er zudem wegen widerholtem Runterdrücken einen Punktabzug.

Briedis schien in den letzten beiden Runden 11 und 12 zu wissen, dass ein Knockout-Sieg die wohl sicherste Variante wäre. Nach Punkten zurückliegend, versuchte er immer wieder Mikaelian stark zu verletzten. Die Versuche endeten jedoch gehäuft in Clinches und hatten mehr „Kuschelcharakter“, als dass saubere Punches zu sehen waren. Es schien damit alles auf der Seite von Mikaelian zu liegen – eigentlich.

Nach 12 Runden, in denen der im weltweiten Boxzirkus eher unbekannte Noel Mikaelian Briedis immer wieder vor Probleme stellte, zeitweise klassisch ausboxte und vor allem mit seinem schnellen Jab und seiner rechten Geraden saubere Treffer landete, kam es zur Urteilsverkündung. Alle drei Unparteiischen hatten jedoch nun den Letten auf den Zetteln vorn. Hubert Minn (114-112), Steve Morrow (115-111) und Benjamin Rendon (116-110) sorgten damit für die Fehlentscheidung des Abends, nahmen Mikaelian den verdienten Sieg und hindern ihn somit am Weiterkommen im Turnier.

Durch diese Fehlentscheidung muss Noel Mikaelian, der an diesem Abend klar der bessere Mann war, die zweite Niederlage seiner Karriere hinnehmen. Mairis Briedis hingegen wird nun im Halbfinale auf Krzysztof Glowacki treffen und darf sich über den WBC Diamond Gürtel freuen.

Undercard: Artur Mann mit Punktsieg

Auf der Undercard konnte der deutsche Sauerland-Cruisergewichtler Artur Mann einen weiteren Punktsieg verbuchen. In einem nie gefährdeten Kampf gegen Alexey Zubov, angesetzt auf 10 Runden, sicherte sich der Hannoveraner eine deutliche Punktentscheidung. Die Wertung sprach mit 2x 98-89 sowie 96-91 dabei eine deutliche Sprache.

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