Josh Kelly und Lewis Ritson weiter auf der Siegesstraße

In der Metro Radio Arena in Newcastle ging es gestern Abend ordentlich zur Sache, inklusive intensiver Duelle und brutaler Knockouts.

„Pretty Boy“ zwingt Kris George zur Aufgabe

Der Druck war nicht gerade gering für den jungen Mann aus Sunderland (einem Nachbarort Newcastles), immerhin war dies erst sein 7. Profikampf und schon stand er im Main Event der Veranstaltung von Matchroom. Außerdem ging es dabei um den prestigeträchtigen Commonwealth Title, den der Australier Kris George hier zu verteidigen versuchte. Josh Kelly schien das stetig ansteigende Interesse an seiner Person jedoch scheinbar nicht allzu sehr zu belasten, denn von Beginn an offenbarte er mal wieder seinen lockeren, fast lässigen Boxstil, der ab einem gewissen Grad an Nervosität wahrscheinlich kaum durchsetzbar wäre. Wie relaxt die Sache aussehen wird, sollte mal ein echter Prüfstein auf den Ex-Olympioniken warten, wird sich zeigen.

Was in seinem Gefecht am Samstagabend in der Metro Radio Arena jedoch klar wurde, ist die Tatsache, dass „Pretty Boy“ Kellys Defensiv- und Deckungsarbeit noch alles andere als lückenlos ist. Mit den Händen in Hüfthöhe und dem beweglich Oberkörper gelang es ihm des öfteren nicht, nach eigenen Aktionen rechtzeitig aus der Linie zu gehen. So konnte George immer mal wieder ordentlich Treffer für sich verbuchen, auch wenn er ansonsten größtenteils chancenlos blieb. Kelly gelang es im Verlaufe des Kampfes mehr und mehr seinen Kontrahenten zurückzudrängen und mit schnellen Kombinationen zu bearbeiten. Dies ging dann so weit, dass die Ecke des Australiers ihren Schützling nach der 7. Runde aus dem Kampf nahm, auch wenn sie zusätzlich eine Handverletzung Georges monierten.

Der von Star-Trainer Adam Booth betreute Kelly zeigte in diesem Duell schon in Ansätzen, zu was er fähig ist, allerdings gilt es die Defensivlücken und teilweise unpräzise Arbeit in der Vorwärtsbewegung noch auszumerzen. Problemtisch dürfte sein, dass Josh Kelly, anders als Naseem Hamed oder Roy Jones Jr, die einen ähnlichen Stil boxten, nicht über die große KO-Power verfügt. Das könnte dazu führen, dass körperlich robuste Kämpfer ihn versuchen werden konsequent an die Seile und in den Infight zu ziehen. Die nächsten Jahre in der Karriere diesen jungen Mannes werden spannend zu verfolgen sein.

Ritsons Pfad der Zerstörung geht weiter

Von seinem Heimpublikum in Newcastle angetrieben, bewies der British Champion im Leichtgewicht, Lewis Ritson, erneut, dass mit ihm absolut zu rechnen ist. Nach seinen frühen KO-Erfolgen über Joe Murray und Scott Cardle, war es wieder eine kurze Nacht für die 24-jährige Dampfwalze. Gegner Paul Hyland Jr., der bis dato in 18 Kämpfen ungeschlagen war, wurde von der ersten Sekunde an schier erdrückt – Ritson marschierte mit wohl platzierten Schritten nach vorne, schlug den Jab beinahe so hart wie seine Schlaghand und ließ dem bemitleidenswerten Hyland Jr. keinen Raum zum atmen.

So verwunderte es nicht, dass der Nordire schon den ersten Durchgang diesen ungleichen Duells nicht überstand. Nach dem ersten Niederschlag beging Hyland Jr. zudem den großen Fehler, dass er versuchte mit zuschlagen und sich zu revanchieren. Im Schlagabtausch sah er erwartungsgemäß keinen Stich und wurde noch zwei weitere Male zu Boden geschickt, sodass Ringrichter Steve Gray dem Ganzen ein Ende bereitete. Der Höhenflug von Lewis Ritson hält somit an und man darf gespannt sein, wie weit der sympathische Brite noch kommen kann.

Charlie Edwards dominiert Anthony Nelson

Der 25-jährige Super-Fliegengewichtler bewies im Duell mit seinem Landsmann Anthony Nelson, welch Fortschritte er seit seiner Niederlage im WM-Kampf gegen John Riel Casimero gemacht hat. Von Anfang an dominierte Edwards seinen Gegner hinter einem technisch soliden Grundgerüst und schnellen, explosiven Händen. Mit einem herrlichen Aufwärtshaken schickte er Nelson in der zweiten Runde zu Boden, ein harter Körpertreffer verursachte danach gleich noch einen Niederschlag.

Die defensiven Lücken von „Babyface“ Nelson waren derart groß, dass sie Edwards förmlich dazu einluden, mit brutalen Aktionen Kapital zu schlagen. So war es dann eine punktgenau , über die Führhand geschlagene Rechte, die den Kampf im dritten Durchgang beendete. Mit dieser Leistung hat sich Charlie Edwards für eine weitere WM-Chance ins Gespräch gebracht. Stallkollege Kal Yafai, der den Gürtel der WBA trägt, wäre ein passender Gegner.

Gavin McDonnell punktet tapferen Stuart Hall aus

3 Monate nach seinem beachtenswerten Sieg über den dem damals ungeschlagenen Gamal Yafai, geht die Erfolgsserie von Gavin McDonnell weiter. Gegen den toughen Stuart Hall boxte McDonnell abermals sehr solide aus der Ringmitte heraus und zeigte eine bemerkenswerte Variabilität in seinen Aktionen. Hall gab zwar niemals klein bei und kam selbst hier und da gut durch, gegen den großgewachsenen McDonnell gab es letztlich aber nicht viel zu holen. Komischerweise sah ein Punktrichter den Kampf 115-113, womit nur wenige übereinstimmen würden. Das 117-111 der beiden anderen Offiziellen traf da schon eher den Nagel auf den Kopf.

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