In einem Kampf ohne Verlierer qualifiziert sich Sergiy Derevyanchenko für eine Titelchance

Vergangene Nacht ging es für Jack Culcay und Sergiy Derevyanchenko im IBF-Ausscheidungskampf um die Chance noch einmal um einen großen Titel zu boxen. In einer erinnerungswürdigen Vorstellung präsentierten sich beide Boxer auch ohne Gürtel absolut weltmeisterlich!
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Zu Beginn boxt nur Culcay

In den ersten Runden des Kampfes war es einzig „Golden“ Jack der etwas von seinem boxerischen Können zeigte. Mit Beinarbeit wie aus dem Lehrbuch und einem schnellen Jab konnte der ehemalige Amateurweltmeister zunächst die Distanz behaupten. Dass er seine Aktionen gelegentlich mit einem eingesprungenen Führhandhaken oder auch einer ansatzlos geschlagenen Rechten startete erschwerte es seinem Gegner zusätzlich einen Rhythmus zu finden. Derevyanchenko hingegen, machte erst einmal recht wenig außer Jack hinterherzulaufen. Allerdings kam diese Herangehensweise des Ukrainers nicht wirklich überraschend. Da dieser immer eine gewisse Zeit zu brauchen scheint um in einen Kampf zu finden, war ohnehin damit zu rechnen gewesen, dass er auch diesmal wieder einige der ersten Runden abgeben würde.

Die Dampflok kommt ins Rollen

Im dritten Durchgang wurde „The Technician“ dann aktiver und begann den Druck mehr und mehr zu erhöhen während Culcay sich weiterhin gut bewegte und seiner Linie treu blieb. In dieser Phase wurde deutlich, dass die Schnelligkeitsvorteile auf  Seiten des Gastes lagen. Aus deutscher Sicht weniger erfreulich, verstärkte sich gleichzeitig der Eindruck, dass „Golden“ Jack’s Schlaghärte womöglich nicht ausreichen würde um seinen Gegner langfristig im Zaum zu halten. In den folgenden beiden Runden kam die „Dampflok“, wie Culcay seinen Kontrahenten im Vorfeld bezeichnet hatte, dann wirklich ins Rollen.

Scheinbar nicht von Culcay’s Schlägen zu beeindrucken, ließ Derevyanchenko diesem jetzt kaum noch Spielraum und erhöhte das Schlagvolumen immer weiter. Klare Treffer zum Kopf konnte er zwar noch immer nicht Landen, doch schienen die harten Schläge zum Körper immer wieder Wirkung zu hinterlassen. Gegen Ende der fünften Runde gelang es Culcay erstmals seinen Gegner immer stärker werdenden Gegner offensichtlich zu beeindrucken. Ein rechter Aufwärtshaken, gefolgt von einer geraden links-rechts Kombination schienen Derevyanchenko kurz aus dem Gleichgewicht zu bringen woraufhin sich die gesamte Kampfdynamik änderte.

Eine beeindruckende Leistung

Die Risikobereitschaft Culcay’s steigerte sich nach seinen ersten eindeutigen Wirkungstreffern deutlich. Immer häufiger versuchte er den Spieß umzudrehen und seinen Gegner in den Rückwärtsgang zu zwingen. Derevyanchenko seinerseits reagierte auf diesen immer offensiveren Boxstil  hauptsächlich mit noch mehr eigener Offensive. Über weite Strecken des restlichen Kampfes brachte Jack Culcay die präziseren Aktionen und die gegenüberliegende Seite damit auch einige Male schwer in Bedrängnis. Dennoch war es weiterhin, der für seine Ausdauer bekannte, Sergiy Derevyanchenko der sich keine Pausen gönnte und ohne Rücksicht auf Verluste weiter marschierte.

Als die Glocke zum Ende der zwölften und letzte Runde läutete, hatten beide Männer ihre unfassbare Willensstärke bewiesen. Beide schienen mehrfach an die eigenen Grenzen gestoßen zu sein, nur um sich dann ein weiteres Mal zu überwinden. Beide waren sie blutverschmiert, Cuts  und Schwellungen stark gezeichnet. Mit einem Blick in diese Gesichter war für jeden klar zu erkennen, was sie diese beiden bereit waren zu opfern, für die Chance noch einmal Weltmeister zu werden.

Nachdem die Punktezettel der drei Kampfrichter ausgewertet waren, lautete das gerechte Urteil;  115-113, 116-112, und 116-112, einstimmig zugunsten Sergiy Derevyanchenkos.

Auch wenn unser Jack Culcay am Ende nicht das erreicht hat was er sich vorgenommen hatte, so hat er dennoch echte Größe bewiesen. Er hat alles in diesem Ring gelassen was er zu geben hatte. Für diese unglaubliche Leistung hat er alle Anerkennung der Welt verdient und ich danke ihm hiermit für einen Kampf der daran erinnert, was  eigentlich zu leisten möglich ist, wenn nur der Wille da ist!

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