Maurice Weber gibt Karriereende bekannt

Foto: Marianne Müller

Der ehemalige WM-Herausforderer Maurice Weber hängt seine Handschuhe schweren Herzens verletzungsbedingt an den Nagel

Ein Bericht von  Wolfgang Schiffbauer

Nach über 20 Jahren im Boxsport ist Schluss: Der ehemalige WM-Herausforderer Maurice Weber (38) hängt seine Handschuhe schweren Herzens verletzungsbedingt an den Nagel. Ein komplizierter Handbruch aus seinem WM-Fight gegen Jack Culcay im Jahr 2015 bereitet trotz zweier Operationen und endlosen Behandlungen auch heute noch schwerwiegende Probleme, so dass die behandelnde Ärzte Weber das endgültigen Karriereende Nahe legen mussten. „Es war eine schwere Entscheidung für mich, aber ich war darauf vorbereitet“, sagt der Halbmittelgewichtler. „Ich habe mit zwölf Jahren angefangen zu boxen und bin mit 24 bei Universum Profi geworden. Ich habe mein ganzes Leben im Boxen verbracht. Ich wollte unbedingt wieder in den Ring steigen, aber am Ende musste ich mich dem Schicksal beugen und auf meine Ärzte hören. Die Gesundheit geht vor.“

Foto: Marianne Müller

Als sich Weber im Mai 2015 die Chance bot, gegen Jack Culcay um die WBA-Krone im Halbmittelgewicht zu boxen, zögerte der Modellathlet keine Sekunde und unterzeichnete sofort den Kampfvertrag. In der Frankfurter Festhalle stieg Weber als Außenseiter ins Seilgeviert, doch am Ende strafte er seine Kritiker Lügen und brachte den favorisierten Culcay an den Rande einer Niederlage. In der dritten Runde schlug er den als „Golden Jack“ bekannten Berliner gar zu Boden. Doch dann passierte es: In der selben Runde brach sich Weber die rechte Schlaghand. Es sollte die Verletzung sein, die nun, vier Jahre später, zum endgültigen Ende seiner Karriere führt. Trotzdem kämpfte er aufopferungsvoll weiter und verlor am Ende nur hauchdünn und für viele Beobachter zu unrecht über zwölf Runden nach Punkten.

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Der Kampf gegen Culcay, resümiert Weber heute, war für ihn „Fluch und Segen“ zugleich. „Es war der wichtigste Kampf meiner Karriere, aber er hat mich auch meine Karriere gekostet.“ Was bis heute nur Webers engstes Umfeld wusste: Er brach sich im Kampf nicht nur die Hand, sondern zog sich auch einen Nabelbruch zu. Eine schwerwiegende Verletzung, die wenige Tage nach dem Duell mit Culcay operiert werden musste. „Ich habe nie darüber gesprochen, weil ich ja wieder in den Ring steigen wollte“, so Weber. „Ich wollte nicht, dass meine zukünftigen Gegner an meinem Bauch einen Schwachpunkt ausmachen.“ In dieser Nacht in Frankfurt lief eigentlich, so Weber, alles schief – und doch ist er heute unglaublich stolz auf seine Leistung: „Ich habe mich durchgekämpft, ich habe ihn fast besiegt. Ich bereue nichts, es gibt keine Entschuldigungen – ich bin mit mir und meiner Leistung im Reinen.“

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Schon als Amateur feierte Weber im Team von Bayer 04 Leverkusen viele Erfolge, bevor er dann 2005 zum Hamburger Boxstall Universum wechselte um seine Laufbahn als Preisboxer zu starten. Es folgte Sieg um Sieg und schon nach wenigen Kämpfen war Weber deutscher Meister im Halbmittelgewicht. Alles sah nach einer vielversprechenden Karriere aus, internationale Titelkämpfe waren zum Greifen nah – doch dann machte ihm seine Schlaghand ein erstes Mal einen Strich durch die Rechnung. Ein komplizierter Bruch setzte ihn für drei Jahre außer Gefecht, schon damals musste er zwei OPs über sich ergehen lassen. Die Karriere war in akuter Gefahr, Weber schulte gar um und machte eine Ausbildung zum Erzieher.

Doch seinen Traum vom Weltmeistertitel im Boxen gab der Kölner nie auf – und kämpfte sich zurück in den Ring. Neunmal boxte er zwischen seinem Comeback im Dezember 2011 und dem Schicksalsfight gegen Culcay, jeden dieser Kämpfe konnte er klar für sich entscheiden und feierte dabei sogar fünf KO-Siege. Seinen letzten Kampf hatte Weber dann im April 2016 in Potsdam: Unter Schmerzen besiegte er damals einen Aufbaugegner vorzeitig durch KO. „Ich hätte damals trotz aller Schwierigkeiten nie gedacht, dass das mein letzter Kampf sein wird“, erzählt Weber, der seine Karriere mit einer Bilanz von 22 Siegen (9 KOs) bei zwei Niederlagen und einem Unentschieden beendet. „Aber so ist das manchmal im Leben. Ich habe eine tolle Zeit als aktiver Sportler hinter mir und blicke stolz auf meine Karriere zurück“, sagt der 38-Jährige. Und dann fügt Maurice Weber mit einem Augenzwinkern hinzu: „Ich werde dem Boxen auch weiterhin treu bleiben!

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