Boxen unsere Leidenschaft – Fluch oder Segen für die Boxer

Ist es ein Segen, ein talentierter Boxer zu sein? Wovon hängt der Erfolg im Boxen und das, was man davon nach der Kariere übrig hat, ab?

Es ist ein leichtes zu behaupten, dass Profiboxer, die wir vor dem Bildschirm oder in großen Hallen boxen sehen, finanziell ausgesorgt haben. Es gibt sicher viele, die während ihrer Kariere mehrere Millionen Euro oder Dollar verdient haben, doch was bleibt demjenigen, der seine Gesundheit oder gar sein Leben riskiert, davon übrig. Jeder weiß, dass die meisten Boxer nur über die große Promoter an vernünftige, lukrative Boxkämpfe kommen und vorher durch diese – meist behutsam – aufgebaut werden. Während dieser Phase bekommen die meisten Boxer lediglich nur eine geringe Börse und evtl. Sachzuwendungen (Wohnung, Auto etc.), die Kosten (Veranstaltungen, Gegner, Trainer etc.) liegen sicher höher als das, was der Boxer während dieser Zeit einem Promoter einbringt. Sobald die größeren Börsen winken, sichert sich der Promoter zunächst den Rückfluss seiner Investitionen und erst danach verdienen die Boxer selbst auch ordentlich mit. Zumindest solange sie erfolgreich bleiben. Doch was passiert ab diesem Moment, wo es nicht mehr so läuft oder nach der aktiven Karriere?

Nach einer Erhebung des Forbes Magazine im Juni 2014 war Floyd Mayweather junior mit einem Jahreseinkommen von umgerechnet 78 Mio. Euro der weltweit bestbezahlte Sportler. Im Zeitraum 2014/15 führte er die Rangliste mit umgerechnet 212 Mio. Euro an, womit er die bisherige Bestmarke von Tiger Woods von 101 Mio. Euro (2007/08) klar übertraf. Aber das ist leider die ganz große Ausnahme im Boxsport.

Wenn der Boxer selbst nicht in der Lage ist, seine Finanzen zu ordnen und vorzusorgen, sondern sich auf Berater verlassen muss, geht dies oft schief. Entweder leben sie über ihre Verhältnisse, weil falsche Freunde und Ja-Sager selbst davon leben und ihr Leben auf Kosten des Boxers genießen oder sie vertrauen auf falsche Berater, legen ihr Geld aufgrund fehlender Erfahrung falsch an (Aktien, Immobilien etc.) und am Ende kommt dann der Fiskus und möchte auch noch seinen Teil haben. Prominente Beispiele gibt es dafür zu Hauf. International sind sicher Namen wie Joe Louis, Rocky Marciano und Mike Tyson ein Begriff und beste Beispiele dafür, was passiert, wenn man keine oder zu wenig Steuern zahlt. Nationale Beispiel sind derzeit aktuell wohl Felix Sturm oder Mahmoud Charr. Mike Tyson tourt heute noch durch die Welt und versucht mit bezahlten Auftritten in Kinos und anderen Locations seine Steuerschulden zu begleichen, während Felix Sturm aktuell in Haft sitzt.

Mike Tyson war einst der besten Boxer seiner Zeit und er verdiente im Ring hunderte Millionen Dollar. Doch das ist ziemlich lange her. Mittlerweile ist das Vermögen verprasst. Heute muss „Iron Mike“ daher zu anderen Mitteln greifen, um sich finanziell über Wasser zu halten und verdient sich teils durch bezahlte Autogrammstunden sein Geld.

Jeder Boxer und auch die, welche halbwegs mit ihren finanziellen Erfolgen umgehen konnten, gehen ein weiteres, wohl noch wesentlich schlimmeres Risiko ein. Sie riskieren ihre Gesundheit. Lässt man die vielen Boxer heraus, die schon im Ring oder nach den Folgen eines Kampfes direkt gestorben sind oder noch heute im Koma liegen wie beispielsweise Eduard Gutknecht, so bleiben noch immer diejenigen, die schon während der Karriere oder später an den Folgen des Sportes leiden. Nach dem Tod eines Boxers, wie beispielsweise Muhammad Ali, einem der wohl populärsten Boxer der Welt, der schon während seiner aktiven Laufbahn an Parkinson erkrankt war, werden immer wieder Fragen laut, ob Boxen solche Krankheiten wie beispielsweise die so genannte Boxerkrankheit, Boxer Demenz oder Parkinson wenn schon nicht hervorruft, zumindest aber wohl begünstigt oder eben viele Jahre später zum Tode geführt haben.

Der deutsche Profiboxer Eduard Gutknecht (rechts) zog sich beim Kampf gegen den Engländer George Groves eine Gehirnschwellung zu und musste notoperiert werden. Er befand sich anschließend mehrere Wochen im Koma und ist seitdem auf dauerhafte Pflege angewiesen.

Es gibt dazu viele wissenschaftliche Meinungen, die zum Großteil zum Ergebnis kommen, dass dies wohl nicht so ist. Gänzlich ausschließen kann man es aber wohl auch nicht. Fakt ist, dass die vielen Schläge auf den Kopf oder gar dadurch entstehende Blutgerinnsel sicher nicht förderlich für die Gesundheit sind. Hört man sich heute Interviews von ehemaligen Box-Profis an, so wird bei einigen schnell klar, wie schwer sie der Sport gezeichnet hat. Ist Boxen ein gefährlicher Sport? Das kann man wohl bejahen, obwohl es weitaus gefährlichere Sportarten, wie beispielsweise den Motorsport, Reiten, Freiklettern, Wingsuit-Fliegen oder Big-Wave Surfen gibt. Das mag manchen zum schmunzeln bringen, aber dennoch bleibt auch das Boxen ein gefährlicher Sport. All dies sollte uns vielleicht auch mal wieder zum Nachdenken anregen, bevor wir die Leistung derjenigen, die für unsere Leidenschaft ihr Leben und ihre Gesundheit riskieren, immer und immer wieder schlecht reden. Jeder denkt er könnte es besser machen, bis er sich selbst beweisen muss.