Zum 10. Todestag: Erinnerungen an Vernon Forrest!

Es gibt Champions, von denen man weiß, dass sie gut sind – weil sie gute Kämpfe machen und weil man sie fürchtet – die aber seltsamerweise nicht die große Anerkennung genießen, die sie eigentlich verdienen. Solch ein Boxer war auch Vernon Forrest! Gestern jährte sich der tragische Tod des einstigen vierfachen Weltmeisters zum zehnten Mal. BOXEN1 erinnert an einen Champion, den sich so mancher Boxfan zur heutigen Zeit wünschen würde.

Evander Holyfield: „Vernon Forrest war zu gefährlich, für die großen ‚Paydays‘ – viele starke Boxer sind ihm aus dem Weg gegangen!“

Der aus Augusta (Georgia, USA) stammende Vernon Forrest war kein typischer Boxer aus dem klischeehaften kleinkriminellen Milieu, der sich aus dem Ghetto nach oben boxte. Auch wenn Forrest in einer Arbeiter-Familie aufwuchs, schaffte er einen Highschool-Abschluss und begann sogar ein Business-Studium, welches er jedoch aufgrund seiner sportlichen Zukunft alsbald abbrach.

Als Amateur gewann er 225 Kämpfe, bei nur 16 Niederlagen. Bei den Weltmeisterschaften im Jahr 1991 gewann er in Sydney (Australien) die Silbermedaille im Weltergewicht, wo er sich lediglich im Finale dem späteren Profi-Weltmeister Kostya Tszyu geschlagen geben musste. Ein Jahr später nahm er bei den olympischen Spielen in Barcelona teil, bei der er allerdings ohne eine Medaille wieder die Heimreise antrat.

Vernon Forrest (rechts) bei seinem Sieg über Shane Mosley.

Noch im selben Jahr wechselte er zu den Profis. Obwohl Forrest von Sieg zu Sieg eilte und seine Gegner meist vorzeitig zurück in die Kabine schickte, sollte es fast neun Jahre dauern, ehe ihm der Griff nach einem WM-Titel gelang. Nachdem der boxerisch begabte und schlagstarke Normalausleger, im Zuge der Zeit, immerhin den NABF-Gürtel gewann, krönte sich Vernon Forrest im Mai 2001 zum neuen IBF-Weltmeister im Weltergewicht, als er Raul Frank deutlich nach Punkten bezwang.

Wenngleich auf dem WM-Thron angekommen, schienen viele Experten und Fach-Journalisten immer noch skeptisch zu sein, angesichts der Wertschätzung seiner boxerischen Klasse. Die öffentliche Wahrnehmung von Vernon Forrest, hielt sich selbst nach dem Gewinn jenes IBF-Titels in Grenzen. Doch dies änderte sich schlagartig, als er im Januar 2002 gegen WBC-Champion „Sugar“ Shane Mosley in den Ring stieg.

Mosley hatte zuvor Oscar De La Hoya bezwungen und galt daher als Favorit. Doch Vernon Forrest belehrte viele seiner Kritiker eines Besseren und lieferte einen spektakulären Kampf. Nachdem Mosley zweimal zu Boden ging, gewann Forrest letztlich klar nach Punkten. Auch den Rückkampf, welcher sechs Monate später stattfand, entschied er über zwölf Runden einstimmig zu seinen Gunsten.

Spätestens nach seinen beiden Erfolgen über Shane Mosley, bekam Forrest endlich die langersehnte Anerkennung. Ein knappes Jahr später, war er seinen WBC-Weltergewichts-Gürtel allerdings wieder los, als er gegen Ricardo Mayorga überraschend durch TKO in der dritten Runde das Nachsehen hatte. Im unmittelbaren Rematch verlor Forrest wiederum – wenngleich jene Punktniederlage gegen Mayorga, der seinerzeit bei Don King unter Vertrag stand, von einigen Beobachtern kritisch betrachtet wurde.

Doch Vernon Forrest kam wieder zurück und sicherte sich im Juli 2007 den WBC-Titel im Superweltergewicht, nachdem er Carlos Manuel Baldomir deutlich nach Punkten bezwingen konnte. Elf Monate später, musste Forrest gegen Sergio Mora seine insgesamt dritte Niederlage einstecken, dem er nach zwölf Runden durch eine ‚Majority Decision‘ unterlag. Die Neuauflage folgte prompt! Nur drei Monate nach dem ersten Aufeinandertreffen mit Mora, stellte Forrest im Rückkampf die Rangordnung wieder her und siegte unumstritten über die volle Distanz. Niemand sollte ahnen, dass es sein letzter Kampf sein würde!

Evander Holyfield (rechts) erwies Vernon Forrest, bei seinem letzten Gang, die letzte Ehre.

Am 25. Juli 2009 wurde Vernon Forrest das traurige Opfer eines Überfalls, welcher sich an einer Tankstelle in Atlanta ereignete. Forrest wurde dabei mehrere Male in den Rücken geschossen und verstarb kurze Zeit später, aufgrund von schweren inneren Verletzungen. Die Täter wurden gefasst und zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Für die Boxwelt war sein plötzlicher Tod ein großer Schock, da Forrest noch im Training stand und bald wieder in den Ring steigen wollte.

Auf der Trauerfeier von Vernon Forrest, bei der Fans, Freunde und Angehörige Abschied nahmen, war auch Schwergewichts-Legende und Wegbegleiter Evander Holyfield vor Ort. „Bei Vernon hatte ich immer das Gefühl, dass er für die großen ‚Paydays‘ zu gefährlich war. Viele starke Boxer sind ihm aus dem Weg gegangen und haben sich für andere Gegner entschieden, um ihre Karriere nicht zu gefährden.“, sagte Holyfield, der Forrest bereits seit dessen Kindertagen kannte. Auch zehn Jahre nach seinem Tod, haben seine Fans und sogar die US-Fachmedien „The Viper“, wie Forrest mit Kampfnamen stets gerufen wurde, nicht vergessen. Vernon Forrest wurde nur 38 Jahre alt.

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