Kampf des Jahres in Stuttgart – Felix Sturm back on top
Ein Bericht unserer BOXING.pro Mitarbeiterin Sandy Spiess
Während Orkan Xaver die letzten Tage durch Deutschland wütete, hat gestern Abend in Stuttgart ein noch stärkerer Sturm eingeschlagen: Felix Sturm. Der ehemalige WBA (Super-) Champion und WBO-Champion hat sich nach zwei bitteren Niederlagen inklusive seinem Titelverlust, und seinem zuletzt gewonnenen WM-Ausscheidungskampf wieder an die Spitze zurück gekämpft – getreu dem Kampfmotto „Back to the top“. Zudem hat er sich mit diesem historischen Ereignis einen Platz in den Geschichtsbüchern des Boxens gesichert. Er ist der erste Deutsche Boxer der zum 4. Mal Weltmeister geworden ist.

Die zweite Runde begannen die Kontrahenten ähnlich druckvoll wobei sich Sturm etwas in die Nahdistanz drängen ließ. Überraschend schlug ein rechter Haken auf dem Ohr Barkers ein als kaum mehr als eine Minute vergangen war und schickte diesen zu Boden. Er erhob sich auf wackligen Beinen. Ob dies dem beeinträchtigten Gleichgewichtssinn oder einer Verletzung geschuldet war war unklar. Sturm konnte einen weiteren Niederschlag erzielen nach dem der Kampf erneut freigegeben wurde. Nach 2:09 Minuten beendete Barkers Ecke den furiosen Angriff Sturms durch Werfen des Handtuchs und bewahrte den Engländer vor größerem Schaden. Damit war Felix Sturm mit einer souveränen Leistung zum vierten Mal Weltmeister im Mittelgewicht.

Zur Taktik: „Plan A war es aggressiv zu sein. Der Plan ist aufgegangen, weil keiner damit gerechnet hat, vor allem Darren Barker nicht. In der zweiten Runde bin ich dann noch aggressiver geworden, dann hab ich gewonnen.“
Wir sind gespannt wo der Sturm als nächstes hinzieht und seine Spuren hinterlässt.
Stimmen von der Pressekonferenz:
Andrea Kaiser (Sat1): „Darren Barker konnte nicht auf der Pressekonferenz erscheinen, da er nach dem Kampf direkt in das Krankenhaus musste. Laut Team Barker ist seine alte Hüftverletzung wieder aufgebrochen, es ist fraglich ob er je wieder boxen kann.“
Felix Sturm: „Es war für mich persönlich eine Genugtuung für die Außenwelt, dass sich ausgezahlt hat wofür wir gearbeitet und was wir umgestellt haben. Ich habe mich menschlich, körperlich und von der Einstellung her geändert. Der Kampf war kurz, die Stimmung war unglaublich. Ich war während des Kampfes in meinem Tunnel, und das war gut so damit ich mich von der Außenwelt nicht so beeinflussen lasse. Ich habe auch vorab zum Kampf keine Presse gelesen oder angeschaut, um nichts Negatives an mich heran zu lassen. Wichtig war nach meiner Niederlage gegen Sam Soliman, den ich als schlechtesten Kampf meiner Karriere bezeichne, dass mein Team hinter mir stand. Nur das zählt.“

Andrea Kaiser: „Vor dem Kampf haben Sie gesagt „es wird aggressiv, es gibt einen K.O.“, warum waren Sie sich so siegessicher?“
Fritz Sdunek (Trainer Felix Sturm):
„Wir hatten eine optimale Vorbereitung. Wir hatten zwar noch Pech als im vorletzten Sparring ein Cut unter dem Augenlid entstanden ist, der genäht werden musste. Beim Training musste ich her halten für harte Pratzenarbeit. Wie er auf mich eingeprügelt hat, da dachte ich „wenn er das im Kampf umsetzt, dann gibt es einen K.O.!“
„Es haben mich ein paar Englische Fans angemacht. Ich habe ihnen dann gesagt dass es dafür in der zweiten Runde einen K.O. gibt!“
„Felix ist ein harter Trainierer. Er hat einiges bewiesen, so wie er dieses Mal gearbeitet hat. Nicht nur im Training sondern auch im Vorfeld nach den Kämpfen. Er hat sonst immer große Worte gehabt, aber die Taten haben gefehlt. Jetzt hat er Taten folgen lassen!“
Alexander Rösler (Sat1 ran Sportschef): „Felix war ein Hurrikane erster Güte! Wir sind sehr zufrieden, es war wie nach einem Drehbuch! Es ist auch egal wenn der Kampf nur zwei Runden ging, Hauptsache das Ergebnis stimmt.“
Frage an Felix Sturm: „Wie hast Du es nach der Niederlage gegen Daniel Geale und Sam Soliman geschafft, dich zu motivieren um auf dieses Level zurück zu kommen?“
Felix Sturm: „Es war ne schwierige Zeit. Da muss jeder große Champion mal durch, das gehört zu diesem Sport dazu. Ich hatte großartige Unterstützung von meiner Familie, meinem Team und unseren ganzen Partnern. Irgendwann hat es im Kopf „klick“ gemacht, ich habe mit meiner alten Karriere abgeschlossen. Ich habe mir vorgenommen noch mal neu zu starten, ein neuer Mensch und Sportler zu sein. Es war wichtig diese Entwicklung zu vollziehen, das hab ich getan. Das war der entscheidende Impuls um dahin zurück zu kommen wo ich heute stehe.“
Frage an Felix Sturm: „Möchtest du einen Titelvereinigungskampf machen gegen Martinez, Quillin oder Golovkin?“
Felix Sturm: „Ich bin sehr ehrgeizig. Um Kämpfe mache ich mir keine Sorgen. Mein Management und Trainer werden sich darum kümmern was machbar ist. Es gibt einige Interessante Kämpfe die wir machen wollen. Mit zwei, drei Boxern gibt es noch offene Rechnungen die ich zu begleichen habe. Wir haben so viele Optionen, Unifications, Gewichtsklasse hoch gehen, Rematches… „















