Nachbericht Saisonauftakt Bundesliga-Boxen Nordhäuser SV

Richard Meinecke (blaue Handschuhe) gewann sein Duell / Fotograf: Christoph Keil
Richard Meinecke (blaue Handschuhe) gewann sein Duell / Fotograf: Christoph Keil

Erfolgreicher Saisonauftakt: Mit einem deutlichen 14:8-Erfolg vor heimischem Publikum haben die Bundesliga-Boxer des Nordhäuser SV die neue Saison eröffnet. Allerdings ließ der zweimalige Deutsche  Mannschaftsmeister in den Einzelkämpfen gegen den Boxclub Straubing  noch reichlich Luft nach oben. Die Einzelbilanz war nicht ganz makellos: So verlor Mittelgewichtler Silvio Schierle sein Duell gegen Edin Avdic.

Erfolgreicher Saisonauftakt – aber noch Luft nach oben

„In dieser Höhe habe ich unseren Mannschaftssieg nicht erwartet. Ich habe die Straubinger etwas stärker eingeschätzt. Von den Leistungen unserer Jungs hat sich gezeigt, dass wir in einigen Gewichtsklassen noch Luft nach oben haben“, resümierte Cheftrainer Andreas Dietrich-Scherfling, der zuvor von allen Aktiven mehr als die normale Einsatzbereitschaft im Ring gefordert hatte. „100 Prozent sind gut, sie werden an diesem Abend nicht reichen. Ich will, dass ihr mit einer Einstellung von 200 Prozent in den Ring geht.“ Angeführt wurde die NSV-Staffel von Superschwergewichtler Max Keller. „Ein bisschen nervös und angespannt bin ich immer noch, wenn ich oben im Ring stehe und den Mannschaftsgruß mache“, sagte der 26-Jährige.

Ein Nichtantritt, zwei Aufgaben und ein gelungenes Erstligadebüt: Der Kampfabend in der Ballspielhalle bot reichlich Spannung wie auch unerwartetes. Unerwartet sicherlich der kurze Auftritt von Neuzugang Hamza Touba im Bantamgewicht (bis 56 kg). „Ich hätte ihn gern boxen sehen. Zumal er für uns eine gelungene Verstärkung in der Gewichtsklasse darstellt. Gerade auch nach dem Weggang von Sharafa Ramon“, sagte Dietrich-Scherfling. Die Straubinger konnten die Gewichtsklasse verletzungsbedingt nicht besetzen, so dass die beiden Punkte (Kampf- und Wiegepunkt) an den NSV gingen.

Für eine vorzeitige Aufgabe sorgte Leichtgewichtler Enrico Lacruz, der in seinem Duell gegen den Straubinger Andreas Jäger hochkonzentriert agierte, Druck ausübte und Einzeltreffer setzte. Seine große Überlegenheit brachte den Gästetrainer zum Wurf des Handtuchs in der zweiten Runde.  Keinen Sieger fand das Duell im Halbweltergewicht (bis 64 kg), in dem Muhammet Barut aus Sicht von Dietrich-Scherfling ein „sehr geschmeicheltes Unentschieden“ erreichte. Sein Auftritt im Ring war nicht überzeugend und bot ebenso noch Luft nach oben.

Vor der Pause stieg erstmals Richard Meinecke in den Nordhäuser Ring. Für ihn erfüllte sich mit seinem ersten Einsatz für die Erstligaboxer seines Heimatvereins ein Kindheitstraum. „Ich habe immer zu Michael Werner aufgeschaut, wollte wie er in diesem Ring stehen. Mit dem Kampf ist für mich ein Traum in Erfüllung gegangen“, sagte der 18-jährige Ligadebütant. Die Nervosität entsprechend groß. Wie auch bei Dietrich-Scherfling. „Richard hat es sich so sehr gewünscht, vor solch einem großen Publikum zu boxen. Ihm war die Nervosität anzusehen. Ich war genauso aufgeregt vor seinem Debüt.“

Dementsprechend verhalten startete Meinecke in sein Duell gegen Kian Golpira. Der Gegner erwies sich als sehr unbequem. Meinecke erarbeitete sich das Gefühl für seinen Kontrahenten. In der ersten und zweiten Runde mit einer überzeugenden Leistung, in der dritten Runde gab es keinen eindeutigen Sieger. „In der dritten Runde war ich nicht mehr so konzentriert und habe zwischen einzelnen Aktionen kurz abgeschaltet. Daran muss ich noch arbeiten“, analysierte Meinecke. Das Urteil fiel klar zugunsten des Nordhäusers aus.

Mit Standing Ovations wurde er aus dem Ring begleitet. Danach begann der Foto- und Glückwunschmarathon, den er geduldig absolvierte. Rundum zufrieden wirkte der junge Faustkämpfer nicht. „Es war nicht die beste Leistung. Ich sehe noch viel Luft nach oben“, gab er sich selbstkritisch. Wie auch Meinecke trainiert Schierle am Stützpunkt Frankfurt/Oder. Der Saalfelder traf im Mittelgewicht (bis 75 kg) auf Avdic. Das Urteil fiel knapp aus, eine Millimeterentscheidung. Der Arm des Straubingers wurde bei der Verkündung des Urteils in die Höhe gestreckt. „Der Straubinger hat in jeder Runde zwei, drei Aktionen druckvoller gestaltet“, hatte Dietrich-Scherfling beobachtet. Eindeutiger das Urteil im Halbschwergewicht (bis 81 kg). Die klareren Treffer setzte Peter Mullenberg gegen den Straubinger Max Meyer. Die Überlegenheit des NSV-Kämpfers führte wiederum dazu, dass der Gästetrainer bereits in der ersten Runde das Handtuch warf.

Im Schwergewicht (bis 91 kg) ließ Dragan Velikovic nur phasenweise seine Qualitäten im Ring aufblitzen. Im Duell gegen den ehemaligen NSV-Boxer Roman Gorst tat er sich schwer. Dennoch sollte seine Leistung zum Sieg reichen. Ebenso wie beim achten und letzten Duell, in dem sich Keller und der Straubinger Niko Malsam gegenüberstanden. Keller offenbarte kleinere Schwächen. Die Fehler wurden in der ersten Pause angesprochen, Keller setzte die taktische Linie in der zweiten und dritten Runde besser um. Der gebürtige Kölner sorgte für den krönenden Abschluss des Abends. Mit seinem Sieg machte er den klaren Mannschaftserfolg perfekt. „Das war ein guter Start in die Saison“, betonte Keller mit Blick auf das Etappenziel: Staffelsieger. Bis dahin ist es noch ein weiter Weg, der Grundstein wurde am Samstagabend mit einem erfolgreichen Saisonauftakt gelegt.

Text: Sandra Arm

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