Heute vor 15 Jahren: Lennox Lewis vernichtet den einstigen Superstar Mike Tyson!

Heute vor 15 Jahren: Lennox Lewis vernichtet den einstigen Superstar Mike Tyson!

Lennox_Lewis_vs_Mike_Tyson_2002Am 8. Juni 2002 fand der bis dahin teuerste WM-Fight in der Geschichte des Profi-Boxens statt. Der unumstrittene Weltmeister im Schwergewicht Lennox Lewis (England) verteidigte seine Titel nach Version der WBC, IBF und IBO gegen seinen langjährigen Erzrivalen Mike Tyson (USA) in der „Pyramid“-Arena in Memphis (Tennessee, USA). BOXEN1 blickt in diesem Beitrag auf die Vorgeschichte und den Kampfverlauf des Mega-Showdowns der beiden Hall-of-Famer zurück!

Mike Tyson – Vom Problem-Kind zum Schwergewichts-König

1983: Lewis der zweite von links, Cus D’Amato in der Mitte, Tyson ganz rechts
1983: Lewis der zweite von links, Cus D’Amato in der Mitte, Tyson ganz rechts

Schon viele Jahre vor ihrem berühmten Aufeinadertreffen, standen sich der 15-jährige Mike Tyson und der 16-jährige Lennox Lewis als Teenager zu Amateur-Zeiten in mehreren Sparringsrunden gegenüber. Beiden Boxern wurden schon damals, Anfang der 80er Jahre, vielversprechende Chancen auf jeweils große Karrieren prophezeit. Sowohl Tyson als auch Lewis galten als extrem talentiert. Doch die beiden Nachwuchsboxer hätten sowohl von ihren Eigenschaften, als auch von ihren Persönlichkeiten her kaum unterschiedlicher sein können. Während Lennox Lewis eher wohlbehütet von seiner liebevollen Mutter aufgezogen wurde, musste der kleine Mike Tyson von frühester Kindheit lernen, was es heißt, sich durchzuboxen.

Ohne in einem behutsamen Elternhaus aufzuwachsen, landete der jugendliche und bereits mehrfach vorbestrafte Mike Tyson in der Obhut des damaligen Star-Betreuers Cus D’Amato. Der frühere Trainer und Manager von Ex-Champion Floyd Patterson formte den hoch ambitionierten aber schwer zu vermittelnden Tyson innerhalb kurzer Zeit zu einem aufstrebenden Schwergewichts-Star. Nach einigen nationalen und internationalen Erfolgen bei den Amateuren, wurde Tyson im zarten Alter von nur 18 Jahren Profi. In den darauffolgenden anderthalb Jahren fegte er einen Gegner nach dem anderen aus dem Weg und machte sich somit, in beeindruckender Manier, einen Namen als „KO-Monster“.

Mike Tyson – jüngster Schwergewichts-Weltmeister aller Zeiten

Im November 1986 (inzwischen verstarb sein Ziehvater und Mentor Cus D’Amato) bekam er dann seine erste große Chance. Gegen den amtierenden WBC-Weltmeister und früheren Muhammad-Ali-Bezwinger Trevor Berbick wurde er durch einen brutalen KO-Sieg in der zweiten Runde, mit gerade einmal 20 Jahren, jüngster Schwergewichts-Champion aller Zeiten. In den Folge-Jahren vereinigte er alle wichtigen WM-Verbände und festigte seinen Ruf als unumstrittene Nummer 1 im Schwergewicht mit vorzeitigen Siegen gegen Top-Boxer wie Larry Holmes, Michael Spinks und Tyrell Biggs. „Iron“ Mike galt zur damaligen Zeit für viele Experten als unschlagbar. Völlig überraschend verlor er seine Titel im Februar 1990 durch eine sensationelle KO-Niederlage gegen den krassen Außenseiter James „Buster“ Douglas. Von nun an ging es auf der, bisher steilen, Karriere-Leiter bergab!

Im Jahr 1992 musste Tyson eine dreijährige Haftstrafe wegen Vergewaltigung absitzen. Ein Jahr nach seiner Haftentlassung wurde er, im März 1996, mit einem TKO-Sieg über Frank Bruno wieder Schwergewichts-Champ. Doch nur acht Monate später musste sich Mike Tyson, in einem grandiosen Fight, in der elften Runde gegen Evander Holyfield geschlagen geben. Den Rückkampf, im Juni 1997, werden wohl viele Beobachter in negativer Erinnerung haben. Im dritten Durchgang brannten bei Tyson die Sicherungen durch und er biss Holyfield zweimal in dessen Ohr! Tyson wurde daraufhin disqualifiziert und für ein Jahr die Boxlizenz entzogen.

Nachdem Mike Tyson ab Januar 1999 einige Siege gegen durchschnittliche Kontrahenten wie Francois Botha, Lou Savarese und Brian Nielsen erringen konnte, wollte er zum dritten Mal in seiner bemerkenswerten Laufbahn wieder zurück auf den WM-Thron und (vorallem) erneut an große Zahltage anknüpfen. Doch der mittlerweile unumstrittene Schwergewichts-Champion hieß Lennox Lewis und hatte ganz gewiss etwas gegen diesen Plan!

Lennox Lewis – Erfolge ohne Skandale

Im Gegensatz zu Mike Tyson verlief das Leben und die Karriere des Lennox Lewis wesentlich ruhiger und skandalfreier. Als sich Tyson 1986 zum jüngsten Schwergewichts-Champion der Geschichte krönte, war Lewis noch ein aufstrebender aber unbekannter Amateurboxer. Im Jahr 1988 holte er sich im Finale gegen Riddick Bowe olympisches Gold. Ein Jahr später wurde er Profi. 1993 wurde er zum WBC-Weltmeister erklärt und verteidigte in der Folgezeit seinen Titel unter anderem überzeugend gegen Frank Bruno und Tony Tucker. Zu dieser Zeit saß Mike Tyson bereits im Gefängnis. Völlig überraschend verlor Lewis im September 1994 seine WM-Krone durch KO in der zweiten Runde gegen Oliver McCall.

Doch drei Jahre später holte er sich in einem Rückkampf gegen McCall den WM-Gürtel durch einen vorzeitigen Sieg wieder zurück. Von nun an schien eine neue Ära begonnen zu haben! Nachdem Lewis seinen zurück eroberten Titel überzeugend gegen Andrzej Golota, Shannon Briggs und Zejlko Mavrovich verteidigen konnte, kam es im März 1999 zum großen Unification-Fight gegen Evander Holyfield. Obwohl Holyfield über weite Strecken klar von Lewis beherrscht wurde, errechnete das Kampfgericht ein skandalöses Unentschieden. Doch im Rückkampf, im November des selben Jahres, siegte Lewis dann einstimmig nach Punkten und wurde somit unumstrittener Weltmeister aller Klassen.

Nachdem Lennox Lewis auf dem Höhepunkt seiner Laufbahn angekommen war, wartete die Boxwelt auf den großen Showdown gegen seinen früheren Sparringspartner und Box-Ikone Mike Tyson. Doch die sensationelle KO-Niederlage gegen Hasim Rahman im April 2001, schien den Plänen einen Strich durch die Rechnung zu machen. Aber schon einige Monate später schlug Lewis Rahman in Runde vier in einer Neuauflage schwer KO und war damit zum dritten Mal Schwergewichts-Weltmeister. Nun schien nichts mehr einem Fight zwischen Lewis und Tyson im Wege zu stehen!

„Ich werde deine Kinder fressen!“

Tyson_Lewis-plakatSchon im Vorfeld des Mega-Events, sorgte vorallem Mike Tyson mit Verbal-Angriffen immer wieder für Furore. In einem interview kündigte Tyson an, dass er Lennox Lewis das Herz heraus reißen und dessen Kinder, die dieser damals noch nicht hatte, fressen wolle. Ursprünglich sollte das Gefecht am 6. April 2002 in Las Vegas stattfinden. Doch auf einer Pressekonferenz im Januar kam es zu einem erneuten Ausraster von Tyson, als dieser Lennox Lewis attackierte und dabei in dessen Bein biss. Wieder drohte das Gefecht zu platzen!

Aber nach mehreren zähen Verhandlungen kam es dann am 8. Juni in der „Pyramid“-Arena in Memphis zum lang erwartenden Prestige-Duell! In dem bis dato teuersten WM-Kampf in der Geschichte des Faustkampfes, kamen wohl alle Beteiligten, in wirtschaftlicher Hinsicht, auf ihre Kosten. Das Event brachte ein Gesamt-Umsatz von circa 100 Millionen Dollar ein! Die TV-Anstalten erwarteten Traum-Quoten und alles lauerte auf einen der größten WM-Fights aller Zeiten.

Bevor beide Boxer in den Ring stiegen waren die Sicherheitsmaßnahmen, aufgrund der Vorkommnisse und der besonderen Brisanz, verschärfter als eh und je. Zum ersten Mal seit einigen Jahrzehnten erfolgte nicht der obligatorische ,“Stare-Down“, wobei beide Boxer letztmalig durch den Ringrichter belehrt wurden. Stattdessen wurden Lewis und Tyson durch eine Mauer von Security-Mitarbeitern, kurz vor dem ersten Gongschlag, getrennt.

Tyson chancenlos gegen den Champion!

Als es dann endlich zum ersten Durchgang läutete, hatte die Stimmung ihren Siedepunkt erreicht. Einzig allein in der ersten Runde hatte „Iron“ Mike seine besten Momente. Mit kurzen linken und rechten Haken konnte er den Weltmeister einige Male treffen. Doch schon ab der zweiten Runde zeichnete sich ab, wer hier heute der Chef im Ring war! Immer wieder gelang es Lennox Lewis mit seiner langen linken Führungshand den kleineren Mike Tyson auf Distanz zu halten. Auch die rechte Schlaghand von Lewis fand, von Runde zu Runde, immer besser ihr Ziel.

Tyson verlor, nach und nach, immer mehr an Substanz. Die einstige Schnelligkeit und Explosivität die ihn zu seiner Glanzzeit so ausgezeichnet hat, war nicht mehr zu sehen. Einen harten Treffer nach dem anderen musste er vom Titelverteidiger kassieren. In der vierten Runde wurde Lennox Lewis vom Ringrichter wegen Runterdrückens und Nachschlagens verwarnt. Doch der ließ sich von seinem Plan nicht abbringen und dominierte Tyson im weiteren Verlauf des Kampfes nach Belieben.

Das zu erwartende Ende kam dann im achten Durchgang. Mit einem krachenden linken Aufwärtshaken schickte Lewis seinen Widersacher kurz in die Knie. Tyson wurde darufhin angezählt, wobei er den Ringboden gar nicht berührt hatte. Doch Lewis nahm sich die nötige Zeit und schickte Tyson kurze Zeit später mit einer krachenden Rechten auf die Bretter. Der mittlerweile schwer gezeichnete Mike Tyson lag wie ein Häufchen Elend am Boden und wurde von Ringrichter Eddie Cotton ausgezählt. „Ich habe größten Respekt vor Lennox Lewis und verneige mich vor ihm! Er ist ein herausragend guter Boxer!“, lauteten die leisen aber fairen Worte vom geschlagenen Mike Tyson, unmittelbar nach dem Fight.

Damit demonstrierte Lennox Lewis einmal mehr seine Klasse als unangefochtener Schwergewichts-König und konnte somit seinen langjährigen Erzrivalen endlich in die Schranken weisen. Lewis stieg danach nur noch ein einziges Mal gegen Vitali Klitschko in den Ring (Abbruch-Sieg in der 6. Runde) und beendete seine glanzvolle Karriere im Frühjahr 2004.

Mike Tyson stieg nach der KO-Pleite gegen Lewis noch drei Mal in den Ring. Nachdem er im Frühjahr 2003 durch KO in der ersten Runde gegen Clifford Ettiene gewinnen konnte, verlor er zweimal in Folge gegen Danny Williams und Kevin McBride. Im Juni 2005 trat er dann endgültig als Profiboxer zurück. Dennoch zufrieden kann „Iron“ Mike auf seine Zeit als zweimaliger Schwergewichts-Weltmeister, mit vielen Highlights, zurückblicken.

Sowohl Lennox Lewis als auch Mike Tyson wurden inzwischen in die berühmte „Boxing Hall of Fame“ aufgenommen und sind mittlerweile befreundet.

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