Furys zweifelhafte Entscheidung und warum Wilder Bob Arums Angebot nicht annehmen wird

Findet das Rematch Wilder vs Fury jetzt doch nicht sofort statt? Fury hat für mindestens 5 Kämpfe bei Bob Arum und ESPN unterschrieben.

Gestern erst berichtete Boxen1 über den neuen Co-Promotionvertrag von Tyson Fury mit dem 87-jährigen Hall-of-Fame-Promoter Box Arum, doch jetzt dringen immer mehr Internas dieses Vertrages an die Öffentlichkeit, die darauf schließen lassen, dass Deontay Wilder vs Tyson Fury nun doch wahrscheinlich nicht sofort zu dem von den Boxfans heiß erwarteten Rematch antreten.

Tyson Fury hat drei lebensbedrohliche Zustände überwunden: Alkoholismus, Kokainsucht und Depressionen und zudem hat er zwei brutale Niederschläge im Kampf gegen Deontay Wilder überwunden, womit er eine der faszinierendsten und inspirierendsten Sportgeschichten unserer Zeit geschrieben hat.

Tyson Fury hat einen Vertrag bei Bob Arums Promoter-Firma Top Rank unterschrieben.

Doch die Neuigkeiten die in dieser Woche bekannt wurden könnten die Boxfans, die alle schon im nächsten Kampf das Wilder vs Fury-Rematch sehen wollten, dann doch enttäuschen. Wie erst jetzt bekannt wurde, hat Tyson Fury ein 50:50 Split-Börsen-Angebot von Wilders Promoter Al Haymon nicht unterschrieben. Bei diesem Angebot ging es darum, dass das Wilder vs Fury Rematch als Hauptereignis einer Showtime-TV pay-per-view-Übertragung, am 18. Mai im Barclays Center in Brooklyn, New York, stattfinden sollte. Eigentlich war ein 50:50 Split Aufteilungs-Angebot der pay-per-view Einnahmen sogar von Wilders Seite entgegenkommend, weil die Aufteilung nach der Vorgabe der WBC, um deren Titel es beim Rematch geht, eigentlich eine 60: 40-Aufteilung zugunsten von Wilder vorsieht. Tyson Fury lag dieser 50:50-Vertrag länger als eine Woche vor, aber er hat diesen Vertrag nicht unterschrieben.

Wie sich herausstellte, hat Furys bisheriger Promoter Frank Warren, im Hintergrund mit Bob Arums Promoter-Firma Top Rank Inc., einen Co-Promotionsvertrag geschlossen und beide verhandelten gleichzeitig mit Al Haymon, Wilders Berater und Stephen Espinoza vom TV-Sender Showtime. Man muss wissen, dass Wilders Berater Al Haymon mit dem US TV-Channel Showtime vebunden ist und Bob Arum dagegen mit dem größten US-TV-Sportsender ESPN und ESPN+ vertraglich verbunden ist. Fury, Warren, Arum und ESPN überraschten dann am frühen Montagmorgen die Boxwelt mit ihrem neuen Deal.

Zwei Tage später am Mittwoch dieser Woche, hörte sich Tyson Fury im Interview mit Mike Coppinger vom „Ring Magazin“, auf einmal gar nicht mehr so an als wolle er als nächstes sofort wieder gegen Deontay Wilder boxen.

WBC Champion Deontay Wilder hat im ersten Kampf gegen Tyson Fury seinen WBC-Titel, durch ein viel diskutiertes Unentschieden, behalten.

„Ich bin mir nicht mehr so sicher ob der Wilder-Kampf der nächste ist“, sagte Fury. „Ich bin kein Politiker. Die Promoter machen das, was Promoter eben tun. Ich kann da nicht viel dagegen tun, oder? Ich habe jetzt einen Vertrag bei Top Rank unterschrieben. Was da nun auch immer für Fights vereinbart werden, werden wir sehen.“

Was nun wahrscheinlich jetzt kommen wird, nachdem Fury einen Co-Promotionsvertrag mit Arum und ESPN unterzeichnet hat, ist mindestens ein weitere Kampf, sowohl für Fury als auch für Wilder, bevor es vielleicht dann doch noch am Ende dieses Jahres zum Rematch der Beiden kommt.

Bob Arum sagte zwar in dieser Woche bei verschiedenen Interviews, dass er und Top Rank als nächstes das Wilder vs Fury-Rematch will. Was der Hall-of-Fame-Promoter allerdings nicht erwähnte, ist, dass der Vertrag, den sein Unternehmen am Mittwoch Deontay Wilder angeboten hat, insgesamt fünf Kämpfe (!) umfasst.

Box-Promoter-Legende Bob Arum (87 Jahre) hat am Montag dieser Woche einen Co-Promoter-Vertrag mit Tyson Fury bekannt gegeben.

Inzwischen ist an die Öffentlichkeit gedrungen, dass der erste Kampf des vorgeschlagenen Deals für Wilder es erforderlich machen würde, auf ESPN + gegen einen anderen Gegner als Fury zu kämpfen. Wilder würde eine Super-Börse erhalten, um gegen einen noch zu bestimmenden Gegner als nächstes auf ESPN+ zu kämpfen, da das Budget von Top Rank für Kämpfe bei ESPN+ viel höher ist als das Budget für Kämpfe bei ESPN.

Ein Teil dieses Five-Fights-Deals das Arum nun auch Wilder angeboten hat, ist natürlich auch das Wilder-vs-Fury-Rematch, jedoch könnte Deontay Wilder (40-0-1, 39 KOs), bevor er dann zum Rematch auf Tyson Fury (27-0-1, 19 KOs) trifft, vorher noch mehrere Kämpfe bestreiten. Das Rematch der Beiden ungeschlagenen Schwergewichtler würde dann als Hauptereignis auf ESPN via pay-ver-view übertragen werden.

Obwohl Wilder am Montag bekannt gab, dass er nicht vertraglich an Showtime oder ein anderes Netzwerk gebunden ist, weiß er natürlich sicher zu schätzen, was Showtime in den vergangenen Jahren für ihn getan hat, um ihn selbst und sein Bankkonto aufzubauen. Darüber hinaus hat Al Haymon, mit seiner Promotion-Firma „Premier Boxing Champions“ einen Dreijahres-Vertrag mit Showtime geschlossen (also nicht Wilder selbst), um eben diesem Premium-Kabelnetz attraktive Kämpfer aus seinem eigenen riesigen Box-Stall zu  Verfügung zu stellen, wobei natürlich der WBC-Champion im Schwergewicht Deontay Wilder der attraktivste Boxer ist den Al Haymon vertritt.

Das Angebot von Top Rank an Wilder enthält finanzielle Komponenten, die ganz sicher attraktiv für den WBC Champion sind. Wilder will jedoch sicher gegenüber Showtime TV die Treue halten und möchte nicht, dass Bob Arum künftig seine Karriere bestimmt, weil die 87-jährige Promoter-Legende auch nicht am Aufbau seiner Karriere beteiligt war.

Hinzu kommt auch noch, dass Bob Arum, Al Haymon in einem Interview mit Fight Hub TV vor vier Monaten als „die Wanze des Boxsports“ bezeichnet hat. Deshalb dürfte es fraglich sein ob Al Haymon bereit ist, trotz des geschäftlichen Know-hows, der Erfahrung und des finanziellen Backgrounds von Top Rank, eine Partnerschaft mit einem Gegner einzugehen, dessen Geschäftspraktiken dieser wiederholt öffentlich in Frage gestellt hat.

Bob Arum erinnerte diesbezüglich die Journalisten und die Fans daran, dass er und Don King trotz ihrer Hassliebe und ihren Differenzen, diese auch schon oft beiseite gelegt haben, um gemeinsam große Kämpfe zu promoten. Oscar De La Hoya- und Felix Trinidad ist ein hierzu auch ein perfektes Beispiel.

Er ist der Manager und Berater der meisten US-Boxing Stars: Al Haymon. Haymon berät auch WBC WM Deontay Wilder und hat einen Vertrag mit dem Us-TV-Channel Showtime.

Der Unterschied zwischen Bob Arum und Aly Hayman ist wohl der, dass diese Beiden wohl doch niemals oder nur ganz schwer zu einem gemeinsamen Deal übereinkommen werden.

Sie einigten sich allerdings vor vier Jahren schon einmal, um gemeinsam das lukrativste Ereignis in der Geschichte des Boxsports, den Jahrhundert-Fight zwischen Mayweather vs Pacquiao, zu veranstalten. Bei Wilder vs Fury II steht jedoch nicht annähernd so viel Geld auf dem Spiel wie damals, als es im Jahre 2015 endlich zum Dream-Fight zwischen Money Mayweather und dem Pac-Man kam.

Und so sehr Bob Arum auch behauptet, Wilder, Haymon und dessen Co-Manager Shelly Finkel und Jay Deas brauchten den Werbeeffekt, den die große Reichweite von ESPN bieten würde und dass Wilder deshalb zwingend bei Top Rank unterschreiben müsse, dürfte es sicher nicht zu einem Deal zwischen Wilder und Bob Arum kommen. ESPN hat den ersten Wilder vs Fury vs Fight auf allen ihren Plattformen durch diverse Vorberichte – vom SportsCenter bis hin zum First Take mit Max Kellerman und Stephen A. Smith – die ganze Woche über gefördert, obwohl dann der Kampf am 1. Dezember im Staples Center in Los Angeles von Showtime übertragen wurde.

Als bekanntestes Sportnetzwerk der Vereinigten Staaten wird ESPN nun auch wieder den Wilder vs Fury II Fight abdecken und fördern, unabhängig davon, ob der Kampf selbst nun von Showtime, ESPN oder von beiden live übertragen wird.

„Wilder vs Fury II muss passieren, und es muss zu den Bedingungen geschehen, die für uns, für die Kämpfer und für ESPN sinnvoll sind“, sagte Arum am Montag, nach Bekanntwerden des Abschluss eines Co-Promotionvertrages mit Tyson Fury. „Ich meine, lass uns ehrlich sein – Showtime hat beim Boxen sehr gute Arbeit geleistet, als es Showtime und auch noch HBO gab. Die Konkurrenz von Showtime und HBO ist jedoch jetzt vorbei. Showtime und HBO sind großartige Unterhaltungskanäle, aber sie spielen vor einem relativ kleinen und auch einem älteren Publikum.“

„Deshalb ist Showtime auch nicht mit einem TV-Sender wie ESPN zu vergleichen, der ein Sportnetz hat, das 24 Stunden am Tag auf mehreren Kanälen sendet. Jetzt, da ESPN mitmischt, wird ein pay-per-view-Fight, wie der Fury vs Wilder-Kampf, alles übertreffen, was es je zuvor gab. Dies ist eine andere neue Ära, in der wir uns gerade befinden und ESPN spielt nicht in der alten Art und Weise, wie die Dinge früher liefen.“

Deontay Wilders WM-Kampf gegen Luis Ortiz erreichte am 3. März in auf Showtime seinen Höhepunkt bei 1,3 Millionen Zuschauern. Showtime, mit seinen rund 27 Millionen Abonnenten, dürfte wohl in der Lage sein, einem so faszinierenden Fighter wie Deontay Wilder noch einen lukrativeren Vertag anzubieten als dies Bob Arum und ESPN gemacht hat.

Wann kommt es zum Rematch zwischen dem Titelverteidiger und WBC Weltmeister Deontay Wilder und dem Ex-Champion Tyson Fury. Treffen die Beiden in ihrem nächsten Kampf schon wieder aufeinander oder gibt es diverse Zwischen-Fights?

Die höchste Einschaltquote unter den drei Top Rank-Shows auf ESPN im neuen Jahr 2019 war am 2. Februar, beim Kampf zwischen Eleider Alvarez vs Sergey Kovalev, mit 1,02 Millionen Zuschauer. Die jüngste ESPN-Box-Übertragung von Top Rank auf ESPN, die am 10. Februar mit dem WM-Kampf zwischen Jose Ramirez vs Jose Zepeda gesendet wurde, erreichte durchschnittlich 655.000 Zuschauer.

Der Kampf Wilder vs Fury II auf ESPN würde eindeutig mehr Zuschauer anziehen als die oben erwähnten Einschaltquoten. Es gibt jedoch keine Möglichkeit zu quantifizieren, wie viele der rund drei Millionen Abonnenten von ESPN+ bei diesem Pay Channel einschalten würden, weil ESPN diese Zahlen nicht veröffentlicht.

Was Arum auch ignoriert, ist, dass Showtime CBS gehört – buchstäblich das meist gesehene Netzwerk in der gesamten amerikanischen Fernsehwelt. CBS könnte Wilder vs Fury II in einem Netzwerk fördern, das in etwa 118 Millionen amerikanischen Haushalten verfügbar ist, etwa 32 Millionen mehr als ESPN.

Im Gegensatz zu ESPN überträgt CBS Sportveranstaltungen nicht rund um die Uhr, sieben Tage die Woche. Es besitzt jedoch ein eigenes CBS Sports Network, einen 24/7 Sportsender, der in 56 Millionen Haushalten in den USA angeboten wird.

Der Punkt ist, dass eine vertragliche Partnerschaft mit Top Rank und ESPN dem Wilder vs Fury vs Rematch sicherlich dabei helfen kann, höhere Einnahmen zu generieren. Dies ist jedoch nicht die einzige Möglichkeit, die 325.000 Pay-per-View-Käufe ihres ersten Kampfes deutlich zu übertreffen.

Keines dieser Netzwerk- und Promotionsfragen berücksichtigt aber die fundamentale Frage: Will Tyson Fury überhaupt schon in seinem nächsten Kampf gegen Wilder antreten? Bezüglich seinen oben erwähnten Aussagen vom letzten Mittwoch, scheint das eher nicht der Fall zu sein.

Vielleicht ist Tyson Fury damit zufrieden, erst einmal noch gegen Oscar Rivas (26-0, 18 KOs) zu kämpfen, einen kolumbianischen Schwergewichtsanwärter, der bei Top Rank unter Vertrag steht. Auch der frühere WBO-Champion Joseph Parker (25-2, 19 KOs), wäre ein weiterer möglicher Gegner gegen den Fury als nächstes  antreten könnte.

Es gibt sogar schon Plakat-Entwürfe für das Rematch zwischen Wilder vs. Fury.

Top Rank hat auch einen Co-Promotionsvertrag mit dem Bulgaren Kubrat Pulev (26-1, 13 KOs). Pulev ist jedoch der der offizielle Herausforderer der IBF für Anthony Joshuas IBF-Titel und Top Rank plant sehr wahrscheinlich, ihn in Position zu bringen, wenn Pulev am 23. März gegen Bogdan Dinu (18-1, 14 KOs) in Costa Mesa, Kalifornien gewinnt.

Das bevorstehende Börsenangebot der WBC für das Wilder vs Fury vs Rematch hat in diesem Schlamassel keinen Einfluss.

„Es spielt keine Rolle“, sagte Arum am Montag. „Die WBC möchte, dass dieser Kampf unbedingt und gleich stattfindet. Na dann viel Glück. Aber wir brauchen die WBC nicht, um uns sagen oder gar vorschreiben zu lassen, wie hoch die Gebote sein müssen. Das wird alles mit vernünftigen Verhandlungen einhergehen.“

Wenn beide Parteien ein Versteigerungs-Gebot abgeben würden, dann würde dies eine Aufteilung von 60:40 für den amtierenden WBC Weltmeister Deontay Wilder bedeuten, weil er eben der Titelverteidiger ist. Es ist unwahrscheinlich, dass Bob Arum es riskiert, die Börsenversteigerung an Al Haymon zu verlieren, denn Top Rank hat Tyson Fury ja sicherlich nicht deshalb zu einem Fünf-Kampf-Vertrag verpflichtet, dass er dann gegen Wilder auf einer Showtime pay-per-view kämpfen wird.

Nun, da sich der aufgewirbelte Staub, seit der überraschenden Ankündigung von Montag wieder gesetzt hat und die Bedingungen von Arums Angebot an Wilder bekannt sind, werden wir wahrscheinlich Tyson Fury erst gegen einen anderen als gegen Wilder, an einem noch zu bestimmenden Datum sehen und wahrscheinlich wird es dann auch zum Kampf Deontay Wilder vs Dominic Breazeale am 18. Mai im Barclays Center kommen. Breazeale (20-1, 18 KOs) ist Wilders Pflicht-Herausforderer bei der WBC. Daher wäre dies ein Pflichtkampf für Wilder wenn es nicht zur Einigung für ein sofortiges Fury-Rematch kommt.

Wilder würde aber mindestens zweimal kämpfen müssen, um das Geld zu verdienen, das er als nächstes gegen Fury, in nur einem Kampf verdienen würde, egal ob der Kampf von Showtime oder von ESPN übertragen würde.

Aber vielleicht einigen sich Arum, Warren, Haymon, ESPN und Showtime ja auch und entscheiden sich für eine Zusammenarbeit. Oder aber sie lassen es auf eine Versteigerung ankommen und wer gewinnt, wir dann eben den Kampf alleine promoten.

Im Boxsport ist so ziemlich alles möglich!

Furys zweifelhafte Entscheidung und warum Wilder Bob Arums Angebot nicht annehmen wird
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