Ein Kampf zweier Giganten mit einem kontroversen Urteil

Golovkin von der ersten bis zur letzten Runde nur im Vorwärtsgang
Golovkin von der ersten bis zur letzten Runde nur im Vorwärtsgang

Saul „Canelo“ Alvarez vs Gennady „GGG“ Golovkin – Eine Nachbetrachtung von Ebby Thust

Ein großer Kampf, der letztlich gehalten hat was alle sich im Vorfeld davon versprachen, ist vorbei und es gibt große Diskussionen und fachmännische Analysen wie nach jedem großen Kampf und auch ich möchte es nicht versäumen diesen Kampf aus meiner Sicht zu analysieren.

Die meist gestellte Frage nach diesem denkwürdigen Fight zweier Box-Gladiatoren in der T-Mobile Arena zu Las Vegas, eine Frage die sich die mehr als 22.000 Zuschauern in der Halle und Millionen Boxfans in der ganzen Welt stellten, war die Frage: „War dieses Urteil gerecht?“ Aus meiner Sicht und aus der Sicht der meisten Box-Experten war es das nicht, denn diesen Kampf hat alleine Gennady Golovkin gewonnen. Golovkin marschierte von der ersten Runde an nur nach vorne, er war es der dem Kampf seinen Stempel aufdrückte und der den Kampf bestimmte. Golovkin hat neun der zwölf Runden gewonnen und aus meiner Sicht hätte ihm alleine der Sieg gebührt. Alle drei Punktrichter sahen den Ausgang dieses großen Kampfes anders. Das einzige vertretbares Urteil fällte dabei Dave Moretti der den Kampf 115-113 zu Gunsten von Golovkin wertete. Ganz daneben und völlig kontrovers dagegen war die Entscheidung der Ringrichterin Adalaide Byrd, der Ehefrau des bekannten Hall of Fame Ringrichters Robert Byrd, die mit ihrer 118:110 Wertung für Canelo Alvarez völlig daneben lag. 118:110 bedeutet, dass aus der Sicht dieser Dame Canelo Alvarez 10 der 12 Runden dieses Kampfes gewonnen hat. Ein Urteil das völlig daneben liegt und das schon an Betrug grenzt. Der dritte Punktrichter Don Trella, der den Kampf auch völlig vorbei an der Realität 114:114 Unentschieden wertete, rettete Golovkin wenigstens noch dessen vier WM-Gürtel und verhinderte den totalen Skandal.

Golovkin marschierte von Runde zu Runde nach vorne und war der mit Abstand aggressivere Boxer an diesem Abend
Golovkin marschierte von Runde zu Runde nach vorne und war der mit Abstand aggressivere Boxer an diesem Abend

FragwürdigeNevada State Athletic Commission

Wer im Vorfeld dieses Kampfes hier in unserem Boxen1 Portal und in unserer Facebook-Gruppe meine Berichte und Einschätzungen gelesen hat, weiß dass ich hier schon befürchtet und bezweifelt habe, dass wenn der Kampf über die volle Zeit geht und am Ende die Punktrichter der Nevada State Atlethic Commission den Kampf entscheiden müssen, ganz sicher der Las Vegas Heim-Boxer Canelo Alavarez bevorteilt werden würde.

Gennady Golovkin hat erstmals in seiner langjährigen Karriere in Las Vegas geboxt und der Mann aus Kasachstan ist inzwischen schon 35 Jahre alt und steht schon ziemlich am Ende seiner Karriere, während Canelo Alvarez schon zehn seiner großen Kämpfe in Las Vegas ausgetragen hat. Zudem veranstaltet Canelos Promoter Oscar de la Hoya von Golden Boy Promotion ständig in Las Vegas. Man muss wissen, dass bei Kämpfen in Las Vegas, völlig konträr als bei anderen WM-Veranstaltungen weltweit, wo die Ring- und Punktrichter meist aus fremden Ländern und von anderen Boxverbänden kommen und auch meist eine andere Nationalität als die der beiden Boxer haben um eine Voreingenommenheit auszuschließen, grundsätzlich immer nur Ring- und Punktrichter der Nevada State Athletic Commission eingesetzt werden. Wer erinnert sich denn nicht noch daran wie unser Schwergewichtler Axel Schulz bei seinem spektakulären Fight im Jahre im April 1995 im Kampf um den IBF WM-Titel gegen die Box-Legende George Foreman, ebenfalls von drei Punktrichtern derNevada State Atlethic Commission regelrecht betrogen wurde? Der Executive Director der Nevada State Athletic Commission Bob Bennett, hat noch in der Nacht nach diesem unverständlichen Urteil entschieden: „Wir stellen das Urteil unseres Mitgliedes Adalaide Byrd nicht in Frage und werden gegen sie auch keine Strafe oder Rüge aussprechen. Adalaide Byrd hat mein vollstes Vertrauen und wird auch weiterhin große Kämpfe hier in Las Vegas auswerten.“ Eine schnelle aber wohl sehr seltsame Entscheidung.

Und wieder triffz Golovkin Canelo Alvarez mit einer klaren linken Hand am Kinn.
Und wieder trifft Gennady Golovkin Canelo Alvarez mit einer klaren linken Hand am Kinn.

Wenn man weiß, dass die Nevada State Athletic Commission eine der reichsten Boxverbände der gesamten Welt ist, dann muss man anfangen sich Gedanken zu machen, denn die großen Big Fight finden meist in Las Vegas statt, so hat auch Floyd Mayweather fast alle seine Kämpfe nur in Las Vegas ausgetragen. Auch der weltgrößte und bekannteste Boxpromoter Bob Arum und seine Firma Top Rank veranstaltet schon seit vielen Jahren, die ganz großen Fights, fast ausschließlich nur in Las Vegas. Und eines dürfte logisch sein, wenn es hier in Vegas für diese Heim-Promoter und die Heimboxer nicht immer wieder sogenannte Heim-Urteile geben würde, dann würden diese Promoter schon lange nicht mehr in Las Vegas veranstalten. Profiboxen ist in erster Linie ein Geschäft und erst danach kommt der Sport, ein Big Business bei dem es um Multi-Millionen geht und deshalb muss man Man die Urteile dieser Punktrichter der Nevada State Athletic Commission aus der Sicht des großen Geschäfts sehen. Mit einem noch relativ jungem Hauptkämpfer Canelo Alvarez (27) wird der Boxverband aus Nevada noch viel Geld verdienen, während ein Gennady Golovkin mit seinen 35 Jahren schon eher ein Auslaufmodell ist und maximal noch zwei Jahre boxen wird und sicher auch kein Hauptkämpfer mehr in Las Vegas wird. Und auch der Promoter von Canelo Golden Boy Promotion wird sicher noch unzählige Male große Kämpfe in Las Vegas veranstalten und Millionen Dollar in die Kasse der Nevada State Athletic Commission spülen. Aus dieser Sicht wird dann ein solches kontroverses Urteil schon verständlicher und Oscar de la Hoya wird sich sicher dafür stark machen, dass besagte Adalaide Byrd bei seinen nächsten Veranstaltungen wieder am Ring sitzt und in seinem Sinne punktet.

Wieder schlägt die Rechte Golovkins bei Canelo Alvarez ein
Wieder schlägt die Rechte Golovkins bei Canelo Alvarez ein

Unter den 22.358 Zuschauern in der T-Mobile-Arena von Las Vegas und unter den Millionen Beobachtern an den Bildschirmen war Punktrichterin Adalaide Byrd wohl die Einzige, die Canelo dermaßen weit vorne sah. Die Wertungsrichterin besitzt offenbar viel Fantasie. Die Augenzeugen waren geschockt. Selbst die mexikanischen Canelo-Fans schienen überrascht wie diese Damen den Kampf geurteilt hat.

„Golovkin ist um den Sieg betrogen worden“, sagte Trainerlegende Teddy Atlas, der im Vorfeld des Kampfes noch auf einen Sieg von Canelo Alvarez getippt hatte. Auch die Fans in der Halle sahen das so. Canelo wurde von den eigenen Fans in der Halle ausgebuht, als er über das Hallenmikrofon erklärte, dass er doch mindestens sieben Runden dieses Kampfes gewonnen hätte. Und das alles zudem noch am mexikanischen Nationalfeiertag. Dabei hatten seine Fans ihn in den Tagen zuvor und unmittelbar vor Kampfbeginn noch frenetisch gefeiert.

Nach dem Kampf reißen beide Fighter die Arme hoch und beide fühlen sich als Sieger dieses denkwürdigen Fights
Nach dem Kampf reißen beide Fighter die Arme hoch und beide fühlen sich als Sieger dieses denkwürdigen Fights

Schlagstatistik spricht eindeutig für Golovkin

Doch der mexikanische Herausforderer enttäuschte über weite Strecken des Kampfes, suchte nicht, wie es für Mexikaner üblich ist, den Kampf, sondern versteckte sich hinter seinen Fäusten und befand sich zumeist im Rückwärtsgang. Golovkin ergriff von der ersten Runde an die Initiative, trieb Alvarez Runde für Runde vor sich her und stellte ihn häufig an den Ringseilen.

Es war imponierend wie Triple G das Tempo über die gesamte Dauer des Kampfes extrem hochhielt. Golovkin, der 33 seiner 38 Profikämpfe durch K.o. gewonnen hat, rückte auch zu keiner Zeit von seinem aggressiven Stil ab und diktierte mit seinem Jab den Kampf (108 zu 55 Schläge). Canelo fand dabei kaum in den Kampf und sah ziemlich blass aus. Aus Sicht der Experten und dem schließe ich mich an, hat Gennady Golovkin mindestens 9 der 12 Runden gewonnen. Allerdings schaffte Golovkin es nicht den Mexikaner zu Boden zu schlagen. Dennoch sprach auch die Schlagstatistik eindeutig für Golovkin: von seinen 703 Punches trafen 218 ins Ziel, Alvarez schlug lediglich 505 Gerade oder Haken, wobei nur 169 ihr Ziel fanden. Doch zeigte sich der 27jährige Mexikaner vom Angriffswirbel des Weltmeisters körperlich unbeeindruckt. Immer wenn Golovkin ihn mit einer seiner schnellen Kombinationen erwischte, schüttelte Alvarez nur verächtlich mit dem Kopf. „Mich hat das nicht überrascht“, sagte Abel Sanchez, Trainer von Golovkin, „wir wussten, dass es eine Schlacht werden würde. Und wir wussten auch, dassCanelo sehr zäh ist.“

„Es war ein großartiger Kampf, der alle Erwartungen, erfüllt hat“, sagte Ex-Weltmeister Tommy Hearn im Interview nach dem Kampf.  Der einstige Mittelgewichts-Champion sah auch Golovkin als den klaren Sieger des Kampfes. „Er war viel beweglicher, viel variabler, er hat auch mehr gearbeitet. An seinem Sieg gibt es für mich keinen Zweifel. Er tut mir leid. Golovkin ist betrogen worden, sagte Hearns.“

Der Kampf ist vorbei und beide Boxer reißen die Arme hoch.
Der Kampf ist vorbei und bei Golovkin ist man sich sicher, dass dieser den Kampf gewonnen hat.

Das Urteil ist weit entfernt der Realität

Es war der erste Kampf in seiner Karriere den der Boxer aus Kasachstan nicht gewonnen hat. Sein makelloser Kampfrekord erhielt an diesem Abend einen Kratzer. Nun steht dort ein Unentschieden. Herbeigeführt ganz wesentlich durch Adalaide Byrd, die auch noch als Punktrichterin in anderen Kampfsportarten aktiv ist. Beim Mixed-Martial-Arts sorgte sie schon einmal mit einem bizarren Urteil im Jahr 2012 schon mal für einen ähnlichen Skandal. Das Sportportal „Bleacher Report“ verlieh ihr daraufhin den Titel als „schlechteste Punktrichterin in der Geschichte des MMA“.

Der Promoter von Canelo Alvarez Oscar de la Hoya hingegen behauptet: „Adalaide Byrd ist eine sehr kompetente Punktrichterin. Aber ich kann verstehen, wenn sich die Leute die Haare raufen. Ich fand auch, dass ein sehr enger Fight war.“ Aber was soll Oscar auch anderes sagen? Deutlicher wurde Golovkins deutschstämmiger Promoter Tom Loeffler: „Der Punktzettel der Kampfrichterin ist ziemlich hart gewesen“, sagte er. „Ich kann mir nicht erklären, wie dieses Urteil zustande gekommen ist.“ Die Frage, ob er gegen die Wertung Protest einlegen wolle, beantwortete er vielsagend. „Ich weiß nicht, ob das etwas bringen würde. Das muss die Boxkommission von Nevada entscheiden. Ich weiß nur, es hätte noch schlimmer kommen können.“

Durch das kontroverse Unentschieden belibt Gennady Golovkin auch weiterhin Weltmeister der Verbände WBC, WBA, IBF und IBO.
Trotz des kontroversen Unentschiedens bleibt Gennady Golovkin auch weiterhin Weltmeister der Verbände WBC, WBA, IBF und IBO.

Mein private Wertung dieses Kampfes ist 117:111 für Golovkin

Mein private Wertung dieses Kampfes war übrigens ein 117:111 Punktsieg für Gennady Golovkin, was heißt dass aus meiner Sicht Golovkin 9 Runden dieses Kampfes gewonnen hat und Canelo Alvarez 3 Runden.