Anthony Joshua vs Jarrell „Big Baby“ Miller – erste Pressekonferenz in New York

Der „war of words“ hat begonnen – „Big Baby“ Miller geht auf Joshua los

Der schwergewichtige künftige Gegner von Anthony Joshua, Jarrell „Big Baby“ Miller war kein besonders einladender Gastgeber, als er für die Kickoff-Pressekonferenz am gestrigen Dienstag im Madison Square Garden in New York, USA, auf den englischen WBO, IBF, IBO und WBA Super-Champion traf.

Die beiden schweren Männer werden am 1. Juni im berühmten Madison Square Garden in New York um Joshuas vier WM-Gürtel kämpfen und der Fight um den Schwergewichtstitel, wird in den USA live vom Streaming-Portal DAZB übertragen werden. Doch schon mehr als drei Monate vor dem geplanten Termin kam es zu einem ersten Aufeinandertreffen der beiden Schwergewichte und dabei wurde auf jegliche Höflichkeitsfloskeln verzichtet.

Kurz bevor die beiden Kontrahenten, an dem in der Arena aufgebauten Pressetisch, Platz nahmen, war eigentlich ein bei einer solchen Szenerie übliches „Face to Face“ geplant. Die beiden Hauptkämpfer vom 1. Juni sollten sich für die Pressefotografen Auge in Auge gegenüberstehen. Doch dazu kam es erst gar nicht, „Big Baby“ Miller begrüßte Joshua mit einem harten, doppelhändigen Stoß vor dessen Brust und schubste diesen mit voller Wucht von sich weg, so dass AJ zwei bis drei Meter nach hinten flog, bevor mehrere Securitys dazwischen sprangen und einen Kampf vor dem Kampf verhinderten. Die Beiden tauschten auch danach keine netten Worte mehr aus, alles erinnerte an ihr erstes „Kennenlernen“ im letzten Jahr: Bei einer Pressekonferenz im letzten Sommer, die zum Anlass des Milliarden-Deals zwischen Joshua-Promoter Eddie Hearn und dem Streaming-Portal DAZN stattfand, zu dem Hearn mit Joshua den Top Mann seines Teams, für die Einführung von DAZN in den USA mitgebracht hatte, stürmte Jarrell Miller diese Pressekonferenz und bellte Joshua provozierend an und beleidigte ihn. Während der Top-Promoter, zusammen mit der Führungsriege von DAZN damals noch über den möglichen Kampf gegen Deontay Wilder sprachen, ließen die beiden Fighter mit einer offensichtlichen gegenseitigen Verachtung für einander mehr als unartigen Worte und Drohungen los. Viele Insider halten heute diesen damaligen Auftritt des „Big Babys“ inzwischen für inszeniert und abgesprochen, zumal Miller jetzt neun Monate nach diesem peinlichen und unwürdigen Auftritt einen Kampfvertrag als Gegner von Joshua, mit Promoter Hearn abgeschlossen hat.

„Ich bin hier zu Hause. Ich bin bereit für den Big Fight. Ihr habt alle keine Ahnung“, sagte ein emotional aufgeladener Miller am gestrigen Dienstag in New York, als er an der Reihe war, während der Pressekonferenz zu sprechen. „Ich atme Anthony Joshua ich esse mit Anthony Joshua, ich schlafe mit Anthony Joshua. Ich habe einen Bildschirmschoner mit dem Foto von Anthony Joshua. Ich wache auf und denke über Anthony Joshua nach. Ich blicke zurück, was meine Mutter durchlebt hat, etwas wobei keiner von Euch allen überleben würde. Ich sehe, wie meine Familie ohne Schuhe an den Füßen fast verhungert ist. Dies alles ist alles größer als ein Kampf mit Anthony Joshua. Es ist größer als ich selbst. Es ist größer als Geld.“

Miller unterbrach ununterbrochen Anthony Joshua, als dieser dann an der Reihe war zu sprechen. Er nannte ihn eine „Prom Queen“, „Fake“, „Phony“ und einen „Onkel Tom“. Er beschuldigte ihn, leistungssteigernde Medikamente genommen zu haben und sagte, er sollte nicht als Vorbild betrachtet werden. Er machte dann auch noch Witze über Joshuas Mutter, die bei AJ gar nicht gut ankamen.

Joshua konterte: „Er schlägt wie eine Zauber-Fee. Tyson Fury hat ihn beim Sparring sieben Mal niedergeschlagen, was Miller heute bestreitet (Boxen1 berichtete darüber). Er ist der weichste Puncher in der gesamten Schwergewichtsklasse“, antwortete Joshua. „Miller ist eine bitch. Ich werde ihn einfach umhauen. Er ist ein Drogenkonsument. Er ist ein ehemaliger Kickboxer. Ich werde ihn aus dem Ring prügeln.“

Als Miller einen weiteren Witz über Joshuas Mutter machte, antwortete er: „Wo ist denn deine Mutter? Ich bezahle ihre Miete damit, dass ich gegen dich antrete. Lasse sie zum Kampf kommen und zusehen wie ich dich verprügeln werde.“

Dann setzte Joshua fort, und sagte in bester Ali Manier, einen KO-Sieg in der 4. Runde voraus.

„Ich werde Dir den Kopf vom Hals schlagen. Für einen Mann, der 300 Pfund (136 Kilo) wiegt, schlägtst Du wie ein Weib“, sagte Joshua. „Am 1. Juni wird dies eine Show, kommt alle in den Madison Square Garden zu New York und seht euch alle den Fight an. Ich bin nicht hier, um die Gangsterrolle zu schauspielern. Ich knocke meine Gegner wirklich aus. Schaut euch doch nur seine kleinen Hände an. Dies ist das erste Mal in seinem Leben, dass er im Blickpunkt steht und eine Show machen kann, aber das liegt alleine an meiner Person und nicht an ihm. Natürlich denkt er den ganzen Tag über und an mich und betrachtet immer wieder meine Kämpfe – das soll und muss er auch tun, aber es wird ihm alles nichts nutzen.“

„Er wird durch mich einen großen Scheck vereinnahmen und dann wieder ein paar Cheeseburger mehr essen können. Das wird für mich ein ganz easy Fight werden.“

Der 29-jährige Anthony Joshua (22-0-0, 21 KO-Siege), der nicht nur in England der Superstar der weltweiten Box-Szene ist, wird am 1. Juni zum ersten Mal im Ausland kämpfen, wenn er zu seiner siebten Titelverteidigung gegen den 30-jährigen Jarrell Miller (23-0-1, 20 KO-Siege) antritt. Joshua selbst sagte, dass er sich darauf freut in den USA zu kämpfen, nachdem er im Dezember letzten Jahres, die Atmosphäre im Madison Square Garden miterleben konnte, als er damals als Zuschauer beim Kampf von Canelo Alvarez vs Rocky Fielding in der ersten Reihe am Ring saß. Joshua ist davon überzeugt, dass er für die gleiche Zuschauer-Begeisterung sorgen wird, die man in den USA Canelo entgegen bringt, aber während es bei Canelo meist Mexikaner sind, die die Halle füllen, wird es dieses Mal eine Arena voller Engländer sein, die bereit sind, bis ans Ende der Welt zu fliegen, um ihr Idol kämpfen zu sehen. DAZN legt unzählige Millionen Dollar auf den Tisch, um Anthony Joshua in die USA zu locken. Das Streaming-Portal möchte seinen Zuschauern in den Staaten den nächsten Joshua-Fight zur Prime-Time, am frühen Abend, präsentieren und nicht zur britischen Zeit, was in den USA nachmittags ist und wo deswegen nur wenige Zuschauer ihr TV-Gerät einschalten.

„Wir waren vor kurzem zum Canelo vs Fielding hier, ein Fight den ich auch für DAZN in den USA promotet habe und AJ war auch hier und er sah diese Arena und dieses Publikum. Das war für ihn ein richtiger Wow-Effekt“, sagte Eddie Hearn von Matchroom Boxing, der Promoter von Joshua. „Der Madison Square Garden garantiert Gänsehaut, alleine schon, wenn man sich mit der Geschichte dieser Arena beschäftigt und weiß welche Superstars des Boxens hier schon im Ring gestanden haben. Wir wollten eigentlich den Fight gegen die Nr. 1 in den USA, gegen Deontay Wilder in England veranstalten. Joshua hat in seinen letzten vier Kämpfen in seiner Heimat über 350.000 Eintrittskarten verkauft, aber wir kamen mit dem Team Wilder nicht klar. Dies war dann für den Nr. 2 Schwergewichtler in den USA, für Jarrell Miller, die große Chance und für uns war es ein Grund in die USA zu kommen. Miller ist der perfekte Typ für AJs USA-Debüt.“

„Wir haben schon gesehen, wie Miller bei DAZN gekämpft hat. Er ist eine große Persönlichkeit“, sagte Hearn. „Ich mag ihn. Ich bin froh, dass ich ihn als Gegner verpflichten konnte. Ich habe ihn gerade, vor Beginn der Pressekonferenz, noch gesprochen und er hat zu mir gesagt: „Da ist er, der Zuhälter von Joshua!“ Er sagte zu mir: „Der Vertrag ist unterschrieben. Geh weg von mir.“ Ich war ganz baff, wir waren früher Freunde. Anscheinend sind wir es jetzt nicht mehr.“

„Anthony Joshua muss, wenn er seinen Namen auf der globalen Bühne etablieren möchte in die USA kommen und dort kämpfen“, sagt Eddie Hearn.

„Er ist aufregend. Er hat einen unglaublichen Handspeed. Er ist ein ganz Großer“, sagte Hearn über Joshua, den Goldmedaillengewinner der Olympischen Spiele aus dem Jahr 2012. „Er hat das Aussehen. Er ist ein Athlet. Und ich bin überzeugt, er wird auch ein Superstar in Amerika werden. Aber dafür muss er jetzt erst einmal ‚Big Baby‘ Miller aus dem Weg räumen.“

„Viele Leute sagen, dass dies ein leichter Kampf für AJ wird. Aber er ist ein großer und schwergewichtiger Kerl, der fighten kann. Auch er hat schnelle Hände. Er hat gute Füße und auch eine große Workrate und einen tollen Motor. Und er will es unbedingt wissen. Joshua kommt in sein Wohnzimmer für diesen Kampf. Er kämpft gegen ein Kind aus Brooklyn in New York, das eine Chance bekommt Geschichte zu schreiben. Dies ist ein großer, ein ganz großer Kampf, der da auf uns wartet.“

Nun, was soll Eddie Hearn auch anders über den nächsten Joshua-Gegner sagen? Er muss ihn ja stark reden, zumal inzwischen viele Boxsport-Experten und noch mehr Box-Fans schon von einem Mismatch sprechen. Selbst Ex-Champion und Box-Legende Lennox Lewis rümpfte über diese Kampfansetzung die Nase (auch hiervon berichtete Boxen1). Aber für die beiden Kontrahenten, die sich am 1. Juni im Madison Square Garden gegenüberstehen werden, war die gestrige Pressekonferenz erst der Anfang einer Promotion-Tour, die sie durch mehrere große der USA führen wird…..und bei jeder weiteren Pressekonferenz werden die beiden wieder und wieder verbal aufeinander losgehen. Boxing-Business is Show-Business, ganz besonders in den USA.

Das Video von der Pressekonferenz aus New York