Willy Quatour: Ein großer deutscher Boxer ist gegangen

Willy Quatour: Ein großer deutscher Boxer ist gegangen

Einer der bekanntesten und besten deutschen Boxer vergangener Tage, der mehrfache Europameister und Deutscher Meister in drei Gewichtsklassen, Willy Quatour, ist vor einigen Tagen nach langer Krankheit, kurz vor seinem 80. Geburtstag, leider verstorben. Boxen1 erinnert an diesen grandiosen Boxprofi vergangener Tage und an eine außergewöhnliche Karriere.

Willy-Quatour

Willy Quatour im Alter von 79 Jahren verstorben

Einen Monat vor seinem 80. Geburtstag ist der frühere Box-Europameister in zwei Gewichtsklassen, im Leichtgewicht und im Super-Leichtgewicht sowie Deutsche Meister in drei Gewichtsklassen, in seiner Heimatstadt Dortmund nach langer und schwerer Krankheit verstorben.

Boxen, das war für den kleinen Dortmunder vor allem die Schule des Lebens. Im Krieg wurde die Familie, Mutter und drei Geschwistern, ins Sauerland nach Altena evakuiert und hier begann der kleine Willy schon als Zehnjähriger mit dem Boxen und dies gegen den Widerstand seiner Mutter. Der Vater war im Krieg gefallen, die Wohnung ausgebombt. 

Sieg gegen den deutschen Juniorenmeister

Es war dann Peter Enderlein der das Riesentalent in dem schmächtigen Kerlchen entdeckte, ein junger Kerl mit einem verbissenen Willen und dem Mut niemals aufzugeben. Eigenschaften mit denen sich Willy Quatour ganz schnell einen Namen im westfälischen Amateurboxsport machte. Vor allem aber mit einem Kampf der 1954 in den Hammer Zentralhallen stattfand. Da sollte Dieter Johannpeter, gerade zum frisch gebackenen Deutschen Juniorenmeister gekürt, seine Boxkünste an dem jungen Dortmunder Quatour demonstrieren, aber eine gigantische Fehlplanung, wie sich zeigte. Willy Quatuor trieb das Hammer Boxidol nach allen Regeln der Kunst durch den Ring und siegte einstimmig und klar nach Punkten. Nun kannten auch die Box-Experten den Namen Quatour.

Schon mit 18 Jahren wird Willy Quatour Box-Profi

Willy_QuatuorWilly Quatuor wurde bereits schon  im Alter von nur 18 Jahren Berufsboxer beim Bund Deutscher Berufsboxer (BDB). Sein Manager wurde einer der damals in der Bundesrepublik Deutschland wohl bekanntesten Box-Manager, Wolfgang Müller, sein Trainer war Otto Bürger.

Seinen ersten Profikampf bestritt Willy Quatuor am 4. September 1955 in Dortmund und kam dabei zu einem K.o.-Sieg in der 4. Runde über Hermann Lewandowski. Seine nächsten Kämpfe bestritt er vorwiegend im westdeutschen Raum.  In seinem 12. Profikampf kämpfte Quatour in der Dortmunder Westfalenhalle in um den ersten DM-Titel gegen den Dortmunder Alfred Schweer und gewann die Deutsche Meisterschaft im Federgewicht.

Willy Quatuor war während seiner gesamten Profi-Karriere immer gezwungen, alle einigermaßen profitablen, aber mit vielen Risiken behafteten, Angebote aus aller Welt anzunehmen. Der Grund dafür war, dass die Börsen, die damals in Deutschland für Boxer in den unteren Gewichtsklassen (Fliegen-, Bantam-; Feder- u. Leichtgewicht) gezahlt wurden, selbst für Spitzenboxer so gering waren, dass diese Boxer kaum davon leben konnten. Quatuor erging es genau so. 

Der ungemein talentierte, mit einem perfekten Bewegungsgefühl ausgestattete Quatuor, war übrigens ein Bruder des deutschen Meisters der Amateure sowie der DM der Profis Werner Mundt. Willy Quatour boxte in seiner Karriere in der gesamten Welt und so sehr oft auswärts und trotzdem schaffte er den Sprung nach ganz oben und griff sogar nach dem Weltmeistertitel.

Natürlich dauerte dies noch etwas.  Zunächst boxte er am 10. April 1958 in Mailand und am 15. Januar 1960 in Melbourne gegen den italienischstämmigen Australier Aldo Pravisani zweimal unentschieden. In den Jahren 1958 bis 1961 verteidigte er seinen deutschen Meistertitel im Federgewicht gegen Alfred Schweer, Joe Buck, Edgar Basel und Fritz Rings erfolgreich. Am 30. September feierte er in Mailand gegen den Italiener Mario Sitri einen überzeugenden Punktsieg und am 27. Oktober 1961 schlug er in Melbourne in der dritten Begegnung beider Konkurrenten Aldo Pravisani in der 4. Runde KO.

1964 erstmals Europameister im Leichtgewicht

Am 22. Mai 1963 wurde Quatuor in München durch einen KO-Sieg in der 9. Runde über Karl Furcht aus Köln Deutscher Meister im Leichtgewicht, nachdem er seinen Federgewichts-Titel wegen Gewichtsproblemen freiwillig niedergelegt hatte. Am 8. Mai 1964 kämpfte er dann in Berlin gegen den Italiener Michele Gullotti um den vakanten Europameistertitel im Leichtgewicht und siegte dabei in der 14. Runde durch K. o. Nach fast neun Jahren Profizeit war Willy Quatour endlich Europameister geworden.

Am 27. März 1965 erzielte Quatuor in Dortmund in einem Nichttitelkampf gegen den starken Finnen Olli Mäki ein bemerkenswerter Punktsieg und am 26. Dezember 1965 gewann Quatour in Berlin mit einem Punktsieg über den Spanier Juan Albornez ein weiterer EM-Titel im Halbweltergewicht. Auch am 18. Mai 1966 verteidigte er in Arezzo in Italien gegen Piero Brandi seinen Titel erfolgreich durch einen K.-o.-Sieg in der 8. Runde.

Quatours Kampf um den Weltmeistertitel der WBC und der WBA in Tokio

Am 16. November 1967 erhielt Quatuor dann die Chance in Tokio gegen den US-Amerikaner japanischer Herkunft Paul Fuji um die Weltmeistertitel der WBC und der WBA im Leichtgewicht zu kämpfen. Leider hatte er in diesem Kampf großes Pech, denn nach einem tollen Kampf mit leichten Vorteilen für Quatour erlitt dieser in der 4. Runde eine klaffende Augenbrauenverletzung durch einen Kopfstoß Fujis, wegen der er nicht mehr weiter boxen durfte und vom Ringarzt aus dem Kampf genommen wurde. 

Am 10. September machte Willy Quatour im Frankfurter Waldstadion, den zweiten Hauptkampf im Rahmen des WM-Fights von Muhammad Ali gegen Karl Mildenberger. Quatour boxte hier gegen den Italiener Giuseppe Occhipinti und gewann diesen Kampf durch KO in Runde 4.

Willy Quatour1968 legte Quatuor den Europameistertitel und den deutschen Meistertitel im Leichtgewicht wegen erneuter Gewichtsprobleme nieder. Am 8. März 1968 gewann er aber in Köln über Klaus Klein nach 12 Runden nach Punkten und wurde damit wiederum Deutscher Meister, aber dieses Mal im Weltergewicht. Am 24. Januar 1969 versuchte er dann in Rom gegen Bruno Arcari auch Europameister im Weltergewicht zu werden. Das Ende des Kampfes in der 7. Runde war dramatisch und sehr umstritten, denn Quatuor wurde in dieser Runde nach einem verbotenen Genickschlag Arcaris, den der Ringrichter ignorierte, ausgezählt. Alle Proteste Quatuors und seines Managers Wolfgang Müller nützten nichts. Die EBU erklärte das Ergebnis für rechtmäßig und bestätigte Bruno Arcari als Europameister.

Insgesamt absolvierte Willy Quatour 79 Profikämpfe von den er 64 gewann, davon 32 durch KO, 5 Mal boxte er unentschieden und 10 Kämpfe hat er verloren.

Für seine großen Verdienst für den deutschen Profi-Boxsport wurde Willy Quatour mit der Ehren-Mitgliedschaft des Bundes Deutscher Berufsboxer (BDB) geehrt.

Nach dem Ende seiner Profi-Karriere trainierte Willy Quatour die Amateurboxer des BC Viktoria Dortmund, die sehr erfolgreich in der deutschen Bundesliga kämpften.

Der Bund Deutscher Berufsboxer und Boxen1 wird Willy Quatour stets ein ehrendes Andenken bewahren.

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