Traum geplatzt! De Carolis lässt es nicht auf ein Punkturteil ankommen

In der ausverkauften Baden-Arena in Offenburg hätte gestern Abend ein junger Mann Geschichte schreiben können. Vincent Feigenbutz (21-2-0) konnte gegen Giovanni De Carolis (24-6-0) regulärer Weltmeister der WBA werden und zwar ein ganz besonderer: Der jüngste deutsche Weltmeister aller Zeiten.

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Foto: Konstantinos Sarigiannidis

„Iron Junior“ Feigenbutz muss sich durch TKO in Runde 11 geschlagen geben

Feigenbutz und De Carolis standen sich bereits im Oktober 2015 in Karlsruhe gegenüber. Ein klarer Punktsieg für den Italiener wurde für Feigenbutz gewertet. Nach einigen unangemessenen Aussagen seitens Feigenbutz nach dem Kampf war ein regelrechter Shitstorm über die sozialen Netzwerke eingebrochen. De Carolis bat um einen Rückkampf und knapp zweieinhalb Monate später war es auch soweit.

Nur dieses Mal ging es nicht mehr um den Interimstitel, sondern um den regulären WM-Titel der WBA, da Super-Champ Andre Ward ins Halbschwergewicht aufgestiegen war und Fedor Chudinov somit seinen Platz einnahm. Theoretisch war Feigenbutz für einige Tage Weltmeister, was aber vom Veranstalter nicht öffentlich gemacht wurde. Der Karlsruher sollte nicht „am grünen Tisch“ den Titel gewinnen, sondern durch sportliche Leistung im Ring.

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Foto: Konstantinos Sarigiannidis

Die Anfangsphase dominierte klar De Carolis, bis auch Feigenbutz etwas besser in den Kampf fand. Es war ein Kampf mit offenem Visier. Trotz großem Kampfgeist fand der Lokalmatador allerdings kein Mittel seinen Gegner in Schwierigkeiten zu bringen. Jeder harte Treffer seitens Feigenbutz wurde mit noch härteren Treffern des Italieners bestraft.

Es entwickelte sich wiederholt ein toller Kampf zwischen diesen beiden Boxern. In Runde 10 musste Feigenbutz wieder einige schwere Treffer einstecken und entgegen der Vermutung, De Carolis würde gegen Ende des Kampfes die Kraft ausgehen, drehte dieser noch einmal richtig auf. Anfang der elften Runde traf De Carolis mit einem rechten Haken Feigenbutz so schwer am Kopf, dass dieser komplett die Körperspannung verlor.

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Foto: Konstantinos Sarigiannidis

Der junge Karlsruher taumelte schwer und De Carolis schlug weiter. Nachdem Feigenbutz wehrlos den Ringseilen entlang taumelte, während De Carolis immer und immer mehr Treffer ansetzte musste der Ringrichter den Kampf abbrechen. Wilfried Sauerland und Sohn Kalle stürmten in den Ring und machen den Ringringrichter Gustavo Padilla für die Niederlage verantwortlich, statt nach ihrem Schützling zu sehen, der wohl die Schläge seines Lebens gerade einstecken musste.

Sauerland protestierte wegen angeblichen Nackenschlages. Durch den ersten schweren rechten Haken war Feigenbutz bereits stehend K.O., alle weiteren Schläge waren ebenfalls regulär, obwohl sich Feigenbutz taumelnd wegdrehte. Hier hätte man den Kampf schon abbrechen können, da der Körper ein deutliches Signal gab. Der Protest der Veranstalter zeugt wieder mal von der mangelnden Fähigkeit Niederlagen akzeptieren zu können.

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Foto: Konstantinos Sarigiannidis

Der große Verlierer des Abends ist allerdings Vincent Feigenbutz. Mit gerade mal 20 Jahren wird er an die Weltspitze gepeitscht und man redet ihm ein er ist bereit dazu. Sein Kampfgeist ist aller Ehren wert und er ist ein großer Sportler. Sein Promoter sollte jedoch erkennen, dass er noch nicht reif für Weltmeisterschaften ist. Ein Rematch gegen De Carolis kann eigentlich nur böse enden. Boxer sind auch Menschen und insbesondere wenn es um einen so jungen Sportler geht, sollten die Veranstalter etwas mehr Verantwortungsbewusstsein zeigen.

Wenn man Feigenbutz die benötigte Zeit zur Reife gönnen wird und er sich weiterentwickeln kann, wird man noch einiges von ihm hören. Bedenklich ist die Tatsache, dass Berliner Sauerlandboxer wie Tyron Zeuge alle Zeit der Welt haben, der junge Feigenbutz allerdings als jüngster Boxer des Stalls derartig „verheizt“ wird.

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Foto: Konstantinos Sarigiannidis

Ein weiterer Negativpunkt des Abends war die Reaktion des Publikums während des Kampfurteils. Bei einem so schweren Knockout wäre ein großer Applaus angebracht gewesen, sowohl für Feigenbutz als auch für den neuen Weltmeister De Carolis. Stattdessen wurde De Carolis laut ausgebuht und teilweise sogar von einigen Fans schwer beleidigt.

Insgesamt kann man dennoch von einer gelungenen Veranstaltung in Offenburg sprechen, denn selbst bei dem Vorkämpfen war die Halle bereits gut besucht. Der Hauptkampf war wieder einmal absolut sehenswert und spektakulär und zeigte, dass der deutsche Boxsport Chancen hat, wenn man Duelle ansetzt, bei denen auch eine Niederlage des Heimkämpfers möglich ist.

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