Siege für Okolie, Fury und Bakole – die Undercard von London

Foto: Matchroom Boxing (Twitter)

Trotz einiger Ausfälle bot die Undercard in London einige interessante Paarungen. In fast allen Begegnungen setzten sich die Heimkämpfer durch. Insbesondere Lawrence Okolie und Hughie Fury wussten dabei zu gefallen. Florian Marku musste sich bei seinem Matchroom-Debüt dagegen mit einem kontroversen Unentschieden zufriedengeben.

TKO-Sieg in Runde 2 – Lawrence Okolie macht kurzen Prozess mit Jezewski

Eigentlich wollte sich Cruisergewichtler Lawrence Okolie (14(11)-0-0) im Co-Mainevent des Kampfabends in der Londoner SSE Arena den vakanten WBO-Titel sichern. Als Gegner war kein Geringerer als der polnische Ex-Champion Krzysztof Glowacki geplant. Nachdem dieser jedoch aufgrund einer Infektion mit dem Coronavirus abgesagt hatte, musste „The Sauce“ Okolie mit dessen ungeschlagenen, aber unbekannten, Landsmann Nikodem Jezewski (19(9)-0-1) vorliebnehmen. Statt dem Weltmeistertitel stand bei dem auf zwölf Runden angesetzten Gefecht „nur“ der WBO-International-Gürtel auf dem Spiel.

Um seinen WM-Titelkampf nicht zu gefährden, war für den 1,91m langen Okolie ein Sieg Pflicht. Wer unter diesen Umständen eine vorsichtige Herangehensweise erwartet hatte, sah sich jedoch schnell getäuscht. Okolie schien keine Zeit verschwenden zu wollen und zwang seinen Gegner bereits Mitte der ersten Runde mit einem rechten Haken zum Körper in die Knie. Jezewski rappelte sich noch einmal auf, wackelte aber nur wenig später nach einer rechten Geraden zum Kopf äußerst bedenklich. Nach einer weiteren Schlaghand des Briten musste der 29-jährige Jezewski noch vor Ende des ersten Durchgangs erneut zu Boden.

Obwohl sich Jezewski in die Pause retten konnte, schien ein vorzeitiges Ende nur noch eine Frage der Zeit zu sein. Und tatsächlich war es erneut die rechte Gerade von Okolie, die seinen Kontrahenten in der zweiten Runde ein weiteres Mal auf die Ringmatte sinken ließ. Der tapfere Jezewski kam zwar erneut wieder auf die Beine, aber Ringrichter Phil Edwards hatte genug gesehen und brach das ungleiche Duell nach 1:45 Minuten des zweiten Durchgangs ab. Eine souveräne Leistung von Okolie, der seiner WM-Chance im neuen Jahr selbstbewusst entgegenblicken kann. Um diese zu nutzen, wird er gegen Krzysztof Glowacki aber voraussichtlich mehr Widerstand brechen müssen.

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Dominanter Auftritt – Hughie Fury lässt Mariusz Wach keine Chance

In seinem zweiten Kampf nach der Punktniederlage gegen Alexander Povetkin musste sich Hughie Fury (25(14)-3-0) gegen den erfahrenen Polen Mariusz Wach (36(19)-7-0) beweisen. Der bereits 40-jährige Wach konnte bei seinem letzten Ringauftritt den Amerikaner Kevin Johnson nach Punkten besiegen. Und auch in London untermauerte der Routinier anfangs seine Siegambitionen und rüttelte seinen vierzehn Jahre jüngeren Gegner gegen Ende der ersten Runde mit zwei rechten Geraden gewaltig durch. Fury bewies jedoch taktische Finesse und stellte sein Vorgehen um. Ab der zweiten Runde suchte er konsequent den Infight und beschäftigte Wach kontinuierlich mit variablen Händen. Wach wirkte zu behäbig und hatte kein probates Mittel, sich den permanenten Attacken seines Widersachers zu entziehen.

Als alles nach Plan zu laufen schien, musste Fury in der vierten Runde eine Schrecksekunde überstehen. Nach einem unabsichtlichen Kopfstoß öffnete sich bei ihm ein tiefer Cut an der linken Augenbraue. Der 1,98m-Hühne ließ sich davon nicht aus der Ruhe bringen, stellte sein taktisches Konzept aber wiederum um. Ab der sechsten Runde boxte er zunehmend aus der Distanz und bestimmte den Kampf mit geraden Schlägen zum Kopf. Wach wusste nur mit seinen bekannten Nehmerfähigkeiten zu gefallen, war aber schlichtweg zu langsam und einfallslos um seinem Kontrahenten ernsthaft Paroli bieten zu können.

Lediglich zu Beginn der zehnten und letzten Runde bäumte sich der 2,02m-Koloss noch einmal auf. Fury hielt aber sofort mit eigenen Aktionen dagegen und ließ nichts mehr anbrennen. Erwartungsgemäß werteten die Punktrichter einstimmig für den Mann aus Manchester (2×100:90 sowie 99:91), der sich somit für größere Aufgaben im neuen Jahr in Stellung bringen konnte. Dagegen dürfte für Mariusz Wach die Zeit in der Schwergewichtselite abgelaufen sein.

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Martin Bakole bezwingt Sergey Kuzmin nach Punkten

Im ersten Schwergewichtskampf des Abends standen sich Martin Bakole (16(12)-1-0) und Sergey Kuzmin (15(11)-2-0) gegenüber. Auf dem Papier eine ausgeglichene Begegnung, schließlich kletterten beide Boxer mit jeweils fünfzehn Siegen und einer Niederlage gegen den Amerikaner Michael Hunter in den Ring. Dementsprechend respektvoll begegneten sich die Kontrahenten in den ersten Minuten des Kampfes. Zum Ende der ersten Runde verschafften sich beide Schwergewichte aber Respekt mit ihrer rechten Schlaghand. Im zweiten Durchgang legte Bakole jegliche Zurückhaltung ab und erhöhte das Tempo deutlich. Da Kuzmin nicht zurückwich, entstand ein offener Schlagabtausch in der Halbdistanz. Obwohl Bakole die Mehrzahl der Treffer verbuchen konnte, blieb der ehemalige Spitzenamateur Kuzmin mit seiner rechten Schlaghand gefährlich.

Daher war es wenig verwunderlich, dass Bakole sich in der Folge zu einer ruhigeren Kampfesführung entschied und die Auseinandersetzung mit seinem Jab dominierte. Kuzmin zeigte sich in dieser Phase zu passiv und wurde vom schnelleren und beweglicheren Bakole recht locker ausgeboxt. Davon ermutigt erhöhte der Kongolese im fünften Durchgang wieder den Druck. Dafür wurde er vom Russen aber sofort mit harten Kontern bestraft. Daher versuchte Bakole wieder zur bewährten Taktik zurückzukehren, agierte aber nicht mehr so dominant wie zuvor. Obwohl er nach wie vor bemüht war, den Kampf aus der Ringmitte zu kontrollieren, zeigte er zu wenig Aktivität um die Runden klar für sich zu entscheiden. Kuzmin, der mit einer aufreizend tiefhängenden linken Führhand agierte, boxte geschickt und konnte in der zweiten Kampfeshälfte immer häufiger gute Treffer einstreuen. In der achten Runde suchte er sogar selbst den Vorwärtsgang und konnte seinen Gegner in der Nahdistanz in Bedrängnis bringen.

Dennoch entschieden sich die Punktrichter nach zehn geboxten Runden einstimmig mit Wertungen von 98:92, 97:93 und 96:94 für den 27-jährigen Bakole. Ein wichtiger Sieg für den Schützling von Billy Nelson, welcher zusätzlich mit dem Gewinn des WBC-International-Titels versüßt wurde. Vor einem Angriff auf die Weltspitze sollte er aber dringend die vorhandenen Defensivlücken schließen.

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Kieron Conway mit klarem Punkterfolg, Florian Marku’s Matchroom-Debüt misslingt

Nach der Absage des Franzosen Souleymane Cissokho bekam das Halbmittelgewichtstalent Kieron Conway (16(3)-1-1) in London Macaulay McGowan (14(3)-2-1) vor die Fäuste. Obwohl McGowan erst vor vier Wochen eine herbe Niederlage einstecken musste, eröffnete er die Begegnung mutig. Der 24-jährige Conway wirkte aber nicht nur körperlich robuster, sondern auch technisch deutlich versierter als sein Widersacher. Dennoch ließ er sich in den Auftaktrunden hin und wieder am Seil stellen, wo er einige vermeidbare Treffer einsteckte.

Mit zunehmender Kampfdauer konnte Conway seine boxerische Überlegenheit aber immer deutlicher zur Geltung bringen. McGowan marschierte mit kompakter Doppeldeckung vorwärts und konnte in der Nahdistanz vereinzelt gute Aktionen zeigen. Sobald Conway jedoch seine Aktivität hochschraubte, landete er insbesondere in der Lang- und Halbdistanz die besseren Treffer. Nachdem McGowan in der achten Runde nach einem linken Haken zum Kopf in den Ringstaub musste, offenbarte er großes Kämpferherz und zwang Conway über die volle Distanz. Nach zehn Runden musste sich „Too Class“ Conway daher mit einem deutlichen Punktsieg (100:90, 2x 100:89) begnügen.

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Der populäre Weltergewichtler Florian Marku (7(5)-0-1) wollte sich bei seinem Matchroom-Debüt für Kämpfe gegen Conor Benn und Josh Kelly empfehlen. Seine Tauglichkeit für Auseinandersetzungen mit derartigen Kalibern konnte er gegen Jamie Stewart (2-0-1) jedoch nicht nachweisen. In der ersten Hälfte des Achtrunders konnte der 28-jährige Marku seinen gleichaltrigen Gegner noch klar beherrschen. Zum Ende des zweiten Durchgangs gelang ihm mit einem sauberen linken Körperhaken sogar ein Niederschlag. Ab der fünften Runde schien Marku aber konditionell abzubauen, sodass der beherzt kämpfende und boxerisch solide Stewart in das Duell zurückfand. Nach acht unterhaltsamen Runden dann der Schock: Ring- und Punktrichter Marcus McDonell wertete die Begegnung überraschend Unentschieden (76:76). Trotz einer ausgeglicheneren zweiten Kampfeshälfte kann diese Entscheidung als durchaus fragwürdig bezeichnet werden.

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