Neuer Weltmeister: Joseph Diaz entthront Tevin Farmer

Foto: Ed Mulholland/Matchroom Boxing USA

Im Meridian at Island Garden in Miami, Florida traf der IBF-Weltmeister im Super-Federgewicht, Tevin Farmer (30-5-1, 6 KOs), auf Herausforderer Joseph Diaz (31-1-0, 15 KOs). Die fünfte Titelverteidigung misslang allerdings. 

Trotz Cut – Diaz gibt den Ton an

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Die letzten rund eineinhalb Jahre waren von großem Erfolg geprägt für Tevin Farmer. Der Mann aus Philadelphia, der einst mit vier Niederlagen aus den ersten zwölf Kämpfen in seine Profikarriere startete und dem danach wohl kaum einer zugetraut hätte, noch in die Spitze seiner Gewichtsklasse zu kommen, wurde im Sommer 2018 erstmals Weltmeister. Es folgten mehrere Siege, bei denen der 29-Jährige seine Klasse unter Beweis stellte. Nun sah er sich mit Joseph Diaz dem wohl talentiertesten Gegner seiner bisherigen Laufbahn gegenüber. Dieser zeigte Farmer die Grenzen auf. 

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Von Beginn an war klar ersichtlich, was sich Diaz und sein Team für einen Plan ausgedacht hatten. Der Olympia-Teilnehmer, der ebenso wie Farmer aus der Rechtsauslage boxt, versuchte seinem Gegenüber gezielt das Wasser abzugraben und mit hoher Frequenz zu punkten. Dies vollbrachte er vor allem durch eine geschickte, intelligente Beinarbeit, die Farmer nur selten seine Ideale Distanz finden ließ. Was Diaz nun in seinem Vorhaben hätte stoppen können, war die schlimme Cutverletzung, die sich der 27-Jährige bereits in der zweiten Runde durch einen unabsichtlichen Kopfstoß zuzog. 

Doch dieser bewies mentale Stärke und konnte auf eine gute Ecke vertrauen, die die Wunde oberhalb des linken Auges unter Kontrolle bringen konnte. Der Weltmeister auf der anderen Seite war nicht wie gewohnt leichtfüßig unterwegs und nahm schon in den ersten Durchgängen harte Treffer. Diaz variierte gut zum Körper und Kopf, arbeitete mehr und landete auch klarer. Gelegentliche Konter Farmers verpufften ohne größeren Effekt. Einzig dessen Nehmerfähigkeiten verhinderten ein vorzeitiges Ende, sodass der Kampf über die Runden ging. Alle drei Punktrichter sahen Diaz vorne, auch wenn die Wertungen auffallend knapp ausfielen (116-112, zwei Mal 115-113). Dem neuen Weltmeister dürften diese jedoch egal sein. 

Hoffnungsvolles Talent Sims verliert überraschend 

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Vor den großen Kämpfen des Abends kam es noch zu einem interessanten Aufeinandertreffen im Super-Mittelgewicht. Der hochgehandelte US-Amerikaner Anthony Sims Jr. (20-1-0, 18 KOs) bekam es mit dem erst einmal bezwungenen Roamer Alexis Angulo (26-1-0, 22 KOs) aus Kolumbien zu tun. Den Vorschusslorbeeren konnte Sims aber nicht ansatzweise gerecht werden. Zehn Runden lang tänzelte „The Magician“ durch das Seilgeviert, ohne den nötigen Zauber zu verbreiten und zwingende Aktionen ins Ziel zu bringen. Angulo auf der anderen Seite machte den Druck und hatte im Zweifel die besseren Treffer auf seiner Seite. Zwei der Offiziellen sahen ihn auch entsprechend vorne (jeweils 96-93), während der Dritte im Bunde Sims im Vorteil sah (95-94). Ein herber Rückschlag für das Talent. 

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