Lawrence Okolie nach eindrucksvoller Vorstellung neuer Commonwealth Champion

Der Mittwochabend in der restlos ausverkauften York Hall in London bot einiges an Action und Drama.
Der Mittwochabend in der restlos ausverkauften York Hall in London bot einiges an Action und Drama.

Kein Vorbeikommen an „Krake“ Okolie

Die kritischen Stimmen waren nicht gerade leise nach Lawrence Okolies letzten Kampf im Februar, dem unsauberen und von vielen Klammeraktionen geprägten Duell mit Landsmann Isaac Chamberlain. Ein weiteres Gewürge dieser Art hätte wohl einige Zuschauer in der Halle und vor dem Fernseher verprellt, weswegen ein gewisser Druck auf dem turmhohen Olympia-Teilnehmer von Rio lastete. Mit dem ebenfalls ungeschlagenen Luke Watkins bekam er es zudem mit einem Gegner zu tun, der sich nicht einfach hinlegen und stattdessen auf den Sieg gehen würde. Doch die Ambitionen des Commonwealth Champions Watkins sollten gar nicht erst zur Geltung kommen.

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So war es nämlich die beeindruckende 209 cm-Reichweite Okolies (zu Watkins‘ 198 cm), die den Unterschied ausmachte. Von der ersten Sekunde an war es die lange Führhand und die geraden Hände, mit denen der Herausforderer das Geschehen aus der Ringmitte beherrschte. Luke „The Duke“ Watkins machte den Kardinalfehler, sich auf die lange Distanz einzulassen, statt entweder konsequent den Infight zu suchen oder mit guter Seitwärtsbewegung und entsprechend schnellen Beinen die langen Hände zu neutralisieren. So war der 28-jährige ein leichtes Ziel für die Rechte Okolies, die in der dritten Runde dann so einschlug, dass Watkins zu Boden musste. „The Sauce“, wie sich Okolie nennt, servierte dann noch weitere Spezialitäten an das Kinn seines Kontrahenten, sodass der Ringrichter folgerichtig abbrach.

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Der deutlich verbessert auftretende 1,96 m-Hüne darf sich nun sowohl Commonwealth- als auch WBA Continental Champion im Cruisergewicht nennen, was ihn in den Rankings der Weltverbände weiter nach oben katapultieren wird. Man darf gespannt auf die Entwicklung des schlagstarken 25-jährigen sein, der hier ja seinen erst 9. Profikampf bestritt.

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Brutale Schlacht mit verfrühtem Abbruch

Ein unglaubliches Tempo legten Reece Bellotti und Ryan Doyle an den Tag. Im Kampf um Bellottis Commonwealth Title im Federgewicht schenkten sich die Kontrahenten nichts, standen ganz im Zeichen des „Mexican Styles“ Fuß an Fuß und versuchten förmlich mit jedem Schlag die Entscheidung  zu suchen. Während Bellottis Schlagfrequenz einen Tick höher war, trafen die Hände Doyles genauer ihr Ziel. In der fünften Runde erwischte er den anstürmenden Champion mit einer harten Rechten an der Schläfe und schickte ihn zu Boden. Statt Bellotti noch eine Chance zu geben, während dieser just nach dem Niederschlag versuchte wieder au die Beine zu kommen, nahm Referee Howard Foster dieses sofort auf dem Kampf. Es war einer dieser berühmt-berüchtigten „British Stoppages“, die schon das ein oder andere Gefecht in der Vergangenheit überschattet haben. Für Underdog Ryan Doyle war dieser Titelgewinn gleichbedeutend mit dem größten Erfolg seiner bisherigen Karriere.

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Cheeseman und Yeleussinov bleiben ungeschlagen

Im Gegensatz zu Bellotti wurde Super-Weltergewichtler Ted Cheeseman seiner Favoritenrolle gerecht. Dieser überrannte seinen chancenlosen Gegner Paul Upton, deckte ihn von Beginn an mit schweren Händen ein, bis er in der vierten Runde drei Niederschläge erzielen konnte, wodurch der er das Ende das Kampfes besiegelte. Der 22-Jährige aus London hat sich damit für größere Kämpfe in Stellung gebracht.

Außerdem zu sehen war der Olympiasieger von Rio, Daniyar Yeleussinov. Der Kasache hatte keine  Probleme mit seinem toughen aber limitierten Gegner Zoltan Szabo aus Ungarn. Am Ende konnte er einen klaren Punktsieg nach 6 Runden verbuchen.

 

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