AIBA plant zusätzliche Änderungen für Boxer bei Olympia

AIBA-Hrgovic

Zu den diesjährigen Olympischen Spielen in Rio werden männliche Boxer das erste mal, seit Olympia 1980 in Moskau, wieder ohne Kopfschutz in den Ring steigen – und die Hemden könnten als nächstes wegrationalisiert werden.

Amateure künftig ohne Kopfschutz und Trikot?

Eine Debatte über das Für und Gegen des Kopfschutzes, welche seit den Spielen 1984 in Los Angeles Pflicht waren, wurden von der AIBA recht schnell „zerschlagen“: „Sowohl unsere statistischen Auswertungen, als auch das Feedback von Boxern und Trainern zeigt uns, dass das die beste Entscheidung für unseren Sport ist.“, sagte Wu erst im März. Schon 2013 und 2015 konnten Männer bei der Amateur-WM ohne Kopfschutz boxen. Für Frauen besteht jedoch weiterhin die Pflicht des wichtigen Schutzutensils.

Jürgen Kyas begrüßt AIBA Präsident Dr. WuNachdem die Abgrenzungen zwischen Amateuren und Profis nun immer weiter verwischen, wird nun die Notwendigkeit der roten oder blauen Hemden bei olympischen Boxern auch noch in Frage gestellt. „Das Weglassen der Boxerhemden ist ein Vorschlag, den wir derzeit prüfen.“, sagte ein Sprecher des AIBA Vorstandes gegenüber Reuter. „Sowohl die entsprechende Kommision der AIBA, als auch das exekutive Komitee müssen den Sachverhalt zunächst prüfen, bevor ein entsprechender Antrag beim IOC (Internationales Olympisches Komitee) gestellt wird.“

Anders als bei den Profis, welche alle oberkörperfrei in den Ring steigen, haben Boxer bei Olympia immer mit entsprechenden Hemden geboxt. In den anfänglichen Jahren sicher eine Frage des Anstandes, später jedoch zum Schutz vor Verletzungen mit dem Ringseil und auch zur Absorbtion des Körperschweißes. Vor einiger Zeit waren sogar sog. „Smart Vests“ im Gespräch. Westen bzw. Hemden, welche elektronisch gestützt die Treffer aufzeichnen sollten. Diese Idee wurde jedoch wieder verworfen, nachdem die AIBA das Wertungssystem an das der Profis anpasste, bei welchen mit dem 10-Point Must System gepunktet wird.

Obwohl AIBA Präsident Wu Ching-Kuo im Jahre 2011 noch sagte, dass die Hemden schon allein deswegen bleiben, weil man dort den Namen der Nation des jeweiligen Boxers erkennt, scheint diese Aussage nun wieder hinfällig zu sein. Auch mit anderen Bestimmungen wurde zurückgerudert. Erst kürzlich wurde entschieden, dass nun auch erstmalig in der Geschichte des Boxsports Profis an Olympia teilnehmen dürfen, was eine Welle der Diskussion ausgelöst hat, denn zu unterschiedlich seien Amateure und Profis, als dass man sie gegeneinander in den Ring schicken dürfe.

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Das Weglassen des Kopfschutzes wird definitiv zu einem führen: die Spiele werden blutiger. Schon allein, weil durch ungewollte Kopfstöße oder Wischern mit dem Ellbogen sehr leicht Cuts entstehen können. So erging es zum Beispiel auch dem australischen Weltergewichtler Daniel Lewis während der Commonwealth Meisterschaften im Viertelfinale. „Führt den Kopfschutz wieder ein!“, twitterte der Amateurboxer, nachdem er wegen eines Cuts über seinem Auge ausgeschieden war. „Ich hatte zwei Kämpfe, zwei bequeme Siege mit einem TKO und dann ruiniert ein blöder Ellbogen einfach alles.“

Das Ziel, was die AIBA hier verfolgt, sollte klar sein: der Amateursport wurde über die Jahre hinweg immer uninteressanter, was nicht zuletzt daran lag, dass Promoter und Manager viel Geld in die Hand nahmen, um ihre Profis zu vermarkten, vor allem im Fernsehen. Dass hier Millionensummen im Spiel sind, dürfte zudem auch jeder wissen. Die AIBA versucht nun deren Amateure wieder in ein anderes Licht zu rücken. Boxerisch attraktiv sollten sie alle sein, wenn nun noch zusätzlich der Kopfschutz und die Hemden verschwinden, kann der Laie Profis und Amateure nur noch durch die Rundenanzahl unterschieden.

 

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