Vor Kampf gegen Huck: Yakup Saglam im exklusiven Interview

Yakup Saglam - Bildnachweis FLP BoxteamVor dem Schwergewichtsduell gegen den ehemaligen Cruisergewichtsweltmeister Marco Huck, sprachen wir mit Yakup Saglam im exklusiven Interview.

Saglam: Am Samstag stehen zwei Krieger im Ring!

Wie geht es dir aktuell? Wie ist die Lage?

Saglam: Sehr gut. Wir sind gestern (Mittwoch) angereist mit dem Auto, wir hatten eine 5-stündige Fahrt. Heute war die Pressekonferenz, morgen ist das Wiegen. Die Pressekonferenz war gut. Es gab keine Schlammschlacht, es ging sportlich fair zu, wir verstehen uns gut und respektieren uns. Am Samstag werden zwei Krieger in den Ring steigen.

Wie liefen die Vorbereitungen? Wie bist du in Form?

Saglam: Die Vorbereitungen liefen gut. Ich hatte dieses Mal eine ausreichend lange Vorbereitungszeit von 2,5 Monaten. Das ist sehr fair und dafür möchte ich mich bei dem Promoter Alexander Petkovic bedanken. Auch für dieses Angebot zum Kampf ein großes Dankeschön. Manche Promoter haben mich in meiner bisherigen Laufbahn nur wenige Wochen vor dem Kampf angefragt, ich habe Kämpfe bestritten bei denen ich nur 2-3 Wochen Vorbereitung hatte. Gegen Parker und Solis war es beispielsweise so. Zudem arbeite ich ja noch in einem Vollzeitjob. Bei dem Kampf gegen Huck habe ich das erste Mal in meiner Karriere eine ordentliche Vorbereitungszeit bekommen. Wir hatten auch ein gutes Sparring, 80 Runden bin ich gegangen. Ich bin top fit.

Du arbeitest in Vollzeit, zuzüglich deiner boxerischen Tätigkeit. Wie lässt sich das Vereinbaren?

Saglam: Ich arbeite in einem 2-Schichtbetrieb. Eine Woche habe ich Frühschicht, dann eine Woche Spätschicht. Seit 15 Jahren habe ich die Doppelbelastung mit Boxen und der Vollzeitarbeit. Das soll mir erst ein Profiboxer nachmachen. Ich arbeite beispielsweise von 6-15 Uhr, ich trainiere 2-mal täglich; 10 Kilometer laufen, Sandsackarbeit und dann fahre ich nach Koblenz zum Training. Das sind jeden Tag 100 Kilometer Fahrt. Ich hatte allein für die zweieinhalb Monate Vorbereitungszeit Spritkosten in Höhe von 2.500 €! Also ein riesen Aufwand. Egal ob ich am Samstag gewinne oder verliere: ich bin ein Champ für das was ich mit Wille, Fleiß und Ehrgeiz geleistet habe! Und egal was passiert, ob ich am Samstag gewinne oder verliere – am Montag steh ich wieder beim Schichtbetrieb parat.

Wo siehst du die Stärken und Schwächen bei Huck? Wie wirst du diese für dich nutzen?

Saglam: Ich habe Respekt vor Marco Huck. Er hat im Cruisergewicht viel erreicht. Er trifft aber am Samstag in seiner neuen Gewichtsklasse auf ein gestandenes Schwergewicht mit viel Erfahrung, außerdem bin ich ein bekannter Knockouter, viele Kämpfe habe ich durch KO gewonnen, damit muss er klar kommen. Er hätte jemanden leichteren wählen können als mich, aber er will gegen ein Kaliber wie mich kämpfen. Dafür hat er meinen Respekt. Ich werde es ihm aber nicht leicht machen. Da treffen zwei Krieger aufeinander.

Glaubst du, dass Huck Erfolg in dieser Schwergewichtsklasse haben wird?

Saglam: Huck war Cruisergewichtsweltmeister. Großen Respekt nochmal. Als er damals einen Schwergewichtskampf gegen Povetkin gemacht hat, habe ich ihn vorne gesehen. Er hat ungerechterweise verloren. Ich glaube aber auch, dass es zum Teil daran lag, dass Povetkin ihn unterschätzt hat. Das wird mir nicht passieren.

Ich weiß nicht ob Huck jetzt erneut im Schwergewicht die Schnelligkeit und Spritzigkeit mitbringt, wie im Cruisergewicht. Er wiegt ja jetzt auch mehr als Schwergewicht. Das ist jetzt eine andere Liga. Außerdem muss er sich im Schwergewicht erstmal neu beweisen. Ich dagegen nicht. Ich habe nichts zu verlieren, Huck schon. Wenn er verliert, ist sein Standing im Schwergewicht schlecht, er könnte Sponsoren verlieren etc. Ich dagegen habe nichts zu verlieren und kann nur gewinnen.

Wie lautet deine Marschrichtung, wirst du einen Knockout anstreben?

Saglam: Huck ist der Heimboxer. Ich bin der Gastboxer. Ein Punktsieg wird also schwierig, so ist es oft im Boxgeschäft. Es gibt ein türkisches Sprichwort: Wer die Flöte bezahlt, kann auch flöten. Ich will eindeutig durch KO gewinnen, damit mein Sieg deutlich ist.

Du bist Veganer. Wie gestaltest du diese Ernährungsform und wie lässt sich diese mit dem Hochleistungssport vereinbaren?

Saglam: Das glauben viele Leute nicht: „der arbeitet im Vollzeitberuf im Schichtbetrieb, ist Profiboxer, und dann ernährt er sich auch noch vegan!“ Ich mach das jetzt schon seit 6 Jahren. Ich bin darauf gekommen, weil meine Frau schon vor mir vegan war. Ich habe mir irgendwann auch die Frage gestellt: wo kommt das Fleisch auf meinem Teller her? Welches Leid habe ich verursacht, welche Seele steckt dahinter? Was gibt mir das Recht, einem Lebewesen sein Leben zu nehmen? Und das seiner Kinder? Außerdem bin ich sehr tierlieb, wir haben selber viele Tiere. Ich bringe nicht meine Freunde um!

Von der Ernährung her ist das kein Problem, auch nicht als Sportler. Es gibt so viele pflanzliche Eiweißquellen. Was viele nicht wissen: selbst die Gladiatoren haben früher viel Reis und Bohnen gegessen, weil sie wussten was drin steckt.

Wer es nicht glaubt: ich habe neulich eine Analyse machen lassen, ein Test der Muskelmasse, Fettanteil etc. Es kam heraus, dass alles Bestens ist. Ich als 41-jähriger Mann habe die Werte eines 26-jährigen. Top Werte, dank meiner Ernährung und dem Sport.

Wer wird dich am Samstag vor Ort unterstützen? Wer gehört zu deinem Team?

Saglam: Von meiner Firma kommt ein ganzer Bus mit ca. 60 Arbeitskollegen. Es werden noch Fans aus Koblenz kommen und meine Frau wird dabei sein. In meiner Ecke steht mein langjähriger Trainer Detlef Loritz und meine Sparringspartner Dennis Ronert und Cem Kurnazcan.

An dieser Stelle möchte ich meinem Trainer Detlef Loritz meinen Dank und Respekt aussprechen. Er trainiert mich von Anfang an,  mit 28 habe ich angefangen als Rohling. Er hat mich geformt von Null auf. Er hat zu mir gesagt: ‚du bringst das Herz mit, ich mache einen Gladiator aus dir.‘ Und er hat sein Wort gehalten! Er ist mein Trainer, Manager und Mentor. Danke für alles!

Was bedeutet es dir, dass du am Samstag den Hauptkampf bestreitest und das auch noch live im Fernsehen? Bist du aufgeregt?

Saglam: Huck ist ein großer Name im deutschen Boxen und für die Leute interessant. Es werden viele Leute einschalten. Ich freue mich diese Reichweite zu bekommen und mich dem breiten Publikum präsentieren zu können. Für das deutsche Boxen wird das auch eine interessante und wichtige Sache diese Live-Übertragung. Mir selbst bedeutet es viel, ich habe in Deutschland noch nie live geboxt, bisher nur im Ausland. Ich bin etwas aufgeregt, aber positiv. Es ist eine Ehre für mich. Westerwald wird stolz auf mich sein.

Marco Huck hat wie viele andere für den Boxsport seinen Namen geändert, er heißt eigentlich Muamer Hukic. Du aber hast deinen bürgerlichen Namen behalten. Warum?

Saglam: Ich habe früher auch das Angebot bekommen, für meine Karriere meinen Namen zu ändern, wie Huck oder Sturm zum Beispiel. Ich hätte mehr Geld verdienen und mich besser vermarkten können, aber ich habe es abgeschlagen. Ich trage den Namen meines Opas, das hat eine Bedeutung für mein Herz. Ich bin mit diesem Namen geboren, ich werde mit diesem Namen sterben. Geld ist nicht alles, aber Stolz und Familie schon. Mein Opa sagte damals zu mir: „Yakup, ich kann dir keinen Palast, Luxus oder Geld geben. Ich kann dir aber meinen Namen geben. Geh mit ihm stolz um. Wenn ich unter der Erde bin, werde ich mit Stolz auf dich runter schauen, wie du meinen Namen trägst.“

Wie sind deine Zukunftspläne? Wie lange boxt du noch?

Saglam: So lange ich mich noch motivieren kann und mir diese Qual Spaß macht. Wenn mein innerer Schweinehund eines Tages gewinnt, dann höre ich auf (lacht). Ich kann mir auch vorstellen, später mal selbst einen Boxer zu betreuen und zu lehren. Boxtrainer wäre ein Ziel von mir, wenn ich selbst nicht mehr aktiv kämpfe. Ich arbeite auch gerne mit Kindern und Jugendlichen und ich glaube die mögen mich auch.

Kannst du dir einen Rückkampf gegen Manuel Charr vorstellen? (am 22.2.2013 verlor Saglam durch verletzungsbedingte Aufgabe in Runde 2, Anm. d. Rd.)

Saglam: Ich sag zu keinem nein. Wenn die Bezahlung und die Vorbereitungszeit stimmen, mache ich das. Ich habe mich damals bei unserem Kampf leider verletzt, das war schade. Eine Revanche wäre nicht schlecht. Ich weiß nicht ob Manuel das auch möchte. Wenn er am Samstag im Publikum sitzt, könnte ich ihn herausfordern. Es ist allgemein schwierig für mich ein deutsch-deutsches Duell zu bekommen. Die Boxer in Deutschland scheuen sich gegen mich anzutreten. Ich boxe jeden.

Beispielsweise wollte damals keiner gegen Parker ran. Ich habe diesen Kampf angenommen, obwohl ich kaum Vorbereitungszeit hatte, da ich in meinem Vollzeitjob nur eine Woche Urlaub bekommen habe. Außerdem bin ich um die halbe Welt geflogen um ihn zu boxen. Mich hat in dem Kampf nicht Parker besiegt, sondern die krassen Bedingungen und Strapazen. Aber ich habe Eier gezeigt und den Kampf trotzdem angenommen. Ich sag mal der 60%-vorbereitete-Yakup hat mehr hinbekommen, als ein 100% Berufsboxer ohne zusätzlichen Hauptjob. Mit Wille, Fleiß und Ergeiz habe ich das geschafft. Das macht einen Champion aus.

Was möchtest du abschließend sagen? Hast du eine Botschaft an die Fans?

Saglam: Ich möchte ein Paar Worte an meine Fans, vor allem die jungen Jugendlichen und Kinder richten: Glaubt an euch, auch wenn euch jemand auslacht. Hört auf eure innere Stimme, folgt eurem Herzen. Bleibt diszipliniert, habt Ziele und arbeitet hart, in jeder Lebenslage! Macht keine halben Sachen, das gibt es im Leben nicht. Macht es richtig oder gar nicht. So lange du lebst, so lange kannst du kämpfen. Es ist nie zu spät was im Leben zu erreichen!


Boxen1 bedankt sich für das freundliche Interview und dafür, dass sich Yakup Saglam so kurz vor dem Kampf Zeit für uns genommen hat.