Japanisches Boxtalent stirbt nach einem Kampf mit 23 Jahren

Das japanische Boxtalent Kazuki Anaguchi wurde lediglich 23 Jahre alt.

Ihm wurde eine große Karriere nachgesagt, doch nach dem ersten großen Titelkampf verlor er sogar den Kampf um das Leben.

Am 26. Dezember gab es das große Event zum undisputed-Kampf im Superbantamgewicht zwischen Naoya Inoue (26-0) und Marlon Tapales (37-4), welches in der Ariake Arena in Tokio, Japan, stattfand. Es sollte ein großer Sieg für Inoue bedeuten und ein freudiger Tag für alle Japaner, die ihren Nationalhelden feiern konnten. Auch das Vorprogramm dieses Events war bestückt mit hochklassigen Kämpfen. Darunter das Co-Mainevent, welches im Nachgang eine tragische Wendung mit sich zog.

Die Verehrung der nationalen Meister

Die japanische Boxkultur unterscheidet sich eminent gegenüber der deutschen. Zählen hier nur internationale Titel etwas, und man wird teilweise nur in der Weltspitze wirklich beachtet, so verläuft es in Japan völlig anders. Es ist eine gewaltige Ehre, sich japanischer Meister nennen zu dürfen. Selbst Weltklasseboxer versuchen diesen Titel zu erlangen und lange zu halten, ehe sie sich um die Weltmeisterschaft bemühen.

Es gibt eigens für Talente sogar ein Turnier, welches Rookie of the Year heißt und entsprechend jährlich ausgetragen wird. Dort werden im ganzen Land Neulinge im Profiboxen vom Minimumgewicht bis im Mittelgewicht gesucht, die gegeneinander antreten. Zum Ende des Jahres gibt es ein großes Final-Event, wo die Finalisten der jeweiligen Gewichtsklassen antreten. Dem Gewinner winkt der prestigeträchtige Titel des Rookie of the Year, sowie der sofortige Einzug in die Top 10 des japanischen Rankings, was ein idealer Start in die Profikarriere bedeutet. Die Japaner lieben ihre nationalen Titel und sind stolz auf jene Titelträger; Anaguchi wollte einer davon werden.

Kazuki Anaguchi stand vor dem größten Kampf seiner Karriere

Das Fightposter zum Kampf Tsutsumi vs. Anaguchi.

Dem japanischen Boxtalent Kazuki Anaguchi (6-1) wurde eine große Zukunft nachgesagt, deshalb entschied man sich, die Nachwuchshoffnung beim Monster-Tournament von Naoya Inoue teilnehmen zu lassen. Inoue, der den Kampfnamen Monster trägt, suchte in einem Turnier sozusagen das Talent, welches seinen Status vielleicht eines Tages ebenfalls innehaben wird. Es gab verschiedene Turnierrunden, und beim großen Undisputed-Kampf von Inoue gegen Tapales sollte es dann zum Turnierfinale kommen, wo Anaguchi auf den amtierenden japanischen Meister Seiya Tsutsumi (10-0-2) traf. Es war ein bedeutsamer Kampf für beide, die dazu im Co-Mainevent von Inoue natürlich maximal im Rampenlicht standen. Für beide galt die Prämisse: Verlieren verboten.

Spektakulärer Kampf auf Augenhöhe mit einem dramatischen Schluss

Tsutsumi gegen Anaguchi.

Im Kampf selbst kam Anaguchi hervorragend rein. Er boxte klug und konnte die ersten Runden für sich entscheiden. Tsutsumi musste frühzeitig einen tiefen Cut am Auge erleiden, was er allerdings gut wegsteckte. In der vierten Runde dann plötzlich eine Wendung, wo Anaguchi nach einer harten Hand zu Boden musste. Er stand allerdings auf und konnte in den nachfolgenden Runden ebenfalls überzeugen.

Es war ein intensiver und spannender Kampf, der aber für Anaguchi sich in den hinteren Runden zunehmend verschlechterte. In Runde 7 musste Anaguchi erneut zu Boden, konnte aber tendenziell die achte Runde wieder für sich entscheiden. Es war ein intensives Kopf-an-Kopf-Rennen, welches in den beiden Schlussrunden entschieden werden sollte. Dort konnte Tsutsumi groß auftrumpfen und Anaguchi in der neunten sowie zehnten Runde jeweils einmalig zu Boden schlagen. Nach insgesamt 4 Niederschlägen war es dann auch eindeutig, dass Anaguchi diesen Kampf nach Punkten nicht mehr gewinnen konnte. Am Ende war das Urteil dennoch sehr knapp trotz der 4 Niederschläge mit: 2x 94-92, 95-91. In den letzten beiden Runden verlor Anaguchi den Kampf, doch rückblickend noch so viel mehr.

Tsutsumi schlägt Anaguchi zu Boden.

Anaguchi konnte vor Erschöpfung nach dem Kampf nicht mehr stehen und wurde ins Krankenhaus eingewiesen

Kazuki Anaguchi muss nach dem Kampf gestützt werden.

Die letzten beiden Runden waren sehr hart für Kazuki Anaguchi, doch er wollte nicht aufgeben, den greifbaren Sieg irgendwie noch holen. Das sind leider solche Konstellationen, wo man viel Risiko geht. Wenn beispielsweise ein Kampf sehr einseitig verläuft, dann kann sich die Ecke denken, dass man ruhig abbrechen soll, weil an dem Abend eh nichts zu gewinnen ist. Aber ein Kampf, der bis zum bitteren Ende auf Augenhöhe stattfindet, den reizt man tendenziell eher aus.

Anaguchi bewies die Standhaftigkeit eines Kriegers, und die sollte ihm zum Verhängnis werden. Er wurde nach dem Kampf in ein Krankenhaus in Tokio eingeliefert. Dort wurden Hirnschäden festgestellt. Eine Notoperation erfolgte darauf noch im Dezember, allerdings war Anaguchi schon nicht mehr unter Bewusstsein. Es schaute sehr ungut für seine Genesung aus. Häufig kann man das Leben nach schwerwiegenden Hirnschäden noch retten, aber die Folgeschäden sind gravierend. Man denke an den traurigen Fall von Eduard Gutknecht zurück. Doch leider war dieser Ausgang trotz intensivmedizinischer Betreuung nicht mehr möglich. Laut Meldungen verstarb Anaguchi am Freitag in Tokio um 17:38 Uhr. Er wurde lediglich 23 Jahre alt.

Boxen – eine stetige lauernde Gefahr

Solche tragischen Ereignisse erinnern uns daran, wie gefährlich der Boxsport sein kann und wie wichtig es ist, die Gesundheit und Sicherheit der Athleten zu schützen. Zwar gibt es schwerwiegende Hirnschäden prozentual natürlich relativ selten, aber immer wieder müssen Operationen vorgenommen werden, immer wieder kämpfen Boxer nach dem Ring noch im Krankenhaus weiter. Es ist eine gefährliche Sportart, die tendenziell auch Leben kostet. 2019 stand das Profiboxen auch stark in der Kritik, wo sich Todesfälle angehäuft haben. Insbesondere in den USA war dies leider zu beobachten.

Beispielsweise verstarb im Juli 2019 der russische Profiboxer Maxim Dadashev (13-1) nach einem Kampf mit Subriel Matias (20-1). Dadashev brach noch vor Ort zusammen und musste sich übergeben, jede Rettung kam zu spät. Im Oktober 2019 gab es den nächsten Fall, wo der beliebte und smarte Patrick Day (17-4-1) nach einer Niederlage gegen Charles Conwell (18-0) das Leben verlor.

Allerdings gab es auch immer wieder erfreuliche Nachrichten, wo Boxer nach schwerwiegenden Verletzungen wieder zurück ins Leben fanden. Beispielsweise war der Gesundheitszustand von Alejandra Ayala (14-6) nach einer Weltmeisterschaft in Schottland äußerst kritisch, doch die Mexikanerin konnte sich nach der Niederlage im Mai 2022 wieder zurückkämpfen.

Ruhe in Frieden, großer Champion!

Kazuki Anaguchi: Für immer die Nummer 1.

Es wäre sicherlich etwas geheuchelt, wenn man sich über den Tod eines Boxers stark schockiert zeigt – und zugleich am nächsten Tag wieder 5 Kämpfe mit Leidenschaft verfolgt. Wer dem Boxen treu bleibt, wer auch weiterhin regelmäßig Boxkämpfe verfolgt, dem muss die Tragweite dessen bekannt sein. Es war nicht der erste tragische Todesfall in dieser Sportart – und es wird auch gewiss nicht der letzte sein.

Was bleibt ist zusagen, dass wir dich nicht vergessen werden. Für Deine Kämpfe, für Deinen Mut und Deine Hingabe. Ruhe in Frieden, Kazuki Anaguchi.

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