Nikki Adler holt den WBC-Titel

Mit dem 4. WM-Titel in Folge steigt die Ausnahmesportlerin damit auf Platz 1 der Weltrangliste

Gegen Zane Brige aus Lettland hieß es nach 10 harten Runden am Ende einmal 98:92 und zweimal 97:93. Das eindeutige Punkteurteil spiegelt die klaren Treffer der deutschen Boxerin wider, die immer wieder Akzente setzte und den Boxfans weltweit über den Livestream viele Highlights bot und besonders in den ersten sechs Runden eine guten Punktevorsprung holte, den sie nach hinten raus weiter ausbauen konnte.

Dieser Abend war etwas ganz Besonderes und absolut Historisches: Nikki Adler stieg mit dem WBC-Titel nicht nur in die Fußstapfen von Muhammad Ali. Sie war auch Teil einer Premiere, die im Vorfeld in Tschetschenien heiß und kritisch diskutiert wurde: Der erste Frauenboxkampf in einem muslimischen Land. Noch nie zuvor durfte eine Frau in der Öffentlichkeit boxen. Der WM-Kampf fand unter höchsten Sicherheitsbedingungen statt, denn in der ersten Reihe saß der tschetschenische Präsident Ramsan Achmatowitsch Kadyrow: Ein kleiner Durchbruch für alle Frauen, die für ihre Träume kämpfen. Klein, weil kaum eine Frau im Publikum saß, aber dennoch ein großer Fortschritt für das Land. Nikki Adler ist eine Botschafterin für den Boxsport, ein Vorbild für die Frauen in diesem Land und eine Heldin, die für diesen Mut verehrt wird. Bemerkenswert: Die Dinamo-Halle in Grozny war bis zur 9. Runde mucksmäuschen still, aber dann in der 10. Runde, im dramatischen Finale packte es auch die männlichen Fans und sie klatschen und riefen und zollten den Frauen damit auch den verdienten Respekt. Ein Gänsehautmoment – bedenkt man das Rollenverständnis in diesem Land. Nikki Adler genoss es in vollen Zügen: „Es war toll hier in diesem Land zu boxen! Diese Gastfreundschaft und vor allem die Anerkennung für meinen Sport berühren mich und tun gut! Ich habe alles gegeben: Für meinen Traum und für die Frauen in diesem Land.“

In den Augen von Nikki Adler strahlt aber nicht nur das Glück, sondern auch die pure Erleichterung: „Es war wirklich ein harter Kampf. Zane schlug sehr hart und machte viel Druck. Sie war wie erwartet eine sehr gefährliche Gegnerin bis zum Schluss.“ Für ihr Ziel ging die vierfache Weltmeisterin wieder einmal über ihre Grenzen: „Ein Traum wurde war, aber geschenkt wurde er mir nicht! Die Vorbereitungszeit ging über drei Monate, der Kampf wurde zweimal verschoben und ich musste mich immer wieder neu motivieren! Das ist ein unglaublicher Kraftakt. Jetzt bin ich erleichtert, dass es geschafft ist und überglücklich!“

Headcoach Thomy Wiedemann aus dem Neu-Ulmer Mekong ist auch sehr zufrieden mit seiner Boxerin: „Zane Brige hat versucht mit schweren Crosshaken den Kampf vorzeitig zu beenden, aber durch Nikkis gute Beinarbeit und ihren vielen Bewegungen im Oberkörper konnte sie den Kampf für sich entscheiden. Das haben wir immer wieder trainiert und das war der Schlüssel zum Erfolg.“ Athletik-Trainer Bernd Fernengel ergänzt: „Dank ihrer hervorragenden Physis konnte sie einem Druck standhalten, der andere Kämpferinnen in die Knie gezwungen hätte! Ich bin sehr stolz auf sie!“

Nikki Adler vereint nun die vier Titel WBC, WBF, WBU und WIBA. Der neue Stern am Boxhimmel leuchtet strahlend hell und will mehr! Wie geht es weiter? „Es war das beste und schönste Jahr meiner Karriere, aber jetzt möchte ich nur noch eins: Plätzchen backen und alle Leckereien der Weihnachtszeit genießen!“ Drei Monate Diät sind einfach genug. Nach dem Weihnachtsurlaub werden dann gemeinsam mit dem Management ITS-Promotion neue Pläne geschmiedet: Promoter Slawa Tschibisow: „Ich bin begeistert von Nikki. Sie hat ein Kämpferherz und trainiert sehr hart. Als Nummer 1 wird sie wieder auf die Jagd gehen im neuen Jahr: IBF, WBO, WBA – da ist noch viel zu holen! Aber jetzt wird erst einmal gefeiert.“

Bewerten Sie diesen Beitrag