Interview mit Weltergewichts Junioren WM Deniz Ilbay


Links - Deniz Ilbay, in der mitte Mike Ness, Frontmann der Band Social Distortion, rechts - Garip Ilbay, Vater und Trainer

Ich habe im Alter von vier Jahren mit dem Kampfsport angefangen

Wenn man in Deutschland von den jungen wilden Boxern spricht, fallen zuerst die Namen Vincent Feigenbutz, Tom Schwarz, Enrico Kölling und Tyron Zeuge. Ganz selten wird dabei Deniz Ilbay genannt, obwohl der junge Kölner 3-fach Junioren WM im Weltergewicht ist und auf eine makellose Bilanz von 13 (7 KOs)- 0 zurückblicken kann.

Deniz konnte ich das erste mal im Rahmen des WM Kampfes von Robert Stieglitz im Oktober 2013 in Leipzig sehen, als er gegen den damals ungeschlagenen Lokalmatador Steffen Sparborth einen fulminanten KO Sieg in Runde 6 landete und einen der besten Kämpfe an diesem Abend ablieferte.

Nachfolgend war Deniz so freundlich ein paar Fragen über sich, sein Training und seine Zukunft zu beantworten.

Hallo Deniz, stell dich doch bitte erstmal unsren Lesern vor, der ein oder andere kennt dich vielleicht noch nicht.

Hallo liebe Leser 🙂 Meine Name ist Deniz Ilbay, ich bin 20 Jahre jung.

In welchem Alter hast du mit dem Boxen bzw. dem Kampfsport im Allgemeinen angefangen?

Ich habe im Alter von vier Jahren mit dem Kampfsport angefangen. Vorerst bin ich beim leicht Kontakt im Kickboxen gelandet.

Mit 5 bestritt ich meinen ersten Kampf.

Nach der Zeit bin ich dann zum Amateur Thaiboxen gewechselt wo ich einige deutsche Meisterschaften gewinnen konnte. Im Alter von 12 Jahren bin ich dann ins Thaiboxen Vollkontakt gewechselt. Heißt ohne Schoner bloß mit Handschuhe und Mundschutz. Meinem Vater und zugleich meinen Trainer, war klar das ich mich im jungen Alter gegen ältere Gegner stellen muss, was wir dann auch getan haben.

Kannst du bereits auf eine Amateurkarriere zurückblicken, bzw. wie sieht dein Kampfrekord dabei aus?

Zum Thema Amateurkarriere: So bezeichne ich meine Thaibox Laufbahn als meine Amateur Karriere.

Ich glaube kein Schlag der Welt ist so hart wie ein Knie. Meine Amateurkarriere lässt sich daher in 80 Thaiboxkämpfen zusammenfassen wovon ich auf zwei Niederlagen zurückblicken kann.

Im Team Ilbay wirst du ja von deinem Vater trainiert, ist es für dich einfacher mit jemandem zu trainieren, den du 100% trauen kannst, oder ist die private Komponente manchmal hinderlich, dich frei zu entfalten?

Diese Frage bezüglich meines „Trainers“ wird mir immer gestellt.

Ich glaube ich beantworte sie diesmal anders als sonst. Wenn man sich die großen Jungs wie Mayweather, Roy Jones Jr., Robert Guerrero oder für mich zurzeit der Knaller überhaupt der zweifache Olympia Sieger Vasyl Lomachenko anschaut, habe ich diese Frage glaube ich beantwortet.

Die Jungs werden alle von ihren Vätern oder Familienmitgliedern trainiert.

Und ich glaube wenig Erfolg haben die damit nicht.

Aber um auf meine persönliche Antwort zurück zu kommen, es ist keines Wegs ein Nachteil. Klar gibt es ab und an Unstimmigkeiten aber der klügere, in dem Falle ich (lacht), gibt nach.

Privates und berufliches, oder wie wir es sehen, sportliches, verbinden wir nicht mehr. Da haben wir den Dreh seit langem raus.

Gibt es für dich persönlich sportliche Vorbilder an denen du dich, bzw. mit deinem Stil orientierst?

Ein wirkliches Vorbild habe ich nicht. Ich schaue mir von allen Boxern etwas ab und versuche meinen eigenen Stil zu entwickeln. Die ersten 2 Runden so, die nächsten 3 so und die nächsten 4 wieder anders. Immer für eine Überraschung bereit.

Außerdem schaue ich mir nicht nur den Stil verschiedener Kampfsportler an sondern auch ihre mentale Stärke. In dem Punkt habe ich viel von meinem Stall Kollegen Abu Azaitar (Deutschlands Nr.1 im Weltergewicht, MMA)  und unserem Freund Mairbek Taisumov der am 20. Juni in Berlin bei der UFC Fight Night kämpft. Die zwei sind mental so stark wie keine anderen.

Wenn es die Möglichkeit gäbe, gibt es dann einen oder mehrere ehemalige Boxer gegen die du gern mal kämpfen würdest?

Ich würde so vielen Boxern gerne mal im Ring gegenüber stehen, ich bin eigentlich nicht so der Typ der in der Öffentlichkeit irgendwelche Namen nennt, aber irgendwann bricht das Eis mal. In Deutschland gibt es zwei Boxer, Rico Müller und Jack Culcay. Es sind beides sehr starke Boxer deren Schwächen ich schon seit Jahren studiere.

Aber was soll ich sagen. Heutzutage kriegt man erst einen Kampf gegen so top Leute wenn das „Angebot“ stimmt.

Ich mit meinen erst 20 Jahren komme aber aus der Zeit wo man einfach gegen die besten boxt, und leider bin ich kein Millionär.

Wie sehen deine kurzfristigen Pläne aus? Ein Duell mit der #1 im Weltergewicht Rico Müller? Oder erstmal deine Junioren Titel verteidigen?

Ich denke Rico sollte sich jetzt erstmal auf seinen nächsten kämpf konzentrieren da sein Gegner ein gestandener Boxer ist. Ich werde meine Titel auch erstmal verteidigen. Aber wer weiß, vielleicht kann man dieses Jahr noch herausfinden wer die wirkliche Nummer 1 in Deutschland ist.

Ich glaube das würde den Leuten gefallen ein Kampf zwischen ihm und mir.

Ist es schwierig ohne großen Promoter im Rücken wie Sauerland oder SES die Aufmerksamkeit in Deutschland zu bekommen, die einem erfolgreichen Boxer zusteht, oder lässt du lieber deine Erfolge für dich sprechen und den Rest auf dich zukommen?

Natürlich ist es schwierig. Ohne TV-Vertrag kommst du leider nicht weit.

Aber ich sage immer alles hat einen Grund wieso ich noch keinen großen Vertrag von irgend einem Boxstall bekommen habe. Man schaue sich Golovkin und Maidana an. Waren beide anfangs bei Universum. Waren dann angeblich nicht gut genug und wurden auf gut Deutsch rausgeschmissen. Und jetzt?!?! Zählen sie zu den Top 5 Boxern ihrer Gewichtsklasse.

Kommt Zeit, kommt Rat. Wie sagt ein guter Freund von mir. Es gibt 2 Türen, eine ist immer auf: die nach unten. Aber die Tür nach oben, dafür brauchst du Geduld und harte Arbeit.

Ich denke 1-2 Kämpfe noch und vielleicht habe ich dann das Glück auf meiner Seite und bekomme einen Vertrag.

Ich meine viel will ich nicht, ich möchte bloß boxen und die Leute begeistern für meine Gewichtsklasse. Alles andere, wie Geld und Erfolg kommt von alleine.

Zum Schluss ein großes Dankeschön für deine Antworten und weiterhin viel Erfolg auf deinem Weg, die letzten Worte sollen natürlich dir gehören!

Ich danke euch für dieses Interview.

Das ihr euch Zeit nehmt.

Mit den letzten Worten habe ich es nicht so (lacht).

Ich bedanke mich einfach bei all den Leuten, die seit Beginn an mich glauben, mich unterstützen, egal ob es finanziell für meine Trainingslager sind oder einfach jeden Tag mit stärkenden Worten.

Danke !!!