Exklusiv-Interview: Firat Arslan

Firat Arslan beantwortet Fragen der Boxing.pro-Leser

Exklusiv-Interview unserer Boxing.pro Mitarbeiterin Sandy Spiess

Firat Arslan (42), ehemaliger WBA-Cruisergewichtsweltmeister, steht vor dem wohl wichtigsten Rematch seiner Karriere. Am kommenden Samstag, den 14. September 2013, trifft er in Stuttgart erneut auf den WBO-Titelträger und Stallkollegen Marco Huck (28). Kurz vor diesem mit Spannung erwartenden Duell hat sich Firat Arslan Zeit genommen einige Fragen der Boxing.pro-Leser zu beantworten. Hier sind die Antworten:

Wie groß war der Felsbrocken der dir vom Herzen gefallen ist als du erfahren hast ein Rematch mit Marco Huck zu bekommen?

Firat Arslan:  „Daran habe ich eigentlich nie gezweifelt. Schon direkt nach dem ersten Kampf haben mir Marco und der Sauerland-Stall ja einen Rückkampf versprochen. Und ich war mir sicher, dass sie Wort halten. Trotzdem rechne ich das Marco hoch an.“

Hast du dich im eigenen gewohnten Umfeld (eigenes Gym) vorbereitet? Oder hast du wie viele andere, zum Feinschliff das Sauerland Gym in Berlin in Anspruch genommen?

Firat Arslan:  „Nein, ich habe die komplette Vorbereitung bei mir im Gym absolviert. Da habe ich alles, was ich benötige, da fühle ich mich am wohlsten.“

Mich würde interessieren was du  im Kampf bzw. von Marco Huck erwartest. Glaubst du dass es schwieriger wird weil Marco Huck diesmal weiß was auf ihn zukommt und sich besser vorbereitet hat, oder glaubst du dass der Kampf eine Kopie und somit ein Szenario wie beim letzten Mal wird?

Firat Arslan:  „Das wird man am 14. September sehen. Aber ganz ehrlich: Ich glaube schon, dass er auch beim letzten Mal gut vorbereitet war. Und letztlich kann ich ja so oder so nicht beeinflussen, was Marco macht oder nicht macht. Ich konzentriere mich nur auf mich und meine Leistung. Was ich für einen Kampf erwarte? Einen, der den Zuschauern sicher Spaß machen wird, da bin ich mir sicher.“

Wie lautet deine Prognose für den Fight: Gibt es ein „K.O.-Versprechen“? Kannst du sagen in welcher Runde du vorhast den Kampf vorzeitig durch K.O. zu beenden (damit nicht wieder geschummelt wird wenn die Punkte verteilt werden)? Oder wird ein souveräner Punktsieg angestrebt?

Firat Arslan: „Wer mich kennt, weiß, dass ich keiner bin, der vor dem Kampf große Töne spuckt. Ich kann nur eines sagen: dass ich in der Vorbereitung alles getan habe, um den Kampf erfolgreich gestalten zu können. Ich glaube an meinen Sieg.“

Marco Huck hat in seinem letzten Kampf gegen Ola Afolabi souverän und überzeugend gewonnen. Man sagte sogar „es war der Beste Huck aller Zeiten“. Hat dich und dein Team diese Entwicklung irgendwie aufgeschreckt oder umdenken lassen was die Vorbereitung und deine Strategien betrifft?

Firat Arslan:  „Nein. Natürlich war das eine gute Leistung von Marco. Aber jeder Kampf ist anders. Und wie gesagt: Ich konzentriere mich auf meine Leistung. Denn nur darauf habe ich einen Einfluss.“

Verrätst du uns ob du dieses Mal etwas anderes besonderes gemacht hast in der Vorbereitung z.B. deine Taktik geändert?

Firat Arslan: „Ich habe so intensiv und hart trainiert wie immer. Aber natürlich lernt man immer wieder dazu und verändert oder optimiert vielleicht auch mal was. Das ist ja völlig normal.“

Ulli Wegner hat dich bei einer Pressekonferenz gewarnt „dass du deinen starken Aufwärtshaken dieses Mal nicht bringen brauchst“, weil sie ja jetzt wüssten wie gefährlich diese sind. Hat dich diese Aussage in deiner Taktik etc. irgendwie beeinflusst?

Firat Arslan:  „Überhaupt nicht. Ich bin jetzt seit 25 Jahren Profiboxer, da lasse ich mich innmeinem Handeln nicht von Aussagen auf einer Pressekonferenz beeinflussen.“

Wo siehst du die Schwächen von Marco Huck, welche Lücken wirst du suchen und für dich nutzen wollen?

Firat Arslan:  „Auch da gilt: Ich konzentriere mich nicht so sehr auf Marcos etwaige Schwächen – sondern auf meine Stärken. Ich bin allerdings überzeugt davon, dass wir im Ring auf alles die richtige Antwort finden können.“

Erwartest du einen „sauberen“ Kampf nachdem es beim letzten Mal u.a. Tiefschläge gegeben hat?

Firat Arslan:  „Das hoffe ich sehr. Beim letzten Mal habe ich einige Tiefschläge abbekommen – ohne, dass sie geahndet wurden. Ich glaube jedoch nicht, dass dies ein zweites Mal passieren wird.“

Nachdem du beim Urteil nach deinem letzten Kampf natürlich emotional aufgeladen warst und Betrug mutmaßtest, ob du diesmal davon ausgehst ein faires Punkturteil zu bekommen(sollte es über die runden gehen)? Auch in Hinblick dass du nun ja auch bei Sauerland unter Vertrag bist?

Firat Arslan: „Erst einmal habe ich persönlich niemandem Betrug unterstellt – das klarzustellen, ist mir schon wichtig. Ich habe nur gesagt, dass dieses Urteil nicht gerecht war. Und da hat mir ja fast jeder recht gegeben. Aber weißt Du: Ich bin überzeugt davon, dass am Ende immer die Gerechtigkeit siegt.“

Wenn das Punkturteil wieder unfair für dich ausgeht, bleibst du trotzdem bei Sauerland?

Firat Arslan:  „Ich hoffe und denke, dass es dieses Mal ein faires Urteil geben wird.“

Hast du seit deinem Wechsel zu Sauerland Begegnungen mit Marco Huck gehabt? Wie ist die Stimmung zwischen euch, vor allem nach dem „Fehlurteil“? Oder geht ihr euch aus dem Weg?

Firat Arslan: „Wir verabreden uns nicht, gehen uns aber auch nicht aus dem Weg. Wenn wir uns am Rande eines Kampfes oder bei den Pressekonferenzen begegnen, ist der Umgang ganz normal.“

Du boxt in Stuttgart – nahe deiner Heimatstadt. Inwiefern freut es dich in heimischer Kulisse zu boxen?

Firat Arslan: „Klar ist es toll, dass wir dieses Mal quasi vor meiner Haustür boxen. Aber ich wäre auch noch mal in Marcos Heimat oder an jedem anderen Ort der Welt angetreten. Mein Ziel ist es, noch einmal Weltmeister zu werden – egal, wo.“

Mich würde brennend interessieren, ob du die Chance nutzt bei einem möglichen Sieg sich als Weltmeister vom heimischen Publikum zu verabschieden und deine Boxhandschuhe an den Nagel hängst – oder ob es solche Gedankenspiele überhaupt nicht gibt und du einen möglichen WM-Titel unter allen Umständen verteidigen möchtest / wirst.

Firat Arslan:  „Ein klares Nein! Ich denke nicht ans Aufhören. Solange ich topfit bin, werde ich weitermachen! Die Leute haben mich schon mit 37 Jahren als Box-Opa tituliert und gefragt: Wie lange noch? Mittlerweile bin ich 43 Jahre alt und fühle mich keinen Millimeter schlechter als vor 25 Jahren. Bernard Hopkins macht es doch gerade vor. Er ist Weltmeister, mit 48 Jahren. Da ist 42 doch noch kein Alter (lacht). Vor allem, wenn man einen wie meinen Fitnesstrainer Ted Lackner um sich hat. Ted ist 65 Jahre alt, kein Profi, aber trainiert jeden Tag – eisenhart, aus purer Leidenschaft. Ich habe also noch ein paar gute Jahre vor mir.“

Was wären deine weiteren Wunschgegner (unabhängig davon ob du den kommenden Kampf gegen Huck gewinnst oder nicht)?

Firat Arslan:  „Damit beschäftige ich mich nicht eine Sekunde. Ich konzentriere mich nur auf den Kampf gegen Marco, alles andere wäre fahrlässig.“

Trotz deinem Wechsel zum Boxstall Sauerland hast du – soviel wir wissen – dein Team beibehalten. Könntest du dir vorstellen trotzdem mal unter Ulli Wegner zu trainieren?

Firat Arslan: „Ich habe allergrößten Respekt vor Ulli Wegner, den ich enorm schätze. Er ist einer der besten Trainer der Welt. Aber das war und ist für mich kein Thema. Ich habe ein tolles Team, das im Laufe der vielen Jahre zusammengewachsen ist. Das sind alles Freunde von mir, die immer zu mir gehalten haben. So etwas ist unbezahlbar.“

Zum Abschluss hast du hier noch die Gelegenheit ein Paar Worte an die bzw. deine Boxfans zu richten:

Firat Arslan: „Ich möchte all jenen danken, die mich immer unterstützt und an mich geglaubt haben. Und ich hoffe, dass wir am 14. September zusammen jubeln dürfen.“

Herzlichen Dank an Firat Arslan und sein Team für das beantworten dieser Fragen!! Wir wünschen Firat Arslan viel Glück und Erfolg beim Kampf.

Bewerten Sie diesen Beitrag