Christian und Luke

Fight for Peace

Fight for Peace in Hamburg, London und Rio

Ein Bericht von Wolfgang Weggen

Zuckerhut, Copacabana, Karneval und schöne Mädchen – so stellt sich der Urlauber Rio de Janeiro vor. Das ist die eine, die schöne Seite der brasilianischen Stadt am Atlantik. Christian Görisch (42) hat das Land in Südamerika anders kennengelernt, von seiner bösen Seite. Der Boss von BOX-OUT Hamburg wurde bei seinen Besuchen in mehreren der 17 Faveles, den Armenquartieren der Stadt, mit Drogenhandel, offenem Waffenbesitz, bitterer Armut, Bildungsnotstand und roher Gewalt direkt konfrontiert. „Es ist für uns in Europa einfach unvorstellbar, was hier Tag für Tag abgeht. Ich bin geschockt, brauche sicher noch viel Zeit, um meine tiefgreifenden Eindrücke wirklich verdauen zu können“.

Dabei war der Box-Boss doch eigentlich nur nach Südamerika gekommen, um hier Kontakte zu knüpfen mit den Machern von Fight for Peace, die in Rio in ihren FFP-Boxakademien Jugendliche betreuen, erziehen, sie ganz einfach auf das Leben da draußen vorbereiten – auch oder gerade durch das Boxen. Görisch: „Die Statistik zeigt, dass in Rio de Janeiro zwischen 1987 und 2001 allein 3937 Kinder durch Wafengewalt ums Leben kamen. Umgerechnet bedeutet das: Fast täglich stirbt ein Kind durch Waffengewalt“.

Kein Vergleich also zu Hamburg. Aber auch hier gibt es Gewalt. Sogar oder besonders an Schulen. BOX-OUT, der gemeinnützige Verein wurde 2007 gegründet, hat den Kampf gegen die Gewalt aufgenommen. In mehr als 30 Schulen unterrichten zur Zeit BOX-OUT-Trainer Jungen und Mädchen. Tendenz steigend. Die Nachfrage ist groß. „Unsere Arbeit ist eine Initiative zur Gewaltprävention an Schulen, für den Abbau von Bildungsbarrieren und zur Förderung der Integration“, so Görisch. „Das stellt uns natürlich vor große Aufgaben, denn schließlich muss alles finanziert werden“.

Trainer wie Ex-Europameister Mahir Oral, Olympiaboxer Vardan Zakarjan, Ex-Schwergewichtsmeister Lukas Schulz, Horst Berlin, David Kielski und Sebastian Zieske zeigen den Schülern aber nicht nur wie man einen perfekten Leberhaken schlägt, nein, hier geht es auch um die persönliche Entwicklung des Einzelnen, um Werte wie Disziplin, Pünktlichkeit, Fairness, Steigerung des Selbstbewusstseins. „Ganz wichtig natürlich ist die Bildung. Ohne Bildung haben die jungen Leute keine Chance im Leben“, so Görisch. „Wir helfen ihnen bei den Schularbeiten, wir besorgen ihnen Praktika- und Lehrstellen, helfen so bei dem Einstieg ins Berufsleben“.

Ähnlich läuft es in Rio und London, wo Fight-for-Peace-Gründer Luke Dowdney Akademien aufbaute. Der englische Forscher machte 1995 seinen Master in Sozialanthropologie an der Universität Edinburgh, schrieb in seiner Dissertation über die Gewalt von Straßenkindern in Brasilien, speziel im brsilianischen Recife im Nordosten des Landes. Als Freiwilliger arbeitete er seit 1997 für die nichtstaatliche Organsiation Viva Rio. Ziel: Eine Alternative zu bilden zu der Gewalt mit Waffen, zum Drogenhandel.

2000 gründete der 41-Jährige dann Luta Pela Paz (Kampf für den Frieden). Durch seine Liebe zum Sport, speziell zum Boxen, suchte und fand der ehemalige englische Hochschulmeister von 1995 den Zugang zu den Kids. Ziel: In einem ganzheitlichen Projekt Boxen und persönliche Entwicklung des Einzelnen schulen und fördern! Jedes Jahr arbeitet seine Organisation mit 2250 Jugendliche zwischen 7 und 29 Jahren. Zusätzlich zu Rio eröffnete Luke Dowdney 2007 eine Academy für den Frieden in London.

Finanziell unterstützt wir Fight for Peace hauptsächlich von der Laureus-Stiftung, für die sich auch die Klitschko-Brüder und Boris Becker engagieren sowie von der IKEA-Foundation. Seitens des brasilianischen Staates fließen nur ganz geringe Mittel für die gute Sache.

Für Macher Görisch, der sich mit Dowdney in Rio traf, steht fest: „Wir haben so viel Gemeinsamkeiten und gleiche Ziele, dass wir eine Kooperation Fight for Peace mit BOX-OUT eingehen wollen. Ich habe Luke meine Ideen und Vorschläge jetzt schriftlich mitgeteilt. Ich bin sicher, in absehbarer Zeit wird es eine Akademie Fight for Peace Germany in Hamburg geben“.

So ganz nebenbei kann sich daraus auch noch eine interessante sportliche Variante für Hamburgs Amateurboxer entwickeln. Görisch: „Ich kann mir sehr gut vorstellen, mit Hamburgs Stadtauswahl zu Städtekämpfen nach Rio und London zu fliegen“!