Das große BOXEN1-Portrait: Markus Beyer

Das große BOXEN1-Portrait: Markus Beyer

Foto: Marianne Müller
Foto: Marianne Müller

Er ist einer der erfolgreichsten deutschen Boxer aller Zeiten: Markus Beyer! Dreimal war er Weltmeister des wohl prestige-trächtigsten Weltverbandes WBC. In seiner langen Karriere als Aktiver setzte der in Erlarbrunn geborene Sachse viele Glanzlichter. Am 28. April feierte er seinen 46. Geburtstag. BOXEN1 besuchte Markus Beyer in seiner Heimat Schwarzenberg und sprach mit dem Ex-Weltmeister über seine große Vergangenheit und sein heutiges Leben.

Vom Fußball-Talent zum Box-Star

Markus Beyer zusammen mit Papa Siegfried / Foto: Markus Beyer privat
Markus Beyer zusammen mit Papa Siegfried / Foto: Markus Beyer privat

Das Boxen bekam Markus Beyer schon in die Wiege gelegt. Denn Papa Siegfried war selbst ein talentierter Boxer und späterer Trainer. So erlernte der „kleine“ Markus den Faustkampf von der Pieke auf. Doch auch in anderen Sportarten zeigte er in jungen Jahren durchaus Talent. So versuchte er sich in Ski-Langlauf und Fussball. Gerade als Kicker war Beyer sehr ambitioniert. Dennoch packte ihn die Leidenschaft und der Ehrgeiz zum Boxen.

„Beim Fußball ist man immer auch auf seine Mitspieler angewiesen. Im Boxring hat man alles in den eigenen Händen und ist nur auf sich selbst angewiesen!“, beschreibt Beyer seine einstigen Beweggründe. Bereits mit 8 Jahren bestritt er seinen ersten Amateurkampf. Mit 13 Jahren kam Beyer in die Sportschule bei „Wismut Gera“. Bereits in dieser Zeit, machte er erste Bekanntschaft mit seinem späteren Profi-Coach Ulli Wegner.

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Markus Beyer beim Training im Box-Club Erzgebirge / Foto: privat

Von nun an ging es steil bergauf. Markus Beyer wurde mehrfacher DDR-Meister im Jugend- und Männerbereich. Seinen bis dahin größten Erfolg schaffte er 1988, als er in Danzig (Polen) Junioren-Europameister im Fliegengewicht wurde. Noch im selben Jahr schlug er (den späteren Amateur-Weltmeister und Bezwinger von Oscar De La Hoya) Marco Rudolph im, wesentlich schwereren, Federgewicht. Als dann 1989 der historische Mauerfall folgte, stand die weitere Laufbahn für den damals 18-jährigen Markus Beyer vorübergehend im Ungewissen!

„Für mich stand schon zu DDR-Zeiten fest, dass ich 1992 unbedingt bei den olympischen Spielen in Barcelona boxen wollte. Aber dass ich eines Tages einmal Profiboxer werde, war vor der Wende natürlich nicht abzusehen. Ursprünglich war für mich ein Sport-Studium als Sportlehrer geplant, um nach meiner Zeit als Aktiver, in die Trainer-Schiene einzusteigen.“

Große Ehre - Beyer zusammen mit Muhammad Ali / Foto: Markus Beyer privat
Große Ehre – Beyer zusammen mit Muhammad Ali / Foto: Markus Beyer privat

Im Jahr 1992 erfüllte sich sein Traum vom olympischen Einsatz in Barcelona. Jedoch musste er sich schon im Achtelfinale dem bärenstarken Kubaner Juan Carlos Lemus geschlagen geben. Vier Jahre später griff Beyer erneut nach dem olympischen Lorbeer. In Atlanta (USA) konnte er bereits im ersten Kampf den dreifachen Weltmeister Francisc Vastag (Rumänien) überzeugend schlagen. Doch auch diesmal schien das Glück nicht auf Beyers Seite zu sein!

Im Viertelfinale verlor er gegen den Kasachen Yermakhan Ibraimov nach Punkten und reiste wiederrum ohne eine Medaille zurück in die Heimat. Doch schon vor den olympischen Wettkämpfen stand fest, dass Markus Beyer Ende 1996 in den Profi-Stall von Wilfrid Sauerland wechseln würde. Beyer rückblickend: „Dass ich bei meinen beiden Versuchen, eine Medaille bei Olympia zu holen gescheitert bin, war sicherlich enttäuschend. Aber nach Atlanta war mir klar, dass ich alles investieren musste, um bei den Profis so erfolgreich wie möglich zu sein.“

So kam es, dass der mittlerweile 25-Jährige, gemeinsam mit Trainer Ulli Wegner und Teamkollege Sven Ottke, in die große „Profi-Welt“ startete. Sein erfolgreiches Debut als Berufsboxer gab Beyer am 23. November 1996 in der Münchner Olympiahalle, im Vorprogramm des Abschieds-Kampfes von Henry Maske gegen Virgil Hill. Noch sehr gut kann er sich an die Stimmung an seinen ersten Profi-Fight erinnern: „Ich war sehr nervös! Es war eine Wahnsinns-Atmosphäre!“ Von nun ging es, im wahrsten Sinne, Schlag auf Schlag.

WM-Kampf in der Höhle des Löwen

markus-beyer-ulli-wegnerNach insgesamt 16 gewonnen Profi-Fights, kam es dann am 23. Oktober 1999 zu Beyers erster großer Chance. Gegen den britischen WBC-Champion Richie Woodhall ging es in Telford (England) um Alles oder Nichts. „Die Stimmung in der Halle war total aufgeladen und die Zuschauer standen natürlich voll hinter Woodhall.“, erinnert sich Beyer. „Doch ich war in einer blendenden Verfassung und wollte unbedingt Weltmeister werden!“

Schon in der ersten Runde schickte der deutsche Herausforderer den heimischen Titelverteidiger mit einer krachenden Linken zu Boden. Auch in Runde drei musste Woodhall zweimal auf die Bretter. Die Sensation bahnte sich mehr und mehr an. Nachdem Woodhall wehrlos in den Seilen hing und ein drittes Mal in den Ringstaub musste, eilte Promoter Wilfried Sauerland, im Glauben der Kampf sei schon entschieden, jubelnd in den Ring um seinen Schützling zu gratulieren. Doch der Ringrichter gab den Kampf, für viele Beobachter heute noch unverständlicherweise, wieder frei.

markus-beyer-wbc-weltmeisterWoodhall kam wieder zurück in den Kampf und bot Beyer noch ein beherztes Gefecht. Doch der Deutsche hielt durch und konnte am Ende einstimmig nach Punkten gewinnen. Beyer hat es in der Höhle des Löwen geschafft und war damit nach Max Schmeling und Ralf Rocchigiani erst der dritte deutsche Boxer, der im Land des Titelverteidigers Weltmeister wurde. Zudem war er der erste Deutsche, der im Ausland nach Punkten gewann. „Ein unglaubliches Gefühl Profi-Weltmeister zu werden! So richtig realisieren konnte ich diesen Erfolg aber erst in den Tagen und Wochen danach.“, gibt Beyer rückblickend zu Protokoll.

Als der neue Weltmeister dann seinen Titel, drei Monate später in Riesa, durch einen spektakulären Leberhaken-Ko gegen den Schweden Leif Keiski verteidigen konnte, war endgültig ein neuer Box-Held geboren! „Der neue Bubi Scholz!“, titelten die Zeitungen. Aber schon im Mai 2000 verlor Beyer seinen WBC-Titel bei dessen zweiter Titelverteidigung gegen Glenn Catley. Nach elf sehr ausgeglichenen Runden, musste Beyer nach einem Wirkungstreffer kurz zu Boden. Der Titelverteidiger kam zwar wieder auf die Beine, wurde jedoch durch den Ringrichter einige Sekunden später aus dem Kampf genommen. Der WM-Titel war dahin.

Dem Catley-Kampf vorausgegangen war eine Netzhautablösung bei Beyer, der sich, circa sechs Wochen vor dem Fight, einer Augen-OP unterziehen musste. Trotz des Handicaps, möchte Beyer seine Niederlage damit nicht entschuldigen: „Verloren ist Verloren!“

„They never come back…“

Doch Markus Beyer schöpfte wieder neuen Mut und Ehrgeiz. Nach insgesamt acht Siegen erhielt er, im April 2003 in Leipzig, wieder die Chance WBC-Champion zu werden. Gegen den Titelverteidiger Eric Lucas (Kanada) konnte sich Beyer, nach einem sehr starken Kampf auf Augenhöhe, nach Punkten durchsetzen und seinen Gürtel zurückerobern. Doch nach zwei erfolgreichen Titelverteidigungen verlor Beyer seinen Titel, gegen den Italiener Christian Sanavia, erneut. Selbstzweifel kamen ihm auf. Er zog sich den Psychologen Dr. Eckhard Winderl zur Seite. Markus Beyer hat auch heute kein Problem damit, sich damals psychologische Hilfe gesucht zu haben: „Ich war einer der ersten Profi-Sportler, der auch öffentlich dazu stand. Herr Winderl hat mir sehr geholfen!“

Markus Beyer im Kampf gegen Danny Green / Foto: Markus Beyer privat
Markus Beyer im Kampf gegen Danny Green / Foto: Markus Beyer privat

Schon vier Monate nach dem Titelverlust kam es, im Oktober 2004 in der Erfurter Messehalle, zum Rematch mit Sanavia. In der sechsten Runde schlug Beyer den Italiener schwer Ko und wurde somit zum dritten Mal WBC-Weltmeister im Supermittelgewicht. Von nun an schien Beyer mental stärker denn je zu sein! Einen seiner zweifellos besten Kämpfe, bestritt Beyer im März 2005 gegen den Weltklasse-Boxer Danny Green in Zwickau. Schon zwei Jahe zuvor stand Beyer dem Australier gegenüber und gewann, nachdem er zweimal am Boden war, durch Disqualifikation.

Von Beginn an konnte er den brandgefährlichen Green unter Druck setzen und immer wieder klare Treffer zum Körper und Kopf landen. Zu Beginn der zwölften und letzten Runde, gab es noch einen Schock-Moment. Der Titelverteidiger musste nach einem Schlaghagel Greens kurz angezählt werden. Doch Beyer bewies, dass er sich mental sehr weiterentwickelt hat und hielt durch. Beyer siegte überzeugend nach Punkten und konnte mit dieser Vorstellung viele seiner Kritiker in die Schranken weisen. „Der Sieg gegen Danny Green war definitiv eines meiner größten Highlights!“, resultiert Beyer.

Markus Beyer beim VOX "Ewige Helden" Pressetermin, im Dezember 2015. / Foto: 9EkieraM1
Markus Beyer beim VOX „Ewige Helden“ Pressetermin, im Dezember 2015. / Foto: 9EkieraM1

Nach drei Titelverteidigungen kam es dann im Oktober 2006 zur großen WM-Vereinigung gegen den ungeschlagenen WBA-Champion Mikkel Kessler in dessen Heimatland Dänemark. Nachdem Beyer in den ersten Runden gut zum Körper traf und Kessler sogar eine Rippe brach, ging der Deutsche nach einer krachenden rechten Geraden, im dritten Durchgang Ko. Das sportliche Ende schien nach dieser Niederlage sehr nah zu sein. Auch die Zusammenarbeit mit dem Sauerland-Stall war seither beendet.

Doch Beyer gelang unter der Leitung von Ahmet Öner, anderthalb Jahre später, ein siegreiches Comeback gegen den Russen Murad Makhudov. Danach war sogar ein Fight gegen den einstigen Superstar Roy Jones Jr. im Gespräch. „Gegen Jones Jr. wäre ich im Madison Square Garden sogar umsonst angetreten!“, blickt Beyer mit einem Schmunzeln zurück. Doch eine schwere Verletzung im Lendenwirbel machte ihm einen Strich durch die Rechnung und zwang ihn zum endgültigen Rücktritt als Aktiver.

Nach insgesamt 35 Siegen, bei drei Niederlagen und einem Unentschieden, kann der dreifache WBC-Weltmeister im Supermittelgewicht, letztlich durchaus zufrieden auf seine Karriere zurückschauen: „Ich bin schon stolz auf meine Erfolge und konnte mit meinen WM-Triumphen bei den Profis die Ziele erreichen, die mir bei den Amateuren bei Olympia verwehrt blieben.“

Markus Beyer – Immer noch sehr gefragt!

Markus Beyer als SAT1-Experte zusammen mit Ingo Rohrbach / Foto: Markus Beyer privat
Markus Beyer als SAT1-Experte zusammen mit Ingo Rohrbach / Foto: Markus Beyer privat

Heute, fast zehn Jahre nach dem Ende seiner aktiven Laufbahn, ist Markus Beyer immer noch sehr aktiv – wenn auch außerhalb des Boxrings. Als Experte, nicht nur für den MDR, ist er schon seit geraumer Zeit sehr gefragt bei Box-Veranstaltungen. Außerdem ist er Markenbotschafter für den Energy-Drink „LEVYOS“. In seinem heimatlichen Boxverein „Box-Club Erzgebirge“ ist er, gemeinsam mit Vater Siegfried, als Trainer aktiv. Des Weiteren gibt er hin und wieder Box-Kurse im „Robinson-Club“ im türkischen Camyuva und marokkanischen Agadir.

Auch im privaten Bereich geht es Markus Beyer wieder sehr gut. Sollte Beyer einmal nichts zu tun haben, weiß Hündin „Cookie“ den Ex-Champion auf Trapp zu halten. „Ich blicke sehr positiv der Zukunft entgegen und hoffe, dass meine Familie und ich gesund bleiben!“

Dem symphatischen Sachsen ist es zu wünschen, dass es weiterhin so gut läuft und die deutschen Box-Fans können sich freuen, Beyer als Box-Fachmann im TV auch in nächster Zeit sehen zu dürfen.

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