Yildirim glückt Härtetest gegen Edwards – Serge Michel mit fünftem Sieg im fünften Kampf

5 Monate nach seiner schmerzhaften Niederlage bekam Avni Yildirim die Chance auf Rehabilitation. Mit im Gepäck: sein neuer Trainer Sükrü Aksu
5 Monate nach seiner schmerzhaften Niederlage bekam Avni Yildirim die Chance auf Rehabilitation. Mit im Gepäck: sein neuer Trainer Sükrü Aksu

Behutsamer Yildirim zurück auf der Siegesstraße

Viele Fragezeichen standen im Vorfeld zu seinem Duell mit dem erfahrenen US-Amerikaner Derek Edwards im Raum. Wie würde sich die schwere KO-Niederlage gegen Chris Eubank Jr. im Oktober auf die Psyche des ansonsten vor Selbstvertrauen nur so strotzenden Türken auswirken und welche Schlüsse würden bezüglich seines von Aggressivität bestimmten Stils gezogen werden? Schritt 1 war der Trainerwechsel von Ahmet Öner hin zu Sükrü Aksu. Öner musste so nicht mehr in der Doppelfunktion als Manager und Coach agieren und konnte so Aksu, der in den letzten 12 Monaten bereits Manuel Charr und Agit Kabayel zu wichtigen Siegen und Titelehren führen konnte, das Feld überlassen.

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Dessen Trainingsmethoden und Taktikanweisungen spiegelten sich schon früh in Yildirims Herangehensweise wider. Gegen den sehr erfahrenen Edwards wäre der Harakiri-Stil früherer Tage auch mitnichten das sinnvollste Vorgehen gewesen, immerhin konnte dieser vor vier Jahren den späteren Weltmeister im Supermittel- und Halbschwergewicht, Badou Jack, spektakulär in Runde 1 ausknocken. Es war also durchaus Vorsicht geboten. Deshalb war es zu Beginn eher ein Abtasten der beiden Kontrahenten, bei dem lediglich Nuancen den Ausschlag in die eine oder andere Richtung gaben.

Ab der Mitte des Kampfes fand „Mr. Robot“ Yildirm vermehrt seine Distanz und konnte Nadelstich-artig kleine Kombinationen zum Körper und Kopf platzieren. Dass der Türke dabei aber weiterhin defensive Lücken offenbarte, darf nicht unerwähnt bleiben. Gegen Ende des Kampfes wurde er dann auch etwas nachlässig und ließ sich auf ein Geplänkel im Infight ein, wo der Veteran Edwards teilweise cleverer agierte und Schläge Yildirms gut mied. So konnte er im letzten Drittel noch die ein oder andere Runde ergattern, trat aber insgesamt nicht überzeugend genug auf, um den noch in der Lehrphase befindenden Yildirim ernsthaft in Bedrängnis zu bringen. Die Punktrichter sahen es schlussendlich auch klar und werteten 116-112, 117-112 und 118-110 für Avni Yildirim. Diese verteidigte damit seinen WBC International Title im Super-Mittelgewicht und rückt damit näher an einen möglichen Titelkampf gegen Weltmeister David Benavidez.
Serge Michel vs Giovanni Rijkaard

Serge Michel siegt vorzeitig gegen überforderten Gegner

Es war am Ende ein standesgemäßer Erfolg für den ehemaligen Chemiepokal-Sieger und Olympia-Teilnehmer Serge Michel, der gegen seinen holländischen Kontrahenten Giovanni Rijkaard speziell nach den ersten drei Runden praktisch ohne große Gegenwehr seine Aktionen anbringen konnte. Hinter seiner Führhand beherrschte der Bayer schon früh die Ringmitte und streute hier und da seine Aufwärtshaken zum Kopf- sowie Seitwärtshaken zum Körper ein. Rijkaard konnte lediglich eine wenige wilde Schwinger mehr oder weniger ins Ziel bringen, war aber schon nach vier Runden konditionell im roten Bereich.

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Michel musste demnach nur noch den Druck etwas erhöhen und Rijkaard in der Ringecke mit einem Trommelfeuer eindecken, Zurückschlagen war für den Holländer nicht mehr drin. So brach der Ringrichter den Kampf folgerichtig in der sechsten Runde ab. Für Serge Michel geht damit die Reise weiter, auch wenn er sich weiterhin noch mit der Umstellung von den Amateuren zu den Profis schwer tut. Zu viele Schläge kommen noch aus dem Arm und verpuffen, zu oft rückt er nach eigenen Aktionen noch gerade zurück und bietet deshalb Raum für Attacken des Gegners. Aber dies war ja auch erst sein fünfter Kampf.