Werner Kreiskott veranstaltet Kampfnacht in Wuppertal

Werner Kreiskott veranstaltet Kampfnacht in Wuppertal

WBU-Interconti-Titelfight im Schwergewicht

Exklusiv-Interview unserer Boxen1 Redakteurin Sandy Spiess

Vom Journeyman zum Titeljäger

Werner Kreiskott (36) ist ein kampfsportbegeisteter Schwergewichtsboxer aus Wuppertal. In seiner Karriere als Faustkämpfer hat er sich vom Aufbaugegner und Jorneyman zum Titeljäger entwickelt. Wir bei Boxen1 haben schon darüber berichtet.

Hier der Link:
https://www.boxen1.com/werner-kreiskott-vom-journeyman-zum-titeljaeger-3740/

Kurze Vita:

Am 14.6.14 holte sich Kreiskott den WBU-Europameistertitel von Adnan Buharalija durch einen TKO-Sieg in Runde 5.

Am 13. Dezember 2014 konnte er seine Titelsammlung erweitern, indem er in Runde 1 durch KO Tibor Balogh besiegte – und sich so den Schwergewichts-EM-Titel des Weltverbandes IBF sicherte.

Seine Bilanz weist seitdem von 41 Kämpfen 20 Siege (14 durch K.O.), 19 Niederlagen (8 durch K.O.) und 2 unentschiedene Kämpfe aus.

Werner KreiskottDas nächste Event

Nun veranstaltet Kreiskott zusammen mit seinem in der Boxszene bekannten „Fightclub Wuppertal“ eine weitere Kampfnacht, bei der der Chef persönlich wieder in den Ring steigt. Am 9. Mai 2015 findet in der Unihalle Wuppertal das Event mit gemischtem Kampfsportprogramm statt.

Tickets gibt’s im Vorverkauf für 15 und 25 €. Für spontane Kampffreunde gibt es auch eine Abendkasse. Auf den Facebook-Fanseiten vom Fightclub Wuppertal oder von Werner Kreiskott kann man sich über die Vorverkaufsstellen informieren.

Einlass ist am 9.5. in der Unihalle Wuppertal um 17 Uhr, Beginn um ca. 18 Uhr.

„The next level“ ist auch hier wieder das Motto der Veranstaltung, die Kreiskott als Boxer und Veranstalter in Eigenregie seinem Team organisiert. „Es geht um den Zugewinn des WBU-Intercont-Titels. Ich boxe sehr gerne in Wuppertal, im eigenen Wohnzimmer sozusagen. Ich hoffe dass alle mitmachen und wir Wuppertaler zusammen halten.“

Werner Kreiskott und sein Team haben ein umfangreiches Rahmenprogramm auf die Beine gestellt. „Am Abend wird es zwischen 10 bis 15 Kämpfen geben. Je nachdem wie viele mir noch absagen. Ich gehe aber von mind. 10 Kämpfen aus.

Es wird ein bunter Mix aus Kick- und Thaiboxen. Von mir, vom Fightclub wird noch mein Cousin Marco Martini um den vakanten GBA Youth Super-welterweight-Titel boxen. Außerdem gibt es eine K1-Weltmeister- und Europameisterschaft. Es wird ein gutes, gemischtes Programm für unsere Kampfsportfans.“

Die Vorkämpfe stehen unter GBA-Aufsicht. Im Hauptprogramm ist der Titelkampf um den WBU-Interconti-Titel im Schwergewicht auf 12 x 3 Minuten angesetzt. Lokalmatador Werner Kreiskott boxt unter Aufsicht des Weltverbandes WBU gegen László Toth.

Es war ja zuerst angedacht dass ich meinen IBF-EM-Titel verteidige. Leider gab es vertragliche Schwierigkeiten zwischen dem Verband, dem Gegner und mir. Die IBF-Titelverteidigung ist dann nach dem jetzigen Event mein nächstes großes Ziel.“

Eine Live-Übertragung der Veranstaltung ist nicht geplant. „Ich bin nicht so ein Freund von live-Streams. Da bleiben einige Zuschauer weg. Ich will lieber dass die Leute in die Halle kommen und nicht zuhause vor dem Fernseher sitzen.“

Das Gegner- und Titel-Roulette

Zuerst war Andras Szomor für die IBF-EM-Titelverteidigung angedacht. Leider hat er Vertragsbruch begangen und kam deshalb nicht mehr in Frage. Dann wurde von der IBF László Toth ausgesucht. Aber wegen Unstimmigkeiten der Verbände IBF und GBA wurde alles zu knapp für dieses Event im Mai. Deshalb habe ich mich mit der WBU kurz geschlossen und entschieden, den Interkontinental-Titelkampf, der für Juli geplant war, jetzt zu erboxen, damit der Sieger – der hoffentlich ich bin – am Ende des Jahres um den Internationalen Titel in Mexiko boxen darf. Zudem wollte ich mein kommendes Event im Mai nicht absagen.“

Sein nächster Kontrahent László Toth wurde – wie oben erwähnt – vom Weltverband WBU ausgesucht.

László Toth hat bisher 33 Profikämpfe bestritten, davon 21 gewonnen (15 durch K.O.) und 12 Niederlagen (11 durch K.O.) gehabt.

Für die Wettkampfvorbereitungen des Wuppertalers spielt der Name des Gegners keine große Rolle. „Ich bereite mich weniger spezifisch auf eine Person vor, sondern arbeite an meinen eigenen Stärken. Wenn das gut funktioniert, kann es egal sein, wen ich vor die Fäuste bekomme.“

Das Werner Kreiskott keinen Gegner scheut, hat er bereits in der Vergangenheit bewiesen. Er hat Namen wie Tyson-Bezwinger Danny Williams und WBA-Weltmeister Ruslan Chagaev geboxt. Teilweise sogar mit geringer Vorbereitungszeit aufgrund spontaner Kampfangebote.

Kreiskotts Gegner-Philosophie lautet grundsätzlich: „Lieber einen guten und starken Gegner boxen und da wenn´s sein muss verlieren aber dann erhobenen Hauptes den Ring verlassen, anstatt gegen ´ne Pfeife gewinnen was dann nichts wert ist! Ich suche mir auch keine Opfer aus, sondern möchte authentisch bleiben.“

Der obligatorische Freiraum für eine Kampfansage möchte Kreiskott nicht nutzen: „Ich bin bescheiden, eine Kampfansage gibt es nicht von mir. Ich hoffe natürlich auf einen fairen Kampf und auf eine gut gefüllte Halle; Wuppertal hat ein tolles Publikum. Ich danke meinen Sponsoren, meiner Frau und meinem Team die mich bis auf diesen Weg hin unterstützten.“

Werner Kreiskott - TrainingDie Vorbereitungen zum Titelkampf

Die Vorbereitungen laufen nach eigenen Angaben gut. Werner Kreiskott bereitet sich wie bei seinen letzten Kämpfen intensiv und diszipliniert vor. Wie genau die Vorbereitung abläuft, hat er so zusammengefasst:

Für diesen kommenden Kampf habe ich mich insgesamt 8 Wochen vorbereitet. Der Vorteil ist dass ich selber unter dem eigenen Dach trainieren kann, ich habe hier in meinem Fightclub Wuppertal alles was ich zum trainieren brauche. Ich mache u.a. viel Laufarbeit. Man muss als Boxer diverse Trainingseinheiten absolvieren um an den Punkt zu kommen um für 12 Runden im Ring fit zu sein.

Ich teile mir den Tag so ein, dass ich immer zwei Trainingseinheiten mache.

Morgens: Kraft- und Ausdauerarbeit, abends: Sparring- oder Pratzenarbeit.“

„Was das Sparring betrifft, das macht jeder anders. Ich mache es so dass ich mich die letzten 4 Wochen darauf konzentriere. Ich lasse mir dann die Sparringspartner kommen, und einen Trainer der mich bei den technischen Sachen unterstützt und beispielsweise die Pratzen hält.“

Als Sparringspartner hat Kreiskott u.a. den Nigerianer Gbenga „Bang Bang“ Oluokun anreisen lassen.

„Teilweise trainiere ich auch in Eigenregie, mir geht dann einer meiner Partner vom Fightclub zur Hand, Marcel Gottschalk oder Hassan Jarrayi zum Beispiel.“

Was er noch los werden möchte: „In der Vorbereitungsphase und in der Veranstaltungszeit bin ich echt ein unerträglicher Typ. Ich danke besonders meiner Frau, dass sie das mit mir aushält und mitmacht. Insgesamt bin ich sehr froh dass neben ihr auch mein gesamtes Team hinter mir steht. Das ist mir sehr wichtig. Jeder hilft mit und ohne sie wäre das alles nicht möglich.“

Karriere in Eigenregie

Kreiskott - TrainingOhne Boxstall, Promoter und Manager im Rücken kümmert sich Kreiskott selbst um seine Karriere und alle damit verbundenen organisatorischen Aufgaben und Herausforderungen.

Ich mache alles alleine. Deshalb muss ich zwar mega viel organisieren aber ich habe einfach keinen Bock auf Promoter die mehr verdienen als der, der im Ring steht. Ich habe versucht meine eigene Karriere selbst in die Hand zu nehmen und gebe mein Bestes, mich nach oben hoch zu arbeiten.

Zum Glück habe ich auch einige Sponsoren und Freunde an meiner Seite, die an mich glauben und mich unterstützen. Somit kann ich von diesem Punkt her meine Karriere einigermaßen selbst steuern und Pläne wie die kommende eigene Veranstaltung umsetzen.“

Neben den harten Wettkampfvorbereitungen betreibt Kreiskott seine eigene Kampfsportschule und die damit verbundenen Arbeiten parallel dazu weiter. Business as usual lautet das Motto. „Der Betrieb im Fightclub Wuppertal läuft trotz Kampfvorbereitungen ganz normal weiter. Meine Freunde Marcel Gottschalk und Hassan Jarrayi unterstützen mich hierbei und halten mir den Rücken frei. Meine Frau Olga unterstützt mich auch wo es nur geht.“ Dass trotz der eigenen sportlichen Aufgaben und Ziele auch sein Betrieb weiter läuft, ist durchaus erwähnenswert. Kreiskotts bescheidene Devise: „Das Leben geht immer weiter, egal was ist. Meine Kurse, die Wettkämpfe meiner Leute und der Schulbetrieb werden am Laufen gehalten. Genau das sagt man mir als guter Ruf nach, und darauf bin ich stolz.“

„Ich bin neben meinem Team und meiner Frau Olga auch meinen Eltern sehr dankbar für ihre Unterstützung. Vor allem mein Vater nimmt mir wichtige Büro-Arbeit vom Fightclub ab. Das ist eine riesen Entlastung für mich, damit ich mich voll auf mein Training konzentrieren kann.“

Zukunftspläne – die Verteidigung des IBF-EM-Titels

Wie sehen die Zukunftspläne aus? „Ich denke immer nur von Kampf zu Kampf und rede nie groß rum dass ich jetzt beispielsweise als nächstes Klitschko umhaue. Da bleib ich bescheiden.

Wenn dieser Kampf gut ausgeht für mich, dann werde ich dieses Jahr noch mal ein großes Event haben in dem ich dann meinen IBF-EM-Titel verteidige.“ Der IBF-Weltverband hat Kreiskottt aufgrund der Unstimmigkeiten bis Ende September, also 9 anstatt die üblichen 6 Monate Zeit gegeben den IBF-EM-Titel zu verteidigen. „Und natürlich träume ich von dem Titelkampf in Mexiko, Ende des Jahres.“

Abschluss mit der Vergangenheit – soziales Engagement

Ich habe mit meiner Vergangenheit abgeschlossen. Ich war nicht immer auf dem richtigen Wege wie ich es heute bin. Wie auch viele wissen, war ich eine Zeit lang inhaftiert, da stehe ich dazu. Nun engagiere ich mich in meinem Fightclub vor allem gerne für Jugendliche, auch diejenigen, die aus einem sozialen Brennpunkt kommen und/oder sich die Beiträge nicht leisten können. Es ist mir wichtig zu wissen dass meine Jugendlichen hier eine Möglichkeit haben her zu kommen, mit mir über alles reden können, in mir eine Respektsperson zu haben, und sie sich hier austoben können. Besser als auf der Straße zu sitzen und auf dumme Gedanken zu kommen.“

Zum Schluss möchte ich all meinen genannten Unterstützern und meinen Fans danken. Ohne sie wäre all dies nicht möglich.“

Vielen Dank an Werner Kreiskott für das freundliche Interview mit Boxen1.com!

Fotos: Werner Kreiskott