
Die Anfänge, Henry Maske und das vorläufige Ende
Anfangen wollen wir mit dem Duell der deutschen Schwergewichtslegenden Schmeling und Neusel, die sich Anfang der 1930er Jahre vor sage und schreibe 102.000 Zuschauern gegenüber standen – das ist bis heute unerreichter Rekord.

Die deutsch-deutschen Duelle gab es auch weiterhin, doch das Größte bzw. Bekannteste und Umstrittenste, dürfte zugleich das absolute Highlight der 1990er Jahre gewesen sein: das erste Aufeinandertreffen von Henry Maske und Graciano Rocchigiani in der Dortmunder Westfalenhalle. In einem umstrittenen Kampf, bezüglich der Scorecards der Judges, behielt jedoch der IBF-Weltmeister von 1993 und Goldmedaillengewinner der Olympischen Spiele 1988 in Seoul, Henry Maske die Oberhand und auch hier war das Boxen medial in aller Munde, bis Maske auch den Rückkampf im Oktober gewann.
Doch bereits Mitte der 2000er Jahre war man bei Universum und Sauerland nicht mehr bereit, diese Risiken einzugehen und somit wurden solche Duelle lange Zeitvernachlässigt.
Jüngere Vergangenheit – Abraham vs. Stieglitz, Huck vs. Arslan


Auch die beiden Ringduelle von Marco Huck und Firat Arslan bleiben weiter in Erinnerung, denn beim ersten Duell hätte der Sieger auch Firat Arslan heißen können, ehe Huck beim zweiten Mal klar gewann. Und wie immer war es auch hier so: Publicity, Aufmerksamkeit, sehr gute Einschaltquoten und Menschen, die begeistert waren. Das sollte als kleine Einleitung dienen, ehe wir nun den Blick auf hoffentlich zukünftige Duelle werfen.
Teil 1 – Die schweren Jungs, deutsch-deutsche Duelle im Königslimit mit Tom Schwarz, Albon Pervizaj, Burak Sahin, Senad Gashi, Michael Wallisch, Agit Kabayel, Marco Huck und Manuel Charr
Tom Schwarz (21-0, 13 KOs) vs. Albon Pervizaj (9-0, 7 KOs)

Tom Schwarz (21-0, 13 KOs) vs. Senad Gashi (16-1, 16 KOs)

Michael Wallisch (19-0, 12 KOs) vs. Erkan Teper (19-2, 12 KOs)


Agit Kabayel (18-0, 13 KOs) vs. Marco Huck (41-5-1, 28 KOs)

Der EBU-Europameister Kabayel gegen „Aufsteiger“ Marco Huck – das wäre zweifelsohne die Königspaarung in dieser Gewichtsklasse. Auf der einen Seite der Shootingstar Kabayel, dem sich mit dem Sieg über Dereck Chisora in Monte Carlo nach und nach alle Türen öffnen werden und auf der anderen Seite der Routinier Marco Huck, der neuerdings im Schwergewicht antritt und zuletzt den Koblenzer Yakup Saglam nach vier Runden bezwingen konnte.

Da sich Huck im Schwergewicht noch einmal „Hüftgold“ umschnallen möchte, wäre das um in der Rangliste weiter nach oben zukommen, eine Paarung die ihm sehr gut zu Gesicht stünde. Das Risiko für Kabayel wäre durchaus größer, als es bei Huck der Fall ist. Bei einer klaren Niederlage würde er in den Ranglisten zurückfallen und seinen Europameistertitel verlieren. Sollte er allerdings gewinnen, wäre eine Top 10-Platzierung bei Boxrec garantiert und damit würde zeitnah ein weiterer Titelfight ins Haus flattern, z.B. gegen den in Deutschland lebenden Syrer Manuel Charr!
Technisch dürfte Huck dem 25-jährigen Kabayel nichts entgegenzusetzen haben. Körperlich sind die Vorteile ebenfalls bei Kabayel, denn der zählt vom Gewicht her zu den wirklich schweren Jungs. Einzig die Erfahrung und die Schlagkraft könnten bei Huck Vorteile bieten. Ein weiteres Duell, bei dem es im Vorfeld keinen eindeutigen Favoriten geben würde.
Agit Kabayel (18-0, 13 KOs) vs. Manuel Charr (31-4, 17 KOs)

Denn die „Unbekanntheit“ der heimischen Boxer bei der großen Masse, dürfte der größte Grund sein, weshalb sich momentan viele nicht für Boxen interessieren können. Rein von den Fakten die sich uns bieten ist der SES Mann Kabayel gleichauf in Punkto Körpergröße und beim Kampfgewicht. Doch der große Vorteil von Charr liegt in der Erfahrung des 33-jährigen Syrers. Er hat definitiv die größeren Namen geboxt und verfügt über 120 Ringrunden mehr als Kabayel. Von der Schlagkraft her dürften beide in etwa gleichauf liegen. Das stünde dem Duell Kabayel vs. Huck zumindest in nichts nach.
Marco Huck (41-5-1, 28 KOs) vs. Alexander Dimitrenko (41-3, 26 KOs)

Ebenfalls ein „Traumduell“ für die deutschen Boxfans mit ungewissem Ausgang, auch wenn es unwahrscheinlich erscheint, dass es zustande käme. Doch dieses Duell wäre mit Sicherheit auch im Ausland vermarktbar und würde dementsprechend Aufmerksamkeit erzeugen. Körperlich ist „Sascha“ Dimitrenko klar überlegen, 13 cm größer und 12 cm mehr Reichweite. Dort dürfte für Huck auch die Crux liegen, es würde für ihn schwer werden in den Infight zukommen – doch sollte ihm das gelingen, dann dürfte es mit fortschreitendem Kampfverlauf nur einen Sieger geben und das wäre aufgrund größerer Reserven, der „Käptn“!
Erfahrungstechnisch ist Huck sowieso jedem in Deutschland momentan überlegen. Mehr als 13 Verteidigungen seines Gürtels im Cruiser sprechen für sich. Von der Schlagkraft her, spricht ebenfalls einiges für Huck, wenngleich im Schwergewicht die Vergleichswerte bislang fehlen.
Ausblick auf weitere Talente und Schlusswort
Sicherlich gäbe es auch noch interessante andere Duelle im deutschen Schwergewicht. Man denkt dort vor allem an Edmund Gerber, Dennis Lewandowski, Ali Kiydin, Burak Sahin oder auch den Münchener Granit Shala. Gerade bei Shala dürfen wir gespannt darauf sein, wo die Reise hingeht. Viele attestieren dem Nachwuchstalent eine gute Grundbasis, bemängeln jedoch das enorme Kampfgewicht. So trat er im letzten Kampf, im Mai 2018 gegen Gogita Gorgiladze, mit beinahe „Butterbean“-mäßigen 137 Kilogramm in den Ring. Dort müsste man definitiv Abhilfe schaffen.

Beim sympathischen Berliner Burak Sahin bleibt abzuwarten, ob er die hohen Erwartungen erfüllen kann. Bei Gerber steht nach zwei Jahren Ringpause der Neustart ins Haus. Dennis Lewandowski feierte zwar zuletzt vier Siege, glänzte dabei jedoch nicht mit bester Fitness. Ali Kiydin ist sicher einiges zuzutrauen, sollte er ordentlich gefördert und aufgebaut werden. Hier wäre ein Duell mit Burak Sahin oder einem der Lewandowski-Brüder sicher nicht die schlechteste Variante, um mehr ins Rampenlicht zu rücken!














