Titelverteidigung geglückt: Billy Joe Saunders deklassiert Martin Murray

Foto: Mark Robinson/Matchroom Boxing

Der Freitagabend in der SSE Arena in Wembley, London bot wenig Überraschungen. Im Hauptkampf schickte Billy Joe Saunders Gegner Martin Murray (vermutlich) in Box-Rente.

Klassenunterschied 

Ein fünfter Anlauf auf einen WM-Titel, ein fünftes Mal Ernüchterung: So oder so ähnlich könnte man den Abend aus der Sicht von Martin Murray (39-6-1, 17 KOs) beschreiben. Ein Jahrzehnt lang lief der Brite quer über den Globus verteilt seinem großen Traum von einer Weltmeisterschaft hinterher, doch auch jetzt bleibt die Krönung aus. Gegen den WBO-Weltmeister im Super-Mittelgewicht, Billy Joe Saunders (30-0-0, 14 KOs), konnte man zwischenzeitlich sogar den Sinn der Ansetzung in Zweifel ziehen. 

Wie immer auf ein eher einfaches Box-Handwerk bauend, suchte Murray seine Chancen. Dieser ergaben sich allerdings nur sporadisch. Titelverteidiger Saunders war es, der das Geschehen diktierte. Der flinke Rechtsausleger ließ seinen Gegenüber entweder ins Leere oder in geschickte gestellte Fallen laufen. Wenn Murray dann zur Rückbesinnung die Deckung hochschraubte, kam Saunders mit sauberen Aufwärtshaken durch diese hindurch. Die Häufigkeit, mit der auch weitere Hände ihre Ziel fanden, nahm ein beängstigendes Maß an. 

In der zweiten Hälfte probierte es Murray dann noch einmal mit etwas unsauberen Aktionen im Clinch. Diese sollten Saunders aber kaum aus der Ruhe bringen. Der 31-Jährige boxte seinen Stiefel runter und ließ seinem sieben Jahre älteren Herausforderer keine Chance. Einzig dessen bemerkenswerte Nehmerfähigkeiten führten dazu, dass es hier letztlich über die Runden ging. Kurz darauf wurde das einstimmige Punkturteil pro Saunders verkündet (120-109, 120-109, 118-110).

Nach dem Kampf ließ Murray durchscheinen, dass dies sein letzter Ring-Auftritt gewesen sein könnte. Für die Gesundheit des Familienvaters wäre dies sicherlich die beste Entscheidung. 

Tennyson überrollt Kanadier O‘Reilly

Im Rahmenprogramm der Veranstaltung setzte sich eine Serie fort. Seit seinem Aufstieg ins Leichtgewicht konnte James Tennyson (28-3-0, 24 KOs) seine Kämpfe allesamt vorzeitig gewinnen – und so sollte es auch am Freitagabend ausgehen. Sein Kontrahent, der zuvor unbesiegte Josh O‘Reilly (16-1-0, 6 KOs), sah nur auf dem Papier wirklich gefährlich aus und konnte dem Nordiren Tennyson nichts entgegensetzen. Mit harten Kombinationen jagte dieser O‘Reilly durch den Ring und erzielt bereits in der ersten Runde zwei Niederschläge. Auch wenn letzterer sich jeweils wieder aufrappeln konnte, wurde der Kampf nach weiteren wütenden Attacken folgerichtig abgebrochen. 

Foto: Mark Robinson/Matchroom Boxing

Im Anschluss stellte Promoter Eddie Hearn die Möglichkeit in den Raum, dass es für den 27-Jährigen als Nächstes gegen Ex-Weltmeister Jorge Linares gehen könnte. Dies wäre mit Sicherheit eine deutlich größere Herausforderung. 

Courtenay meldet sich mit Sieg zurück

Vor rund vier Monaten erlebte Shannon Courtenay (6-1-0, 3 KOs) ihren größten sportlichen Tiefpunkt, als sie sich ihrer britischen Landsfrau Rachel Ball geschlagen geben musste. Mit ein paar Kilos weniger auf den Rippen ist Courtenay jetzt im Bantamgewicht angekommen, wo sie sich nun der Polin Dorota Norek (6-2-0, ein Knockout) gegenüber sah. Diese stürmte von der ersten Sekunde an nach vorne und schlug wilde, teils illegale Hände. Courtenay aber behielt die Ruhe und setzte harte, präzise Konter. Norek sah sich im späteren Verlauf daher gezwungen, den Rückwärtsgang einzulegen. Tapfer hielt sie dagegen, ehe sie sich in der sechsten Runde eine punktgenaue Rechte fing, die sie erst zu Boden brachte und dann zur Aufgabe zwang. 

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