„The Big Cheese“ zu löchrig: Sergio Garcia verteidigt EBU-Titel

Foto: Marca

Die Hürde Europameisterschaft stellte sich für Hauptkämpfer Ted Cheeseman an diesem Abend als zu hoch heraus. Titelverteidiger Sergio Garcia, der eine herausragende Leistung auf fremden Terrain vollbrachte, war zumeist der bestimmende Mann.

Ein weiterer Brite scheitert auf europäischem Niveau 

Das hatten die Zuschauer in der gut gefüllten O2 Arena in London nicht erwartet: Heimboxer Ted Cheeseman ging im Kampf um den EBU-Titel im Super-Weltergewicht als Favorit ins Rennen – zu unbekannt der spanische Titelträger Sergio Garcia. Doch wie schon bei KO-König Lewis Ritson letzten Oktober, gab es für die Briten beim Griff nach der Europameisterschaft ein böses Erwachen. Garcia hingegen darf sich nun sogar Hoffnungen auf eine WM-Chance machen. 

Cheesemans Vorgehen beinhaltete wohl den Plan des konsequenten Druckaufbaus, mit dem er den 26-jährigen Spanier müde machen wollte. Problem war nur, dass dieser in der Zwischenzeit mit hoher Schlagfrequenz quasi nach Belieben durch die fast nicht vorhandene Deckung des Briten hindurch stach. So erarbeitete er sich einen frühen Vorsprung, während Cheeseman krampfhaft versuchte mit harten Einzelhänden zu operieren. So konnte er seinem konditionsstarken Gegenüber die Luft mit Sicherheit nicht nehmen. 

Mit zunehmender Dauer wurde das Gesicht von „The Big Cheese“ immer verbeulter und blutiger und Garcia zog auf den Punktzetteln weiter davon. Erst in Runde 8 schien es so, als könne Cheeseman endlich Wirkung erzielen, doch der Titelverteidiger überwand das kurze Tal. Zumindest Herz bewies der Herausforderer aus London reichlich und legte alles in einen möglichen späten KO-Erfolg. Dafür musste er im Gegenzug aber jede Menge Schläge absorbieren. Ein Kampf, der ihm womöglich die Karriere verkürzt hat. 

Bis zum letzten Ringgong warf er alles hinein, doch Garcia gab nicht klein bei. Mit zwei Mal 119-109 fielen die Urteile äußerste deutlich aus, nur ein Punktrichter hatte mal wieder einen anderen Kampf gesehen. 115-114 pro Garcia hieß das Urteil, was ein hauchenges Duell suggeriert. Garcia kann es egal sein. Der in 29 Kämpfen ungeschlagene Mann aus Torrelavega konnte hiermit nämlich seinen internationalen Durchbruch feiern. Ein zukünftiger WM-Kampf scheint für den 26-jährigen nicht ausgeschlossen. 

Craig Richards verprügelt Jake Ball

Das britisch-britische Duell war schon lange in Planung – lang hat der Kampf dann aber nicht gedauert. Der 8 cm größere Jake Ball machte sich um einiges kleiner und stand sehr breitbeinig im Ring, was Gegner Craig Richards entgegen kam. Defensiv löchrig fing sich Ball am Ende der ersten Runde eine präzise Rechte und ging zu Boden. Das gleiche Spiel einen Durchgang später, diesmal nach einem harten Haken zum Körper. Beide Male konnte sich Ball noch in die Pause retten, doch in der dritten Runde war nach einem weiteren Niederschlag und harten folgenden Attacken Schluss. Richards darf sich nun WBA Continental Champion im Halbschwergewicht nennen, was ihn zumindest im dortigen Ranking ich oben bugsieren dürfte. 

Felix Cash neuer Commonwealth-Champion im Mittelgewicht 

Für das 25-jährige Mittelgewichtstalent Felix Cash hätte der Abend nicht besser laufen können. Kaum eine Minute war vergangen, da konnte er seinen Kontrahenten Rasheed Abolaji mit einem harten Jab auf den Hosenboden befördern. Dieser schien den Nigerianer so präzise erwischt zu haben, dass er sich nicht mehr wirklich erholen konnte. Kurz vor Ende der Runde kam Cash nochmal mit einer gut getimten 1-2-Kombination durch, gefolgt von einem kurzen Aufwärtshaken, der den Kampf auch schon beendete. Der Mann aus Wokingham konnte sich mit diesem Sieg den vakanten Commonwealth Title im Mittelgewicht sichern.

Nach KO-Erfolg: Okolie als nächstes gegen „Macho Man“

Nach seinem schwer erträglichen Gefecht im Wembley Stadion letztes Jahr brauchte Lawrence Okolie mal wieder einen klaren Sieg. Journeyman Tamas Lodi kam da als Gegner gerade recht und gab sich bemüht wehrlos. Okolie boxte etwas lockerer als noch zuletzt, wechselte die Auslage hin und her und verhedderte sich nicht mehr so oft im Infight. Nach mehreren Niederschlägen war der Kampf in Runde 3 vorbei. Im Anschluss wurde der Commonwealth-Champion im Cruisergewicht, Wadi „Macho Man“ Camacho, in den Ring gerufen, der am 23. März in der Londoner Copper Box Arena auf Okolie treffen wird. Dieses Duell sollte letzteren mehr fordern. 

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