Moses Itaumas Traum vom WM-Titel ist vorerst geplatzt. Nach seiner ersten Profi-Niederlage gegen Filip Hrgovic musste der erst 21 Jahre alte Schwergewichtler auf einer Trage aus der Arena gebracht und anschließend im Krankenhaus untersucht werden.
Itauma nach Hrgovic-Niederlage im Krankenhaus
Für Moses Itauma endete der bislang größte Kampf seiner jungen Karriere mit einer bitteren Niederlage und beunruhigenden Bildern. Der britische Schwergewichtler unterlag Filip Hrgovic am Samstagabend in der O2 Arena durch TKO in der neunten Runde.
Itauma (14-1(1), 12 KO) war als Wettfavorit in den Kampf gegangen und wollte sich zum jüngsten britischen Schwergewichts-Weltmeister der Geschichte krönen. Über weite Strecken schien der 21-Jährige diesem Ziel durchaus näherzukommen. Itauma erarbeitete sich auf den Punktrichterzetteln einen Vorsprung, ehe Hrgovic (21-1(1), 16 KO) das Duell zunehmend zu seinen Gunsten drehen konnte.
In der Schlussphase der neunten Runde wurde der Druck des Kroaten schließlich zu groß. Itauma konnte sich kaum noch auf den Beinen halten und war nicht mehr in der Lage, sich wirkungsvoll zu verteidigen. Ringrichter Howard Foster brach den Kampf 33 Sekunden vor dem Rundenende ab.
Unmittelbar danach wurde Itauma noch im Ring mit Sauerstoff versorgt. Anschließend verließ er die Arena auf einer Trage und wurde direkt in ein Krankenhaus gebracht.
Frank Warren bestätigt Verletzung am Bein
Promoter Frank Warren bestätigte nach dem Kampf, dass Itauma offenbar auch eine Verletzung am Bein erlitten hatte. Wie schwer diese ist, war zunächst nicht bekannt.
„Moses ist ins Krankenhaus gebracht worden. Er hat sich irgendetwas am Bein zugezogen und muss natürlich untersucht werden“, erklärte Warren. „Es war ein zermürbender Kampf mit einem sehr hohen Tempo. Er war völlig erschöpft. Er bekam Sauerstoff, und das war absolut richtig. Es war ein sehr, sehr temporeicher Kampf.“
Warren verteidigte zugleich die Entscheidung von Referee Howard Foster, den Kampf zu beenden. Itauma habe in den letzten Augenblicken praktisch nur noch instinktiv geschlagen.
„Er hat am Ende aus dem Instinkt heraus Schläge gebracht und ihn dabei sogar noch ein paar Mal getroffen. Ich denke, der Ringrichter hat ihm eine Chance gegeben, und am Ende war der Abbruch die richtige Entscheidung.“

„Die Aura der Unbesiegbarkeit ist jetzt weg“
Wie es für Itauma nach der ersten Niederlage seiner Profikarriere weitergeht, ist zunächst offen. Warren machte deutlich, dass er unmittelbar nach einem derart schweren Kampf keine Entscheidung über die sportliche Zukunft seines Schützlings treffen möchte.
„Es ist viel zu früh, solche Entscheidungen zu treffen. Ich möchte zuerst mit ihm sprechen, und er selbst muss es auch wollen. Ich bin mir sicher, dass er das tun wird“, sagte Warren über ein mögliches Comeback.
Der langjährige Promoter stellte sich gleichzeitig demonstrativ hinter Itauma. An seiner Einschätzung des außergewöhnlichen Talents des jungen Briten habe die Niederlage nichts geändert.
„Ich halte ihn immer noch für eines der unglaublichsten Talente, mit denen ich in meiner gesamten Zeit im Boxsport gearbeitet habe. Wir stehen hinter ihm und werden bei ihm bleiben. Ich bin sicher, dass er ein Kämpfer ist, und das hat er bis zum Ende gezeigt. In solchen Momenten erkennt man, aus welchem Holz jemand geschnitzt ist, und man lernt daraus.“
Warren hatte vor Itaumas Abtransport keine Gelegenheit mehr, persönlich mit seinem Boxer zu sprechen. Gespräche über die weitere Karriere sollen deshalb erst stattfinden, wenn sich Itauma körperlich und mental von den Ereignissen erholt hat.
„Mental wird er völlig am Boden sein. Wir müssen mit ihm sprechen und ihn wieder aufbauen. Er wird sich eine Auszeit nehmen und eine schöne Pause machen. Jetzt ist überhaupt nicht der Zeitpunkt, darüber zu reden. Vielleicht in zwei Wochen oder in einem Monat. Dann werden wir sehen, wie es weitergeht.“
Wie schnell Itauma zurückkehren könne, lasse sich derzeit nicht abschätzen. Warren sieht in der ersten Niederlage allerdings möglicherweise auch eine neue Ausgangslage für die weitere Karriereplanung.
„Wie lange ein Boxer braucht, um sich körperlich und mental zu erholen, hängt immer vom jeweiligen Kämpfer ab. Aber wir wissen jetzt, dass seine Aura der Unbesiegbarkeit verschwunden ist. Wer weiß? Vielleicht wird es dadurch sogar leichter für uns, künftig Kämpfe für ihn zu machen.“














