So verlief das Debüt von RINGSIDE ZONE in Heidelberg

Emanuel Odiase ist neuer Internationaler Deutscher Meister im Schwergewicht. © Marco Baumann

Tolle Aufmachung, gute Kämpfe und diskutable Punkturteile – so verlief das Debüt der RINGSIDE ZONE am Samstag.

Am Samstag stieg im SNP Dome in Heidelberg eines der größten und ambitioniertesten Box-Events des Jahres in Deutschland. Die frisch gegründete RINGSIDE ZONE hat es sich – wie viele Vorgänger auch – zur Aufgabe gemacht, den deutschen Boxsport zurück auf Weltklasse-Niveau zu führen.

Mit der Auswahl der modernen und attraktiven Location im SNP Dome wurde der erste Fingerzeig in jene Richtung gesetzt, wohin die Reise gehen soll. Man lieferte beim Debüt eine beachtliche Veranstaltung ab, die unter anderem von Kai Ebel sowie einem weiteren Moderatorenteam präsentiert wurde. Die Aufmachung war sehr professionell und gelungen, auch die Kämpfe konnten größtenteils überzeugen.

Emanuel Odiase ist neuer Internationaler Deutscher Meister im Schwergewicht

Emanuel Odiase stoppt Srdan Govedarica in der sechsten Runde. © Marco Baumann

Den Hauptkampf des Abends bestritt ein Sohn der Stadt: Emanuel Odiase (8-0). Das schlagstarke und vielversprechende Schwergewicht soll eines der zentralen Gesichter der RINGSIDE ZONE werden und bekam beim ersten Titelkampf seiner Profikarriere entsprechend den Main Event. Ursprünglich war angedacht, dass Odiase auf einen soliden tschechischen Gegner treffen sollte, doch aufgrund einer Sperre musste kurzfristig umgeplant werden.

Als Ersatzgegner wurde schließlich der Bosnier Srdan Govedarica (13-12) verpflichtet, der aus einem guten Sieg über Alexander Müller von Berge kam. Dennoch war es auf dem Papier ein Downgrade in der Gegnerwahl – was sich auch im Kampfverlauf widerspiegelte. Odiase übernahm von Beginn an das Kommando und dominierte das Geschehen mit seinem Jab. Govedarica versuchte es mit seinen typischen Überfallangriffen, die jedoch schlecht vorbereitet waren und wirkungslos blieben. Es entwickelte sich ein einseitiger Kampf, wobei sich Govedarica mit zunehmender Dauer verstärkt auf das Clinchen verlegte.

In der sechsten Runde ging Govedarica dann zwei Mal zu Boden, und das Handtuch beendete den ungleichen Kampf. Govedarica beschwerte sich über vermeintliche Schläge auf den Hinterkopf, doch die Aktionen von Odiase trafen eher seitlich an den Schädel des Bosniers.

Am Ende steht ein souveräner Sieg für Emanuel Odiase und der erste Titel seiner Profikarriere – die Internationale Deutsche Meisterschaft im Schwergewicht.

Simon Zachenhuber siegt umstritten gegen Paulinus Ndjolonimu

Das Punkturteil zwischen Simon Zachenhuber und Paulinus Ndjolonimu löste viele Diskussionen aus. © Marco Baumann

Ein sportliches Highlight war zweifellos das Co-Main-Event im Supermittelgewicht zwischen Simon Zachenhuber (28-0) und Paulinus Ndjolonimu (19-1). Es handelte sich um das Duell der Nummer 12 der WBO gegen die Nummer 4 – ein richtungsweisendes Gefecht mit Blick auf die Weltmeisterschaft. Der Erdinger Zachenhuber wollte im bislang größten Kampf seiner Karriere siegreich bleiben und endgültig an der Weltspitze anklopfen. Doch sein Gegner aus Namibia stellte sich als echter Härtetest heraus.

Der Kampf begann denkbar ungünstig für Zachenhuber: Bereits früh wirkte er angeschlagen, nachdem Ndjolonimu mit harten Körpertreffern punktete. Einige dieser Treffer bewegten sich jedoch an der Grenze der Legalität, weshalb Ndjolonimu ohne Vorwarnung einen Punktabzug kassierte – eine umstrittene Entscheidung. Im weiteren Verlauf sollte sogar ein zweiter Punktabzug folgen. Trotz dieser Rückschläge dominierte der Namibier über weite Strecken das Geschehen mit seinem unorthodoxen Stil: lange Hände, kurze Haken und Uppercuts, die Zachenhuber immer wieder erschütterten.

Zachenhuber, betreut von Trainer Conny Mittermeier, musste einiges einstecken. „Reiß dich zusammen!“, rief der erfahrene Coach in den Ring, als sein Schützling erneut in Bedrängnis geriet. Mit zunehmender Dauer konnte sich Zachenhuber jedoch stabilisieren und insbesondere in der zweiten Kampfhälfte eigene Akzente setzen. Nach mehreren Runden streckte er demonstrativ die Arme in die Höhe und suchte den Kontakt zum Publikum – ein Signal, das möglicherweise auch Eindruck auf die Punktrichter machte.

Nach zehn intensiven Runden musste die Entscheidung den Punktrichtern überlassen werden. Diese fiel überraschend deutlich zugunsten von Zachenhuber aus: 99-92, 97-91 und 94-94 lauteten die offiziellen Wertungen. Eine Entscheidung, die das Gefecht kaum realistisch widerspiegelte und entsprechend kontrovers diskutiert wird.

Bronze-Medaillengewinner Nelvie Tiafack feiert gelungenes Profidebüt

Nelvie Tiafack vs. Jakub Sosinski.
© Marco Baumann

Eine der großen Geschichten des Abends war gewiss das Profidebüt von Nelvie Tiafack (1-0). Der Kölner hatte bei den Olympischen Spielen in Paris die Bronzemedaille für Deutschland gewonnen und damit internationale Begehrlichkeiten geweckt. Ein Vertrag in Großbritannien steht im Raum – doch zunächst gab Tiafack sein Profidebüt bei der RINGSIDE ZONE in Heidelberg.

Dort traf er auf den erfahrenen Polen Jakub Sosinski (8-12-1), der bereits mit Peter Kadiru über die volle Distanz von acht Runden gegangen war. Für ein Debüt stellte Sosinski somit keinen schlechten Einstieg dar. Im Kampf selbst konnte der Pole allerdings kaum Akzente setzen und suchte fast ausschließlich den Clinch. Tiafack dominierte von Beginn an das Geschehen und landete in Runde 2 einen Niederschlag. Der Ringrichter brach das Gefecht daraufhin umgehend ab – eine Entscheidung, die überraschend kam. Auch Tiafack selbst hätte gerne noch mehr Ringzeit gesammelt. Dennoch: Ein erfolgreicher und souveräner Einstand im Schwergewicht.

Devrim Gökduman ist neuer IBF-Europameister

Neuer IBF-Europameister im Leichtgewicht: Devrim Gökduman.
© Marco Baumann

Als großes Talent gilt auch der Karlsruher Devrim Gökduman (13-0), der in Heidelberg um die IBF-Europameisterschaft im Leichtgewicht boxte. Gökduman hatte bei der Amateur-WM 2023 in Usbekistan seine technischen Fähigkeiten unter Beweis gestellt und sich im vergangenen Jahr zudem die IBF-Juniorenweltmeisterschaft im Profibereich gesichert. Nun wollte er mit einem weiteren IBF-Titel den nächsten Schritt machen – Gegner war der erfahrene Rumäne James Chereji (22-6).

Es wurde kein einfacher Kampf für Gökduman: Chereji machte von Beginn an Druck, kontrollierte das Zentrum des Rings und initiierte zahlreiche Angriffe. In den Anfangsrunden tat sich Gökduman schwer, wirkte phasenweise zu passiv. Doch in der zweiten Kampfhälfte drehte er auf, zeigte exzellentes Distanzmanagement und punktete aus der Rückwärtsbewegung immer wieder effektiv.

Der enge Kampf bog in die Schlussphase ein, und Gökduman musste nochmals zulegen – was ihm auch gelang: In der letzten Runde schickte er Chereji sogar zu Boden. So ging ein technisch ansprechender und intensiver Kampf über die volle Distanz von zehn Runden. Gökduman siegte verdient und einstimmig mit den Punktwertungen 96-93 sowie zweimal 97-92.

Alexander Okafor tut sich beim Profidebüt schwer gegen einen starken Üsame Bozkurt

Alexander Okafor und Üsame Bozkurt liefern sich ein Duell auf Augenhöhe.
© Marco Baumann

Mit Spannung wurde auch das Profidebüt von Alexander Okafor (1-0) im Cruisergewicht erwartet. Der starke Amateur bringt viel Potenzial mit und möchte dieses nun auch im Profibereich entfalten. Gleich zum Einstand traf er jedoch auf Üsame Bozkurt (6-3), der zwar in den letzten Jahren inaktiv war, sich in Heidelberg aber in starker Form präsentierte.

Bozkurt machte von Beginn an hohen Druck und stellte Okafor regelmäßig an den Seilen. Okafor ließ ihn bewusst kommen und versuchte mit eigenen Aktionen zu kontern. Dennoch wirkte er über weite Strecken des Kampfes zu statisch und hätte sich deutlich mehr bewegen müssen – auch wenn seine Aktionen insgesamt explosiver und präziser waren. In den hinteren Runden baute Bozkurt konditionell ab, was dem hohen Anfangstempo geschuldet war. Trotzdem blieb der Wuppertaler gefährlich und setzte weiterhin gute Treffer, die Okafor spürbar trafen.

Ein ausgeglichener und intensiver Kampf ging über die volle Distanz von sechs Runden. Es war ein hartes Profidebüt für Okafor, der sich mit einem einstimmigen Punktsieg durchsetzen konnte – auch wenn keine genauen Wertungen verlesen wurden. Ein tendenziell unglückliches Resultat für Bozkurt, der sich nicht als Verlierer präsentierte.

Omarah Taylor siegt mühelos im Opener – gelungene Debütveranstaltung der RINGSIDE ZONE

Omarah Taylor bezwingt Erica Juana Gabriela Alvarez nach Punkten.
© Marco Baumann

Im Eröffnungskampf der Veranstaltung feierte Omarah Taylor (5-0) einen ungefährdeten Punktsieg gegen Erica Juana Gabriela Alvarez (8-13). Alvarez erschien körperlich nicht in Topform und präsentierte sich auch im Ring nicht spritzig. Ihre Angriffe bestanden meist aus schlecht vorbereiteten Schwingern, die ins Leere gingen. Taylor überzeugte hingegen mit guter Beinarbeit, Übersicht und klarem technischen Vorsprung und dominierte den Kampf über sechs Runden.

Insgesamt war es ein gelungenes Debüt der RINGSIDE ZONE auf mehreren Ebenen. Die moderne, gut gefüllte Arena bot einen hervorragenden Rahmen. Die Kämpfe zeigten größtenteils Spannung und sportliche Ausgeglichenheit, auch wenn einzelne Punkturteile diskutiert wurden. Wichtig hierbei: Der Veranstalter hat keinen Einfluss auf die Wertungen – verantwortlich ist hier allein der BDB (Bund Deutscher Berufsboxer).

Ein kleiner Wermutstropfen war der einseitige Hauptkampf, der sportlich wenig Spannung bot. Dies lag jedoch auch an der kurzfristigen Suche nach einem Ersatzgegner für Emanuel Odiase, was die ursprünglichen Matchmaking-Pläne durchkreuzte – ein Faktor, der sich kaum vermeiden lässt.

Abseits des Rings punktete die Veranstaltung ebenfalls: Ein eingespieltes Moderatorenteam sorgte für gute Unterhaltung und Interaktion mit dem Publikum. Unter den Zuschauern befanden sich zahlreiche bekannte Gesichter – darunter Arthur Abraham, Luan Krasniqi sowie die Fußballprofis Andrej Kramarić und Oliver Baumann. Auch für musikalische Unterhaltung war gesorgt: So trat etwa Rapper Shindy auf und verlieh dem Event zusätzliche Vielfalt.

Fazit: Ein gelungener Auftakt, der Lust auf mehr macht. Man darf hoffen, dass bald weitere ambitionierte Veranstaltungen der RINGSIDE ZONE folgen.

4.5/5 - (40 votes)

1 Kommentar

  1. Leider muss ich feststellen, dass im Boxsport offenbar nicht immer alles mit rechten Dingen zugeht. Meiner Ansicht nach wurde der Boxer Bozkurt in diesem Kampf um seinen wohlverdienten Sieg gebracht. Das Urteil, das als „einstimmig“ verkündet wurde, ist für mich nicht nachvollziehbar – aus meiner Sicht war der Kampf ausgeglichen, wenn nicht sogar zu Gunsten von Bozkurt.

    Besonders fragwürdig: Es wurden keine Scorecards vorgelesen, obwohl das im Profiboxen zum Standard gehört. Die Zuschauer haben ein Recht auf Transparenz – gerade wenn ein Urteil knapp oder umstritten ist. Dass die Punktzettel nicht bekanntgegeben wurden, wirkt wie eine bewusste Intransparenz und hinterlässt einen bitteren Beigeschmack.

    Ich habe über 100 Euro für ein Ticket bezahlt – für einen Boxabend, von dem ich mir Fairness und Professionalität erwartet habe. Stattdessen bleibt der Eindruck, dass hier einem Kämpfer und dem zahlenden Publikum ein faires Ergebnis vorenthalten wurde.

    Wenn der Boxsport glaubwürdig bleiben will, dürfen solche Vorgänge nicht zur Normalität werden. Entscheidungen müssen nachvollziehbar sein – für Fans, für Kämpfer und für den gesamten Sport.

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein