Seun Salami-Interview: „Ich bin bereit für die Herausforderung!“

Steht vor dem größten Kampf seiner Karriere: Seun Salami
Foto: Boxclub Bounce

Der Österreicher Seun Salami träumt von einer großen internationalen Boxkarriere. Im Boxen1-Interview gibt er Einblicke vor seinem wegweisenden Kampf in Oberhausen.

In wenigen Tagen blickt die Boxwelt gespannt nach Oberhausen, wo Deutschlands Schwergewichtsstar Agit Kabayel (26-0) sein großes Homecoming feiert. Doch nicht nur in Deutschland gibt es aufstrebende Schwergewichte, wie ein Blick nach Österreich zeigt. In Wien und Korneuburg bereitet sich nämlich die österreichische Schwergewichtshoffnung Seun Salami (9-0) auf seinen bislang größten Profikampf vor, der auf der Undercard in Oberhausen stattfinden wird.

Der 29-jährige Salami ist ein Sprössling nigerianischer Einwanderer und kam in Kindheitstagen nach Österreich, wo er nun als einer der vielversprechendsten Boxer gilt. Mit 1,97 m misst Salami eine beachtliche Größe und ist eine echte Erscheinung. Bereits in zahlreichen internationalen Sparringcamps wurde er eingeladen, darunter auch von der aktuellen Nummer 1 der Gewichtsklasse, Oleksandr Usyk (24-0).

Nach neun Profisiegen in Österreich wagt Salami nun den Schritt auf die ganz große internationale Bühne und wird am Samstag in Oberhausen gegen den 2,04 m großen Daniel Dietz (15-1) kämpfen. Eine im wahrsten Sinne des Wortes riesige Aufgabe, zugleich aber auch ein enormes Sprungbrett für Salami, der mit einem Sieg vom internationalen Durchbruch träumt.

Das Boxen1-Interview mit Seun Salami

Boxen1: Hallo Seun, am Samstag steht dein großer Kampf in Oberhausen an. Wie fühlst du dich?

Seun Salami: Ich fühle mich gut. Die Vorbereitung und die Sparrings waren gut. Es ist halt schwer, jemanden zu finden, der über 2 Meter ist, aber wir haben uns sehr gut vorbereitet.

Wie sind denn allgemein die Sparringsmöglichkeiten in Österreich, seid ihr gut aufgestellt?

Nein, eigentlich nicht so. Wir müssen viel improvisieren. Da ich auch Trainer bin, habe ich viele Kontakte mit verschiedenen Boxern, die nicht unbedingt auf dem Profiniveau sind. Aber ich konnte ein paar Leute zusammenstellen und mit denen sparren.

Bis zu 13.000 Zuschauer werden in Oberhausen erwartet, eine gewaltige Kulisse also. Ist das genau der Rahmen, von dem du immer geträumt hast?

Natürlich, ich glaube aber nicht, dass bei meinem Kampf schon 13.000 Zuschauer sein werden. Vermutlich 2.000 bis 3.000, das ist aber auch eine Menge. Ich habe auch schon einmal vor 2.000 Leuten geboxt.

Wie blickst du generell auf die Boxszene in Österreich, wie gut seid ihr aufgestellt?

Wir haben genug Talente, auch im Profigeschäft. In jeder Gewichtsklasse haben wir Leute. Beispielsweise im Schwergewicht mit mir und Dardan Avdylaj, im Cruisergewicht mit Stefan Nikolic, im Halbschwergewicht Mobin Khahrazeh und noch viele andere Boxer. Österreich hat Talente, es fehlt aber am Publikum. Deshalb bin ich sehr glücklich, dass ich solch eine Möglichkeit habe, auf so einer Bühne zu boxen und mich zu zeigen.

Ich bin ein Boxer, der gerne lernt und versucht, andere Stile auszuprobieren

Zeigt sich umsichtig im Ring: Seun Salami.
Foto: Boxclub Bounce

Wenn du dich als Boxer beschreiben müsstest, was käme dabei heraus?

Vielfalt. Ich bin ein Boxer, der gerne lernt und versucht, andere Stile auszuprobieren. Zum Beispiel boxe ich beide Auslagen, die linke und die rechte Auslage. Bei mir kann man sich nicht auf eine Sache einstellen. Wenn etwas bei mir nicht funktioniert, dann versuche ich das Nächste.

Sehr vielseitig ist auch Oleksandr Usyk, bei dem du im Sparringcamp gewesen bist. Welche Erfahrungen hast du dort sammeln können?

Dort habe ich gesehen, wie ein Weltmeister trainiert und wie diszipliniert man sein muss. Ich habe dort gelernt, dass man – egal, wie man sich an einem Tag fühlt – das Training trotzdem durchzieht. Einfach durch, durch, durch – jede Herausforderung. Am Ende des Tages arbeite ich auf ein Ziel hin, und das ist, am Kampftag zu performen. Da gibt es keine Ausreden, ob man zu müde ist oder keinen Bock hat, man muss trotzdem durchziehen. Das habe ich bei Usyk gelernt.

Würdest du sagen, dass Disziplin generell eine deiner Stärken ist?

Eigentlich nicht so. *lacht Wenn ich aber einen Kampf vor mir habe, dann bin ich schon sehr diszipliniert und ziehe die Trainings durch. Wenn ich aber mal angeschlagen bin, dann nehme ich mir die Pause, da höre ich auf meinen Körper. Es gibt Tage, da hatte ich keinen Bock auf die Vorbereitung und habe es trotzdem durchgezogen. Da ich Vollzeit arbeite, stehe ich vor der Arbeit auf, um zu trainieren, gehe dann zur Arbeit und danach wieder trainieren. Man wird dadurch sehr müde, und es braucht viel Disziplin und Motivation.

Das Interesse am Boxen hast du über die Klitschkos entwickelt, oder?

Ja, so kam ich zum Boxen. Die Klitschko-Brüder haben immer auf RTL geboxt, und das habe ich mit meiner Familie immer gerne angeschaut. Ich hätte gerne schon früher mit dem Boxen angefangen, meine Mama meinte aber, es sei zu gefährlich. Als ich dann volljährig wurde, habe ich mir das selber finanziert und mich angemeldet – der Rest ist Geschichte.

Du bist auch im Boxclub Bounce aktiv. Wie wichtig war Bounce für deinen boxerischen Werdegang?

Zuerst habe ich meine Amateurkarriere im BC Korneuburg begonnen. Erst als ich Profi wurde, bin ich zu Bounce gewechselt. Jetzt für diesen Kampf trainiere ich im KO Gym in Korneuburg. Dort läuft die Vorbereitung, weil es zeitlich schwer ist, mit den Trainern von Bounce zu trainieren, da ich Vollzeit arbeite.

Das ist ja schon eine Veränderung vor deinem größten Kampf. Fühlst du dich denn sehr gut vorbereitet auf Daniel Dietz?

Ich fühle mich gut, weil ich Daniel kenne. Wir haben uns beim Usyk-Camp kennengelernt und ein paar Runden Sparring gemacht. Ich weiß, was auf mich zukommt. Es ist schwer, so einen Sparringpartner zu finden, der dasselbe macht wie er, aber wir haben uns schon gut auf das alles vorbereitet.

Du sprichst an, dass du Daniel durchaus kennst. Was erwartet dich gegen Daniel – ein langer Mann, der gut im Rückwärtsgang kämpft?

Ja, das wissen wir und haben uns darauf gut vorbereitet. Ich möchte jetzt nicht zu sehr ins Detail gehen, aber er wird sich auch auf mich vorbereitet haben. Man weiß aber nicht, wie genau er das geschafft hat, weil ich sehr viel anbiete im Ring. Ich kann ihn lang oder aus der Nahdistanz boxen, bin sehr variabel, was das Boxen angeht.

Wir müssen ihn dominieren und vielleicht irgendwann auch den Knockout suchen

Seun Salami gegen Kostiantyn Dovbyshchenko.
Foto: Boxclub Bounce

Denkst du denn, dass das wahrscheinlichste Szenario sein wird, dass du sechs Runden lang Druck nach vorne machen wirst?

Ja, das müssen wir. Wir boxen auswärts als Österreicher, die Punkterichter werden ein bisschen mehr auf Daniel schauen. Wir müssen ihn dominieren und vielleicht irgendwann auch den Knockout suchen. Aber den darf man im Boxen nicht suchen, sonst verliert man zu viel Energie, wenn man nur auf eine Sache fokussiert ist. Unser Ziel ist es einfach, gut zu boxen und gut auszusehen, um die Punkterichter auf unsere Seite zu ziehen.

Der Kampf ist lediglich auf sechs Runden angesetzt, dein Gegner ging schon in der Vergangenheit zwölf. Ist die begrenzte Rundenanzahl für dich eher ein Vorteil?

Ja und nein. Er ist es gewohnt, mehrere Runden zu gehen, und ich weiß nicht, wie er sich nun die Energie aufteilt. Ich bin noch nie mehr als sechs Runden gegangen und bin es gewohnt, die ganze Zeit hohes Tempo zu gehen. Unser Ziel ist es, gleich Druck zu machen, und dann schauen wir mal, wie er auf die niedrige Rundenanzahl reagiert. Wenn man zwölf Runden kämpft, boxt man etwas langsamer – bei sechs Runden hast du aber nicht so viel Zeit.

Ein Sieg gegen einen starken Mann auf solch einem großen, viel beachteten Event könnte dein internationaler Durchbruch bedeuten. Siehst du das ähnlich?

Ja, das sehe ich so und habe deshalb die Gelegenheit angenommen und werde am 10. mein Bestes geben.

Abschließende Frage: Was werden die Boxsportfreunde am Samstag in Oberhausen von dir sehen, was sie nicht verpassen dürfen?

Meine Vielfalt und Boxintelligenz. Ich bin selber gespannt, wie ich mit dieser Bühne klarkomme. Das ist schon etwas Neues für mich – aber ich bin bereit für die Herausforderung!

Seun Salami wird auf den kostenlosen Prelims in Oberhausen kämpfen

Agit Kabayel trifft am 10. Januar auf Damian Knyba in Oberhausen.

Der wegweisende Kampf für den Österreicher Seun Salami wird am Samstag in Oberhausen auf der Undercard von Agit Kabayel vs. Damian Knyba stattfinden. Das Event wird zwar auf DAZN übertragen, doch der Auftritt von Salami erfolgt auf den kostenlosen Prelims, die auf YouTube zu sehen sein werden.

Die Prelims beginnen ab 16:05 Uhr, der Kampf von Salami wird voraussichtlich zwischen 17:00 und 17:30 Uhr erwartet.

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