Sdunek/Wittmann über Arslan

Doppelt hält besser: Trainerteam glaubt an WM-Sensation in Erfurt

Die Trainer haben beim Boxen in der Vorbereitung und während des Kampfes wohl den größten Einfluss auf die Leistung ihres Schützlings. Also will man als Boxer nur die Besten in seiner Ecke wissen. Daher entschied sich Firat Arslan, einen der erfahrensten und erfolgreichsten Coaches in sein Team zu holen. Doch Fritz Sdunek ersetzt vor Arslans WM-Chance gegen IBF-Champion Yoan Pablo Hernandez nicht einfach dessen Freund Dieter Wittmann, sondern er teilt sich mit ihm die Arbeit. Wie das im Trainingsalltag funktioniert und wer letztendlich das letzte Wort hat, verraten die Beiden in diesem Interview.

Viele Köche verderben bekanntlich den Brei. Trifft das auch auf das Trainieren eines Boxers zu?

Fritz Sdunek: Das ist kein Problem, bei uns gibt es keinerlei Kompetenzstreitigkeiten, wir sind ein Team mit einem gemeinsamen Ziel: Und war, dass Firat noch mal Weltmeister wird.

Dieter Wittmann: Das kann ich bestätigen. Für unser ganzes Team ist es ein Segen, dass Fritz bei uns ist. Er ist ja nicht irgendjemand, sondern einer der besten Trainer der Welt – mit einer beeindruckenden Vita. Wir wären ja verrückt, wenn wir auf so einen Mann nicht hören würden.

Dazu ist Firat Arslan mit 43 Jahren nicht mehr der Jüngste. Kann man einem Boxer, der bereits über 17 Jahre lang Profi ist, überhaupt noch etwas Neues beibringen?

Fritz Sdunek: Ich werde aus Firat sicher keinen anderen Boxer machen. Aber an einigen Details kann man schon arbeiten, man lernt ja nie aus.

Dieter Wittmann: Wir sehen schon nach der kurzen Zeit Fortschritte, das ist beeindruckend. Firat nimmt Dinge sehr schnell auf und kann sie super umsetzen.

Fritz Sdunek: Das ist in der Tat beeindruckend. Es macht unheimlich Spaß, mit Firat zu arbeiten. Und ich kann versprechen: Wir werden am 16. August einige Überraschungen parat haben.

Wie kam es überhaupt zu dieser Zusammenarbeit, Herr Sdunek?

Fritz Sdunek: Firat kam bei einem Kampfabend vor ein paar Wochen in Schwerin auf mich zu und fragte, ob er kurz mit mir reden könne. Dann fragte er, ob ich nicht Lust hätte, ihn auf den WM-Kampf gegen Yoan Pablo Hernandez vorzubereiten.

Haben Sie viel Bedenkzeit benötigt?

Fritz Sdunek: Ich habe kurz in meinen Terminkalender geschaut – und sofort zugesagt.

Ist es für Sie eine zusätzliche Motivation, dass Ulli Wegner in der gegnerischen Ecke steht? Immerhin liegt er ja im direkten Duell mit Ihnen in Front…

Fritz Sdunek: (Winkt ab.) Das spielt wirklich überhaupt keine Rolle. Es geht nur darum, dass Firat noch einmal Weltmeister wird.

Arslans Gegner Hernandez ist nicht nur jünger, sondern wird von Experten auch als schneller und technisch variabler eingestuft. Klingt nach einer nahezu unüberwindbaren Aufgabe, oder?

Fritz Sdunek: Natürlich ist Hernandez ein richtig guter Boxer, man sieht die kubanische Schule. Aber ich habe schon mit meinen Amateurboxern immer mal wieder kubanische Gegner bezwungen. Und zum Alter: Ich habe ja ein ganz gutes Händchen für etwas reifere Boxer wie zum Beispiel Vitali Klitschko oder Zsolt Erdei. Ich bin überzeugt davon, dass Firat der älteste Weltmeister aller Zeiten im Cruisergewicht wird.

Dieter Wittmann: Hundertprozentig. Natürlich müssen wir nicht über die Qualitäten von Hernandez diskutieren – er verfügt über außergewöhnliche Anlagen. Aber im Ring zählt nicht nur das Talent, sondern auch Fleiß, Härte und Physis. Und ich glaube nicht, dass Hernandez Firat physisch knacken kann. Ich glaube an einen vorzeitigen Sieg.

Zurück zum Trainingsalltag: Wie sieht denn Ihre Arbeitsteilung genau aus? Und wer hat im Endeffekt den Hut auf?

Dieter Wittmann: Fritz ist der Cheftrainer.

Fritz Sdunek: Ich sehe uns als Team, in dem jeder seine Stärken einbringt. Und ganz ehrlich: Das sind außergewöhnliche Leute, so etwas habe ich im Boxen bisher selten erlebt. Das ist eine ganz tolle Truppe.

Dieter Wittmann: Danke für das Kompliment. Was in diesem Fall aber noch dazu kommt: Fritz ist einer der Allerbesten überhaupt. Er hat 14 Boxer zum WM-Titel geführt, darunter solche Größen wie Vitali und Wladimir Klitschko oder Dariusz Michalczewski. Dazu ist er noch ein außergewöhnlicher Mensch. Von so einem Trainer können wir alle nur lernen – und vor allem: Er bringt Firat noch mal ein Stückchen weiter. Das ist schon jetzt im Training zu sehen.

Eintrittskarten für die Veranstaltung am 16. August in Erfurt sind über die telefonische Ticket-Hotline 01806-570044 (€ 0,20/min., Mobilfunkpreise max. € 0,60/min.) sowie im Internet bei www.eventim.de erhältlich.

Quelle: Sauerland Event

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