Schlacht zwischen Julian Vogel und Sami Ahmeti endet unentschieden!

Ein fulminanter Unentschieden zwischen Julian Vogel und Sami Ahmeti. © Team SES / P. Gercke

In Aschersleben gab es bei der SES-Jubiläumsgala einen großartigen Hauptkampf, der restlos begeisterte.

SES lud am Samstag zur großen 100-Jahr-Jubiläumsveranstaltung in die Ballhaus Arena in Aschersleben ein, die live im MDR übertragen wurde. Im Mittelpunkt stand dabei ein Ascherslebener, der seine Juniorenweltmeisterschaft gegen einen ungeschlagenen Herausforderer aus Bayern mithilfe seiner Heimatstadt verteidigen wollte. Doch auch die Undercard bot zuvor erwähnenswerte Kämpfe.

Julian Vogel und Sami Ahmeti lieferten sich eine echte Schlacht

Bei einer Jubiläumsveranstaltung in Aschersleben musste selbstverständlich auch ein Sohn der Stadt im Hauptkampf stehen – und genau das tat Julian Vogel (17-0-2). Er verteidigte im Superweltergewicht seinen WBO-Juniorenweltmeistertitel gegen den ungeschlagenen bayerischen Herausforderer Sami Ahmeti (9-0-1). Ein Kampf, der im Vorfeld als 50/50-Duell beworben wurde, wobei die Vorteile klar beim Titelverteidiger lagen: Er hatte ein Heimspiel und zudem Größenvorteile von über zehn Zentimetern.

Für Ahmeti war die Marschroute damit vorgegeben. Als kleinerer Mann musste er auswärts von Beginn an hohen Druck erzeugen und in die Nahdistanz kommen. Das gelang zunächst nur schleppend, wurde aber von Runde zu Runde besser – begünstigt durch die Tatsache, dass Vogel teilweise selbst die Ringmitte hielt, sich weniger bewegte und den Schlagabtausch suchte, was taktisch nicht klug wirkte.

Ahmeti boxte im Stil eines Punchers, ging in den Infight und feuerte immer wieder explosive Haken ab, die jedoch überwiegend auf Vogels Doppeldeckung landeten. Nach einer guten dritten und vierten Runde seitens Ahmeti kam Vogel stark zurück in Runde fünf und schlug Ahmeti die Nase blutig. Auch in der sechsten Runde sah es für den Bayern nicht gut aus, sodass man davon ausgehen konnte, dass er konditionell immer größere Probleme durch seinen intensiven Stil bekommen würde.

Ahmeti dreht in der Schlussphase noch einmal auf und sichert sich ein gerechtes Unentschieden

Julian Vogel und Sami Ahmeti.
© Team SES / P. Gercke

Vogel war der bestimmende Mann in den mittleren Runden und führte tendenziell auf den Scorecards. Wer jedoch dachte, dass Ahmeti nun gebrochen sei und den Kampf abschenken würde, irrte. Der unerschrockene und leidenschaftlich boxende Herausforderer zeigte eine Energieleistung und punktete insbesondere in der Schlussphase deutlich. Immer wieder ging er voran und setzte Vogel unter Druck, der sich nun viel bewegte, aber nur selten Aktionen im Rückwärtsgang setzte.

In Runde acht musste Vogel einen Cut neben dem Auge hinnehmen – eine neue Erfahrung für ihn. In der darauffolgenden Runde kassierte er einen Wirkungstreffer, bei dem seine Beine anfingen zu wackeln. Ein vorzeitiger Sieg für Ahmeti schien möglich, doch er konnte beim Nachsetzen keine gezielten Treffer landen und schlug oft ins Leere.

Der enge Kampf sah eine letzte, zehnte Runde – und Aschersleben stand komplett auf den Beinen. Die Zuschauer trieben ihren Lokalmatador noch einmal an, der sichtlich bemüht war, selbst Aktionen zu bringen. Ahmeti war jedoch erneut aktiver, auch wenn klare Treffer eher Mangelware blieben. Insgesamt ging ein wirklich starker und mitreißender Kampf über die volle Distanz. Die Punktrichter fällten schließlich ein Urteil: 2× 95-95 und 96-94 – ein Unentschieden, das gerechtfertigt erschien.

„Ich denke, das ist ganz fair. Gut gekämpft, beide. Er war stark, ich war stark. Die letzten beiden Runden habe ich etwas verschossen, die Bindung war nicht mehr da“, sagte Vogel nach dem Kampf zum Urteil.

Ein Highlight-Kampf, der ein Rematch verdient hätte

Auch wenn beide Boxer den Sieg anstrebten, konnte nach dem Kampf keiner wirklich unzufrieden sein. Beide lieferten dem Publikum einen tollen Fight und sorgten für Begeisterung. Rückblickend lässt sich jedoch feststellen, dass Vogel sich etwas zu sehr auf den Stil von Ahmeti eingelassen hat. Als der größere Mann hätte er im Rückwärtsgang boxerisch mehr Akzente setzen müssen. Seine Führhand kam zu selten, und anstatt seine Reichweite zu nutzen, blieb er teilweise in der Mitte stehen und suchte den Schlagabtausch im Infight – etwas, das dem kleineren Ahmeti natürlich in die Karten spielte.

So sah es auch Trainer Dirk Dzemski, der nach dem Kampf resümierte:
„Er wollte heute viel zu viel kämpfen, das war gar nicht notwendig. Er fängt sehr gut an, dann verfällt er ins Kämpfen. Das ist schön für die Zuschauer, die waren zufrieden mit dem Kampf. Ich hätte viel lieber die lange Distanz gesehen und mir mehr Boxen gewünscht.“

Mehr Boxen zwischen Vogel und Ahmeti wünschen sich nun sicherlich auch die Boxsportfreunde, die ein Rematch liebend gern sehen würden. Auch Ahmeti selbst äußerte diesen Wunsch und sehnt sich nach einer direkten Neuauflage:
„Ich hoffe, dass ich noch einmal hier in Aschersleben gegen Julian Vogel kämpfe und mir dann den Titel hole.“

Armend Xhoxhaj gewinnt durch Aufgabe des Gegners

Armend Xhoxhaj und Semir Dautovic.
© Team SES / P. Gercke

Im Co-Main Event kam es zu einem Duell im Cruisergewicht. Armend Xhoxhaj (22-4), der bereits gegen absolute Weltklassegegner im Ausland im Ring stand und international renommiert ist, bestritt nach seiner herben Niederlage im IBF Final Eliminator gegen Hüseyin Cinkara im April 2024 nun den vierten Kampf in Serie. Sein Gegner war der Bosnier Semir Dautovic (8-4-2), der deutlich größer wirkte.

Dass Dautovic kein ungefährlicher Gegner sein würde, zeigte bereits sein letzter Auftritt, bei dem er im Schwergewicht in München einen ungeschlagenen Mann stoppte. Entsprechend gewarnt war Xhoxhaj, der in der Vergangenheit nicht immer die besten Nehmerfähigkeiten bewiesen hatte. In diesem Kampf musste er diese jedoch kaum zeigen. Bereits die erste Runde ging an ihn. In der zweiten Runde kam Dautovic zwar besser hinein und punktete vor allem mit dem Uppercut, seine Reichweitenvorteile nutzte er jedoch nicht. Jabs blieben Mangelware, stattdessen setzte er auf wilde Schwinger.

Dann jedoch der Rückschlag: Dautovic verletzte sich offenbar an Schulter oder Arm und musste frustriert aufgeben. Damit wurde es für Xhoxhaj ein kurzer Arbeitseinsatz, der ihn allerdings unzufrieden zurückließ.

„Ich bin enttäuscht, ich hatte fast acht Wochen Vorbereitung. Ich war bereit, bis zum Ende zu kämpfen“, sagte Xhoxhaj nach dem Kampf.

Nenad Stancic siegt einstimmig nach Punkten

Nenad Stancic und Yohan Morocoima.
© Team SES / P. Gercke

Im Leichtgewicht wollte der Hamburger Nenad Stancic (17-0) mit einem Sieg in die Top 70 der BoxRec-Rangliste vorstoßen. Sein Gegner war der Venezolaner Yohan Morocoima (19-2), ein Boxer mit zwar recht leerem Kampfrekord, der jedoch 18 seiner 19 Siege vorzeitig erzielt hatte und damit durchaus Gefahr ausstrahlte.

Für Stancic war die Marschroute klar: boxerisch punkten, beweglich bleiben und sich nicht auf wilde Schlagduelle einlassen – genau das, was Morocoima bevorzugt hätte. Diese Vorgabe setzte er über weite Strecken konsequent um und gewann nahezu alle Runden. In der vierten Runde wurde er zwar zeitweise klar getroffen und musste diese Runde abgeben, doch er fing sich schnell wieder und überzeugte anschließend durch präzises Punktesammeln im Rückwärtsgang.

Morocoima hielt die Ringmitte und versuchte Druck aufzubauen, kam damit aber nur selten effektiv durch. Die meisten Schläge landeten auf Stancics Deckung oder gingen ins Leere. Wenn der Venezolaner doch einmal traf, konterte Stancic umgehend.

Am Ende stand ein ungefährdeter, einstimmiger Punktsieg nach zehn Runden, der recht deutlich ausfiel mit 2x 97-93 und 98-93.
„Es war ein toller Kampf, ein harter Gegner. Aber genau so einen brauchen wir jetzt, um die nächsten Schritte zu machen“, resümierte Stancic nach seinem Sieg.

Michel Dobler ist siegreich auf der Undercard

Dritter Profisieg für das Duo Michel Dobler und Dirk Dzemski.
© Team SES / P. Gercke

Die übrigen Kämpfe in Aschersleben dienten dem Aufbau junger Talente. Besonders hervor stach dabei der ehemalige Juniorenmeister Michel Dobler (3-0), der nach einer Pause und seinem Lehramtsstudium nun wieder verstärkt den Fokus auf die Profikarriere legt. Er traf im Schwergewicht auf Timo Grote (1-1), der als Außenseiter in den Ring stieg. Zwar suchte Grote aktiv den Offensivgang, wirkte dabei aber zu behäbig und traf den beweglichen Dobler kaum. Dieser setzte am Ende der vierten und letzten Runde einen Wirkungstreffer, ging sofort nach und gewann schließlich durch Ringrichter-Abbruch.

Darüber hinaus feierten Moaed Azizieh (2-0), Ingolf Zocher (2-0) und Christoph Fricke (1-0) jeweils vorzeitige Siege.

 

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1 Kommentar

  1. Eigentlich war der Kampf von Stancic gegen den Venezulaner der eigentliche Hauptkampf, da hier beide technisch und taktisch auf einem höheren Niveau argiert haben, als alle anderen Boxer in dieser Veranstaltung und zudem noch auf Augenhöhe boxten (kein wildes drauf los Gekloppe).

    Dobler sollte an seiner Schlagkraft arbeiten, er darf zig Mal klar, ohne einen Niederschlag zu erzielen.

    Julian Vogel hatte für mich eindeutig gegen Ahmeti gewonnen; der außer der 9. Runde keine klar für sich entscheiden konnte; ich hätte alles zwischen 97-94 und 98 – 92 als fair angesehen. Allerdings hätte er wohl spätestens ab der 5. Runde noch mehr zum Körper nachsetzen sollen, da es lange so aussah, als ob ein Knockout für ihn drin war, da der Gegner schon ab der 3. Runde schwer geatmet hat

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