
Foto: Peter Gercke
In einem packenden Rematch musste Fress zweimal zu Boden und rettete sich zu einem Unentschieden.
Am Samstag veranstaltete SES einen weiteren Kampfabend in Magdeburg, der live im MDR zu sehen war. In der Messehalle bekamen die Zuschauer ein echtes Highlight geboten. Im Cruisergewicht stellte sich die amtierende Nummer 1 der WBO und WBO-InterConti-Titelträger Roman Fress (23-1-1) der Nummer 10 der WBO und dem WBO-Europameister Armend Xhoxhaj (23-4-1).
Ein spannender Kampf mit großer Bedeutung, aber auch einer Vorgeschichte. Hierbei handelte es sich um ein Rematch, da beide Männer bereits im Mai 2022 gegeneinander gekämpft hatten. Damals hatte Xhoxhaj das bessere Ende für sich und sicherte sich einen Punktsieg. Seitdem wurde der Albaner jedoch zweimal gestoppt, während Fress, der kurz vor einer WM-Chance steht, beweisen wollte, dass er im zweiten Duell seine Qualitäten besser ausspielen kann.
Dass dieses Duell überhaupt zustande kam, war ursprünglich nicht geplant. Für März war zunächst ein Kampf um die WBO-Interimsweltmeisterschaft gegen Tommy Punch, die Nummer 3 des WBO-Rankings, vorgesehen. Dieser verletzte sich jedoch und die Veranstaltung wurde auf Mai verschoben. Schließlich musste Punch endgültig absagen und Xhoxhaj erhielt die große Gelegenheit, erneut gegen Fress anzutreten.
Großes Feuerwerk in der dritten Runde

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Der Kampf begann und Fress zeigte sich sehr beweglich im Ring. Das musste er auch, denn Xhoxhaj gilt als explosiver Puncher, wenngleich er selbst nicht über das stabilste Kinn verfügt. Fress wusste um diese Schwäche und suchte immer wieder präzise Treffer. Insbesondere die rechte Gerade fand regelmäßig ihr Ziel und die Anfangsphase gehörte dem Deutschen.
Xhoxhaj unterstrich seine Gefährlichkeit dann endgültig in der dritten Runde, als er Fress früh zu Boden brachte. Anschließend setzte der Albaner beherzt nach und Fress musste einige harte Treffer nehmen. Das Publikum tobte und bekam große Action geboten. Als Xhoxhaj gegen Ende der Runde weiter nachsetzen wollte, geriet er plötzlich selbst in Bedrängnis. Fress suchte seinerseits die Offensive und wollte nachsetzen, fing sich dabei jedoch einen Konter des angeschlagenen Xhoxhaj ein und musste ein weiteres Mal zu Boden. Ein echtes Spektakel, das Xhoxhaj mit einer 10:7-Runde für sich entschied.
In an exciting cruiserweight clash, WBO No. 1 Roman Fress (23-1-1) 🇩🇪 and WBO No. 10 Armend Xhoxhaj (23-4-1) 🇽🇰 fought to a draw.
Xhoxhaj knocked Fress down twice in round three, but tired significantly in the championship rounds. The judges scored it 113-113, 114-112 (seemingly… pic.twitter.com/OUVlgDog1X— Permante (@PermantexG) May 30, 2026
Xhoxhaj dominierte die mittleren Runden
Nach dem Feuerwerk in Runde drei wurde das Geschehen in der vierten Runde zunächst etwas ruhiger. Fress wollte kein unnötiges Risiko eingehen, bewegte sich viel, arbeitete mit dem Jab und punktete vergleichsweise unspektakulär. Ein durchaus probates Mittel, das sowohl Trainer Robert Stieglitz als auch Dirk Dzemski einforderten.
Ab der fünften Runde schien Fress jedoch sichtbar nachzulassen. Immer wieder ließ er sich teilweise statisch in der Doppeldeckung von Xhoxhaj stellen, der ein enormes Pensum mit seinen Haken an den Tag legte. Dieses Bild sollte sich bis zur neunten Runde kaum ändern. Zwischenzeitlich schien sogar ein vorzeitiger Sieg von Xhoxhaj durchaus möglich.
Starkes Finish von Fress rettet das Unentschieden
Der Albaner fand jedoch nicht den entscheidenden Treffer zum vorzeitigen Ende und wirkte ab der neunten Runde zunehmend erschöpft. Dadurch kam Fress wieder besser in den Kampf und übernahm vermehrt die Initiative. Auch wenn Xhoxhaj bis zum Schluss mit seinen Haken arbeitete, konnte er nicht mehr die gleiche Intensität und Gefahr ausstrahlen wie zuvor.
Am Ende ging ein intensiver und packender Titelkampf über die volle Distanz von zwölf Runden. Fress, der lange auf der Verliererstraße unterwegs gewesen war, konnte die Schlussphase deutlich positiver gestalten. Zusammen mit seiner guten Anfangsphase verschaffte ihm dies zumindest Chancen auf den Punktzetteln. Dennoch blieb die Hypothek der beiden Niederschläge groß, und vom Gesamteindruck her wäre ein knapper Punktsieg für Xhoxhaj durchaus vertretbar gewesen, auch wenn dieser zum Ende hin sichtbar nachließ.
Am Ende waren sich die Punktrichter uneinig. Einer wertete den Kampf 113:113, die beiden anderen kamen auf 116:111 beziehungsweise 114:112. Dabei blieb zunächst unklar, welches der beiden Wertungen jeweils für Fress oder Xhoxhaj abgegeben worden war. Schlussendlich wurde ein geteiltes Unentschieden verkündet, das von vielen mit gemischten Gefühlen aufgenommen wurde. Während sich Fress angesichts des Kampfverlaufs glücklich schätzen durfte, sah Xhoxhaj den sicher geglaubten Sieg aus den Händen gleiten.
Xhoxhaj sah sich des Sieges beraubt
Nach dem Kampf folgten die ersten Diskussionen. Das Team von Xhoxhaj fühlte sich um den Sieg gebracht und machte dies auch im MDR-Interview deutlich.
„Wir sehen uns als Sieger und fühlen uns als Sieger. Geh mal hin und frag Roman Fress, der wird das genauso sagen. Wir sind hier Sieger, oder was soll man noch machen, damit man gewinnt?“, sagte der emotional aufgebrachte Trainer Metë Alijaj.
„Es war ein guter Kampf, aber das war mein Kampf – ich habe gewonnen. Ich war besser, jede Runde“, sagte Xhoxhaj und legte nach. „Ich habe gewonnen, alle haben es gesehen. Das war nicht fair.“
Im Anschluss brachte Xhoxhaj auch direkt einen dritten Kampf ins Gespräch:
„Vor vier Jahren habe ich ihn geschlagen, heute habe ich ihn wieder geschlagen und ich schlage ihn wieder, wann immer ihr wollt.“
Die Vermutung von Metë Alijaj, Roman Fress würde die Niederlage ebenfalls eingestehen, bestätigte sich jedoch nicht.
„Für mich war es ein Unentschieden. Ich stand sofort in der Mitte und habe meiner Ecke angezeigt: Für mich ist es ein Unentschieden“, sagte Fress, der zugleich lobende Worte für seinen Gegner fand.
„Er war auf jeden Fall stark, es war ein starkes Gefecht. Er ist ständig nach vorne gegangen, wie man es auch erwartet hat. Er hat diese zwei Knockdowns erzielt, aber grundsätzlich habe ich in den anderen Runden gepunktet“, so Fress.
Denis Radovan meldet sich siegreich zurück

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Im Co-Main-Event des Abends gab es eine erfreuliche Rückkehr. Denis Radovan (19-0-1) zählte einst zu den großen Hoffnungsträgern des deutschen Boxsports und stand kurz vor einem IBF-WM-Ausscheidungskampf, der trotz entsprechender Anordnung letztlich nie zustande kam. In den vergangenen Jahren war Radovan kaum noch in Erscheinung getreten und befindet sich zudem in einem Rechtsstreit mit seinem ehemaligen Promoter Wasserman Boxing.
Nun wollte er sich in Magdeburg wieder sportlich ins Schaufenster boxen und stellte sich in einem auf sechs Runden angesetzten Kampf im Supermittelgewicht dem Aserbaidschaner Nijat Valiyev (6-3). Eine Pflichtaufgabe für jemanden mit internationalen Ambitionen, doch es entwickelte sich ein durchaus hitziger Kampf. Valiyev versteckte sich keineswegs und marschierte ununterbrochen nach vorne. Gegen Ende der ersten Runde erwischte er Radovan sogar mit einer harten Kombination aus Haken.
Das Tempo des Duells war hoch und Radovan spielte seine Routine aus. Er blieb stabil in der Doppeldeckung, ließ den Aserbaidschaner arbeiten und setzte anschließend seine präzisen Antworten. Die Uppercuts fanden ihr Ziel, ebenso die harten Körpertreffer. Dennoch gebührt Valiyev großes Lob, da er jeden Schlag wegsteckte, permanent Druck machte und über die gesamte Distanz unangenehm blieb. So musste sich Radovan einen hart erarbeiteten einstimmigen Punktsieg über sechs Runden sichern.
„Ich wollte heute performen. Es war mir wichtig, dass ich dem Publikum nach dieser längeren Zeit auch zeigen kann: ‚Hey, der Junge hat nichts verlernt.‘ Ich glaube, die Leute hatten Spaß. Es war ein guter Kampf gegen einen sehr unangenehmen Gegner“, sagte Radovan nach dem Kampf im MDR-Interview.
Ob Radovan künftig weiterhin mit SES zusammenarbeitet, bleibt abzuwarten. Für ihn wäre dieses Szenario jedoch durchaus attraktiv, wie er verriet.
„Ich habe schon gesagt, mir gefällt es hier. Ich mag die Atmosphäre in der Halle, aber auch, wie mit den Sportlern umgegangen wird. Wie man sieht, kann Ulf die Leute wirklich nach oben bringen. Das hat er drauf. Er macht schöne Veranstaltungen.“
Michel Dobler boxt sich heiß für die Junioren-Weltmeisterschaft

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Seit einem Jahr gehört Michel Dobler (7-0) zum Aufgebot von SES. Der erfolgreiche Amateurboxer konzentrierte sich zwischenzeitlich auf seine akademische Laufbahn, konnte jedoch für das Profilager gewonnen werden. Zum Glück, denn Dobler steigert sich von Kampf zu Kampf. Das zwei Meter große Schwergewicht beeindruckt Trainer Dirk Dzemski insbesondere durch seine Wissbegierde, die ihn so formbar erscheinen lässt.
Für Dobler war es in Magdeburg bereits der zweite Kampf im Mai, nachdem er am 9. Mai schon in Halle erfolgreich gewesen war. Nun traf er auf den Montenegriner Marko Bozovic (9-4). Dieser versuchte in der ersten Runde zwar Akzente zu setzen, doch seine Angriffe bestanden meist aus wilden Schwingern, die ins Leere gingen. In der zweiten Runde punktete Dobler mehrfach erfolgreich zum Körper und brachte Bozovic sichtbar ins Schnaufen. Gegen Ende der Runde landete zudem ein Uppercut, der den ersten Niederschlag verursachte.
Zu Beginn der dritten Runde traf Dobler erneut zum Körper und schickte Bozovic ein weiteres Mal zu Boden. Der Montenegriner ließ sich auszählen. Ein weiterer überzeugender Auftritt von Dobler, der nun von einer Titelchance träumt und damit auch seinen zweiten Einsatz innerhalb eines Monats erklärte.
„Pause kann man immer machen, aber wenn wir ehrlich sind: Nur die Harten kommen in den Garten. Die Junioren-Weltmeisterschaft soll auch noch dieses Jahr kommen, und dafür brauchen wir die Runden“, sagte Dobler nach dem Kampf gegenüber dem MDR.
Auch Deutschlands Schwergewichtsikone Axel Schulz beobachtete den Nachwuchs aufmerksam und fand lobende Worte:
„Er hat sich wirklich gut entwickelt“, und ergänzte: „Das Schöne ist ja, wenn du von draußen siehst, dass er reinguckt“, lobte Schulz die Übersicht und Umsichtigkeit des Schwergewichtlers in den jeweiligen Schlagsequenzen.
Heavyweight Michel Dobler (7–0) 🇩🇪 knocked Marko Bozovic (9–4) 🇲🇪 down in the third round, after which he was counted out in Magdeburg, Germany.
#FressXhoxhaj2 pic.twitter.com/EQqbCrjNXs
— Permante (@PermantexG) May 30, 2026
Max Suske stoppt Boris Nedbal

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Der Stralsunder Max Suske (13-2) war im Supermittelgewicht im Einsatz. Der inzwischen zum Familienvater gewordene Boxer wird von Georg Bramowski betreut und wollte seinen ersten Sieg im Jahr 2026 einfahren. Dafür musste er den Slowaken Boris Nedbal (6-4) bezwingen, der immerhin alle sechs seiner Siege vorzeitig errungen hatte.
Der Kampf begann durchaus vielversprechend. Suske arbeitete zum Körper und war zunächst darauf bedacht, kein unnötiges Risiko einzugehen. Nedbal wirkte physisch kleiner, bemühte sich jedoch offensiv. In der dritten Runde fing er sich allerdings einen Treffer am Ohr ein und musste erstmals zu Boden. In der vierten Runde folgten zwei weitere Niederschläge, und Nedbal rettete sich nur mit Mühe über die Distanz der Runde. Eine fünfte Runde sollte es für den Slowaken nicht mehr geben, da seine Ecke den Kampf vorzeitig beendete.
In the super middleweight division, Max Suske (13-2) 🇩🇪 dropped Boris Nedbal (6-4) 🇸🇰 three times and forced him to quit after the fourth round in Magdeburg, Germany.
#FressXhoxhaj2 pic.twitter.com/IIo5qyFt1C
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Ein ungefährdeter Sieg für Suske, der hoffentlich aktiv bleibt und sich künftig wieder stärkeren Aufgaben widmet. Im MDR-Interview zeigte er sich jedoch auch selbstkritisch:
„Ich finde mich trotzdem noch ein bisschen zu fest in meinen Bewegungsabläufen. Aber ich denke, wenn ich häufiger kämpfe, kommt das wieder rein, dass es wieder flüssiger läuft.“
Abschließend bedankte er sich bei Veranstalter und Publikum:
„Ich bin froh, dass ich gewonnen habe. Und danke an die geile Stimmung hier in Magdeburg, an das gesamte SES-Team. Die machen Hammer-Veranstaltungen!“
Ole Rätzel siegt vorzeitig gegen Christian Scheydt

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Im Superweltergewicht war der Magdeburger Ole Rätzel (3-0) im Einsatz. Er wollte sich mit einem Sieg gegen Christian Scheydt (8-2) empfehlen. Scheydt kam aus einer schweren K.-o.-Niederlage und war zunächst darauf bedacht, möglichst viele Runden im Ring zu verbringen. Immer wieder bewegte er sich im Kreis und bot Rätzel kaum klare Ziele.
Wenn Rätzel ihn jedoch stellen konnte, wirkte Scheydt offen und steif. Zudem hielt er sein Kinn häufig zu hoch. Dies nutzte der kompakte Magdeburger konsequent aus und schickte Scheydt in der zweiten Runde gleich zweimal zu Boden. Zwar stand dieser tapfer wieder auf, doch der Ringrichter beendete den Kampf dennoch.
Ole Rätzel dropped Christian Scheydt (8-2) twice in the super welterweight division before stopping him by TKO in the second round in Magdeburg, Germany. 🇩🇪
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Paul Schmidt stoppt Linus Brandenburg vorzeitig

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Im Opener des MDR-Livestreams kam es im Cruisergewicht zum Duell zwischen Paul Schmidt (2-0) und Linus Brandenburg (1-1), die beide ungeschlagen in den Kampf gegangen waren. Brandenburg wirkte in der Anfangsphase recht nervös und konnte kaum Akzente setzen. Der Schützling von Rüdiger May stammt ursprünglich aus dem Bare-Knuckle-Boxen und entschied sich im Alter von 30 Jahren noch einmal für eine Profikarriere im klassischen Boxsport.
Schmidt war der größere Mann und spielte diesen Vorteil gekonnt aus. Immer wieder landete er seinen Jab und hielt Brandenburg auf Distanz. Dieser fand nie wirklich in den Kampf. Als Brandenburg in der zweiten Runde offensiver werden wollte, wurde er sofort von Schmidt hart abgefangen. Er taumelte durch den Ring, woraufhin der Ringrichter den Kampf folgerichtig abbrach.
Cruiserweight Paul Schmidt (2-0) stopped Linus Brandenburg (1-1) via TKO in the second round in Magdeburg, Germany. 🇩🇪
Schmidt caught Brandenburg cleanly and hurt him badly with powerful punches, forcing the referee to stop the fight.#FressXhoxhaj2 pic.twitter.com/k1h5mZvMyo— Permante (@PermantexG) May 30, 2026














