Ringlife unterliegt Michael Smolik nach Punkten in Oberhausen

Michael Smolik siegt gegen Ringlife in Oberhausen.

Die Internetpersönlichkeit Ringlife bleibt chancenlos gegen Kickbox-Größe Michael Smolik in der Rudolf Weber-Arena.

Am Samstag fand in der großen Rudolf Weber-Arena in Oberhausen ein Kampfsportevent statt. The Ultimate HYPE lud zu einer gemischten Kampfsport-Card ein, die im Hauptkampf ein interessantes Exhibition-Duell im Boxen bot – live auf dem Streamingdienst RTL+, wo Simon Zachenhuber kommentierte.

Die Internetpersönlichkeit Edmon Avagyan, besser bekannt als „Ringlife“ auf YouTube, erreicht mit seinen Einschätzungen ein Millionenpublikum. Nun stellte er sich der ehemaligen Kickbox-Größe Michael Smolik, der im deutschen Kampfsport seit Jahren eine feste Größe darstellt.

Neuauflage eines Duells, das bereits im Oktober 2023 stattfinden sollte

Boxen: Legacy Boxing, Crossover Boxing, Pressekonferenz, Oberhausen, 17.08.2023
Face to Face: Ringlife (l.) – Michael Smolik
© Torsten Helmke

Das Duell zwischen den beiden Männern stand schon länger im Raum – genauer gesagt seit Oktober 2023, als sie sich auf einer Legacy Sports Management-Veranstaltung in der Rudolf Weber-Arena hätten treffen sollen. Unmittelbar vor dem Kampf wurde jedoch bei Michael Smolik ein Gehirntumor diagnostiziert, wodurch der Kampf selbstverständlich abgesagt wurde. Dass Smolik zwei Jahre später überhaupt wieder gesund im Ring stand, musste – unabhängig vom sportlichen Ausgang – bereits als großer Erfolg gewertet werden.

Im Vorfeld stellte sich die Frage, welcher Vorteil sich am Ende des Tages durchsetzen würde. Auf der einen Seite stand der erfahrene Kampfsportler Smolik, der große Erfolge im Kickboxen vorzuweisen hat und zudem einige MMA-Profikämpfe bestritten hat. Auf der anderen Seite Ringlife, der im Amateurbereich beim Boxclub Straubing aktiv war und dort wohl 14 Kämpfe gewonnen haben soll.

Es war also ein spannendes Abwägen, welchem der beiden Kontrahenten man ein Plus zuschreiben sollte: Smolik ist der erfahrenere Profikampfsportler, der Drucksituationen aus dem Effeff kennt und zudem der physisch größere Mann ist. Bei Ringlife hingegen lag der mögliche Vorteil in der boxerischen Grundschule – er hat in der Spezialdisziplin Boxen eine andere technische Ausbildung genossen als ein Kickboxer, dessen Stärken naturgemäß eher in den Beintechniken liegen.

Der kleinere Ringlife findet nicht in die Distanz und wird von Smolik ausgeboxt

Ringlife findet kaum in die Distanz gegen Michael Smolik.

Die überwiegende Meinung vor dem Kampf lautete, dass Ringlife als ausgebildeter Boxer durchaus als Favorit gelten würde. Kickboxer wie Smolik haben grundsätzlich den Nachteil, dass sie über einen anderen Stand verfügen, der sie etwas statischer erscheinen lässt. Zudem kommt die Tatsache, dass Smolik in seiner Karriere primär von seinen Kicks lebte – weniger von seinen Händen.

So viel zur Theorie. Doch die Zuschauer in Oberhausen sahen einen beweglichen Smolik, der erstaunlich agil aus dem Rückwärtsgang agierte. Ringlife verharrte überwiegend in der Doppeldeckung, was seinem typischen Stil entsprach. Als kleinerer Mann mit geringerer Reichweite hätte er folglich die Schlagdistanz von Smolik überbrücken müssen – was ihm jedoch nur selten gelang. Smolik verstand es, den Jab wirkungsvoll einzusetzen und sich beweglich zu zeigen, fintierte gekonnt und beschäftigte Ringlife somit permanent.

Die ersten Runden gehörten allesamt eindeutig Smolik, der boxerisch schlichtweg überzeugender agierte. Ein Thema war im Vorfeld auch die Kondition, da Smolik beispielsweise bei seinem letzten MMA-Kampf massive Nachteile in diesem Bereich hatte. Dieses Mal jedoch schien er deutlich besser vorbereitet. Zwar baute er in den letzten beiden von sechs Runden etwas ab, wodurch Ringlife mehr eigene Aktionen landen konnte, doch insgesamt war es ein dominanter Auftritt von Smolik, der exzellent gegen den etwas statischeren und kleineren Gegner eingestellt war.

Michael Smolik siegt verdient nach Punkten

Nach sechs ordentlichen Runden war der Kampf beendet – und Oberhausen sah zwar kein Spektakel, aber dennoch keinen boxerisch schwachen Kampf. Insbesondere Smolik zeigte eine gute technische Leistung, wodurch sein Sieg mehr als gerechtfertigt erschien. Das sahen auch die Punktrichter so: Sie sprachen Smolik einstimmig den Sieg nach Punkten zu. Genaue Punkturteile wurden nicht verlesen.

„Ich weiß, der Edmon ist ein wirklich guter Boxer und hat es mir teilweise wirklich schwer gemacht. Ich bin konditionell eigentlich stark, aber er hat mir schon etwas die Luft rausgenommen, und ich musste es am Ende etwas taktischer machen. Er hat es wirklich drauf. Ich wusste, dass er diesen Druck macht, ich wusste, dass ich die Distanz halten muss – aber es hat super funktioniert. Ich habe das mit meinem Coach Dirk super trainiert und immer visualisiert in meinem Kopf, so hat es auch hingehauen“, sagte ein glücklicher Smolik nach dem Kampf.

Ringlife gebührt Respekt für die sportliche Herausforderung

Viele Fans von Ringlife hatten sich im Vorfeld vielleicht etwas mehr von ihrem Schützling erhofft. Allerdings muss man zugleich festhalten, dass er sich einer großen sportlichen Herausforderung gestellt hat. Er hatte massive physische Nachteile, gepaart mit Reichweitennachteilen, die insgesamt einen klaren Nachteil darstellten. Zudem ist Smolik ein dekorierter Profikampfsportler – eine echte Bewährungsprobe also.

Infolgedessen sollte man Ringlife eher Respekt für den Mut zu dieser Herausforderung zollen, anstatt ihm die Niederlage anzukreiden. Niederlagen gehören im Sport nun einmal dazu und sind nichts Verwerfliches.

„Es war ein starker Fight. Michael war deutlich stärker, als ich erwartet habe. Er hat es sehr gut geschafft, mit der Führhand die Distanz zu halten. Es ist mir unfassbar schwergefallen, die Distanz zu überbrücken. Ich habe gar keine Ausreden – ich bin hier reingekommen, hatte eine super Vorbereitung. Ich hatte keine Verletzungen, war nicht krank. Es gibt keine einzige Ausrede für mich, dass ich diesen Kampf verloren habe. Er war heute besser“, gab Ringlife ehrlich zu.

Die Veranstaltung ist im relive auf RTL+ verfügbar.

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