
Am Samstag steigt die Debütveranstaltung von Primora Boxing in Ludwigshafen. Ein Interview über Visionen, Druck und echte Kämpfe.
Wochen und Monate der sorgfältigen Planung finden am Samstag ihr Ende, wenn Primora Boxing ihre Debütveranstaltung in der Friedrich-Ebert-Halle in Ludwigshafen geben wird. Primora Boxing ist ein neuer Anbieter im Profiboxen, der mit starken Kämpfen, gepaart mit hoher Seriosität, einen Teil dazu beitragen möchte, dass der Boxsport in Deutschland wieder zurück in den Mainstream gelangt.
Ein überaus ambitioniertes Vorhaben, das auch mit einer gewissen Fallhöhe versehen ist. So haben sich seit vielen Jahren fast alle Veranstalter in Deutschland äußerst schwergetan und konnten kaum schwarze Zahlen schreiben. Was treibt also junge Menschen an, exakt in diesen ungewissen und komplizierten Markt einzusteigen und investieren zu wollen?
Nur wenige Tage vor der ersten Primora-Boxing-Veranstaltung in Ludwigshafen spricht CEO Aldo Ricardo Silman über Druck, Visionen, echte Kämpfe und die Frage, wie der Boxsport in Deutschland wieder mehr Menschen erreichen kann.
Das exklusive Boxen1-Interview mit Aldo Ricardo Silman
Hallo Aldo, in wenigen Tagen steht eure Debütveranstaltung an. Wie fühlst du dich?
Aldo Ricardo Silman: Ich fühle mich gut. Natürlich ist es viel Arbeit, viel Druck, vieles, was auf einem lastet. Man möchte abliefern. Man möchte die Vision, die man den Leuten vermittelt, tatsächlich auch umsetzen. Momentan flowen wir einfach mit rein. Alles, was passiert, passiert. Ich meine, wir machen das gerade zum ersten Mal. Alles, was wir machen, machen und erleben wir zum ersten Mal. Aber mir geht es gut. Wir sind zielgerichtet, blicken nach vorne und geben 180 Prozent.
Du sprichst es an: Ihr macht das zum ersten Mal. Man hat sich im Vorfeld sicherlich einige Gedanken gemacht, wie das Ganze ablaufen wird, aber die praktische Erfahrung fehlt einfach noch. Hat dich das eine oder andere überrascht oder vielleicht sogar überrumpelt?
Ja, tatsächlich. Das würde ich schon sagen. Es ist ein sehr großer organisatorischer Aufwand – bis ins kleinste Detail. Man muss wirklich gefühlt alles entscheiden. Was ich auf jeden Fall sagen kann: In Zukunft müssen wir mit einem größeren Team arbeiten und gewisse Strukturen aufbauen und schaffen, um allen gerecht zu werden. Die Arbeitsaufteilung muss einfach stimmen. Dann lieber kleine Bereiche abgeben, auf die sich die Leute zu 100 Prozent konzentrieren können, als zu versuchen, auf zehn Hochzeiten gleichzeitig zu tanzen. Das ist auf jeden Fall mehr, als ich tatsächlich erwartet hatte.
Mein ganz, ganz großes Ziel ist es, dem Sport wieder mehr Bühne zu geben
Du hast Primora Boxing mit ins Leben gerufen. Was möchtet ihr anders und auch besser machen als andere?
Mein ganz, ganz großes Ziel ist es, dem Sport wieder mehr Bühne zu geben. Ich liebe diesen Sport unendlich und finde ihn so geil. Aber ich finde es sehr schade, dass es so wenig Bühne gibt und dass viele Boxer, die extrem gute Qualitäten haben, ins Ausland gehen, weil sie einfach sagen: „Na ja, in Deutschland gibt es halt nichts.“
Jetzt gibt es natürlich eine Promotion, die da wirklich sehr, sehr weit vorgearbeitet hat. Das finde ich mega, und daran wollen wir anknüpfen. Wir setzen, wie ich es schon immer gesagt habe, auf echte Kämpfe. Wir wollen, dass die Boxer sagen: „Ey, bei Primora habe ich Bock zu kämpfen, denn ich weiß, dort bekomme ich Kämpfe.“ Da kommt nicht irgendein Busfahrer von irgendwoher, der in der zweiten Runde aufs Knie geht, weil er aufgibt. So etwas wird es bei uns nicht geben.
Wir wollen wirklich, dass die Leute kommen und anschließend nach Hause gehen und sagen: „Das waren geile Kämpfe, das war eine geile Show, das Publikum war da und die Stimmung war geil.“ Das ist schon einmal etwas, was wir anders machen wollen.
Außerdem wollen wir für mehr Transparenz im Boxen sorgen. Wir wollen mehr zeigen, wie das Geschäft funktioniert: Wer sind die Menschen dahinter? Wer sind die Akteure? Wer sind die Boxer? Nur so können wir Gemeinsamkeiten mit dem Publikum schaffen – mit den Menschen, die zu Hause sitzen, sich mit den Boxern identifizieren sollen und am Ende ein Ticket kaufen, um sich den Kampf anzuschauen.
Auch wenn es in den vergangenen Jahren positive Tendenzen in Deutschland gab, muss man doch feststellen, dass diese Zeit für deutsche Boxpromoter sehr hart war. Was macht euch dennoch so optimistisch, dass ihr hier investieren wollt?
Ja, da gebe ich dir völlig recht. Aber ich glaube, dass die Menschen wieder für das Boxen begeistert werden können und dass man es mit den richtigen Mitteln hinbekommen kann, diese Veranstaltungen wieder als echtes Erlebnis zu präsentieren. Viele haben noch dieses Kirmesboxen im Kopf: „Da hauen sich zwei, das Ergebnis ist sowieso gekauft, und hingehen brauchst du nicht – es ist ohnehin langweilig.“
Ich glaube, genau das sitzt noch so fest in den Köpfen. Das lässt sich leider nicht von heute auf morgen ändern. Wir müssen stetig und immer wieder zeigen: „Ey, das letzte Boxevent habt ihr verpasst, und das war mega.“ Die Leute, die dabei waren, haben es gesehen. Sie können es bezeugen und sagen: „Ey, das war geil.“ Aber das muss man Stück für Stück aufbauen.
Ich glaube, so werden wir immer wieder neue Leute dazugewinnen: hier ein Grüppchen, da ein paar Leute mehr, dort jemanden, der begeistert ist. Natürlich wird auch einmal jemand sagen: „Nee, das ist gar nichts für mich. Es war langweilig“, oder was auch immer.
Aber ich glaube einfach, dass wir mit diesem neuen Gedanken, mit der Influencer- und Streamerwelt und mit mehr Transparenz eine Brücke schaffen müssen. Wir müssen diesen Leuten einmal wirklich zeigen, was es heißt, bei einem geilen, echten Boxevent zu sein: mit Show-Erlebnis, starken Kämpfen, Spannung, Titeln und ausgeglichenen Duellen. Kämpfe, bei denen klar ist: Wer hier verliert, geht als Verlierer nach Hause, und für den Sieger geht es auf der Karriereleiter einen Schritt weiter. So etwas reizt und begeistert die Leute.
Ich glaube, das können wir durch stetige Wiederholung auf mehreren Ebenen erreichen: Da ist die eine Promotion, dort vielleicht ein Weltmeister, dann kommen wir, und vielleicht gibt es noch eine weitere Promotion in Köln. Wir müssen mehr zusammenarbeiten. Dann können wir das als großes Ganzes irgendwann wieder auf ein gutes Niveau heben. Das ist mein Gedanke.
Du sprichst einen langfristigen Weg an. War euch von Anfang an bewusst, dass ihr mehrere Veranstaltungen brauchen würdet, damit ihr Akzeptanz findet und von den Boxsportfans wirklich angenommen werdet?
Zu 100 Prozent. Ich bin felsenfest davon ausgegangen, dass das ein langer Prozess sein wird. Ich spreche jetzt schon immer von Boxen 2027, weil ich bereits überlege, was nach dem Event kommt – ganz gleich, wie diese Veranstaltung ausgehen wird.
Die Fightcard ist super. Ich weiß, dass das, was wir sportlich aufgestellt haben, ein absolutes Statement ist, und ich bin sehr stolz darauf. Das ist das richtige Signal, das wir mit diesem Event senden wollen – unabhängig davon, wie es am Ende ausgeht.
Aber ich glaube, wir müssen das gegossene Fundament nutzen und anschließend wirklich schauen: Wie können wir 2027 loslegen? Was sind die einzelnen Bereiche, die wir 2027 angehen können? Wie können wir das umsetzen?
Du sprichst die Fightcard an, die natürlich immer ein wichtiger Bestandteil einer Veranstaltung ist. Wie zufrieden blickst du auf die Fightcard?
Sehr zufrieden. Ich muss sagen, ich bin sehr, sehr stolz – und ich weiß, dass auch mein Team und ich darauf stolz sein können. Domenic Parris hat als Matchmaker wirklich zu 100 Prozent abgeliefert. Wir haben uns vorher darauf geeinigt, was wir haben wollen, was für eine Fightcard und welche Qualität. Hier und da sind dann Dinge passiert, die wir gar nicht so auf dem Schirm hatten. Wir sind wirklich extrem stolz darauf, dass die Fightcard jetzt so ist, wie sie ist.
Wir sehen auch den Zuspruch und bekommen mit, was für Nachrichten eingehen und welche Leute sich melden. Das ist für uns schon ein Signal: „Ey, wir machen hier gerade etwas richtig, richtig Gutes.“ Sogar Leute, die eigentlich nicht in Deutschland kämpfen, sagen: „Ey, bei der nächsten Veranstaltung habe ich Bock, bei der nächsten Boxshow dabei zu sein. Das ist geil, was ihr macht.“
Und um das aufzugreifen, was wir vorhin besprochen haben: Genau das hat doch gefehlt. Daran merkt man, dass so etwas in Deutschland gefehlt hat. Selbst die Akteure, die involviert sind, sagen: „Hey, warte mal, was passiert denn hier gerade? Warum gibt es jetzt wieder so ein Event? Warum ist plötzlich wieder die SAP Arena im Gespräch? Und warum gibt es jetzt doch wieder echte Fightcards und geile Kämpfe? Was ist das für eine Karte?“
Wir müssen zunächst die Leute aktivieren, die eigentlich Teil dieses Prozesses sein sollten. Wenn wir das geschafft haben, müssen wir den Kreis immer weiter vergrößern. Deshalb bin ich mehr als stolz und auch dankbar – meinem Team, dem Matchmaker und Gökhan Özdemir. Wir haben uns zu dritt etwas vorgenommen und hoffen, dass wir am Ende allen gerecht werden und alle sagen: „Super, was ihr gemacht habt. Vielen Dank, ihr tut dem Sport etwas Gutes.“
Wenn wir in diese Boxwelt hineinkommen, dann wollen wir wirklich mit einem Knall kommen

Es sind wirklich große Namen vertreten, darunter auch Slawa Spomer. War es von Anfang an eure klare Marschroute und Vision, solche Hochkaräter für die Veranstaltung zu gewinnen, oder hat sich das nach und nach hochgeschaukelt und ergeben?
Wir hatten natürlich eine Vorstellung und auch Namen auf bestimmten Listen, bei denen wir gesagt haben: „Okay, es wäre schon schön, wenn wir das irgendwie hinbekommen.“ Natürlich waren wir uns nicht sicher, ob jetzt schon die richtige Zeit dafür ist. Aber unsere Marschrichtung war eigentlich klar: Wir wollen ein Statement setzen.
Wenn wir in diese Boxwelt hineinkommen, dann wollen wir wirklich mit einem Knall kommen und von der ersten Sekunde an wahrgenommen werden. Auf irgendeine Art und Weise müssen wir das schaffen. Natürlich war irgendwo zu erwarten, dass wir nicht gleich die Welt verändern werden, was das Event an sich angeht. Aber wir wussten: Mit der Fightcard können wir definitiv etwas machen. Deshalb haben wir gesagt, dass wir auf jeden Fall Qualität wollen.
Eines führte zum anderen. Ich glaube, wenn du etwas vorhast und daran festhältst, dann passieren die Dinge, die passieren müssen, damit es am Ende wirklich so wird. Ja, so hat es sich ergeben.
Erwähnenswert ist sicherlich auch die internationale Partnerschaft mit Dream Boxing und damit auch mit DAZN. Wie wichtig war es für euch, wirklich international aufgestellt zu sein?
Sehr, sehr wichtig. Denn wenn wir nur zu Hause unsere Sachen machen, sieht es draußen niemand so richtig. Wenn ich meine Wohnung zu Hause schön renoviere, ist das cool – ich sehe das jedes Mal. Aber die Leute draußen wissen nicht, was ich zu Hause habe.
Ich glaube, es ist wichtig, dass wir DAZN haben. Wir sprechen von Transparenz und von einer neuen Community. Wenn ich als Privatperson, meine Partner und unsere Freunde das teilen, sehen es Menschen, die vielleicht noch gar keine Berührungspunkte mit dem Boxen hatten. Die denken sich dann: „Na ja, ein Ticket kaufe ich mir nicht. Aber cool, den kenne ich vielleicht noch privat aus der Schule oder ich habe ihn ein paarmal in der Shisha-Bar oder in der Kneipe gesehen. Das ziehe ich mir einmal rein.“
Das sind für uns alles Schleusen, sage ich einmal, um neue Fans zu gewinnen und die Community ein wenig aufzubauen. Deshalb war uns das sehr, sehr wichtig. Das musste mit DAZN klappen, und darüber sind wir sehr froh. Auch über Dream Boxing sind wir sehr froh. Und Donatas Simanaitis ist mittlerweile mehr als nur ein Partner – daraus ist bereits eine Freundschaft entstanden. Darüber freue ich mich sehr, und dafür bin ich auch sehr dankbar. Das war für uns sehr, sehr wichtig.
Jeder, der Boxen liebt, wird diese Fightcard und die Kämpfe lieben

Im olympischen Boxen zählen die Usbeken zur Weltspitze. Mit Jasurbek Yuldoshev habt ihr ebenfalls einen renommierten usbekischen Amateurboxer, der in Ludwigshafen kämpfen wird. Was sind eure Pläne mit ihm?
Wir haben mit ihm tatsächlich vereinbart, dass er auch weiterhin bei den World Cups und ähnlichen Turnieren boxen soll. Das ist uns wichtig, denn das ist noch einmal eine ganz andere Bühne, auf der er gesehen wird. Wir wollten ihm diese Möglichkeit nicht nehmen, nur weil er jetzt auch Profikämpfe bestreitet.
Er steht bereits bei 3:0 und hat drei Profikämpfe absolviert. Das wird jetzt sein vierter. Da er zwischendurch diese Turniere hat und wir ihm diese Möglichkeit auch geben möchten, werden wir ihn im nächsten Jahr auf jeden Fall wieder in Deutschland sehen. Wann genau die Veranstaltung stattfinden wird, möchte ich jetzt noch nicht verraten.
Dann schauen wir, ob wir das Tempo ein wenig erhöhen können. Aber wir wollen es auch nicht übertreiben. Gemessen an dem, was er kann, ist er schon extrem gut. Man muss dabei, glaube ich, einfach ein wenig smart sein und genau wissen, wie man diese Karriere strategisch plant, um ans Ziel zu kommen. Und das Ziel ist ganz klar.
Abschließende Frage: Warum sollten alle Boxsportfreunde am 5. September in die Friedrich-Ebert-Halle nach Ludwigshafen kommen? Was dürfen sie dort nicht verpassen?
Alle Kämpfe dürfen sie nicht verpassen. Das werden einfach geile Kämpfe auf Augenhöhe – vom allerersten bis zum allerletzten, bis zum Main Event. Es werden brutale, geile Boxkämpfe, bei denen die Leute wirklich kommen, um zu gewinnen. Da kommt keiner, um zu verlieren. Jeder will gewinnen.
Es stehen drei Titel auf dem Spiel. Das wird einfach ein Fest. Jeder, der Boxen liebt, wird diese Fightcard und die Kämpfe lieben. Deshalb sollen alle vorbeikommen.
Tickets auf Eventim verfügbar – DAZN überträgt weltweit

Die Debütveranstaltung von Primora Boxing findet am Samstag in der Friedrich-Ebert-Halle in Ludwigshafen statt. Im Hauptkampf steht mit Slawa Spomer (21-1) einer der besten Boxer Deutschlands, der gegen den ungeschlagenen Ghanaer Faisal Abubakari (21-0) um den WBA-Intercontinental-Titel im Weltergewicht antritt. Zahlreiche weitere Top-Duelle stehen ebenfalls auf dem Programm.
Wer sich also ein Bild von der sportlichen Qualität am Samstag machen möchte, kann sich noch ein Ticket für die Veranstaltung in der Friedrich-Ebert-Halle in Ludwigshafen sichern. Auf Eventim sind noch Karten für unter 30 Euro verfügbar.
Zudem wird durch die Zusammenarbeit zwischen Primora Boxing und Dream Boxing ein weltweites Streaming auf DAZN sowie FightPlus gewährleistet. Die Übertragung beginnt um 18:00 Uhr.















SUPER, endlich mal wieder echtes Boxen!!!! Wir wünschen viel, viel Freude und Erfolg!!! Beste Grüße Martin