Piergiulio Ruhe siegt vorzeitig bei der Titelverteidigung in Argentinien

War erfolgreich in Buenos Aires, Piergiulio Ruhe.

Der Rintelner verteidigt erfolgreich seinen WBA-Gold-Titel im Superweltergewicht und stoppt David Alvarez vorzeitig in Buenos Aires.

Am Samstag lud die WBA zu ihrer alljährlichen „KO A Las Drogas“-Veranstaltung ein, um ein Zeichen gegen Drogen zu setzen. Seit 1991 gehört diese Veranstaltung fest zum Profiboxen. Im Casino von Buenos Aires, Argentinien, wurden sechs internationale WBA-Titelkämpfe ausgetragen, darunter auch einer mit deutscher Beteiligung.

Der aus Rinteln stammende Deutsch-Italiener Piergiulio Ruhe (20-1) machte sich zur Mission Titelverteidigung ins ferne Argentinien auf. Die Nummer 6 der WBA-Rangliste im Superweltergewicht verteidigte dort ihren WBA-Gold-Titel gegen den zuvor ungeschlagenen 19-jährigen Venezolaner David Alvarez (18-1).

Im Vorfeld des Duells zeigte sich Ruhe gegenüber Boxen1 sehr selbstbewusst und betonte seinen Erfahrungsvorsprung, der sich letztlich auszahlen sollte.

„Ich gehe allerdings davon aus, dass ich wesentlich mehr Erfahrung mitbringe, weil ich bereits deutlich härtere Gegner geboxt habe. Hinzu kommt die längere Distanz. Seine längste bisherige Kampfdistanz waren sechs Runden. Im Durchschnitt hat er, glaube ich, ungefähr drei Runden pro Kampf absolviert“, so Ruhe vor dem Kampf.

Ausgeglichener Auftakt zwischen den beiden

Der Kampf begann, und die Zuschauer sahen zunächst ein ausgeglichenes Duell. Ruhe präsentierte sich sehr beweglich und überzeugte neben einer flüssigen Beinarbeit auch mit einem aktiven Oberkörper. In der Offensive war jedoch häufig zu erkennen, dass seine Hände entweder zu kurz kamen oder auf der Deckung landeten. Da Alvarez ebenfalls zunächst abwartend agierte, konnte sich keiner der beiden Boxer in der ersten Runde einen entscheidenden Vorteil verschaffen.

Immer wieder wurde Ruhe aus der Ecke zugerufen, stärker mit dem Jab zu arbeiten, was er phasenweise auch umsetzte. Insgesamt tat er sich jedoch schwer, wirklich klare Treffer zu landen, während Alvarez zunehmend besser in den Kampf fand. Der Venezolaner schlug harte Körpertreffer und zeigte sich im Infight bissig. In der vierten Runde entwickelte sich zeitweise ein sehenswerter Schlagabtausch. Alvarez stellte Ruhe am Ringseil und bearbeitete ihn, worauf der Rintelner mit Kontern antwortete.

„Ich habe ihn etwas unterschätzt, weil er wirklich harte Hände hatte“, sagte Ruhe nach dem Kampf gegenüber Boxen1 und ergänzte: „Respekt an ihn. Es war toll, danke dafür. Das hat mich weitergebracht.“

Konditioneller Einbruch beschert Ruhe den Sieg

Piergiulio Ruhe stoppt in der siebten Runde David Alvarez.

Es deutete sich zunächst ein enger und spannender Kampf an, doch Alvarez baute schließlich konditionell rapide ab. Bereits in der fünften Runde war offensiv kaum noch etwas von ihm zu sehen. Ruhe erkannte dies und übernahm spätestens ab der sechsten Runde eindeutig das Kommando.

„Als er in der fünften Runde abgebaut hat, war uns das schon bewusst. Mein Trainer Orlando Soto hat gesagt, dass er vorher nur Drei- und Vier-Runden-Kämpfe sowie einmal einen Sechs-Runden-Kampf absolviert hat. Das musste so kommen.“

In der siebten Runde ging Alvarez nach einem Körpertreffer erstmals zu Boden. Er stand zwar zügig wieder auf, musste wenig später jedoch erneut auf die Knie, wobei der zweite Niederschlag etwas unglücklich zustande kam. Der Ringrichter wertete die Situation allerdings so, dass Alvarez mit seinen Kräften am Ende war, und beendete den Kampf per TKO in Runde sieben. Eine vielleicht etwas vorschnelle Entscheidung, wenngleich kaum zu erwarten gewesen wäre, dass Alvarez noch viele weitere Runden hätte durchstehen können.

Für Ruhe war es schließlich ein gelungener Auswärtsauftritt in Argentinien, der ihn womöglich bis in die Top 3 der WBA-Rangliste vorrücken lässt.

Mentor Firat Arslan ist stolz auf seinen Schützling

Erfolgreiches Team in Buenos Aires:
Ilias Essaoudi (Athletik Coach) , Orlando Soto (Head Coach Boxen), Kemal Yilmaz (bester Kumpel und Ernährungscoach), Piergiulio Ruhe, Eugen Hubert (Management), Firat Arslan (Mentor und Managament).

Neben Headcoach Orlando Soto und Athletiktrainer Ilias Essaoudi reiste unter anderem auch Firat Arslan mit nach Buenos Aires. Der ehemalige deutsche Weltmeister im Cruisergewicht begleitet Ruhe als Mentor und Berater und konnte mit seinen Kontakten zur WBA auch entsprechende Titelkämpfe vermitteln. Für Ruhe bedeutet die Zusammenarbeit mit Arslan sehr viel.

„Ich bin sehr stolz darauf, dass Firat Teil meines Teams ist. Er ist mein Mentor, mein Berater. Er ist seit drei Kämpfen bei mir und wird auch für immer bei mir bleiben, weil er mich einfach viel unterstützt und mir die benötigte Stärke gibt“, so Ruhe dankbar. Gleichzeitig lobte er auch die übrigen Mitglieder seines Teams: „Der Rest meines Teams mit Kemal, Ilias und Orlando – es ist so wichtig, ein gutes Team um sich herum zu haben. Die kümmern sich um alles.“

Doch nicht nur Ruhe zeigte sich nach dem Kampf euphorisch. Auch Firat Arslan war unmittelbar nach dem Sieg gegenüber Boxen1 voll des Lobes für seinen Schützling.

„Mir hat der Kampf sehr gut gefallen. Piergiulio hat wirklich sehr gut geboxt“, so Arslan, der dennoch auch einen kleinen Kritikpunkt ansprach: „Ich hätte mir gewünscht, dass er noch mehr die Distanz hält, da der Gegner im Nahkampf wirklich gefährlich war. Er hat die Linke wirklich sehr gut zum Körper, zur Leber und zum Kopf geschlagen.“

Am Ende stand jedoch ein ungefährdeter Sieg, der die kontinuierliche Entwicklung von Ruhe unterstreicht.

„Er hat es sehr souverän gemacht und eine starke Entwicklung durchlaufen. Er hat ein starkes Distanzgefühl und ein gutes Auge. Ein paar Mal ist er unnötig ins Risiko gegangen, weil er dem Publikum etwas bieten wollte. Ich bin sehr stolz auf ihn!“

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