Phannarai und Feigenbutz siegen – KO-Niederlage für Alexander Pavlov

Boxpromoter Thomas Nissen und die 1600 Zuschauer sahen in der ausverkauften Hamburger In-Disco „Große Freiheit 36“ brillante Fights, einige Überraschungen und tolle Showeinlagen.

Phannarei verteidigt Titel

Traditionell fing das Event mit der Einspielung „Das Herz eines Boxers“ von Max Schmeling an. Ringsprecher Ingo Rohrbach stimmte mit seiner markanten Stimme die Zuschauer auf das Ereignis gewohnt souverän ein. Und die Akteure schenkten sich dann nichts.

Beim 10jährigen Bestehen der Veranstaltungsreihe von Boxen im Norden musste die 23jährige Fai Phannarei alles geben um die immer im Vorwärtsgang marschierende Mexikanerin Isis Vargas Perez (jetzt 10 Siege/ 7 Niederlagen) einstimmig nach Punkten (97:93, 96:94, 98:92) zu besiegen. Experten am Ring waren sich einig, dass das 98:92-Urteil der Leistung der 27jähringen in Mexiko-Stadt lebenden Boxerin eindeutig zu hoch ausfiel. Auf flinken Beinen und mit schnellen Kontern ließ die Deutsche ihre Kontrahentin oft ins Leere schlagen.

Foto: Torsten Helmke

Viele Treffer gingen auch auf ihre gute Deckung. Doch bei dem Schlagwirbel der Mexikanerin traf der ein oder andere Schlag, hinterließ jedoch kaum Wirkung. Die „Workrate“ von Perez war zwar höher, ihre Trefferquote jedoch nicht. Die gebürtige Thailänderin war von ihrem neuen Trainer gut auf die ungestüm angreifenden Kontrahentin eingestellt. Der Kampfverlauf Runde für Runde ähnelte sich mit insgesamt leichten Vorteilen für die Titelverteidigerin. Die Superbantamgewichtlerin nahm dann freudestrahlend den WBF-Gürtel von WBF Supervisor Chris Rösen entgegen. „Ich bin nicht sonderlich zufrieden mit meiner eigenen Leistung“, verkündete Phannarei noch selbstkritisch im Ring. „Perez war sehr stark. Ich habe oft in der Ringpause meinen Coach gefragt, ob ich vorne liege.“ Thomas Nissen stellte klar: „Fai rückt durch den Sieg jetzt von Platz sieben auf Rang drei der Weltrangliste vor.“ Und ist damit bereit für weitere schwierigere Fight.

KO-Niederlage für Pavlov

Der Hamburger Lokalmatador Alexander Pavlov (22 S./6 N.) hatte sich den Abend bestimmt völlig anders vorgestellt. Der Supermittelgewichtler war in seinem WBF-WM-Kampf gegen den ungeschlagenen Alaa al Mahmoud (12 Siege) aus den Niederlande ohne Chance. Er  ging in dem vom gebürtigen Syrer entfachten Schlagwirbel praktisch unter. Da halfen auch die Instruktionen seiner Trainers Viktor Hermann nichts. In der vierten und fünften Runde machte Pavlov mehrmals Bodenbekanntschaft und wurde vom Ringrichter folgerichtig im fünften Durchgang nach 1:24 Minute erschöpft auf den Knien aus dem Kampf genommen.

Foto: Torsten Helmke

„So ist Boxen, wenn man keine ausgesuchten Gegner verpflichtet. Heute war der Mahmoud einfach zu stark. Das erkenn ich natürlich an. Alexander wird weiter von mir Kämpfe bekommen“, bekräftigte Thomas Nissen abschließend mit Blick auf den 3. Oktober diesen Jahres. Tickets für dieses Kult-Event gibt es bereits bei Eventim online zu erwerben.

Feigenbutz mit Punktsieg

Nach mehreren Enttäuschungen, besonders durch seinen früheren Manager hatte Ex-WBA-Weltmeister Vincent Feigenbutz (29) keine Lust mehr und widmete sich einer Berufsausbildung. Thomas Nissen überzeugte ihn mit Ringarzt und Freund Dr. Tim Kuchenbuch vom Comeback. Nach rund zweijähriger Ring-Abstinenz hat es der Mittelgewichtler jetzt eilig. Gegen den Slowaken Lukas Ferneza (23) feierte Feigenbutz den zweiten Sieg binnen Wochenfrist. Diesmal allerdings nicht durch KO. Die Ringrichter werteten 78:74, 78:74, 77:75 für den Karlsruher.

Foto: Torsten Helmke

Ferenza (5 S./3.N.) musste harte Treffen schlucken, teilte aber auch gut aus. Der 29jährige Deutsche betrieb zuletzt praktisch nur noch „Hobby-Boxen“ für sich alleine im Keller. „Die beiden Fights habe ich jetzt ohne eine Runde Sparring bestritten. Ob und wie es weitergeht habe ich noch nicht entschieden.“ Familie und Beruf seien für ihn schwer zu vereinbaren. „Meine Prioritäten liegen zur Zeit nicht auf dem Profiboxen. Bei der tollen Atmosphäre hier werde ich sicherlich am 3. Oktober wieder in der Großen Freiheit 36 boxen.“

Sieger für Krieger und Stancic

Denis Krieger (17 S./13 N./2 Remis) holte sich die WBF-Interconti-Meisterschaft im Superweltergewicht (69,9 Kilo) gegen den Tschechen Filip Gorol (3 S./2 N.) durch technischen K.o. in der zweiten Runde. Der Hamburger schlug die eindeutig härteren Hände. Der Ringrichter brach den Fight nach 2:58 Minuten ohne Bodenkontakt ab. Krieger sagte: „Vor drei Jahren dachte ich, dass ich nicht wieder boxen kann und es nicht weitergeht. Ich hatte viele Fehler gemacht. Doch jetzt will ich wieder angreifen.“

Der Deutsche Meister im Leichtgewicht Nenad Stancic (17 Siege) besiegte auf beeindruckende Weise den dahin in 13 Kämpfen unbesiegten Gegner Jose Arcon (Venezuela). In der Pause zur sechsten Runde blieb der Südamerikaner einfach auf dem Stuhl sitzen und gab auf. Stancic freut sich auf seine Box-Zukunft: „Jetzt will ich um internationale Titelehren fighten.“ Der Hamburger Vladyslav Hitlin (unbesiegt in 6 Fights) siegte im Superwelter über sechs Runden in einem unspektakulär verlaufenden Kampfgeschehen den Ungarn Gyorgy Miszsei (28 S./53 N. /2 Unentschieden).

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