Olympiasiegerin Imane Khelif verletzt – Profi-Duell gegen Julia Igel in Paris abgesagt!

Foto: Oliver Rast

Es wäre das Box-Politikum des Frühjahrs gewesen: das Profi-Duell zwischen der intersexuellen Olympiasiegerin Imane Khelif aus Algerien und der Deutschen Julia Igel – am 23. April im Salle Wagram in Paris. Aber: Der Fight in dem historischen Ballsaal mit seiner prunkvollen Deckenmalerei unweit des Arc de Triomphe wurde seitens der Organisatoren abgesagt, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters am Montagabend.

Nach Medizin-Check: Khelif nicht wettkampffähig

Der Grund: Khelif soll sich im Training an der Schulter verletzt haben. Ärzte stellten in einer Untersuchung ein Syndrom in der linken Schulter fest. Khelifs Motorik sei spürbar eingeschränkt, was einen Einsatz derzeit unmöglich macht. „Aufgrund der hohen biomechanischen Belastungen im Spitzenboxen hielt das medizinische Team den Zustand der Athletin vorübergehend für unvereinbar mit einem Wettkampf“, hieß es in einer Erklärung, aus der Reuters zitiert. Zudem betonte Khelifs Promoter Brahim Asloum: „Die Gesundheit und das körperliche Wohlbefinden unserer Athletinnen und Athleten haben für uns oberste Priorität.“

Die gesamte Veranstaltung – einschließlich zweier WBA‑Titelkämpfe – wurde laut Reuters verschoben. Unter anderem der von der Französin Estelle Mossely (12‑0‑1, 1 KO) gegen die Argentinierin Karen Elizabeth Carabajal (25‑3‑0, 4 KOs) im Leichtgewicht. Ein neuer Termin soll bald in Abstimmung mit der WBA bekanntgegeben werden; Tickets werden erstattet.

Kampfabsage mit Ansage

Der Rückzieher von Khelif bzw. die Absage kommen für Beobachter nicht überraschend. Wenige Stunden vor der Reuters-Meldung hatte die Trainerin und Managerin von Igel, Ikram Kerwat, auf ihrem Instagram-Account gepostet: „Hör auf auszuweichen und dich zu verstecken, Imane Khelif.“ Provokanter noch: „Ihr solltet den Kampf besser nicht absagen. Für einen Mann ist im Frauenboxen kein Platz.“

 

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Zwei Tage zuvor, am Samstagnachmittag, schien hingegen noch alles nach Plan zu laufen. Die 25‑jährige Igel (5-2-0, 4 KOs) bereitete sich in einem Gym in Berlin‑Spandau intensiv auf den Fight gegen Khelif vor: im Vollkontakt, ohne Kopfschutz – selbst im Sparring. Der Autor durfte exklusiv dabei sein.

„Der Vertrag zum Kampf ist fix“, betonte Kerwat auf Nachfrage. Über Umwege und Kontakte hätte es für Igel die Option gegeben, Khelif vor den Fäusten zu haben – organisiert von der Fédération Française de Boxe (FFBoxe), die sowohl für den Amateur- als auch den Profiboxsport zuständig ist.

PCR-Gentest zur biologischen Geschlechtsbestimmung

Bemerkenswert: Erstmals nach ihrer Goldmedaille wäre die 26‑Jährige aus dem Maghreb wieder in den Ring geklettert – im Profibereich. 18 Monate nach ihrem Olympiasieg 2024 im Weltergewicht in Paris. Anfang April absolvierte Khelif ein öffentliches Training in Paris – und erzählte gegenüber französischen Medien von ihrem Neuanfang im Profibusiness (laut BoxRec ihr zweiter Profi-Fight). Dort, wo sie offenbar als intersexuelle Athletin nicht gesperrt ist – und PCR‑Gentests zur Bestimmung des biologischen Geschlechts nicht verpflichtend sind. Anders beim Amateurboxen.

Ende März zog das IOC die Reißleine: Ab den Spielen 2028 in Los Angeles wird ein einmaliger SRY‑Test Pflicht für die Frauenkategorie. Das Gen sitzt normalerweise auf dem Y‑Chromosom und löst früh die männliche Entwicklung aus. Genau deshalb ist sein Nachweis im Spitzensport brisant – bestimmte Varianten können dauerhaft erhöhtes Testosteron und damit körperliche Vorteile bedeuten. Die Kernfrage lautet: Wie schützt man die Frauenkategorie als klar definierten Raum für biologisch weibliche Athletinnen?

Gender-Kontroverse und Schutzraum für Frauen

Foto: Oliver Rast

Ja, ein Schutzraum – das ist Kerwat wichtig. „Er [Khelif] hat die Knochendichte eines Mannes. Er hat das Lungenvolumen eines Mannes. Er produziert die Menge an Testosteron wie ein völlig normaler Kerl.“ Wenn Kerwat über Khelif redet, verwendet sie das Pronomen „er“. Bewusst als Statement. Sie lasse sich von niemandem den Mund verbieten, sie sage ihre Meinung frei heraus – direkt, frontal. Sicher, für den ‚Gendefekt‘ könne Khelif nichts. „Das tut mir leid für ihn, dafür kann er nichts.“ Aber das rechtfertige nicht, in der Frauenkonkurrenz zu starten.

Das sieht Igel ähnlich. „Man kann nicht einfach sagen, man sei eine Frau“, findet sie. „Im Ring zählt die körperliche Realität – und die Schlagkraft eines Menschen mit männlichen Merkmalen ist für mich ein höheres Risiko.“ Solche Personen hätten im Frauenboxen nichts verloren. Trotzdem wäre sie gegen Khelif angetreten – warum? „Ich suche die Herausforderung.“ Die Aufmerksamkeit sei eine Chance, ein Zeichen zu setzen.

Deutlicher formulierte Kerwat: „Wenn du [Khelif] das Frauenboxen für dich nutzt, damit du als Kerl weiterkommst, nutzen wir dich als Sprungbrett für unsere Promo.“ Daraus wird nun nichts – der Showdown im Box‑Politikum fällt aus. Vorerst jedenfalls.

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6 Kommentare

  1. Der die das hat in Frauen Boxen, nichts zu suchen. Ausserdem sollte er die Olympische Medaille zurückgeben müssen.
    Fürs Frauen Boxen gehört dieser Typ auf Lebenszeit gesperrt. Ihm macht es nichts aus körperlich schwächere Frauen, zu verprügeln und deren Gesundheit aufs Spiel zu setzen.
    Bei so etwas geht mir die Hutschnur hoch.

    Die Verantwortlichen, für diese Farce bei den olympischen Spielen, gehören ebenfalls bestraft. Hier wurde auch bewusst, die Gesundheit der weiblichen Boxerinnen durch das infiltrieren von Männern, auf Spiel gesetzt.
    Jede Frau im Boxsport, sollte es ablehnen, gegen solche der die das Boxer, zu Boxen.

  2. Ist es ein Mann? Ist es eine Frau? Keins von beiden.

    Das Ergebnis einer Chromosomenanalyse ergab, dass Khelif über einen XY-Chromosomensatz verfügt. XY gilt als männlich, sie wäre somit ein Mann in einem Frauenkörper.

    Ich verwende „sie“ aus Respekt, weil es das anspricht, was sie offenbar sein möchte. Es ist alles natürlich, trotzdem ist sie keine Frau im biologischen Sinne und sollte nicht gegen biologische Frauen in einem Boxkampf antreten dürfen.

    • Biologie und ihre wissenschaftlichen Fakten sind nicht so ihr Wissensgebiet… richtig!?

      Ihre Worte: „…, sie wäre somit ein Mann in einem Frauenkörper.“

      Falsch… richtig ist… er ist eine (eingebildete) Frau in einem Männerkörper… sieht man übrigens sehr deutlich… Biologie ist kein Wunschkonzert!

      Sport Frei…!

  3. Falls es sowas wie Intersexualität real gäbe, müssten die Geschlechter-Kategorien Männer – Frauen im Sport generell abgeschafft werden, da obsolet. Bzw. jede Person könnte dann frei entscheiden, in welcher Kategorie man antritt. Dies wäre eine Farce sondergleichen und äusserst fragwürdig, in verschiedener Hinsicht. Zum Thema: Zum Gück wurde diese fragwürdige unseriöse Veranstaltung abgesagt, solche Kämpfe schaden dem Boxsport. Welcher (Hinterzimmer-) Verband hätte den eigentlich sanktioniert? Oder wäre es unter „Unlicenced Boxing“ gelaufen?

  4. Hier ein Gedanke: Ich kann mir vorstellen, dass die Motivation, Igel eine Chance für ihre Karriere zu bieten, etwas nachgelassen hat, als Igel ihre Plattform nutzte, um eine Minderheitengruppe, nämlich Transfrauen, zu beleidigen – was übrigens nicht auf Imane Khelif zutrifft. Nun ja, es gibt viele andere Kämpferinnen, sogar bessere, die mehr Urteilsvermögen und Sportsgeist beweisen. Und vergesst nicht, Kinder: Auch Trash-Talk ist eine Kunstform, und dafür gibt es ungeschriebene regeln. Bisschen style ist schon wichtig, es ist letzendlich auch ein show…

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