
Das niederländische Kampfsportidol feiert am Samstag sein Comeback im Boxring – gegen einen Deutsch-Albaner.
Im Boxen wurde es in den vergangenen sieben Jahren ruhig um den niederländischen Kampfsportstar Nieky Holzken (14-1), der sich jedoch in dieser Zeit in Asien bei der renommierten ONE Championship mit starken Leistungen präsentierte. In seinem letzten Kampf lieferte er wieder eine fulminante Schlacht: Er wurde niedergeschlagen, schlug jedoch seinen Gegner postwendend selbst K.o. Genau dafür lieben ihn seine Fans – dafür steht Nieky Holzken.
Doch seine Zeit bei der ONE Championship scheint sich dem Ende zuzuneigen. Der renommierte Kickboxer und Muay-Thai-Kämpfer möchte sich im Spätherbst seiner Karriere noch einmal dem Boxen widmen. Bereits in der vergangenen Dekade versuchte er sich in dieser Disziplin und stieg dabei sogar gegen Ex-Weltmeister Callum Smith (31-2) in den Ring. In Nürnberg unterlag er dem späteren Turniersieger der World Boxing Super Series nach guter Leistung. Ursprünglich war Jürgen Brähmer (52-3) als Gegner im Viertelfinale vorgesehen, dieser zog sich jedoch aus gesundheitlichen Gründen zurück.
Seitdem sind über sieben Jahre vergangen – und im Boxen hörte man kaum noch etwas von Holzken. Nun soll sich das schlagartig ändern: Am Samstag will der gefeierte Kampfsportstar im Veka Sportcentrum in Helmond, Niederlande, noch einmal angreifen.
Das Boxen hat es nicht leicht in den Niederlanden

Die Niederlande gelten als exzellentes Kampfsportland, insbesondere in den Standdisziplinen – doch liegt der Fokus klar auf dem Kickboxen. Die Folge: Das klassische Boxen hat es schwer und fristet ein Nischendasein. Vergleichbar ist das etwa mit der Szene in Polen, wo das Boxen ebenfalls deutlich hinter dem florierenden MMA zurücksteht.
Holzken will das ändern – und das Boxen in seinem Heimatland wieder stärker in den Fokus rücken. Dafür organisiert er seine eigene Kampfnacht, bei der unter anderem auch sein Sohn, Geraldo Holzken, sein Profidebüt feiern wird. Ein großer Moment für die Familie Holzken – und auch für den zweiten Hauptkämpfer des Abends, der in Hamburg beheimatet ist.
Edison Demaj begibt sich hochmotiviert in die Niederlande

Edison Demaj (GER) – Pryzemyslaw Gorgon (POL)
© Torsten Helmke
Im Hauptkampf des Abends geht es um den WBF-Intercontinental-Titel im Halbschwergewicht, der über maximal zehn Runden ausgetragen wird. Dort trifft Nieky Holzken auf den Deutsch-Albaner Edison Demaj (14-4-1), der in der jüngeren Vergangenheit ein Auf und Ab im Boxsport erlebt hat. So reiste Demaj zuletzt unter anderem nach Tschechien und Kanada, wo er jeweils Niederlagen hinnehmen musste. Besonders deutlich fiel die Pleite in Übersee gegen das hochgehandelte Prospect Moreno Fendero (11-0) aus.
Diesen Kampf dürften sich auch die Niederländer angeschaut haben – aus ihrer Sicht wäre ein überzeugender Sieg von Holzken gegen Demaj wünschenswert. Doch der Deutsch-Albaner hat andere Pläne, wie er im Gespräch mit Boxen1 betont. Während der Kanada-Kampf primär aus monetären Gründen angenommen wurde, sieht Demaj nun gegen Holzken eine echte sportliche Chance – und fühlt sich geehrt, als Gegner ausgewählt worden zu sein.
„Ich habe früher seine Kämpfe auf Eurosport geschaut“, gesteht er. Von Ehrfurcht will er dennoch nichts wissen: „Er ist schon alt.“
Demaj erarbeitet sich im Boxen alles selbst
Demaj ist ein Selfmade-Mann – einen festen Trainer hat er keinen, das Boxen geschieht nebenbei. Stattdessen hat er zwei kleine Töchter, die ihm alles bedeuten. Er gesteht, dass er nicht immer Lust hat, nach der harten Arbeit noch zwei Einheiten im Training zu absolvieren. Bei der jetzigen Gelegenheit fällt es ihm aber deutlich einfacher.
Fit hält er sich im kultigen Boxtempel „Zur Ritze“ auf der Reeperbahn in Hamburg, wo schon der ein oder andere Champion im Keller den Feinschliff erhielt. Wenn er nicht trainiert, dann rackert er auf der Arbeit: „Ich bin Unternehmer im Baugewerbe“, da gibt es immer viel zu tun.
Die Vorbereitung zu diesem großen Kampf lief derweil nach Plan: „Den Umständen entsprechend fühle ich mich gut vorbereitet. Ich habe die ganze Vorbereitung alleine durchzogen.“ Insgesamt blickt er mit großer Vorfreude auf Samstag: „Ich muss noch etwas Gewicht machen, bin richtig motiviert und kann es kaum abwarten!“
Der Schlüssel zum Sieg sind die Konter
Man muss sich wenig vormachen: Nieky Holzken ist der Kampfsport-Star des Abends und feiert am Samstag sein Homecoming – bei seiner eigens ausgerichteten Kampfnacht. Entsprechend sind alle Augen auf den Niederländer gerichtet, der sich mit einem überzeugenden vorzeitigen Sieg im Boxring zurückmelden soll. Das weiß auch Edison Demaj – und dennoch glaubt er an seine Chance.
Immerhin ist Demaj ein gut ausgebildeter Boxer, der zu Amateurzeiten sogar Adam Deines schlagen konnte. Holzken hingegen ist kein typischer Boxer. Seine lange Abstinenz vom Boxring könnte sich als Nachteil erweisen – vorausgesetzt, Demaj gelingt es, diese Schwächen auszunutzen.
Eine potenzielle Schwachstelle hat sich der Deutsch-Albaner bereits ausgeguckt. Trotz aller offensiven Durchschlagskraft wirkt Holzken in den eigenen Aktionen durchaus verwundbar. Genau dort will Demaj mit gezielten Kontern ansetzen:
„Gegen Holzken muss die Deckung sitzen. Man darf sich nicht von seiner physischen Naturgewalt einschüchtern lassen – er kommt über Schlagkombinationen und Schlaghärte. Da wird es entscheidend sein, dass ich stabil in der Defensive bin und explosiv kontere.“
„Meine Anhänger werden sich über eine Schlacht freuen!“

Edison Demaj (GER) – Pryzemyslaw Gorgon (POL)
© Torsten Helmke
Auch wenn die Aufgabe groß erscheint, glaubt Demaj an seine Chance – und möchte die Kampfsportszene mit einer beherzten Leistung überraschen. An seine Anhänger richtet er abschließend kämpferische Worte und schwört sie auf ein packendes Gefecht ein:
„Meine Anhänger werden sich über eine Schlacht freuen! Ich werde im Ring alles geben und nichts zurücklassen. Nach Punkten ist in den Niederlanden nichts zu holen. Er will mich ausknocken – und hat diesen Druck, weil er zu Hause boxt. Er will einen spektakulären K.o. liefern, das hat er auf der Pressekonferenz angekündigt. Genau das ist meine Chance, ihn selbst auszuknocken. Wir kommen beide mit einer Bomben-Motivation, den anderen jeweils auszuknocken.“
Enttäuschende Undercard und teures PPV
Während der Hauptkampf nicht uninteressant erscheint, bietet die Undercard deutlich weniger. Holzken Junior bestreitet sein Profidebüt gegen einen Aufbaugegner mit einer 0-4-Bilanz. Auch die weiteren b-sides wie Mazen Girke (16-179-7) oder Piotr „Bubu“ Cwik (9-3) lassen kaum Überraschungen erwarten.
Insgesamt bleibt die Fightcard enttäuschend – vor allem angesichts der Tatsache, dass es sich um ein Pay-per-View-Event zum stolzen Preis von 17,95 € handelt. Kampfbeginn ist am Samstag um 19 Uhr.












