Nachbericht Bundesliga BC Straubing – Nordhäuser SV

Mannschaftsbild NSV-Riege / Foto: Johann Reinhardt
Mannschaftsbild NSV-Riege / Foto: Johann Reinhardt

Auftakt nach Maß: NSV-Boxer feiern Kantersieg in Straubing

Autor: Johann Reinhardt

Mit solch einem ungefährdeten Auftakterfolg in die Bundesliga-Saison 2016/17 hätte von den NSV-Verantwortlichen vor gut einer Woche noch keiner gerechnet, zumal in den Reihen der Nordhäuser noch einige Leistungsträger fehlten. Im bayerischen Straubing setzte sich das Team von Cheftrainer Andreas Dietrich-Scherfling am Samstag trotzdem souverän mit 15:8 durch und übernimmt dadurch die zwischenzeitliche Tabellenführung der Staffel Süd, bevor es am 7. Januar in eigener Halle zum Duell um die Tabellenspitze mit den punktgleichen Chemnitzern kommt. „So ein hohes Ergebnis hätten wir uns vorher natürlich nicht träumen lassen, lässt uns aber optimistisch auf den weiteren Saisonverlauf blicken. Die Mannschaft hat eine geschlossen starke Leistung abgerufen und sich mit dem Sieg selbst dafür belohnt“, lobt Dietrich-Scherfling.

Straubinger durch Verletzungspech bereits nach dem Wiegen im Rückstand

Für eine Überraschung sorgte zwei Stunden vor dem eigentlichen Kampfbeginn beim Wiegen der Nichtantritt des Straubinger Bantamgewichtlers Hamza Touba. Der Olympiateilnehmer, einer der Leistungsträger in den Reihen der Donaustädter, zog sich im Abschlusstraining am Vortag eine Verletzung zu – nach der Absage von Lokalmatador Edgar Walth im Vorfeld war dies die nächste Hiobsbotschaft für Straubing. Da kein Ersatz gefunden werden konnte, gewannen die Nordhäuser in Person von Neuzugang Sharafa Raman den ersten Kampf kampflos und auch der Wiegepunkt fehlte den Bayern, sodass es zu diesem frühen Zeitpunkt bereits 0:2 aus Sicht der Hausherren stand. „Natürlich lässt einen das etwas entspannter in die danach folgenden Kämpfe gehen“, erklärt Dietrich-Scherfling.

Bacskais Sieg bringt bereits vor der Halbzeit bereits die Entscheidung

Dass gegen die Nordhäuser Equipe aber auch so kein Kraut an diesem Abend gewachsen gewesen wäre, zeigten die anschließenden Duelle in der Straubinger Ejadonhalle. Sowohl die beiden Ungarn Roland Gálos und Balázs Bacskai und Halb-Weltergewichtler Wladimir Baryshnik entschieden ihre Kämpfe für sich und schraubten den Vorsprung bis zur Halbzeitpause nach vier der acht Paarungen bereits auf ein uneinholbares 8:3 nach oben. Insbesondere die NSV-Debütanten Gálos und Baryshnik ließen in keiner der drei Runden Zweifel an ihren Siegen aufkommen und deuteten bereits an, dass sie im weiteren Saisonverlauf zu wichtigen Stützen im Team der Nordthüringer avancieren könnten. Der mehrmalige Ungarische Meister Gálos, mit über 100 Siegen mit großen Vorschusslorbeeren in den Ring gestiegen, bezwang in souveräner Manier Andreas Leis, wobei der Kampf aufgrund eines Cuts des Straubingers schon in der zweiten Runde beendet und vorzeitig ausgepunktet wurde. Baryshnik setzte sich ähnlich überlegen im Duell mit seinem Heidelberger Trainingskollegen Christian Dezel durch. Am meisten musste Bacskai bei seinem Start in seine bereits sechste Bundesliga-Saison kämpfen: Der deutsche Vize-Meister der U21, Arthur Krischanowski, machte dem ungarischen Olympiateilnehmer immer wieder das Leben schwer und sicherte sich die erste Runden. Anschließend fand Bacskai besser in das Gefecht und spielte seine langjährige Erfahrung aus. „Wir wussten vorher, dass es für Balázs diesmal nicht einfach werden würde. Es war ein knapper aber verdienter Sieg, denn vor allem in der letzten Runde war Balázs der aktivere Boxer und landete mehrere Treffer“, so Cheftrainer Andreas Dietrich-Scherfling.

Junge NSV-Garde macht Kantersieg perfekt

Auch nach der Pause zeigte sich die Boxriege des Nordhäuser SV weiter angriffslustig und hochmotiviert und baute ihr Polster auf 15:8 weiter aus. Es folgten Siege von Mannschaftskapitän Stefan Nikitin (Mittelgewicht), Athanasios Kazakis (Halbschwergewicht) sowie des in Deutschland lebenden Serben Dragan Veljkovic (Schwergewicht), der aufgrund seines überzeugenden Auftrittes gegen den erfahrenen Bayer Anatolij Popp, immerhin bereits Bronzemedaillengewinner bei Deutschen Meisterschaften, vielleicht die größte Überraschung des Abends war. Einzig Simon Brocilio musste sich dem Deutschen Vize-Meister Granit Shala geschlagen geben, der damit für den ersten und einzigen Einzelsieg der Straubinger sorgte. „Die Jungs haben heute Abend eindrucksvoll gezeigt, dass sie auch für die kommenden Kämpfe gute Alternativen sind und wir uns auf sie verlassen können. Technisch und kämpferisch haben sie gar keinen Zweifel aufkommen lassen“, lobt NSV-Mannschaftsleiter Michael Döring die Leistung des Teams.

Nordhäuser Weg: Aus Talenten neue Leistungsträger formen

Besonders beeindruckend war die Abgeklärtheit der jungen NSV-Riege: Sechs Boxer feierten in Straubing ihr Bundesliga-Debüt, fünf von ihnen waren 21 Jahre alt oder jünger. „Unser Ziel ist, auch jungen talentierten Sportlern die Chance bei uns zu geben und sie langfristig in die Mannschaft zu integrieren“, beschreibt Andreas Dietrich-Scherfling. Dieser Weg soll auch in den kommenden Kämpfen fortgesetzt werden und so steht im ersten Heimkampf gegen Chemnitz das Thüringer Eigengewächs Silvo Schierle aus Saalfeld vor seinem ersten Einsatz: „Auch Balázs Bacskai oder Leon Bunn sind damals mit Anfang 20 zu uns nach Nordhausen gekommen und haben sich hervorragend entwickelt. Ähnliches erhoffen wir uns von der jetzigen Generation – sie genießt absolut unser Vertrauen.“