Nach Hysa-Rückzieher: Das sind mögliche Kabayel-Gegner für WBC-WM

Agit Kabayels erste Titelverteidigung als WBC-Weltmeister steht: Am 28. November kehrt der Bochumer in die Rudolf-Weber-Arena nach Oberhausen zurück. Nur der Gegner fehlt noch. Nachdem Nelson Hysa erst lautstark einen WM-Kampf forderte und anschließend ausstieg, werden nun diverse andere Schwergewichte als mögliche Herausforderer gehandelt.

Hysa fordert Kabayel heraus und zieht anschließend zurück

13.000 Zuschauer, eine volle Halle und die erste Verteidigung des WBC-WM-Titels: Für Agit Kabayel ist die Bühne am 28. November bereitet. Der 33-Jährige kehrt dabei an den Ort seines bislang letzten Kampfes zurück. Im Januar stoppte Kabayel den Polen Damian Knyba bereits in der dritten Runde und sorgte in Oberhausen für eine weitere eindrucksvolle Vorstellung.

Lange sah es danach aus, als würde Nelson Hysa die Chance erhalten, Kabayel bei dessen erster Titelverteidigung gegenüberzustehen. Der Albaner hatte den deutschen Weltmeister öffentlich herausgefordert und dabei keine Zweifel daran gelassen, dass er den Kampf unbedingt haben wollte. Als es konkret wurde, änderte sich die Situation allerdings.

Nelson Hysa fordert Agit Kabayel heraus

Kabayel-Manager Lasse Krüger erklärte der BILD: „Hysa hat auf den letzten Metern Angst bekommen. So haben wir es gehört. Als eigentlich alles verhandelt war, hat er die doppelte Gage gefordert. Wir gehen davon aus, dass er das gemacht hat, weil er gar nicht gegen Agit kämpfen wollte.“

Auch Promoter Frank Warren bestätigte, dass man sich bereits auf die Konditionen verständigt hatte und der Vertrag praktisch fertig gewesen sei. Wenige Tage später habe Hysa mitgeteilt, dass er den Kampf nicht mehr wolle.

Kabayel selbst kommentierte den Rückzieher entsprechend deutlich: „Er hat so große Töne gespuckt und mich herausgefordert, den Kampf dann aber doch abgesagt.“

Ging es Hysa am Ende nur um die Börse?

Ob Hysa tatsächlich „Angst“ vor Kabayel bekommen hat, lässt sich von außen kaum beurteilen, sollte bei einem Boxer mit WM-Ambitionen aber eine eher untergeordnete Rolle spielen. Ein anderer Grund liegt allerdings viel näher: Geld.

Wenn sich beide Seiten zunächst mündlich einigen und eine Partei unmittelbar vor Vertragsabschluss plötzlich abspringt, spricht vieles dafür, dass die angebotene Börse aus Sicht des Herausforderers nicht attraktiv genug war. Bei Hysa kommt hinzu, dass er mit 42 Jahren nicht mehr viele Chancen auf einen Payday und die Refinanzierung seines aufgebauten Kampfrekords erhalten wird.

Vielleicht hatte Hysa nach seiner öffentlichen Herausforderung schlicht mit einem finanziell lukrativeren Angebot gerechnet. Eine Verdoppelung der Forderung, nachdem der Deal eigentlich bereits ausgehandelt war, ist zumindest ungewöhnlich.

Fest steht: Wer einen amtierenden Schwergewichts-Weltmeister öffentlich herausfordert, muss damit rechnen, dass aus den Worten irgendwann ein Vertrag wird. Genau an diesem Punkt ist das Duell offenbar gescheitert.

Damit muss Kabayels Team wenige Wochen vor dem Kampftermin erneut nach einem passenden Herausforderer suchen.

Diese Namen werden für Kabayel gehandelt

Zahlreiche prominente Schwergewichte sind bereits beschäftigt oder verfolgen andere Pläne. Nach Informationen der BILD werden aktuell fünf Namen diskutiert: Andrii Novytskyi, Guido Vianello, Tony Yoka, Kem Ljungquist und Peter Milas. Doch nur der erstgenannte Boxer taucht im aktuellen WBC-Ranking auf und würde für eine WM überhaupt in Frage kommen.

Sportlich dürfte Andrii Novytskyi (16-0, 12 KOs) durchaus interessant sein. Der 31-jährige Ukrainer ist noch ungeschlagen und wird im aktuellen Ranking des Weltverbandes auf Position #10 geführt. Damit hätte eine Titelverteidigung gegen ihn zumindest aus Rankingsicht eine nachvollziehbare Grundlage, wenngleich er hierzulande unbekannt ist, aber viele seiner in Deutschland lebenden Landsleute in die Arena ziehen dürfte.

Auch Guido Vianello hat sich international bereits einen Namen gemacht. Der Italiener besiegte im August 2024 Arslanbek Makhmudov, jenen Mann, dem Kabayel wenige Monate zuvor in Riad die erste Niederlage seiner Profikarriere zugefügt hatte. Der Sieg über Makhmudov ebnete dann Kabayels Weg an die Spitze der Königsdivision.

Yoka bringt den größten Namen mit

Tony Yoka

Der prominenteste Kandidat dürfte allerdings Tony Yoka sein. Der Franzose gewann 2016 bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro Gold im Superschwergewicht und wurde anschließend mit großen Erwartungen Profi. Seine Karriere verlief danach jedoch nicht geradlinig. Gerade sein Name und seine Amateurkarriere würden einem WM-Kampf in Oberhausen dennoch zusätzliche Aufmerksamkeit verschaffen.

Kem Ljungquist ist dagegen wohl eher wenigen Boxfans bekannt. Der Däne stand bereits mit Murat Gassiev im Ring und kassierte gegen den ehemaligen Cruisergewichts- und jetzt amtierenden WBA-Schwergewichts-Weltmeister seine bislang einzige Profi-Niederlage. Gassiev stoppte ihn in Runde fünf. Die letzten Kämpfe verliefen gegen ausgewählte siegreich, doch für eine echte WM qualifiziert das wohl kaum.

Peter Milas wiederum ist den Zuschauern in Oberhausen bestens bekannt. Der Kroate, der bei Fides Sports Promotion unter Vertag steht, boxte bereits auf der Undercard von Kabayels letztem Auftritt gegen Granit Shala. Obwohl Milas auf den Punktzetteln zurücklag, stoppte er Shala noch in der Schlussrunde. Milas stand zudem früher bei Alexander Petkovic unter Vertrag und absolvierte den Großteil seiner Kämpfe in Deutschland – er ist dem Markt also durchaus bekannt.

Petar Milas mit Promoter Burim Sylejmani und Trainer Ivan Duvancic / Foto: Torsten Helmke

Sein Promoter Burim Sylejmani erklärte BOXEN1 auf Nachfrage: „Wir haben sehr respektvolle Gespräche mit Queensberry und dem Team von Agit Kabayel geführt. Leider lagen unsere Vorstellungen bei der Börse zu weit auseinander. Um die WBC-Weltmeisterschaft zu boxen, ist eine große Ehre, aber auch die finanziellen Rahmenbedingungen müssen stimmen.“

Agit Kabayel braucht einen adäquaten Gegner

Für Kabayel geht es inzwischen weniger darum, einen möglichst großen Namen zu präsentieren, sondern überhaupt einen sportlich vernünftigen Gegner für den 28. November zu verpflichten. Zumal seine Titelverteidigung freiwilliger Natur ist und es keinen Pflichtherausforderer des Verbandes gibt, gegen den der Deutsche antreten muss.

Die großen Namen der Gewichtsklasse (im WBC-Ranking) sind außerdem derzeit schlicht nicht verfügbar. Moses Itauma (#5 WBC) unterlag zuletzt Filip Hrgovic im IBF-WM-Fight. Eine Vereinigung gegen Hrgovic wäre so kurzfristig nicht realisierbar. WBO-Weltmeister Daniel Dubois und Fabio Wardley treffen am 17. Oktober im Rematch aufeinander. WBA-Champ Gassiev scheint andere Pläne zu haben und soll einem Kabayel-Kampf bereits eine Absage erteilt haben. Drei mögliche Titelvereinigungen scheiden damit aus.

Anthony Joshua und Tyson Fury.

Schauen wir weiter in die aktuelle Rangliste, wird das „Dilemma“ deutlicher: Tyson Fury (#1 WBC) und Anthony Joshua (#2 WBC) sollen als nächstes gegeneinander antreten und scheiden demnach ebenso aus. Es darf durchaus erwartet werden, dass der Sieger des hoffentlich bald stattfindenden Duells zum Pflichtherausforderer von Kabayel ernannt wird und sich für den Champion dann ein äußerst lukrativer Kampf gegen eine britische „Cashcow“ ergibt. Heißt: Risiko bei der freiwilligen Titelverteidigung am 28. November sollte man dann eher nicht eingehen.

Machen wir weiter: Frank Sanchez (#3 WBC) unterlag bereits gegen Kabayel und ist Pflichtherausforderer von IBF-Champion Filip Hrgovic. Deontay Wilder (#4 WBC), der eine durchaus spannende Personalie wäre, ist für einen finalen Kampf von und gegen Oleksandr Usyk im Gespräch, bei dem es deutlich mehr zu verdienen gäbe. Auch hier ist verständlich, dass eine vergleichsweise kleine Börse für Wilder uninteressant ist.

Efe Ajagba (#6) ist derzeit noch kampflos, hatte zuletzt aber eine Verpflichtung bei Zuffa Boxing. In Deutschland ist der Nigerianer nahezu unbekannt und damit für einen WM-Kampf auch eher uninteressant. Joseph Parker (#7) unterlag zuletzt Fabio Wardley und scheidet ebenfalls aus. Rico Verhoeven (#8), der Usyk am Rande einer Niederlage hatte, wird ebenfalls im WBC-Ranking geführt, dürfte aber auch unbezahlbar sein. Für den Usbeken Bakhodir Jalolov (#11) ist ebenfalls bereits ein Kampf angesetzt, Justis Huni (#12) hatte zuletzt einen Sieg über Frazer Clarke errungen, fordert womöglich aber auch zu viel Börse.

Labinot Xhoxhaj

Ringside Zone-Neuverpflichtung Labinot Xhoxhaj (#13 WBC) ist eigentlich bereits in Kampf-Planung für die Verteidigung seines EBU-EM-Titels. Der Albaner wäre hierzulande durchaus ein bekannterer Name und interessanter Gegner, hatte aber eigentlich bereits andere Pläne. Sein neuer Promoter Florian Winter richtete sich auf Instagram jedoch nun an das Kabayel-Lager und bot Verhandlungen an.

 

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Bleiben noch Richard Riakporhe (#9 WBC), Kingsley Ibeh (#14 WBC) und Richard Torrez Jr (#15 WBC). Letzterer ging Ende Mai gegen Frank Sanchez krachend KO und kommt für eine WM daher nicht in Frage. Der US-Amerikaner Ibeh und auch der aus dem Cruisergewicht aufgestiegene Riakporhe wären demnach theoretisch im Rennen.

Die wohl realistischste Chance auf den WM-Shot wird dennoch Andrii Novytskyi haben. Er ist bereits im Gespräch, in den Top-15 platziert und wird vermutlich auch kleineren Börsen zustimmen, um die große Möglichkeit zu nutzen, Weltmeister zu werden.

Der Termin steht, die Arena steht und das Interesse dürfte gewaltig sein. Jetzt fehlt nur noch der Mann in der gegenüberliegenden Ecke. Nach dem überraschenden Rückzieher von Nelson Hysa sollte diese Entscheidung möglichst schnell fallen.

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