Nach 74 Jahren: Boxsport kehrt an Wiener Kultstätte zurück

Mansur Elsaev und Mobin Kahraze

Queen Elisabeth II besteigt den Thron, der Airbag wird erfunden oder die bis dato letzte Boxveranstaltung am Wiener Heumarkt findet statt – das alles geschah 1952. 74 Jahre später feiert der Boxsport auf ebenjener Stelle sein Comeback. Möglich macht’s der ehemalige IBF-Champion Marcos Nader mit der 18. Ausgabe der Bounce Fight Night.

„Ich laufe dem Veranstalter HSG Events seit 3×3 Basketball das erste Mal in Wien war nach, damit die Veranstaltung eine Woche früher ist, ich mich hier einmieten und die Infrastruktur nutzen kann“, freut sich Organisator Marcos Nader im Gespräch mit Boxen1. Zurecht. Das jahrelange Nachhaken wurde im Februar belohnt, die größte Bounce Fight Night der Geschichte mit 2600 Boxbegeisterten binnen vier Monaten umgesetzt. „Schade, dass ich hier nicht boxen kann. Am liebsten würde ich aufgerufen werden, in den Ring steigen, nur um auf der anderen Seite wieder rauszugehen. Meine Zeit ist vorbei.“

Im Hauptkampf stehen sich die beiden Österreicher Mobin Kahraze und Mansur Elsaev um die WBF-Weltmeisterschaft im Halbschwergewicht gegenüber. „Der beste Kampf seit Nader gegen Knezevic“, verspricht der 36-Jährige, „weil der sportlich gesehen noch einmal viel, viel mehr Qualität hat. Kahraze ist jung, spritzig und ein filigraner Techniker. Mansur ist zwar älter, dafür aber eine Kampfmaschine, kann mit einem Windstoß seinen Gegner umhauen, bleibt zwölf Runden lang brandgefährlich.“ Prognose traut Nader sich daher keine abzugeben.

Durch den Kampf erhofft er sich zumindest im deutschsprachigen Raum eine größere Wahrnehmung. Und weitere Kämpfe der beiden im Ausland: „Interessant wäre natürlich England und Amerika.“

Eine, die den Sprung nach England schon gemeistert hat, ist Michaela Kotaskova. Nach ihrer (klaren) Punkt-Niederlage gegen Chantelle Cameroon vor rund zwei Monaten in der Olympiahalle von London feiert sie am Freitag ihr „Homecoming“, kämpft das erste Mal seit März 2025 in Österreich. „Ich habe alles gegeben, sie war einfach besser, der Kampf war für mich leider nicht zu gewinnen. Trotzdem war es eine unvergessliche Erfahrung. Aber jetzt freue ich mich darauf, richtig angefeuert zu werden und auf die Interaktion mit den Fans. Für gute Angebote ist ein Sieg im letzten Kampf ein Muss. Auch das war einer der Gründe, weshalb ich zeitnah nach London wieder boxen wollte,“ so die WBF-Weltmeisterin.

Gegnerin ist die Tschechin Ester Konecna, Nummer 15 der Weltrangliste. Konkretes Ziel – abgesehen vom Sieg – gibt es keines: „Ich will schönes Boxen zeigen, den Kampf geniessen und anschließend mit meinen Leuten einen super Abend haben.“ Dass die 34-Jährige diesmal nicht die „Hauptattraktion“ ist, stört sie nicht. Im Gegenteil: „Das nimmt mir den Leistungsdruck.“

Eine Umstellung wird die Rundenzeit. Drei Minuten ging die Runde in London, am Heumarkt wird zu den obligaten zwei zurückgekehrt: „Ich wollte das Drei-Minuten-Format unbedingt, weil ich mittlerweile sehr gut darin bin und auch einen großen Vorteil darin sehe, aber leider hat dafür keine Gegnerin zugesagt.“ Danach steigt die 34-Jährige auf die Bremse, muss gesundheitlich etwas abklären.

Einen Wermutstropfen hat das Mega-Event allerdings: Stefan Nikolic (boxte im November 2024 gegen Roman Fress um den WBC-Internationaltitel, Anm.) musste aufgrund von Vorhofflimmern seinen Kampf um die österreichische Meisterschaft gegen Timy Shala (boxt gegen Tomas Adamek, Anm.) kurzfristig absagen. Der einstige WBF-Intercontinental-Champion wurde am Dienstag operiert, ist daher ans Bett „gefesselt“, hat absolutes Sportverbot und wird die Fight Night nur im TV verfolgen. „Wir können froh sein, dass im Training nichts passiert ist oder gar vor Ort etwas passiert wäre. Die entstandenen Mehrkosten stören mich überhaupt nicht, weil Gesundheit immer vorgeht. Mir tut es für ihn als Menschen leid“, fühlt sein Förderer Nader mit.

4.5/5 - (22 votes)

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein