Murat Gassiev hegt Schwergewichtsambitionen

Foto: Victor Sokolov
Foto: Victor Sokolov

Schon alsbald nach dem Finale der World Boxing Super Series, könnten sich neue Dimensionen in der Karriere von Murat Gassiev auftun.

Der Traum vom Schwergewicht

Noch sind es fast auf den Tag genau drei Monate, bis der junge Russe im größten Kampf seiner noch jung erscheinenden, aber eigentlich schon knapp sechseinhalb Jahre andauernden Karriere in Saudi-Arabien auf Olympiasieger Oleksandr Usyk trifft. Ein Duell, welches ohne Zweifel bestimmt, wer die ultimative Nr.1 im Cruisergewicht ist. Und so faszinierend dieses Aufeinandertreffen für die Boxwelt auch sein mag, es lässt einen das Gefühl nicht los, dass dies nicht nur das Finale um die Muhammad Ali Trophy ist, sondern auch einen finalen Punkt innerhalb der Karriere dieser beiden Boxer darstellt. Bei beiden wird schon seit einiger Zeit ein baldiger Aufstieg vom Cruiser- ins Schwergewicht vermutet.

Und so äußerte mit Gassiev schon mal einer der beiden seine Gedanken zu dem Thema: „Ich würde gerne die Gewichtsklasse wechseln, hochgehen ins Schwergewicht, weil dies die prestigeträchtigste Klasse ist. Ich würde mich dort gerne versuchen. Im Moment bin ich noch im Cruisergewicht und muss meinen nächsten Kampf gewinnen, um Weltmeister aller Verbände zu werden. Danach werden wir weitersehen“, so die Aussagen von Gassiev gegenüber Boxingscene.com.

Damit wäre natürlich nicht ausgeschlossen, dass Gassiev im Falle eines Sieges am 11. Mai nochmal seine Titel vereidigt, der Gewinner der WBSS wird ohnehin auf Denis Lebedev treffen müssen, da dieser von der WBA weiterhin als sozusagen „inaktiver Weltmeister“ geführt wird und damit ein Recht auf einen Kampf gegen den vollwertigen „Super-Champion“ (aktuell Murat Gassiev) besitzt.

Ist Gassiev „schwer genug“?

Bei all den Vermutungen, die die Zukunft betreffen, stellt sich natürlich die Frage, ob dieses Vorhaben Gassievs eine kluge Idee ist. Ohne Zweifel konnte der mit Spitznamen „Iron“ auftretende  Russe aus dem Kaukasus bei seinem fulminanten KO-Erfolg über Yunier Dorticos am letzten Wochenende vollends überzeugen und neben seinen messerscharfen Attacken auch eine enorme taktische Reife erahnen lassen.

Natürlich war auch die Deckungsarbeit stabil und die Beinarbeit clever, aber man sollte auch nicht verkennen, dass bei Gassiev zudem die physische Komponente, der konstante Druck und das „Niedermarschieren“ des Gegners eine gewichtige Rolle spielt, die gegen körperliche Urgewalten wie Anthony Joshua, Deontay Wilder oder dem vermutlich bald zurückkehrenden Tyson Fury in der Form nicht durchsetzbar wäre.

Bisher bestritt Murat Gassiev lediglich einen einzigen Kampf oberhalb des Cruisergewichts, als er 2015 den Journeyman Rodney Moore in zwei Runden stoppte. Dabei brachte er es auf gerade einmal knapp 94 Kilo. Völlig ungewiss ist, wie hoch Gassiev aktuell mit dem Gewicht gehen könnte. Da er allerdings erst 24 Jahre alt ist, wird die körperliche Entwicklung noch nicht abgeschlossen sein.

Für den Weltmeister im Cruisergewicht könnte jedoch sprechen, dass er bereits mit diversen Schwergewichtlern, u.a. WBC-Champion Deontay Wilder, im Sparring zu tun hatte und sich dort nach übereinstimmenden Berichten mehr als gut verkauft hat. Chris Arreola überraschte vor einiger Zeit dabei mit Aussagen über Gassievs Schlagkraft. So sei dieser mit Abstand der härteste Puncher, mit dem er je (zum Sparring) im Ring stand.

Klar ist auf jeden Fall, dass sowohl Murat Gassiev als auch Oleksandr Usyk mit ihren beeindruckenden Fähigkeiten dem Schwergewicht, wo weiterhin eine Menge Mittelmaß ihr Unwesen treibt, eine gute Portion Leben einhauchen würden.