Mikaela Lauren und Denis Krieger sichern sich den WBF-Titel in Hamburg

WBF-Weltmeisterschaft: Mikaela Lauren (SWE) – Lena Venjacob (GER)
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Bei der Kult-Veranstaltung „Boxen im Norden“ in der Großen Freiheit 36 fanden gleich vier WBF-Titelkämpfe statt. Dennoch gab es Luft nach oben.

Seit Jahren ist „Boxen im Norden“ aus Hamburg nicht wegzudenken. Die Kultveranstaltung in der Großen Freiheit 36 direkt auf der Reeperbahn in Hamburg wird exakt zweimal im Jahr ausgetragen: zum einen am 1. Mai, zum anderen am Tag der Deutschen Einheit, dem 3. Oktober. Auch in diesem Jahr war es so, und die Boxsportfreunde durften sich auf elf Kämpfe freuen, die Promoter Thomas Nissen präsentierte.

Im Hauptkampf folgte ein WBF-Titelkampf im Weltergewicht der Frauen zwischen Mikaela Lauren (34-9-1) und Lena Venjacob (8-4). Lauren blickt auf eine große Karriere zurück. Die Schwedin war WBC-Weltmeisterin und boxte bereits in einem Undisputed-Kampf in Oslo um sämtliche renommierten Gürtel. Mit 50 Jahren befindet sie sich in den finalen Zügen einer großen Karriere und wollte in Hamburg noch einmal einen Titel ihrer Sammlung hinzufügen.

Als Gegnerin war ursprünglich eine starke Mexikanerin vorgesehen, die in den Top 10 bei BoxRec gerankt ist, doch diese konnte letztlich nicht anreisen. Stattdessen wurde mit Venjacob kurzfristig Ersatz gefunden, der leider keineswegs adäquat erschien und an der Elbe untergehen sollte. Schon in der ersten Runde musste der Ringrichter das schlimme Mismatch unterbrechen, nachdem Venjacob ängstlich in die Ecke gedrängt und bearbeitet wurde und sich nicht zu wehren wusste. Für Lauren war es der 34. Sieg, wobei es einer der leichtesten in ihrer Laufbahn gewesen sein mag.

Bedeutend besser als für Venjacob lief es für ihren Lebensgefährten David Kerkmann (34-5). Kerkmann sicherte sich den WBF-Titel im Halbschwergewicht mit einem K.-o.-Erfolg in Runde drei über den zuvor ungeschlagenen Taylor Friedrich (9-1) nach einem Körpertreffer.

Krieger gewinnt einen atmosphärisch starken WBF-Titelkampf im Superweltergewicht

Boxen: Boxen im Norden, Hamburg,
WBF-Weltmeisterschaft: Dennis Krieger (GER) – Dorde Krsmanovic (BIH)
© Torsten Helmke

Das Co-Main-Event war sportlich einer der interessantesten Kämpfe des Abends. Dort duellierten sich Denis Krieger (19-13-2) und Dorde Krsmanovic (9-3-1) um den WBF-Titel im Superweltergewicht. Krieger, der einst Deutscher Meister (BDB) gewesen war, musste nach einer Niederlagenserie harte sportliche Zeiten durchstehen. Zuletzt fand er jedoch einen zweiten Frühling und blickte auf eine Siegesserie von vier Kämpfen in Folge. Nun wollte er sich beim fünften Anlauf den WBF-Titel sichern.

Zusätzliche Motivation fand Krieger vor dem Kampf auch beim eigenen Sprössling. Die Tochter motivierte ihn entschieden vor dem Titelduell und forderte Folgendes ein: „Papa, hol dir heute den WBF-Weltmeistergürtel!“

Doch so einfach sollte es für Krieger an dem Abend nicht werden, denn Krsmanovic hatte sich einiges vorgenommen. Er versuchte zunächst, seine Reichweitenvorteile über den Jab im Rückwärtsgang auszuspielen, was eine smarte Taktik darstellte. Krieger versuchte, den Druck zu erhöhen, und fand in der zweiten Runde immer wieder seine gefährliche rechte Overhand ins Ziel, die sein bester Schlag darstellte. Zum Ende der vierten Runde musste Krsmanovic einen Körpertreffer wegstecken und war sichtlich angeschlagen, biss aber auf die Zähne und lieferte plötzlich selbst gute Konter in der fünften Runde, die Krieger durchrüttelten.

In der sechsten Runde sollte der Kampf dann sein Ende finden. Krieger stellte Krsmanovic an den Ringseilen und schlug ihn aus den Seilen heraus. Dieser stand noch einmal auf. Es waren nur noch wenige Sekunden zu gehen, und Krieger suchte das Finish. Er landete harte Körpertreffer, woraufhin sich Krsmanovic fünf Sekunden vor Schluss auszählen lassen musste.

Für Krieger war es ein emotionaler Titelgewinn, weil er auch die Vorgabe seiner Tochter erfüllen konnte.

Steve Robinson mit einem ernüchternden Erstrunden-Erfolg

WBF-Weltmeisterschaft: Steven Robinson (ENG) – Franciso Cordero (COL)
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Urkomisch sah die Ansetzung schon beim Wiegen am Freitag im Kultkeller „Zur Ritze“ zwischen Robinson Robinson (9-3) und Francisco Cordero (48-26) aus. Erschien Robinson mit seinen zwei Metern maximal austrainiert, war Cordero ein kleiner, untersetzter Boxer aus Kolumbien , der gefühlt zwei Köpfe kleiner erschien. Absurd, dass beide Boxer tatsächlich in derselben Gewichtsklasse kämpfen sollten – und dann auch noch um einen Titelkampf, denn es stand der altehrwürdige WBF-Bridgerweight-Titel auf dem Spiel. Eine neue Gewichtsklasse, die die WBC vor einigen Jahren mit einem Gewichtslimit von bis zu 101,6 kg eingeführt hat.

Beide Männer standen im Ring, und es machten sich bereits Gelächter in der Halle breit, das sich mit ungläubigem Staunen vermischte. Robinson war bedeutend größer, und es war nur schwer vorstellbar, dass Cordero hier im Ring würde dagegenhalten können. Dieser Eindruck bestätigte sich dann auch zügig, denn Cordero ließ sich prompt in der ersten Runde nach einem Körpertreffer auszählen. Robinson und seine Ecke forderten Cordero energisch auf, es noch einmal zu versuchen, doch nichts half. Der Titelkampf war bereits in der ersten Runde vorbei.

Freude kam bei Robinson daraufhin nicht auf. Er habe sich monatelang vorbereitet und viele Kilos machen müssen, nur damit der Kampf umgehend beendet war. Und ja, für diesen Gegner hätte er vermutlich auch unvorbereitet den Ring betreten – und sich somit viel Zeit ersparen können.

Alexander Pavlov siegt einstimmig nach Punkten

Alex Pavlov (GER) – Nestor Gonzalez (VEN)
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Mit Alexander Pavlov (25-6) stand noch ein echtes Eigengewächs von „Boxen im Norden“ im Ring. Pavlov gewann schon zahlreiche Titel in seiner längeren Laufbahn und sammelte in Hamburg in einem Sechs-Runden-Kampf noch einmal zusätzliche Erfahrung, ehe es womöglich mit einem größeren Kampf im neuen Jahr weitergeht. Hierbei musste er sich gegen Nestor Gonzalez (31-11) durchsetzen, der aus Venezuela anreiste.

Pavlov versuchte von Beginn an, bestimmend zu erscheinen, und nahm die Ringmitte ein. Gonzalez bewegte sich viel und brachte manchmal den Jab, doch Pavlov konnte immer wieder zum Körper punkten. Trotz der Körpertreffer blieb Gonzalez gut im Kampf und brachte regelmäßig Konter ins Ziel, die auch wirklich saßen. Dennoch musste man Pavlov mehrheitlich in den Runden vorne sehen, da sein Schlagvolumen schlichtweg höher erschien als das von Gonzalez.

Die fünfte Runde war noch eine der besten von Gonzalez, wenngleich seine Treffer bei Pavlov nur wenig Wirkung zeigten, der weiterhin stoisch den Offensivgang suchte. In der finalen sechsten Runde bot Pavlov noch einmal dem eigenen Anhang vor Ort einiges und drückte Gonzalez in die Ringseile, wo sich ein knackiger Schlagabtausch abspielte. Insgesamt war der Kampf einer der sportlichen Höhepunkte der Veranstaltung, den Pavlov schließlich einstimmig nach Punkten gewann (58-56, 59-55, 60-54).

Kevin Boakye sichert sich den nächsten K.-o.-Sieg und möchte nun bei Zuffa Boxing durchstarten

Kevin Boakye siegt erneut und träumt von großen Kämpfen.
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Eine der spannendsten Personalien Deutschlands ist zweifellos Kevin Boakye (6-0). Der renommierte Nationalmannschaftsboxer gab 2024 sein Profidebüt und konnte bislang jeden Kampf zügig vorzeitig gewinnen. Das schindete auch international Eindruck, und es folgte ein internationales Signing bei Dana Whites Zuffa Boxing in den Staaten. Doch sein erster Auftritt ließ noch auf sich warten, und Boakye sollte ein letztes Mal Erfahrung im Ring sammeln, ehe die großen internationalen Kämpfe folgen mögen.

In Hamburg traf er auf den Briten Graham Tirrell (10-3), der ursprünglich nicht als Gegner vorgesehen war und kurzfristig einsprang. Im Ring konnte er der hanseatischen Übermacht dann nur wenig entgegensetzen. Ein Jab führte schon früh zum ersten Niederschlag. Es folgte noch einer, ehe Boakye mit einer ansatzlosen, harten Rechten den Kampf mit einem resultierenden K.-o. in der ersten Runde auch beendete. Nach diesem Bilanzsieg soll nun auch endlich das langersehnte Zuffa-Boxing-Debüt folgen.

Kasachisches Top-Prospect Viktor Temirov siegt

Boxen im Norden: Sieg für Viktor Temirov gegen Jonny Sanchez.
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Im Mittelgewicht gilt der Kasache Viktor Temirov (12-0) als großes Prospect. Der in Hannover trainierende Temirov stellte sich in Hamburg dem ehemaligen venezolanischen Olympiateilnehmer Jonny Sanchez (20-15), der an den Olympischen Spielen 2008 in Peking teilnahm. Für Sanchez, der auf die 40 zugeht, verlief der Profibereich bedeutend unerfolgreicher, und somit galt er gegen den jungen, hungrigen Temirov als klarer Underdog.

Jenes Bild zeigte sich auch im Ring. Temirov übernahm von Beginn an die Ringmitte und konnte insbesondere mit der harten Rechten immer wieder gefährliche Aktionen landen. Nach einem schönen Cross musste Sanchez zum Ende der ersten Runde erstmals zu Boden. In der zweiten Runde folgten dann noch zwei weitere Niederschläge, und der Ringrichter beendete den ungleichen Kampf durch TKO.

Ammar Riad Abduljabbar meldet sich erfolgreich zurück

Ammar Riad (GER) – Andreas Komjathi (HUN)
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Eine der Storys des Abends war das Comeback von Ammar Riad Abduljabbar (3-1). Riad war ein äußerst erfolgreicher Amateurboxer und repräsentierte Deutschland bei den Olympischen Spielen von Tokio, wo er im Viertelfinale ausschied. Danach wollte er seine Profilaufbahn forcieren, musste jedoch im zweiten Profikampf eine unerwartete Niederlage hinnehmen und blieb zuletzt 2,5 Jahre ohne Einsatz im Ring.

Nun kehrte er im Cruisergewicht zurück und stellte sich dem Ungarn Andras Komjathi (6-5). Ein Comeback-Kampf, der zwingend nicht verloren gehen durfte, da sonst die Profikarriere vollständig zum Erliegen käme. Dies wusste auch Riad, der von Beginn an fokussiert erschien und einen wild stürmischen Komjathi vorfand.

Es war ein chaotischer Beginn, der die Zuschauer in den Bann zog, weil man spürte, dass jederzeit alles geschehen könnte. Komjathi schlug harte Haken, die jedoch auf die Deckung von Riad trafen. Stattdessen revanchierte dieser sich mit einem gezielten, harten Leberhaken. Komjathi ging nach weniger als einer Minute zu Boden und stand auch bei zehn nicht mehr auf. Es war ein abruptes Ende eines wilden Kampfes und ein gelungenes Comeback von Riad, der weiterhin aktiv bleiben möchte.

Helmut Ofori stoppt Roberto Arriaza vorzeitig

Helmut Ofori (GER) – Roberto Arriaza (NIC)
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Ein stimmungstechnisches Highlight war der Auftritt von Hamburgs Publikumsliebling Helmut Ofori (4-0). Der Supermittelgewichtler schmeichelte sich schon vor dem Gong beim Publikum ein und verteilte mit seinen tatkräftigen Helfern 250 Franzbrötchen an die Boxsportfreunde.

Im Ring traf er nun auf den renommierten Roberto Arriaza (21-20), der schon vor einigen Jahren in Hamburg um den IBO-Titel gegen Sebastian Formella boxte. Seitdem ging seine Formkurve jedoch nach unten, und er sammelte zahlreiche Niederlagen. Einen Trend, den er auch in Hamburg nicht durchbrechen sollte.

Der Kampf begann, und Arriaza zeigte ein bis zwei gute Cross, die nicht ungefährlich kamen. Ofori nahm jedoch von Beginn an die Ringmitte ein und trieb Arriaza durch den Ring. In der Ecke forderte Coach Artem Harutyunyan energisch Finten von Ofori, der sie auch zügig anwendete. Zum Ende der zweiten Runde konnte Ofori seinen Kontrahenten in der Ringecke stellen und bearbeiten. Dabei erfolgte ein vermeintlicher Kopfstoß, den Arriaza monierte. Im Nachgang gab er daraufhin in der Pause zur dritten Runde auf, wobei er scheinbar auch keinen Willen mehr besaß, groß weiterkämpfen zu wollen – Kopfstoß hin oder her.

Vom zügigen Kampfabbruch zeigte sich Ofori nicht groß enttäuscht, wobei er schon gerne deutlich länger im Ring verblieben wäre:

„Natürlich hätte ich gerne mehr Runden geboxt und mehr von meinem Können gezeigt. Ich habe mich auf acht Runden vorbereitet und war bereit, über die volle Distanz zu gehen. Aber im Boxen kommt es manchmal anders als geplant. Auch wenn der Kampf bereits nach zwei Runden vorbei war, konnte ich einiges daraus mitnehmen und habe wieder neue Erfahrungen gesammelt“, so Ofori nach dem Kampf gegenüber Boxen1.

Er möchte weiterhin aktiv bleiben und auch das Franzbrötchen bundesweit auf die Landkarte setzen, so Ofori mit einem Augenzwinkern:

„Ich hoffe, dass ich 2027 den nächsten Schritt machen und mich auf noch größeren Bühnen zeigen kann. Mein Ziel ist es, mich weiterzuentwickeln, größere Kämpfe zu bekommen und irgendwann auch international auf mich aufmerksam zu machen. Und natürlich möchte ich dabei auch das Franzbrötchen ein bisschen über die Grenzen Hamburgs hinaus bekannt machen.“

Boxender Zahnarzt Abraham Daniel mit einem Punktsieg

Punktsieg für Abraham Daniel bei Boxen im Norden gegen Yeison Juarez.
© Torsten Helmke

Im Opener des langen Boxabends in Hamburg gab es noch eine nennenswerte Geschichte zu erzählen. Mit Abraham Daniel (24-3-1) stand ein britischer Zahnarzt im Superweltergewicht im Ring, der schon in zahlreichen Ländern der Welt kämpfte und das Boxen als echte Leidenschaft versteht. Er traf nun auf den Venezolaner Yeison Juarez (22-14-1).

Der Kampf begann recht gemächlich, und insbesondere von Juarez kam anfänglich nur wenig. Daniel versuchte zwar etwas, doch seine Schläge kamen zumeist zu kurz. In der dritten Runde wurde der Brite jedoch präziser und rüttelte Juarez mehrfach durch. Das Duell fand in Runde vier sein Ende, wo Daniel abschließend noch einen Niederschlag erzielte, wobei Juarez jedoch umgehend wieder aufstand.

Am Ende folgte der ungefährdete einstimmige Punktsieg des Gastboxers von der Insel.

Ein Resümee zur Veranstaltung

Insgesamt war es ein launiger Abend, der über fünf Stunden viele Zuschauer vor Ort unterhalten hat, inklusive zahlreicher Musikdarbietungen. Zur Wahrheit gehört jedoch auch, dass der sportliche Teil der Veranstaltung überwiegend ausbaufähig, wenn nicht gar enttäuschend erschien. Hierbei gilt es zu hoffen, dass man sich im neuen Jahr wieder mit ausgeglichenen Match-ups steigern kann, denn Hamburg braucht gutes Profiboxen!

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